Die letzten Züge des Sommers genießen

Noch sind die Abende warm, die Beine ohne einengende Strumpfhosen, so wie es immer sein sollte, und die Fußnägel rot lackiert.

Im Herbst und Winter lasse ich das, denn dafür müsste ich eine Stunde lang barfuß in der kalten Wohnung im Erdgeschoss herumlaufen, und davon bekäme ich eine Blasenentzündung.

Aber noch ist es Sommer, auch wenn es jeden Abend früher dunkel wird. Auf dem Balkon lächelt mich mein roter Tisch an, die blauen Stühle, der grüne Grill, und die üppig blühenden Pflanzen in den Balkonkästen wissen noch nicht, dass ihre Zeit bald abgelaufen ist. Aber ich weiß das. Bald werde ich wieder frieren, wenn ich aus dem Supermarkt trete und meine Einkäufe ins Auto lade, wenn ich aus dem Haus gehe, um Briefe zur Post zu bringen oder die Kinder aus der Schule abzuholen. Es wird dunkel sein, schon um 16 oder 17 Uhr, und der Himmel grau.

Aber noch ist Sommer, mir ist warm, die Seele leicht, draußen lachen Kinder im Hof bis spätabends, die Bäume spenden Schatten und stehen nicht in der Gegend herum wie traurige Gerippe, es pfeift kein kalter Wind, mir peitscht nicht der Regen ins Gesicht. Noch ist es Sommer.

Sommer
Skitterphoto auf Pixabay.com

Bald werde auch ich wieder grau sein, meine alten Wollwinterkleider tragen, und die schönen bunten Sommerkleider abgelegt haben. Unter vielen Schichten werde ich mich verbergen, damit mir der Winter nichts anhaben kann, und damit ich im nächsten Frühling wieder auferstehe, so wie jedes Jahr. Aber noch ist Sommer. Noch.

Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit Familie/Beruf, Alleinerziehende. Seit 2014 auch Stadträtin in Konstanz.

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