Morgendrama: Geschrei und Geklammere beim Abschied in der Kita

Ich könnte heulen, jeden Morgen, wenn das passiert. Die Jüngste (4) hat den Kindergarten betreten, ihre Hausschuhe angezogen, und geht in den Spielraum, in dem sich Erzieher und ihre Freunde befinden. Dann ist es auf einmal, als würde ein Schalter umgelegt, und aus dem fröhlichen Kind, das frohgemut das Haus verließ, sich mit mir im Auto auf den Weg in den Kindergarten machte, und aus dem Auto stieg, wird ein kleiner Klammeraffe.

Seit 3 Jahren schon geht meine Jüngste in exakt dieses Haus, anfangs in die Krippe, und seit einem Jahr und 3 Monaten in den Kindergarten. Und auch in der Krippe zeigte sie Klammerverhalten – normal, dachte ich, denn ich befand mich in der schwierigen Trennungphase, der Vater der Kinder war gerade ausgezogen, und ich hatte Au-Pairs als Kinderbetreuung, um das Haus für 12-Stunden-Arbeitstage in der Schweiz zu verlassen.

© VRD - Fotolia.com
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Aber dass diese Klammerei sich so zieht, und nahezu mein täglich Brot geworden ist, versaut mir wochentags den Start in den Tag. Meinem Kind, das weiß ich, geht es gut in dieser Kita. Sie hat viele Freunde, die uns auch zuhause besuchen, und wenn ich sie nachmittags abhole, treffe ich ein glückliches, ins Spiel vertieftes Kind an. Das Geheule beim Abschied morgens hört sofort auf, wenn ich mit dem Auto außer Sichtweite bin (die Kinder stehen am Fenster und winken), sagen mir die Erzieher, und ich glaube das.

Nur frage ich mich mittlerweile, ob es noch normal ist, dass mein Kind das Klammern nahezu zelebriert. Ich mache mir so meine Gedanken über erlerntes Verhalten, und schlechte Muster – dieses morgendliche Geheule scheint sich eher zu festigen als zu bessern. Meine Tochter will mich wortwörtlich nicht loslassen, ich muss mich irgendwann freimachen, und wenn ich den Raum verlasse, sind die Erzieher gezwungen, das Kind festzuhalten, damit es mir nicht hinterherläuft. Keine schöne Szene.

Es war schonmal besser – Bringen ohne Theater

Einen einzigen Monat lang, es war kürzlich erst im Januar, durfte ich ein lächelndes, winkendes Kind im Kindergarten hinterlassen. Ich hatte nichts spezielles getan, um diese wundersame Verhaltensänderung herbeizuführen, es waren einzig Weihnachtsferien gewesen, und wir hatten sehr viel Zeit zuhause verbracht. Dann kam ein Rückschlag, ausgelöst durch einen dummen Zufall: Wir mussten Brot fürs gemeinsame Frühstück in der Kita mitbringen, für Montags um 8 Uhr, und dafür war es unvermeidlich, den großen Bruder nicht zuerst in der Schule abzuliefern, sondern die Kleine in der Kita. Und dieser Sprung aus der Routine führte zu einem Heul-Klammer-Anfall bei der Tochter, der den guten Monat ohne Geschrei zunichte gemacht hat.

Ich denke wehmütig an die Kindergartenzeit meiner ältesten Tochter, die 7 Jahre zurückliegt. Dieses Kind rannte freudestrahlend auf den Kindergarten zu, drehte sich nur halb zu mir um, und rief “Brauchst nicht mir reinkommen, Mama!”, um ohne sich noch einmal umzugucken in der Kita zu verschwinden. Damals war ich ein bisschen traurig. Heute sehe ich diese Turbo-Verabschiedungen, bei denen ich mein Kind quasi nur noch von hinten sah, als Geschenk des Himmels.

Ein Analyseversuch

klebekunstDie Erzieher im Kindergarten praktizieren in Absprache mit den Eltern das Konzept, dass man nicht zu lange mit im Raum in der Kita stehen solle, sondern irgendwann den Abschied angeht, und ich finde das gut – länger als 5 Minuten muss Verabschieden nicht dauern. Manche Kinder werfen sich protestierend auf den Boden, andere heulen, andere klammern, meine Tochter macht alles das.

Ob es damit zusammenhängt, dass sie mittlwerweile versteht, dass ich die einzige Bezugsperson weit und breit bin? Nie werden meine Kinder von jemand anderem als mir abgeholt und gebracht, während andere Omas, Au-Pairs, Tagesmütter, und natürlich Väter haben, die sie holen und bringen. Liegt es daran, dass ich alleinerziehend bin ohne Familie und dass die Kinder den Vater als abwesend erleben? Ich frage mich: klammern Kinder von Alleinerziehenden mehr, beim Abschied in der Kita, und grundsätzlich?

Dass frisch nach der Trennung gerade kleine Kinder dem verbliebenen Elternteil hinterherlaufen, als hinge ihr Leben davon ab, hat mir ein Kinderpsychologe bestätigt, den ich vor 2 Jahren aufgesucht hatte, als ich extrem genervt war, weil mein Sohn nur einschlafen konnte, wenn er mich sah, und drum im Wohnzimmer auf dem Sofa nächtigte. Ist es also das? Und falls ja, kann ich irgendetwas tun außer die Sache auszuhalten!? (Belohnen mit Eis oder Kinderzeitschrift habe ich probiert. Mit dem Kind vernünftig reden auch). Wo ist die Lösung für dieses sehr, sehr belastende Alltagsproblem?

Linktipp innerhalb des Blogs:

Feste Schlafenszeiten? Nicht bei uns.

Nachtrag vom 03.05.2013:

Aufgrund einer Eingebung das Kind mit Kuschelhund als Übergangsobjekt in die Kita gebracht. Zwar der Kuschelhund des Bruders (vielleicht ist das aber auch wichtig, dann ist der Bruder quasi dabei und das Objekt überhöht), aber es hat geholfen – die Jüngste und der Hund winkten mir gemeinsam. Fröhlich. Was für ein unglaublich gutes Gefühl. Hoffentlich klappt das nochmal. Und nochmal. Und festigt sich dann als Verhalten. Drückt mir die Daumen!

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10 Kommentare auf "Morgendrama: Geschrei und Geklammere beim Abschied in der Kita"

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tina
Gast
Liebe Christine, manches können wir nicht beeinflussen. Bei uns war der Junior streckenweise genauso, was aber mit einer fließend ineinander übergehenden Urlaubszeit der Erzieherinnen zu tun hatte. Zeitweise Zusammenlegung der Gruppen, ein doofes Thema im Kita-Alltag oder eine arge Zurückweisung des Lieblingsspielkameraden, die fünf Minuten später schon von beiden Seiten vergessen war… all sowas konnte den kleinen Mann wochenlang aus der Bahn werfen. Momentan ist es die Große, die jeden Morgen wie ein Äffchen an mir hängt und trotz Umarmung vom Kita-Ehemann irgendwie verloren dasteht. In diesem Fall ist es das Begreifen, dass der Papa in ihrem Alltag keine Rolle… Read more »
Seewolf
Gast

Bei unserer Kleinen half dann, dass die Kindergärtnerin ein Sonderrecht für sie(sie war die kleinste) einführte: stehend auf dem Fensterbrett winken und danach noch ein wenig im Kuschelzelt schlummern dürfen.

rocktpapa
Gast

Ich kann nicht beurteilen ob das für die Kinder von Alleinerziehenden mehr gilt als für andere – das einzige Solokind in unserem KiGa scheint keine größeren Zicken zu machen. Mein Kleiner hat solche Phasen immer mal wieder gehabt, und ich hab mich immer an den Rat der Erzieher gehalten, den Abschied kurz zu halten – man steigert sich sonst in so eine Spirale des Herzeleids hinein. Ist natürlich nicht immer ganz einfach…

pfiffika
Gast
Vielleicht wäre es einen Versuch wert, wenn du morgens die “Klammer-“Routine durch ein völliges “unnormales” Verhaltendeinerseits unterbrichst: Mach einen Indianertanz, rezitiere lautstark ein Gedicht, wirf dich selber auf den Boden etc…. Es geht nicht darum, deine Tochter abzulenken, sondern sie aus dem Ritual rauszuholen. Irgendwas hat sich da verselbstständig. Im besten Fall ist sie verblüfft, hört auf zu weinen/klammern, du kannst ihr einen Kuss auf die Nase pflanzen und gehst. Im schlimmsten Fall… tja, was kann passieren? Das sie gar nicht mehr in die Kita will? Ich weiß es nicht. Aber ich drücke dir die Daumen, dass sich bald etwas… Read more »
Goldammer
Gast
Unsere Dreijährige ist auch ein kleines Klammeräffchen, die immer mal wieder Phasen des Nicht-Los-Lassen-Könnens morgens hat. Wir fahren dann am besten damit, dass wir uns noch eine Weile dazu setzen und etwas mit ihr spielen. Meist setzen sich dann noch andere Kinder dazu, wenn es ganz schlimm wird auch ihre Bezugserzieherin, und dann ziehen wir uns zurück. Meistens klappt das schon, wenn es sich aber ewig hinzieht, sagen wir, dass wir in zehn Minuten gehen und zeigen ihr, wo der Zeiger auf der Uhr dann stehen muss. Gut findet sie es dann nicht, aber sie bekommt nicht die Zusammenbrüche und… Read more »
Anthea
Gast
Meine beiden Großen haben nicht geklammert, die Jüngste dafür umso mehr, schon vor der Trennung vom Vater. Besser geworden ist es erst nach der Trennung, klar, aber auch da hat es noch gedauert. Ich habe dann einfach die Kindergarten-Eingewöhnung von vorne begonnen, also eine Zeit lang den ganzen Tag mit ihr im Kindergarten verbracht, dann nur noch einige Stunden, schliesslich eine halbe Stunde und irgendwann hat sie dann von sich aus losgelassen. Ich persönlich halte in der Hinsicht nichts von “Gewaltkuren”, zumindest wenn frau sich ihre Zeit frei einteilen kann. Meines Wissens nach ist das ja bei Dir so. In… Read more »
TheSwissMiss
Gast
Als es bei uns zu der Trennung kam, war meine Kleine damals auch so – sie wollte nicht mal mehr alleine bei einer Freundin spielen, nicht in den Kindergarten laufen, und überhaupt am liebsten sogar mit mir zur Toilette kommen….das schlimmste daran war eigentlich meine eigenen Selbstvorwürfe. Ich habe mich selber verrückt gemacht weil ich mich so hilflos fühlte und dachte das sei alles meine Schuld (ich glaub mit einem schlechten Gewissen bin ich schon zur Welt gekommen). Jedenfalls habe ich dann etwa ein halbes Jahr lang meine Tochter auf dem Weg begleitet und sie auch wieder abgeholt (KEINE Minute… Read more »
Katharina
Gast

Wir sind Doppelerziehend und trotzdem hat Kurzer immer wieder solche Phasen, Von jährig bis fast drei wollte er weder mich noch Papa morgens loslassen und kaum jemand durfte ihn überhaupt anfassen. Und plötzlich gings dann. Keine Ahnung weshalb es vorher nicht ging, oder dann plötzlich schon. Kuscheltier und wenns sein muss auch Nuckel sind sicher eine gute Idee.

Babsi
Gast

Ich finde den Kommentar von pfiffika auf jeden Fall ausprobierenswert. Das wird sie bestimmt aus dem Verhaltensmuster werfen. Oder es bessert sich mit der Zeit von alleine, wenn sie älter wird. Wünsche Dir auf jeden Fall viel Erfolg :)

Caroline
Gast
Liebe Christine, bin heute zum ersten Mal auf deinem sehr interessanten Blog. Bin nicht alleinerziehend, aber kann Vieles nachempfinden. Meine Tochter (heute 9) hat schon immer Klammerattacken gehabt und Wutanfälle, wenn Mama – also ich – wegging. Bereits als Baby, wenn ich nur mal für ein paar Stunden weg war und Papa sie gut versorgte. Auch nach Aufenthalten bei den Großeltern, die sie mit perfektem Benehmen machte, habe ich anschließend ihre Ablehnung und Wut zu spüren bekommen. In der Kindergruppe und Kindergarten ging es wochenlang genauso, wie von dir beschrieben. Ich habe für mich entschieden, dass es etwas mit Machtkampf… Read more »
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