Mama ist krank – und nun?

Lest Euch mal die Anleitung zu Eurer Geschirrspülmaschine durch – da steht wahrscheinlich, dass man wirklich aufpassen soll, sich nicht an der geöffneten Türe des Geschirrspülers zu verletzen. Und obwohl ich zum Typus der Bedienungsanleitungen-Leser gehöre (noch eine Meise ;)), hat mich das nicht davor bewahrt, mir eine dieser berühmten Verletzungen im Haushalt zuzuziehen, im Dezember 2010.

Mama war schwungvoll und mit den Gedanken schon bei der nächsten Aufgabe von der Spüle zu den Kindern auf dem Sofa geeilt – und erschreckte selbige durch einen Schrei, der ihnen durch Mark und Bein ging. Das Gezanke, das der Anlass für den Schwung gewesen war, verstummte, und 4 erschrockene Kinderaugen starrten mich an. Ich war mit dem Spann des linken Fußes mit voller Wucht mit der Ecke der geöffneten Geschirrspülertüre kollidiert. Das tat ungefähr so weh, als hätte man mir ein Messer in den Fuß gerammt.

Nach 10 Minuten heftigen Fluchens, Eisdrauflegens, und ein paar Tränen, die der Schmerz automatisch freisetzte, setzte vorläufige Besserung ein. Unerfahren im Umgang mit solcherlei Verletzungen dachte ich, das sei’s nun gewesen, und vergaß den Vorfall.
Heute, 18 Monate später, habe ich wegen 2 Sekunden Unachtsamkeit bereits die zweite geplante Operation hinter mir. Auf meinem linken Fuß prangt seit Februar 2011 eine tolle Piratennarbe, die seit ein paar Tagen nicht mehr alleine ist. Die Kinder betrachten das mit leicht gruselndem Stolz, ich trag’s mit Fassung, wünsche aber inständig, dass es sich damit nun hat.

Nach drei Geburten, von denen eine ein Notkaiserschnitt und eine eingeleitet war (also besonders schmerzhaft), darf ich mit Fug und Recht sagen, Schmerz einschätzen zu können, und auf der offiziellen Skala von 1-10 war die erste Geburt eine 11, die zweite eine 9, und die dritte Geburt eine 7. Mein Fuß am Donnerstag, als die Wirkung des Lokalanästhetikums nachließ, ist mit einer 8 sicher nicht überbewertet.

Leider hatte der Arzt mir vorher nicht sagen können, wie schlimm es werden würde, weil er selbst davon überrascht war, dass ich ein Problem am Muskel hatte (zum Glück musste ich nicht zugucken, ich hatte einen Sichtschutz ausgehandelt), und er sprach frohgemut nach 20 Minuten des Gemetzels „Ach, ich versuche mal, da was zu basteln“.  Und dann erläuterte er: „Kennen Sie diese Silberhäute am Schweinefilet? Wenn das am Muskel verletzt ist, kann das die Beschwerden verursachen, die Sie haben“. Schweinefilet werde ich wohl vorerst nicht mehr zubereiten.

Nach der OP nahm ich ein Taxi heim und wurde kalt erwischt von der Vehemenz des Schmerzes, der pochte, brannte, stach und sich ausbreitete. Es war wie der Ursprungsschmerz direkt nach der Verletzung, nur lang anhaltender und rhythmischer. Eine Nacht verbrachte ich fast ohne Schlaf, dann kümmerte ich mich um stärkere Medizin (Anruf in der Praxis), denn das Paracetamol tat rein gar nix.

Mit dem Opioid, das mir die Tochter dann mittels Rezept aus der Apotheke holte, wurde das besser – aber wenn ich meine Große nicht gehabt hätte, ich hätte wohl einen Krankenwagen rufen müssen, um in die Praxis zu kommen, denn ich konnte 4 geschlagene Tage nicht laufen, kein bisschen. Speziell meine jüngste Tochter, die erst 3 Jahre alt ist, hatte dafür naturgemäß wenig Verständnis. Im Gegenteil, ihr tat nun auch der Fuß ganz fürchterlich weh, aus reiner Sympathie, und sie wollte bedauert werden. Das ist wenig hilfreich.

Ich überlegte, ob ich nun noch eine Haushaltshilfe über die Krankenkasse organieren kann, und hatte dann aber Freitag nachmittags voller Schmerzen nicht die Nerven dazu, mich durchzutelefonieren. Was, zum Teufel, ist in so einem Fall vorgesehen? Simple Dinge wie kurz aufs Klo gehen brachten meinen Kreislauf an die Grenze, und ich hatte ein paar Mal Angst, einfach umzufalllen. Also sagte ich der Großen, dass wenn das passiere, sie die unter Arztnotruf gespeicherte Nummer des Rettungswagens wählen solle. Die guckte beunruhigt, war aber auch froh über eine Anweisung für den Fall der Fälle.

Und dann wurde ich ungefragt aus dieser heiklen Situation erlöst, als während ich im Dämmerschlaf auf dem Sofa lag, die Türklingel ging und ich die Stimmen meiner Eltern hörte. Sie hatten sich Sorgen gemacht und deswegen den für über 70-Jährige weiten Weg von Freiburg über den Schwarzwald auf sich genommen, um nach dem Rechten zu sehen. Meine Mutter reiste mit ihrer Bettwäsche an und bot an zu bleiben, was ich sehr dankbar annahm. Ich weiß wirklich nicht, was ich ohne sie getan hätte, ich wäre mit den Kindern in meinem Zustand nicht klargekommen.

Und besser planen hätte ich das auch nicht können, denn der Arzt hatte bis vor der OP gedacht, es sei eine kleinere Sache anstattt einer Operation am offenen Muskel. Ich hoffe, das kommt nicht wieder vor. Denn meine Eltern werden das nicht ewig machen können, und einen Ritter auf einem weißen Pferd erwarte ich vorerst nicht. Diesmal ist es nochmal gutgegangen. Und seit gestern kann ich wieder humpeln. Die Oma reist also heute ab. Danke, Oma Sigi!

P.S: Normalerweise sehen meine Beine nicht aus wie Omas Klumpfuß. Sondern so:

Nachtrag vom 11.06.2012:

Beim Fädenziehen heute verlas der Chirurg das Ergebnis der Biopsie: Es war ein durch die Verletzung traumatisierter Nerv, ein sogenanntes „Narbenneurom“. „Das“, so meinte der Arzt trocken, „kann schon mal etwas mehr wehtun.“ Kann ich bestätigen, ja. Aber nun isses wieder halbwegs gut. Und möge so bleiben, bitte, ja?

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Maike
Gast
Maike

Hallo Christine, nachdem ich in den letzten Tagen deine Twitter-Meldungen gelesen hatte, bin ich echt ins Grübeln gekommen, was eine kleine OP am Fuss bedeuten könnte, die dann aber scheinbar doch komplexer gewesen ist. Daher vielen Dank für die Aufklärung :-)! Angesichts des geschwollenen Fusses wünsche ich dir auf jeden Fall weiterhin gute Besserung und nicht zu viel Stress mit den Kids!

Ein lieber Gruss aus dem Norden [Braunschweig ;-)], Maike

Susi
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Susi

Uah, Grusel, Du Arme, das hört sich sehr, sehr schmerzhaft an und ich weiss aus eigener Erfahrung, wie blöd das ist, wenn Angehörige nicht mal eben rüberkommen und die Kinder abnehmen können … Mein tiefstes Nachmitleid und Mitleiden und die vehementesten Genesungswünsche, die Du Dir vorstellen kannst …

desperateworkingmum
Gast
desperateworkingmum

Liebe Christine,
die besten Genesungswünsche auch von mir! Welch ungerechte Welt – ich habe drei Tage kinderlosen Urlaub vertrödelt und du hättest dringend Unterstützung gebraucht :-)

Nadja
Gast
Nadja

Liebe Christine,

was einem so alles passieren kann :o Ich bin ziemlich erstaunt, dass eine olle Spülmaschine solche Verletzungen hervorrufen kann…
Ich wünsche Dir auf jeden Fall gute Besserung und einen schnell wieder abschwellenden Fuß.

Liebe Grüße,
Nadja

Hannah
Gast
Hannah

Puh, da gruselt es mir, wenn ich das lese! Ich hoffe, dass so etwas nicht mehr so oft vorkommt – und gut, dass deine Größte schon so langsam ein kleines bisschen mithelfen kann! LG, Hannah