Alleinerziehend: Was passiert, wenn du über Armut redest

Die einen:

„Die Frau hat selbst Schuld! Sie hätte sich halt besser absichern müssen in der Ehe!“

„Sie schreibt darüber doch nur, um ihrem Ex-Mann eins reinzuwürgen.“

„Also wir kaufen immer nur Schuhe bei Aldi und Gebrauchte sind auch gut. Wer gibt schon 40 € für Schuhe aus?“ [Es war eine Ausnahme!]

„Tja, das ist halt eine Luxusfrau, die nun rumjammert.“

„Die armen Kinder! Denen ist es doch sicher voll peinlich, dass ihre Mutter offen über Geldnot redet.“

„Da muss man doch was tun können! Sie muss einfach nur zum Anwalt gehen.“

 

Geld

 

Die anderen:

„Ich hatte keine Ahnung. Kann ich dir irgendwie helfen?“

„Ich bewundere deinen Mut. Uns geht es genauso, ich dachte, wir seien damit allein.“

„Danke, dass du davon erzählst. Wir haben zwar selbst genug Geld, aber wissen, dass es für Alleinerziehende schwierig ist.“

„Endlich benennt jemand unsere strukturellen Probleme. So geht das doch nicht weiter!“

„Wir haben gerade Klamotten und Schuhe ausgemistet. Braucht Ihr was?“

„Ich weine. Weil endlich jemand beschreibt, wie es uns geht.“

 

Re: „Neue Schuhe sind Luxus“ im Der Freitag & „Wir sind arm“ in der Brigitte Mom

Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit Familie/Beruf, Alleinerziehende. Seit 2014 auch Stadträtin in Konstanz.

31 KOMMENTARE

  1. Hallo Frau Finke,
    bisher lese ich nur mit und bin beeindruckt, wie gelassen und überlegt Sie Ihren Alltag meistern. Ihre klugen Gedanken und Anregungen helfen mir meinen (eher einfachen) Alltag realistischer zu betrachten.
    Immer noch empfinde ich die Darstellung Ihres Alltags als absolut realistisch. Ein Anspruchsdenken irgendwelcher Art wäre mir nicht aufgefallen.
    Lassen Sie sich von den Kommentaren nicht den Wind aus den Segeln nehmen und DANKE dass Sie das Netz an Ihrer Welt teilhaben lassen.
    Alles Gute,
    Frau Müller

  2. Nö, Du bist keine Luxusfrau, die rumjammert. Alle, die in einer intakten Beziehung leben und sich die Erziehungsarbeit und die Finanzen teilen können, dürfen hier echt mal die Klappe halten, wenn sie herummeckern. Entschuldigung. Musste mal sein. Und ich schicke rasch noch einen Schwung Energie rüber und Gute Besserung für Deinen Sohn. Liebe Grüsse!

  3. Liebe Christine,

    ich finde Deine Arbeit auf der ganzen Linie sehr wichtig, denn Dein Leben zeigt was geschehen kann, wenn eine Frau sich aus unerträglichen Lebensbedingungen in einer Partnerschaft befreit und dann mit den Kindern allein da steht. Niemand möchte über so etwas gern offen sprechen und schreiben. Du hast ja wirklich schon ganz viel hinter Dir, kennst beide Seiten, den Wohlstand und die Armut. Sicher hast Du in Deiner Ehe Fehler bei Deiner finanziellen Absicherung gemacht. Dennoch ist dies kein Grund, Dir Deine Armut als Lehrgeld fast zu wünschen – eine furchtbare Einstellung, wie ich finde. Ich weiß nicht, welche Angst diese Menschen dahin treibt, so etwas verachtendes zu schreiben. (Ich habe aber auch schon ein paar Kommentare in der Richtung von nahestehenden Menschen gehört, die mir das Blut in den Adern gefrieren ließen.) Dieses „selbst Schuld“ ist schon komisch. Sicher ist jeder erwachsene Mensch für sein Leben selbst verantwortlich und hat für sich selbst und seine Kinder zu sorgen. Aber wir sind alle auch eine Gemeinschaft und die Kinder, die am meisten unschuldig unter Armut und Trennung leiden, werden unsere Zukunft mitgestalten. Vor allem für die Kinder müsste viel mehr getan werden.

    Liebe Grüße
    Rona

    • Liebe Rona, vielen Dank. Mir ist ja auch klar, dass ich Fehler gemacht habe. Und genau deswegen tue ich mir das an und schreibe darüber, um andere Frauen vielleicht davor zu bewahren. DAS ist meine Motivation. Und nur das.

  4. Ich möchte mich der zweiten Gruppe anschließen. Leider ist es im Alltag relativ schwierig, alleinerziehende Mütter und ihre Kinder zu unterstützen. Viele sprechen nicht darüber oder würden sich angegriffen fühlen. wenn man ihnen z.B. etwas gebrauchtes schenken möchte, statt es wegzuwerfen oder zu Geld zu machen. Ich glaube, dass sehr viele Menschen bereit wären, zu helfen, aber nicht wissen, wie.
    Ich verschenke manchmal Dinge über Ebaykleinanzeigen und hoffe, dass jemand es abholt, der daraus nicht Geld machen möchte, sondern wirklich etwas braucht. Einmal z.B. hat ein kleiner Junge meine gebrauchten Inline-Skates abgeholt. Das hat mich sehr beeindruckt und ich hoffe, dass er viel Spaß damit hat.

    Meine Eltern sind zwar noch zusammen, allerdings hatten wir auch nicht besonders viel Geld, als ich klein war. Mein Vater hat zwar gearbeitet, aber mit seinem Handwerker-Gehalt haben wir faktisch unter der Armutsgrenze gelebt. Später hat meine Mutter mir erzählt, wie schlimm es für sie war, so viele Dinge nicht für uns kaufen zu können, obwohl sie uns alles Spielzeug und Schokolade der Welt gegönnt hätte. Ich bin aber trotzdem der Meinung, eine tolle Kindheit gehabt zu haben. Meine Eltern haben das durch viele andere Dinge super kompensiert – mein Vater hat uns z.B. aus altem Holz ein komplettes Gartenhaus zum Spielen gebaut und meine Mama war immer für uns da.

    Deine Kinder verstehen ja offensichtlich jetzt schon, wie viel du für sie tust und dass sie nicht immer die besten Schuhe brauchen, um zu leben. Viel wichtiger ist, dass du da bist, da bin ich mir sicher. Und spätestens, wenn sie erwachsen sind, werden sie alles verstehen und ihrer Mama sehr, sehr dankbar sein für alles!

    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und viele schöne Momente mit deinen Kindern!

    Liebe Grüße,
    Hanna

  5. Liebe Christine,
    nun habe ich mir erstmal die Kommentare zu Deinem Artikel in Ruhe zu Gemüte geführt, den Artikel natürlich auch.
    Da wird eifrig debattiert, wer das Loch zu dem Brunnen gegraben hat, in dem das Kind nun liegt.
    Das ist völlig irrelevant, Fakt ist, es ist da, Fakt sind die Zahlen, sprich die Mittel, die Dir wöchentlich / monatlich zur Verfügung stehen – und das ist Armut.
    Punkt.
    Das es Kinder trifft, ist das Schlimme an der Sache. Und darum – so habe ich Dich wohl recht verstanden, geht es Dir, allein würdest Du Dich ohne Zweifel durchhangeln.
    Aber unbenommen schaffst Du es mit Deiner kleinen Familie sehr sehr tapfer.
    Ich bin hochgradig verärgert über diese Besserwisser und Kritiker – aber andernteils weiß ich – das, trotz aller Klugscheißerei, kann jedem passieren – ich habe es schon oft erlebt.
    Also – laß sie reden, das was Du tust, macht Dir so schnell keiner nach – auch diesen Blog hier nicht.
    Herzlichst
    Bea

  6. Liebe Christine,
    ich habe nach 3 Kommentaren ( also Du weißt schon welchen) aufgehört zu lesen, weil mich diese Ignoranz und dieser Hochmut ganz irre machen! Keep up the good work!!
    Liebsten Gruß
    Lucie

  7. Wider aller Vernunft habe ich ein paar der Kommentare unter dem entsprechenden Artikel gelesen und mir kamen ehrlich die Tränen. Vor Wut, vor Unverständnis über die Empathielosigkeit vieler Kommentatoren. UNFASSBAR! Die richtigen Dinge wurden schon einige Male hier geschrieben, ich wiederhole sie nicht. Das Einzige, was ich anmerken möchte: Bleib so wunderbar, wie Du bist, Christine! <3 Ich habe den allergrößten Respekt vor Dir! (Und: Magst Du nicht vielleicht doch mal wieder Deine amazon Wunschliste etwas erweitern? Hm?)

  8. Liebe Christine Finke,
    nicht für jeden Menschen sind komplexe Sachverhalte zu ertragen. Und so ist es für viele einfacher individuelles Versagen als „strukturelle Rücksichtslosigkeit der Gesellschaft gegenüber Alleinerziehenden“ in Betracht zu ziehen.
    Ich bin jedenfalls sehr froh, dass Sie immer wieder auf diese Mißstände hinweisen und sich engagieren.
    Und ich werde jetzt mich mal informieren, wie ich das auch tun kann.
    Mit besten Grüßen: Jessica

  9. Liebe Christine,
    bei der ersten Gruppe kann man mal wieder sehen, was jahrzehntelange neoliberale Indoktrination gebracht hat.
    Für mich ist das wirklich Gehirnwäsche.
    Entweder das Leugnen, dass es Armut überhaupt gibt (geht Deutschland doch gut), oder die Schuldzuweisung an das Individuum (wer arm ist, ist selbst schuld). Auf die Idee, gesellschaftlich/politische Rahmenbedingungen zu hinterfragen können die gar nicht mehr kommen. Empathie für seine Mitmenschen fehlt da mittlerweile auch völlig.

    Immerhin gibt es noch die zweite Gruppe.

    Viele Grüße
    Dirk

  10. Ich fand Deinen Artikel sehr realistisch. Ich fühlte mich selbst verstanden. So ist das Leben für die alleinerziehenden Frauen (und Männer) nun mal. Das ist die Realität. Da hilft es auch nicht, das man früher „besser“ lebte. Früher, als man noch eine Idee von der funktionierenden Familie hatte und sie vielleicht auch eine Zeit lang realisieren konnte.

    Jetzt ist jetzt und das dicke Ende kommt erst noch, wenn es um unsere Rente geht…
    https://siebenund40plus.wordpress.com/2015/01/12/familienwolke-7-und-der-frust-mit-der-rente/

    Es gibt immer Wege und daher wünsche ich Dir weiterhin viel Kraft und Erfolg :-)

    Liebe Grüße
    Tine

    • Und genau deswegen fände ich deutlich mehr Rentenpunkte für Alleinerziehende angemessen, Tine. Es kann doch nicht sein, dass diejenigen, die die Rentenzahler von morgen großziehen, dafür hinterher Armut ernten. Das ist die Pervertierung des Systems, das Jahrhundertelang galt. Und es ist kein Wunder, wenn unter diesen Umständen die Geburtenrate bedenklich niedrig bleibt.

  11. Danke für diesen Artikel. Mich persönlich betrifft es zwar nicht, da ich mit dem Vater unseres Kindes nur sehr kurz zusammen war und mich von vornherein dafür entschieden habe, AE zu sein … aber ich sehe die Falle bei sehr vielen Freundinnen und Bekannten und warte mit angehaltenem Atem darauf, dass sie hier und da zuschnappt.
    Ich kann jetzt nur jede darin bestärken, sich die Selbstständigkeit durch eigene Arbeit zu bewahren und sich nur auf sich selber zu verlassen. Traurig, oder? Dass man das WIR, das man mit einer Ehe oder Elternschaft eingegangen ist nicht als stabile Basis bezeichnen kann …

  12. Liebe Chistine,
    ich wünsche dir alles Liebe und Gute viel Kraft und Gesundheit.
    Ich habe nicht alles an Kommentaren lesen können(die Kommis von der Zeitung), sonst Platze ich vor Wut!
    Ich bin seit 2 Jahren alleinerziehend, zum Glück mit Arbeit, aber leider nur mit 20std die Woche. Ich verdiene auch kein schlechtes Geld und der Papa vom Sohnemann zahlt Unterhalt, wie es die Düsseldorfer Tabelle vorsieht, hey und Kindergeld gibt es ja auch noch… Das müsste ja massig reichen…! Ja, na klar reicht es! Wenn man den Cent, gern auch noch ein 2tes Mal umdreht, bevor man diesen ausgibt… man weiß ja leider nie, was es als nächstes zu bezahlen gibt! Ja, ich gehe noch nebenbei arbeiten, seit einem halben Jahr. Jetzt geht es mir finanziell besser, aber, jetzt habe ich kein Wochenende mehr mit meinem Kind?! Ich kann auch nur arbeiten gehen, weil die Oma grad in Rente gegangen ist und die Betreeung übernimmt. Das alles war so nicht geplant, als „wir“ ein Kind, ein absolutes Wunschkind, bekommen haben – die Beziehung hat einfach nicht gehalten. Als Alleinerziehende ist „frau“ gleich mal „Allein“-Kämpfer. ICH kann dieses: „da bist du bist aber selber schuld!“ nicht mehr hören! DIe besten Ratschläge kommen auch gern von den Frauen, die (ungewollt) Kinderlos sind und in unglücklichen Ehen verharren… Euch auch noch ein schönes Leben!
    Liebe Christine, ich weiß, wie es dir geht – obwohl ich nur ein Kind habe! Demnächst werde ich am Wochenende nicht mehr arbeiten, dafür wieder Vollzeit! Es wird anstrengend, aber das einzige worauf ich micht freue, ist meine Gehaltsabrechnung und keine Angst mehr, wenn die nächste Autorechnung kommt oder die Waschmaschiene streickt! Ich wünsche dir von Herzen, das dir die nächste Bewerbung auch eine Anstellung mit ordentlichem viel Netto-Geld mit sich bringt.
    Alles Liebe ich drück dich… Karin

  13. Liebe Chiristine,
    „Armut bezeichnet primär mangelnde Befriedigung[1] von Grundbedürfnissen wie Kleidung, Nahrung, Wohnung, Gesundheit.“
    Ich lese regelmässig und gern Deine Artikel und bin oft Deiner Meinung. Hier nicht.
    Was Dir passiert ist keine Armut sondern in einem sehr reichen Land weniger haben.
    Wenn Deine Kinder aus der Schule in der sie eine erstklassige Ausbildung bekommen nach Hause kommen, dann in eine warme, saubere und sichere Umgebung mit fließend warm Wasser, in der es mehr Essen gibt als sie aufessen können. Dazu noch zu einer warmherzigen, aufmerksamen Bezugsperson, die sie als Individuen ansieht, beschützt und bestärkt.
    Armut ist Schuhe nicht kaufen zu können, den Arzt, den die Kinder wegen Mangelerscheinungen brauchen nicht zahlen zu können, kein saubers Trinkwasser, Kinderarbeit, Hunger.
    Es ist richtig über die gerechte Verteilung von Lasten zu diskutieren und auch die eigene persönliche Situation mit hinein zu nehmen. Aber Du bist nicht arm und Deine Kinder sind es nicht.
    Du bist eine gescheite, gebildete Person, die da steht, wo sie steht, weil sie im Leben ihre eigenen Entscheidungen getroffen hat, die ihren Kindern gibt was sie kann und teilt was sie hat. „Arm“ ist kein Wort, daß Dein Leben treffend beschreibt. Nicht jedenfalls nach allem, was ich bisher von Dir gelesen habe.
    Liebe Grüsse, Silke

    • Liebe Silke,

      das könnte man nun als Wortklauberei bezeichnen, aber ich verstehe dich schon – Armut ist ein Begriff, der sich unterschiedlich definieren lässt. Ich halte mich an die Definition, weniger als 60% des durschnittlichen Nettoeinkommens zur Verfügung zu haben, und an das subjektive Erleben. Dass es uns immer noch sehr gut geht, ist mir klar und ich bin auch froh darüber.

      Kurze Definition hier, im Tagesspiegel: http://www.tagesspiegel.de/politik/armutsdefinitionen-absolut-relativ-extrem/7550848.html

      Viele Grüße!
      Christine

    • Naja ich als Alleinerziehende welche aus einem Drittweltland stammt, noch Familie in dem besagten Land habe und somit beide Seiten der Armut sehe. Sowohl da wie dort, habe kein Problem mich als arm zu bezeichnen. Wenn man den Stressfaktor bedenkt welchen man Alleinerziehende oder auch Eltern welche extrem unter dem Existenzminimum leben haben. Wenn ich bedenke wie viele schlaflose Nächte ich schon hatte weil man arbeitet und weiss das am Ende des Monats das Geld nicht reichen wird. Wenn selbst mal ins Schwimmbad gehen oder statt dem Fahrradfahren einmal die Bahn benützen zum Luxus verkommt empfinde ich mich und mein Kind als arm auch wenn wir sauberes Trinkwasser haben. Genau da liegt der Hund begraben. Arm sind die in Afrika (stamme selbst von dort) oder Asien aber wir hier nicht wir sind nicht arm nein. Armut misst sich für mich auch an dem Stress, den ich und viele andere jeden Monat haben und manchmal wenn es wirklich nicht reicht, habe ich nicht das Gefühl weniger Stress zu haben als meine Verwandten im fernen Afrika. Und wenn sich Armut auch an der Nestwärme misst könnte man auch sagen die haben vieles nicht aber Nestwärme somit sind die ganz sicher nicht arm. *ironisch gemeint*
      Solche Aussagen, auch wenn ich den Gedanken durchaus verstehe, denn auch ich werde nie müde meiner Tochter zu erzählen wie gut wir es haben und da geht es anderen noch viel mieser. Vertrete durchaus die Meinung, dass man auch die in der ersten Welt bestehende Armut nicht kleinreden oder verleugnen muss. Denn sie ist existent und sollte gesehen und gehört werden.

  14. Ich hab das Lesen der Kommentare schier nicht ausgehalten und war dir gleichzeitig so dankbar, dass du trotzdem geschrieben hast

  15. Liebe Silke und Christine,
    genau über diesen Punkt habe ich mir auch schon öfters Gedanken gemacht. Ich finde es auch richtig zwischen relativer und wirklicher Armut zu unterscheiden und halte es nicht für Wortklauberei. Vielleicht sollte man den Begriff arm auch öfter mal durch `wenig Geld haben `ersetzen. Denn arm ist nicht gleich arm im übertragenen Sinne.
    Aber Silke ich finde du hast eines nicht bedacht: die Psychologie der Verknappung. Und das betrifft halt alle Familien die gerade mal so knapp über die Runden kommen. Es kann immer mal eine größere unvorher gesehene Ausgabe (z. B. Brille, Zähne, Waschmaschine) kommen, die viele Alleinerziehende dann nicht mehr wuppen können. Dies Wissen setzt einen dann permanent unterschwellig unter Stress. Und das müsste nicht sein, der Staat steuert soviel, seit einigen Jahren werden z. B. Handwerkerleistungen am eigenen Haus bis zu einem Betrag von rund 6000 € subventioniert, 20 % hiervon kann man von der Steuer voll absetzen. Da nimmt sich in Vergleich der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende trotz Erhöhung karg aus. Reichlich seltsam finde ich auch dass das Familienministerium den Erhöhungsbetrag selbst aufbringen soll. Den Posten Handwerkerleistungen wird doch bestimmt auch nicht von einem Bauminister gegenfinanziert. Und insofern ist es falsch Christine (stellvertretend für andere Alleinerziehende) zu unterstellen ihre schlechte finanzielle Situation wäre die Folge einer Reihe privater Entscheidungen. Die andere Seite (meist der Mann) kann natürlich selbstverständlich Unterhaltszahlungen in voller Höhe von der Steuer absetzen. Die Frau (manchmal auch ein Mann) , die keinen Unterhalt erhält und die Kinder aufzieht, kann das nicht, obwohl Kinder doch dann genau soviel kosten.
    Freundliche Grüße, Katja

    • Hallo Katja,
      genau das ist es, was mir, allerdings weit weniger spruchreif, durch den Kopf gegangen ist. Danke dafür!
      Diese Verknappung schluckt, neben dem Stress, der das Wissen um das mögliche „Kippen“ bedeutet, aber auch sonst immer Kapazitäten, die anderswo möglicherweise fehlen. Ich kann bspw. von jeder (!) Mahlzeit sagen, wie viel sie kostet…

      Viele Grüße,

      Käthchen

  16. Ich bin nicht arm, obwohl alleinerziehend mit drei Kindern und für das älteste bekomme ich keinen Unterhalt.
    Es verlangt mir alles (!) ab, Vollzeittätigkeit, Kinder, Haus . … und ich tanze auf der Grenzlinie. Jeden Tag.
    Es reicht uns gut zum Leben, Gott sei Dank.
    Schlimm finde ich ebenso, wenn man dann ungläubig angeschaut wird – wie, ihr habt nicht zu wenig Geld??!?!
    Alleinerziehend und Armut scheint eine untrennbare Symbiose in den Augen von manch anderem zu sein.

    Betroffen gemacht hat mich auch der Kommentar einer Bekannten die meinte:“ So gut wie du möchte ich es mal haben.“

    Und es fühlt sich manchmal so an, als dürfe man unter der Maximalbelastung nicht schwach sein oder gar erschöpft, denn die Haushaltskasse stimmt ja.

    Vielen Dank für diesen Blog – schon länger lese ich mit :)

  17. Hier hat jemand wenig Geld für „sich“ weil er im Leben Entscheidungen getroffen hat die sich hinterher als Falsch herausgestellt haben. Das kommt manchmal vor und sofern man nur für sich alleine Verantwortlich ist leidet man darunter nur alleine und muss sehen wie man dieses Problem löst.

    Das ist auch Frau Finke passiert und dazu steht sie.
    Ich halte sie, wie andere auch nicht wirklich für arm. Das geht ganz sicher noch viel schlimmer.
    Aber nur weil etwas noch schlimmer geht bedeutet ja nicht das das was Frau Finke wahrnimmt „nämlich Armut“ falsch ist. Es ist ihre Wahrnehmung.

    Was mich bei dieser Diskussion stört ist dass niemand in Betracht zieht das es da ja einen Erzeuger der Kinder gibt. Der Vater, der Ex-Ehemann.
    Er möchte sich um seine Kinder nicht kümmern. Es ist seine Entscheidung. Das müssen alle Beteiligten akzeptieren. Sie müssen es nicht mögen, sie müssen es nicht verstehen aber sie müssen ihr Leben so gestalten das das klappt…

    Und wenn sich jemand, egal ob Mann oder Frau, so aus seiner Verantwortung herausnimmt sollte er dafür einen Ausgleich bieten müssen.
    In dem Fall fände ich es selbstverständlich das der Staat dafür sorgt, dass zumindest alle Steuerfreibeträge, die damit zusammenhängen, auf den Teil übergehen, der für die Erziehung der Kinder sorgt. Genau so wie das Kindergeld und der Unterhalt für die Kinder.

    Und ich finde auch, dass ein Mann seiner ehemaligen Frau ein Gehalt dafür zahlt, dass sie seinen Teil der Kindererziehung mit übernimmt. Denn würde er dieser Pflicht in gleichen Teilen wie die Mutter wahrnehmen, hätte auch er weniger Geld zur Verfügung. Das dies vom Gesetzgeber nicht vernünftig geregelt ist und Kinder fast immer nur als eine Sache betrachtet werden, um die sich die Mutter dann kümmern muss, empfinde ich schon als seltsam in dieser Gesellschaft.

    Gott sei Dank ist Frau Finke ein Mensch, die aktiv wird, die versucht etwas zu bewegen in dieser Gesellschaft. Obwohl oder gerade weil sie in einer sehr schwierigen Situation steckt. Ich würde mir wünschen das mehr Mütter diesen Schritt wagen und nicht immer nur bei sich die Schuld suchen.

    Clauia

    Und nein, es geht mir nicht darum dem armen Ehemann hier Schuld in die Schuhe zu schieben. Es ist eher eine Grundsatzfrage, wie wir mit alleinerziehenden Müttern und Vätern umgehen und wie viel es uns Wert ist, dass sie dafür sorgen, dass unsere Renten noch bezahlt werden können.

    • @Claudia
      Zu sagen, jemand ist nicht arm, weil es noch schlimmer geht, halte ich für Unsinn. Wie vielen geht es besser – und sie sind noch lange nicht „reich“?

      Bereits weiter oben wurde geantwortet, dass es sich der Definition nach um Armut handelt, wenn Betroffene weniger als 60% des durschnittlichen Nettoeinkommens zur Verfügung haben.
      Wir sprechen hier nicht von der absoluten Armut, von der Hand im Mund. Ich denke das steht außer Frage. Und dennoch ist es für so viele alleinerziehende Mütter (und Väter) ein Drahtseilakt, mit ihrem Einkommen auszukommen. Nicht wenige drängt dies an den Rand der Gesellschaft und auch der Verzweiflung – zwei Jobs, die Angst, wenn etwas Unvorhersehbares passiert, etc.

      Und ja, ich stimme der Aussage zu, dass der zahlungspflichtige Elternteil oft viel zu lasch davonkommt. Bis hier der Behördenapparat in Bewegung gesetzt wird, bis gerichtliche Verfahren angestrebt und vollzogen werden (hier wird diese Frist ausgereizt, dann diese, …), …. bis Unterhalt vollstreckt werden kann – DAS is ein Armutszeugnis für Deutschland. Auch und vor allem, dass die Betroffenen dann schauen können, wie es weitergehen kann.

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