Alleinerziehend: Was passiert, wenn du über Armut redest

Die einen:

„Die Frau hat selbst Schuld! Sie hätte sich halt besser absichern müssen in der Ehe!“

„Sie schreibt darüber doch nur, um ihrem Ex-Mann eins reinzuwürgen.“

„Also wir kaufen immer nur Schuhe bei Aldi und Gebrauchte sind auch gut. Wer gibt schon 40 € für Schuhe aus?“ [Es war eine Ausnahme!]

„Tja, das ist halt eine Luxusfrau, die nun rumjammert.“

„Die armen Kinder! Denen ist es doch sicher voll peinlich, dass ihre Mutter offen über Geldnot redet.“

„Da muss man doch was tun können! Sie muss einfach nur zum Anwalt gehen.“

 

Geld

 

Die anderen:

„Ich hatte keine Ahnung. Kann ich dir irgendwie helfen?“

„Ich bewundere deinen Mut. Uns geht es genauso, ich dachte, wir seien damit allein.“

„Danke, dass du davon erzählst. Wir haben zwar selbst genug Geld, aber wissen, dass es für Alleinerziehende schwierig ist.“

„Endlich benennt jemand unsere strukturellen Probleme. So geht das doch nicht weiter!“

„Wir haben gerade Klamotten und Schuhe ausgemistet. Braucht Ihr was?“

„Ich weine. Weil endlich jemand beschreibt, wie es uns geht.“

 

Re: „Neue Schuhe sind Luxus“ im Der Freitag & „Wir sind arm“ in der Brigitte Mom

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Frau Müller
Frau Müller
4. Mai 2015 19:16

Hallo Frau Finke,
bisher lese ich nur mit und bin beeindruckt, wie gelassen und überlegt Sie Ihren Alltag meistern. Ihre klugen Gedanken und Anregungen helfen mir meinen (eher einfachen) Alltag realistischer zu betrachten.
Immer noch empfinde ich die Darstellung Ihres Alltags als absolut realistisch. Ein Anspruchsdenken irgendwelcher Art wäre mir nicht aufgefallen.
Lassen Sie sich von den Kommentaren nicht den Wind aus den Segeln nehmen und DANKE dass Sie das Netz an Ihrer Welt teilhaben lassen.
Alles Gute,
Frau Müller

Miriam
Miriam
4. Mai 2015 19:31
Antwort  Frau Müller

Dem schließe ich mich voll und ganz an :-)

Lucie Marshall
Lucie Marshall
5. Mai 2015 11:21
Antwort  Miriam

Ich mich auch! <3

Susi
Susi
4. Mai 2015 19:20

Nö, Du bist keine Luxusfrau, die rumjammert. Alle, die in einer intakten Beziehung leben und sich die Erziehungsarbeit und die Finanzen teilen können, dürfen hier echt mal die Klappe halten, wenn sie herummeckern. Entschuldigung. Musste mal sein. Und ich schicke rasch noch einen Schwung Energie rüber und Gute Besserung für Deinen Sohn. Liebe Grüsse!

Rona
Rona
4. Mai 2015 19:56

Liebe Christine, ich finde Deine Arbeit auf der ganzen Linie sehr wichtig, denn Dein Leben zeigt was geschehen kann, wenn eine Frau sich aus unerträglichen Lebensbedingungen in einer Partnerschaft befreit und dann mit den Kindern allein da steht. Niemand möchte über so etwas gern offen sprechen und schreiben. Du hast ja wirklich schon ganz viel hinter Dir, kennst beide Seiten, den Wohlstand und die Armut. Sicher hast Du in Deiner Ehe Fehler bei Deiner finanziellen Absicherung gemacht. Dennoch ist dies kein Grund, Dir Deine Armut als Lehrgeld fast zu wünschen – eine furchtbare Einstellung, wie ich finde. Ich weiß nicht,… Weiterlesen »

Hanna
Hanna
5. Mai 2015 08:58

Ich möchte mich der zweiten Gruppe anschließen. Leider ist es im Alltag relativ schwierig, alleinerziehende Mütter und ihre Kinder zu unterstützen. Viele sprechen nicht darüber oder würden sich angegriffen fühlen. wenn man ihnen z.B. etwas gebrauchtes schenken möchte, statt es wegzuwerfen oder zu Geld zu machen. Ich glaube, dass sehr viele Menschen bereit wären, zu helfen, aber nicht wissen, wie. Ich verschenke manchmal Dinge über Ebaykleinanzeigen und hoffe, dass jemand es abholt, der daraus nicht Geld machen möchte, sondern wirklich etwas braucht. Einmal z.B. hat ein kleiner Junge meine gebrauchten Inline-Skates abgeholt. Das hat mich sehr beeindruckt und ich hoffe,… Weiterlesen »

Bea
Bea
5. Mai 2015 09:14

Liebe Christine, nun habe ich mir erstmal die Kommentare zu Deinem Artikel in Ruhe zu Gemüte geführt, den Artikel natürlich auch. Da wird eifrig debattiert, wer das Loch zu dem Brunnen gegraben hat, in dem das Kind nun liegt. Das ist völlig irrelevant, Fakt ist, es ist da, Fakt sind die Zahlen, sprich die Mittel, die Dir wöchentlich / monatlich zur Verfügung stehen – und das ist Armut. Punkt. Das es Kinder trifft, ist das Schlimme an der Sache. Und darum – so habe ich Dich wohl recht verstanden, geht es Dir, allein würdest Du Dich ohne Zweifel durchhangeln. Aber… Weiterlesen »

Lucie Marshall
Lucie Marshall
5. Mai 2015 11:23

Liebe Christine,
ich habe nach 3 Kommentaren ( also Du weißt schon welchen) aufgehört zu lesen, weil mich diese Ignoranz und dieser Hochmut ganz irre machen! Keep up the good work!!
Liebsten Gruß
Lucie

eimerchen
eimerchen
5. Mai 2015 12:09

Wider aller Vernunft habe ich ein paar der Kommentare unter dem entsprechenden Artikel gelesen und mir kamen ehrlich die Tränen. Vor Wut, vor Unverständnis über die Empathielosigkeit vieler Kommentatoren. UNFASSBAR! Die richtigen Dinge wurden schon einige Male hier geschrieben, ich wiederhole sie nicht. Das Einzige, was ich anmerken möchte: Bleib so wunderbar, wie Du bist, Christine! <3 Ich habe den allergrößten Respekt vor Dir! (Und: Magst Du nicht vielleicht doch mal wieder Deine amazon Wunschliste etwas erweitern? Hm?)

Jessica
Jessica
5. Mai 2015 12:24

Liebe Christine Finke,
nicht für jeden Menschen sind komplexe Sachverhalte zu ertragen. Und so ist es für viele einfacher individuelles Versagen als „strukturelle Rücksichtslosigkeit der Gesellschaft gegenüber Alleinerziehenden“ in Betracht zu ziehen.
Ich bin jedenfalls sehr froh, dass Sie immer wieder auf diese Mißstände hinweisen und sich engagieren.
Und ich werde jetzt mich mal informieren, wie ich das auch tun kann.
Mit besten Grüßen: Jessica

trackback
Armutsrisiko Kind = Selbst Schuld? Oder eine gesellschaftliche Aufgabe. |
5. Mai 2015 20:22

[…] so ist, es gibt zu allem sehr unterschiedliche Kommentare. Eine Auswahl an Kommentaren findet ihr hier besonders aber […]

Dirk
Dirk
6. Mai 2015 06:09

Liebe Christine,
bei der ersten Gruppe kann man mal wieder sehen, was jahrzehntelange neoliberale Indoktrination gebracht hat.
Für mich ist das wirklich Gehirnwäsche.
Entweder das Leugnen, dass es Armut überhaupt gibt (geht Deutschland doch gut), oder die Schuldzuweisung an das Individuum (wer arm ist, ist selbst schuld). Auf die Idee, gesellschaftlich/politische Rahmenbedingungen zu hinterfragen können die gar nicht mehr kommen. Empathie für seine Mitmenschen fehlt da mittlerweile auch völlig.

Immerhin gibt es noch die zweite Gruppe.

Viele Grüße
Dirk

Tine
Tine
6. Mai 2015 14:24

Ich fand Deinen Artikel sehr realistisch. Ich fühlte mich selbst verstanden. So ist das Leben für die alleinerziehenden Frauen (und Männer) nun mal. Das ist die Realität. Da hilft es auch nicht, das man früher „besser“ lebte. Früher, als man noch eine Idee von der funktionierenden Familie hatte und sie vielleicht auch eine Zeit lang realisieren konnte.

Jetzt ist jetzt und das dicke Ende kommt erst noch, wenn es um unsere Rente geht…
https://siebenund40plus.wordpress.com/2015/01/12/familienwolke-7-und-der-frust-mit-der-rente/

Es gibt immer Wege und daher wünsche ich Dir weiterhin viel Kraft und Erfolg :-)

Liebe Grüße
Tine

hauskindich
hauskindich
7. Mai 2015 08:12

Danke für diesen Artikel. Mich persönlich betrifft es zwar nicht, da ich mit dem Vater unseres Kindes nur sehr kurz zusammen war und mich von vornherein dafür entschieden habe, AE zu sein … aber ich sehe die Falle bei sehr vielen Freundinnen und Bekannten und warte mit angehaltenem Atem darauf, dass sie hier und da zuschnappt. Ich kann jetzt nur jede darin bestärken, sich die Selbstständigkeit durch eigene Arbeit zu bewahren und sich nur auf sich selber zu verlassen. Traurig, oder? Dass man das WIR, das man mit einer Ehe oder Elternschaft eingegangen ist nicht als stabile Basis bezeichnen kann… Weiterlesen »

Karin
Karin
7. Mai 2015 09:14

Liebe Chistine, ich wünsche dir alles Liebe und Gute viel Kraft und Gesundheit. Ich habe nicht alles an Kommentaren lesen können(die Kommis von der Zeitung), sonst Platze ich vor Wut! Ich bin seit 2 Jahren alleinerziehend, zum Glück mit Arbeit, aber leider nur mit 20std die Woche. Ich verdiene auch kein schlechtes Geld und der Papa vom Sohnemann zahlt Unterhalt, wie es die Düsseldorfer Tabelle vorsieht, hey und Kindergeld gibt es ja auch noch… Das müsste ja massig reichen…! Ja, na klar reicht es! Wenn man den Cent, gern auch noch ein 2tes Mal umdreht, bevor man diesen ausgibt… man… Weiterlesen »

Silke
Silke
7. Mai 2015 12:38

Liebe Chiristine, „Armut bezeichnet primär mangelnde Befriedigung[1] von Grundbedürfnissen wie Kleidung, Nahrung, Wohnung, Gesundheit.“ Ich lese regelmässig und gern Deine Artikel und bin oft Deiner Meinung. Hier nicht. Was Dir passiert ist keine Armut sondern in einem sehr reichen Land weniger haben. Wenn Deine Kinder aus der Schule in der sie eine erstklassige Ausbildung bekommen nach Hause kommen, dann in eine warme, saubere und sichere Umgebung mit fließend warm Wasser, in der es mehr Essen gibt als sie aufessen können. Dazu noch zu einer warmherzigen, aufmerksamen Bezugsperson, die sie als Individuen ansieht, beschützt und bestärkt. Armut ist Schuhe nicht kaufen… Weiterlesen »

Dalida
Dalida
15. Juni 2015 11:29
Antwort  Silke

Naja ich als Alleinerziehende welche aus einem Drittweltland stammt, noch Familie in dem besagten Land habe und somit beide Seiten der Armut sehe. Sowohl da wie dort, habe kein Problem mich als arm zu bezeichnen. Wenn man den Stressfaktor bedenkt welchen man Alleinerziehende oder auch Eltern welche extrem unter dem Existenzminimum leben haben. Wenn ich bedenke wie viele schlaflose Nächte ich schon hatte weil man arbeitet und weiss das am Ende des Monats das Geld nicht reichen wird. Wenn selbst mal ins Schwimmbad gehen oder statt dem Fahrradfahren einmal die Bahn benützen zum Luxus verkommt empfinde ich mich und mein… Weiterlesen »

fujolann
fujolann
7. Mai 2015 19:41

Ich hab das Lesen der Kommentare schier nicht ausgehalten und war dir gleichzeitig so dankbar, dass du trotzdem geschrieben hast

Katja
Katja
7. Mai 2015 19:43

Liebe Silke und Christine, genau über diesen Punkt habe ich mir auch schon öfters Gedanken gemacht. Ich finde es auch richtig zwischen relativer und wirklicher Armut zu unterscheiden und halte es nicht für Wortklauberei. Vielleicht sollte man den Begriff arm auch öfter mal durch `wenig Geld haben `ersetzen. Denn arm ist nicht gleich arm im übertragenen Sinne. Aber Silke ich finde du hast eines nicht bedacht: die Psychologie der Verknappung. Und das betrifft halt alle Familien die gerade mal so knapp über die Runden kommen. Es kann immer mal eine größere unvorher gesehene Ausgabe (z. B. Brille, Zähne, Waschmaschine) kommen,… Weiterlesen »

Käthchen
Käthchen
8. Mai 2015 11:25
Antwort  Katja

Hallo Katja,
genau das ist es, was mir, allerdings weit weniger spruchreif, durch den Kopf gegangen ist. Danke dafür!
Diese Verknappung schluckt, neben dem Stress, der das Wissen um das mögliche „Kippen“ bedeutet, aber auch sonst immer Kapazitäten, die anderswo möglicherweise fehlen. Ich kann bspw. von jeder (!) Mahlzeit sagen, wie viel sie kostet…

Viele Grüße,

Käthchen

DornRosy
DornRosy
8. Mai 2015 17:20

Ich bin nicht arm, obwohl alleinerziehend mit drei Kindern und für das älteste bekomme ich keinen Unterhalt. Es verlangt mir alles (!) ab, Vollzeittätigkeit, Kinder, Haus . … und ich tanze auf der Grenzlinie. Jeden Tag. Es reicht uns gut zum Leben, Gott sei Dank. Schlimm finde ich ebenso, wenn man dann ungläubig angeschaut wird – wie, ihr habt nicht zu wenig Geld??!?! Alleinerziehend und Armut scheint eine untrennbare Symbiose in den Augen von manch anderem zu sein. Betroffen gemacht hat mich auch der Kommentar einer Bekannten die meinte:“ So gut wie du möchte ich es mal haben.“ Und es… Weiterlesen »

Claudia
Claudia
8. Mai 2015 20:37

Hier hat jemand wenig Geld für „sich“ weil er im Leben Entscheidungen getroffen hat die sich hinterher als Falsch herausgestellt haben. Das kommt manchmal vor und sofern man nur für sich alleine Verantwortlich ist leidet man darunter nur alleine und muss sehen wie man dieses Problem löst. Das ist auch Frau Finke passiert und dazu steht sie. Ich halte sie, wie andere auch nicht wirklich für arm. Das geht ganz sicher noch viel schlimmer. Aber nur weil etwas noch schlimmer geht bedeutet ja nicht das das was Frau Finke wahrnimmt „nämlich Armut“ falsch ist. Es ist ihre Wahrnehmung. Was mich… Weiterlesen »

DornRosY
DornRosY
9. Mai 2015 21:25
Antwort  Claudia

@Claudia Zu sagen, jemand ist nicht arm, weil es noch schlimmer geht, halte ich für Unsinn. Wie vielen geht es besser – und sie sind noch lange nicht „reich“? Bereits weiter oben wurde geantwortet, dass es sich der Definition nach um Armut handelt, wenn Betroffene weniger als 60% des durschnittlichen Nettoeinkommens zur Verfügung haben. Wir sprechen hier nicht von der absoluten Armut, von der Hand im Mund. Ich denke das steht außer Frage. Und dennoch ist es für so viele alleinerziehende Mütter (und Väter) ein Drahtseilakt, mit ihrem Einkommen auszukommen. Nicht wenige drängt dies an den Rand der Gesellschaft und… Weiterlesen »

Mareike Siffinger
Mareike Siffinger
30. Mai 2015 21:51

Über die Hälfte der alleinerziehenden Mütter von Kindern unter drei Jahren muss mit weniger als 1.100 Euro im Monat auskommen. (Quelle: http://wir-sind-alleinerziehend.de/alleinerziehende-in-deutschland/) Ist doch ein absolutes Unding, oder!!!?

Michael Schreiber
Michael Schreiber
3. November 2015 10:41

Hallo Mareike,
nicht alle alleinerziehenden sind arm. Aber das Risiko steigt statistisch gesehen mit der Anzahl der Kinder. Es fehlt immer noch an Kinderebetreuungsmöglichkeiten. Traurig ist, dass in einem Industrieland, wie Deutschland immer noch jedes sechste Kind armutsgefährdet ist (Quelle: http://www.singlemama.de/blog/wann-gelten-alleinerziehende-als-arm/ )

Kristina
Kristina
18. September 2015 20:51

ja, finde ich auch! Das kann nicht sein so etwas!