Das #Ferienexperiment: Die erstaunlichen Auswirkungen von Erholung

Ich bin immer noch etwas träge, das #Ferienexperiment hallt nach. Träge sein ist gut, merke ich gerade, denn vorhin habe ich etwas getan, was ich schon sehr lange nicht mehr gemacht habe: Ich bin freihändig Fahrrad gefahren.

Die Sonne schien so schön, die Straße war frei, mir war leicht ums Herz. Das fühlte sich schön an, weil ich als Teenager sehr viel freihändig fuhr, damals war ich mit dem Rad fast verwachsen, ich putzte es ausgiebig, ich reparierte alles selbst, weil der nächste Händler viel zu weit weg war, und erst nach Wochen Termine vergab, so lange konnte ich nicht warten.

Damals hatte ich viel Zeit, denn ich war Schülerin, und es waren die 80er. Wie fürchterlich gehetzt ich heute im Alltag bin, verglichen mit damals oder auch mit der Zeit, zu der ich studierte, ist mir in den vergangenen 10 Tagen sehr klar geworden. Ich habe nämlich ein #Ferienexperiment gemacht, und es hat mich verändert.

Ferienexperiment
silviarita auf Pixabay.com

Das Setting des #Ferienexperiment

Keine Termine, keine Aufträge, keine Verpflichtungen. Bis auf den Haushalt, die Kinder, die Katzen, denn Personal habe ich ja nicht, oder Menschen, die mir wirklich alles komplett abnehmen können.

Ich habe einen kleineren Auftrag abgelehnt und einen Auftritt, für den ich 2 Tage unterwegs gewesen wäre. Beides hätte mir zusammen etwa 400 € eingebracht, und es ist gut, dass ich zum Zeitpunkt, als ich die Absagen schrieb, nicht wusste, dass in Sachen Unterhaltszahlungen für die Kinder vom Ex Ungemach drohen würde. Sonst hätte ich die Aufträge vielleicht doch angenommen.

Geplant hatte ich, das #Ferienexperiment 3 Wochen lang durchzuziehen, bis dann am kommenden Montag die Schule bei uns wieder losgeht. Tatsächlich wurden es dann 10 Tage, aber das hat auch schon viel bewirkt.

Das #Ferienexperiment und seine Auswirkungen

  • Schon nach 3 Tagen bemerkte ich etwas total ungewöhnliches: Ich hatte Lust, mich zu bewegen, am liebsten an der frischen Luft. Normalerweise fahre ich heutzutage mit dem Rad, um von A nach B zu kommen, und nicht, weil ich Lust dazu habe. Manchmal  nehme ich auch einfach das Auto, obwohl die Strecke kurz ist, weil ich körperlich so erschöpft bin, dass mich der Gedanke ans Radfahren graust.
  • Dass ich Lust auf Bewegung hatte, war schön. Ich schnappte mir mein Rad und fuhr durch die Gegend, einfach so. Ich ging im Freibad schwimmen, weil ich Bewegungsdrang hatte, und nicht, weil ich Rückenprobleme bekämpfen muss oder etwas für meine Gesundheit tun. Zufälligerweise las ich bei Dr. Dunja Voos im medizinischen Blog einen aktuellen Text über Erschöpfung und Sport, in dem sie genau darüber schreibt: „Erst erholen, dann bewegen“ ist der Titel, und fühlte mich sehr bestätigt. Sie schreibt: „Ein erholter Körper möchte sich wie von selbst bewegen. Wer sich ein paar Tage Erholung gönnt, der bemerkt wahrscheinlich, dass die Lust auf Bewegung kommt und dass es durch die Erholung leichter wird, wieder mit einer sportlichen Aktivität anzufangen.“Und weiter: „Wer also wieder fitter werden will, braucht nicht unbedingt zuerst die Bewegung, sondern oft zuerst Schlaf, Wärme, gutes Essen und Ruhe, um die Grundlage für die körperliche Aktivität zu schaffen.“ Das kann ich wirklich nur bestätigen.
  • Die kleine Fahrradbrücke über den Rhein, die mir oft vorkommt wie ein Berg – besonders im Winter, wenn ich friere und eine gewisse Grundunzufriedenheit mangels Wärme, Sonne und Licht mich quälen – schien mir wie ein netter Hügel, an dem ich meine Kräfte spüren kann. Und nicht wie ein lästiges Hindernis. Das fand ich ziemlich erschreckend, weil mir klar wurde, wie ausgepowert ich sonst durch den Alltag bin. Es ist eine wirklich kleine Brücke.
  • Ich habe mit den Nachbarinnen Schwätzchen gehalten, ohne ständig auf die Uhr zu gucken und zu denken, eigentlich müsse ich jetzt etwas Sinnvolles tun. Und gemerkt, dass auch das etwas Sinnvolles ist.
  • Besonders frappierend war mein Umgang mit den Kindern: Wie viel einfacher es ist, eine gute Zeit mit den Kindern zu haben, wenn man nicht ständig an tausend Dinge denken muss, sich nicht mit Geldsorgen und Terminen beschäftigen muss, hat mich wahrlich erschüttert. Es war unfassbar leicht, auf ihre Bedürfnisse gut einzugehen, Dinge mit ihnen zu tun, die ihnen wichtig waren, und geduldig zu bleiben. Ich hatte, um es mal drastisch zu sagen, mehr Luft für Liebe.
  • Und nebenbei habe ich, beim Bummeln durch die Stadt, überlegt, welche Haarfarbe ich als nächstes tragen möchte. Anstatt, wie die letzten Jahre, immer genau dieselbe Farbe zu kaufen. Demnächst bin ich also wieder blond!

Folgerungen für mich aus dem #Ferienexperiment

  • Wenn ich mit Freude Sport machen will, muss also eine ausreichende Grund-Erholung vorhanden sein, und da ich nicht mehr die Jüngste bin, werde ich besser auf mich aufpassen müssen, wenn ich gesund bleiben will.
  • Es ist okay, nein sogar vernünftig, nicht alle Aufträge anzunehmen. Auch wenn das Geld knapp ist. Denn der Verlust an Lebensfreude durch all den Druck macht die Sicherheit durch das Geld nicht wett.
  • Für meine Kinder, und das wusste ich vorher schon, ist eine entspannte Mutter wichtig. Ich werde mir die Freiheit nehmen, meine Kinder und meine Gesundheit als wichtiger anzusehen als vorbildliches Funktionieren. Das ist für mich ein großer Schritt, denn ich war immer super im Funktionieren, und ich bin auch so erzogen. Aber ich möchte das nicht mehr. (Was nicht bedeutet, dass ich ab jetzt nicht mehr arbeite und nur noch faul herumsitze. Logisch.)
  • Ich möchte Muße haben, in die Luft zu gucken. Und freihändig Fahrrad zu fahren, und durchzuatmen. Und ich möchte regelmäßig Auszeiten nehmen, auch wenn das mit Kindern kein Wellnessurlaub und all inclusive ist. Aber schon hier Zuhause einfach mal nur das nötigste zu tun, kann sehr erholsam sein.

Wen interessiert, wie sich das angefühlt und entwickelt hat, kann übrigens auf twitter unter #Ferienexperiment nachlesen, wie es mir ergangen ist. Nach einer guten Woche musste ich das Experiment ja abbrechen, weil sich ein Unterhaltsstreit mit dem Exmann abzeichnete, den ich nicht aussitzen kann. Aber es war gut, dass ich das gemacht habe. Denn das #Ferienexperiment hat mich verändert.

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Mama arbeitetJan IhlerMonalisaDunja Voos Letzte Kommentartoren
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Dunja Voos
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Dunja Voos

Liebe Christine,
wie schön, von Dir zu lesen! Über Deinen Link freue ich mich sehr. :-)
Noch weiterhin gute Erholung, die die neuen Sorgen vielleicht wenigstens etwas aushaltbarer machen kann … oder? … ODER? ;-)
Herzliche Grüße,
Dunja

Monalisa
Gast
Monalisa

Klingt doch super (und höchste Zeit). Außerdem hast Du es nicht nötig, jedem mickerigen Auftrag hinterher zu rennen. Vielleicht kannst Du Dir auch ein paar Gedanken machen, wie Du zukünftig insgesamt ggü. Geschäftspartnern besser verhandelst. Viel Mut und Erfolg dafür! Drücke Dir auch die Daumen, dass Du bald wieder angemessenen Unterhalt bekommst. Es ist echt beschämend, was Dein Ex da veranstaltet. Sonderbarer Mann, der lieber mit allen bricht, als mal sein eigenes Verhalten zu überdenken. Jetzt setzt er also das letzte bisschen Beziehung zu seinen Kindern aufs Spiel, weil er seit Jahren nicht über seine beleidigte-Leberwurst-Haltung hinwegkommt und es ihm… Weiterlesen »

Jan Ihler
Gast
Jan Ihler

Sie Schreiben, dass Sie Aufträge ablehnen. Ich bin auch Freiberufler, habe aber noch nie einen Auftrag abgelehnt, weil ich der Auffassung bin, dass sich der Auftraggeber dann einen anderen sucht und bei diesem auch zukünftig bleibt. Haben Sie keine Bedenken, dass Ihr Auftraggeber nach einer Ablehung durch Sie auch zukünftig wegbleibt, oder war das ein so kleiner Auftraggeber, dass sich das nicht lohnt? Ich meine, die Konkurrenz unter Journalisten und Auftragsschreibern ist ungemein größer als bei mir, der als Programmierer Auftritt.