Dem Tod von der Schippe springen

Zum zweiten Mal habe ich es mit 25 getan. Ich wachte in einem Krankenhaus auf, an dessen Wand ein Kreuz hing, und folgerte, dass ich entweder tot oder im Himmel sei.

Aber das war es nicht. Ich lebte. Und ich war nach einem Autounfall in einem katholischen Krankenhaus gelandet. Bewusstlos, mit Kopfverletzung, aber ansonsten unversehrt. Seitdem feiere ich an jedem 13. März meinen zweiten Geburtstag.

Davor die Fähre nach Amrum, mit meinem Exfreund aus dem Gymnasium, und seinen Eltern. Sie startete trotz Windstärke 12. Und als sogar die starken Seemänner nervös wurden, weil das Schiff so rollte, verabschiedete ich mich vom Leben. Bei 13 Grad Wassertemperatur würde ich nicht lange überleben, selbst wenn ich die Fähre mit einem günstigen Absprungwinkel verlassen würde. Wir kamen trotzdem an. Aber es war knapp.

Tod von der Schippe
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Die Geburt von Kind 2. Der Mann war bei Kind 1 Zuhause, ich schon im Krankenhaus mit Blasensprung. Nachts um 2 Sekunden in Narkose versetzt für den Kaiserschnitt. Ich wachte wieder auf und sowohl das Kind als auch ich lebten noch. Sicher war das nicht gewesen.

Wobei, wenn wir es genau nehmen, wäre ich bei Kind 1 schon drauf gegangen. Plazentainsuffizienz, eingeleitete Geburt. Im Mittelalter wären das Baby und ich einfach gestorben.

Und bei dritten Kind erst Recht. Das kam zwar von alleine aus mir raus, aber die Plazenta nicht. Damit wäre ich ohne medizinische Intervention gestorben (Vollnarkose morgens um 4 Uhr und raus mit der Plazenta!)

Dann die Trennung. Dieser Moment, in dem ich mit Messer am Hals rücklings auf der Küchenzeile lag und dachte: „Scheiße, das war’s jetzt schon?“

10 Jahre ist das jetzt her. Und es fällt mir ein, weil meine Mutter (80) gerade dem Tod in Fom von Krebs von der Schippe gesprungen ist, wie schon mein Vater mehrfach vorher, wegen diverser Krankheiten, die andere Menschen töten. Ich habe mich schon mehr als einmal von meinen Eltern verabschiedet und auch von mir selbst, so komisch das klingt. Aber es geht doch immer weiter, obwohl ich nie damit gerechnet habe.

Und nun das siebte Leben. Hello, Autoimmunerkrankung. I hear you.