Essensvorlieben von Kindern: Willkommen in der Imbissbude Mama!

Es heißt ja, Kinder suchen sich Nischen, in denen sie sich von ihren Geschwistern abgrenzen können, sie spezialisieren sich, das sei gut und nützlich bei der Entwicklung.

Das habe ich irgendwann mal im Biologieunterricht gelernt, wenn ich mich recht erinnere, aber vielleicht haben mir auch die vielen Elternratgeber oder meine Zeit als Baby- und Familienjournalistin dieses Wissen vermittelt, so genau kann ich das nicht mehr sagen.

Was ich aber 100-prozentig weiß, ist dass dass stimmt. Ich habe nämlich drei Kinder, und die sind so unterschiedlich, dass ich fast aus Neugierde, wie denn das vierte geworden wäre, eigentlich gerne noch ein weiteres bekommen hätte. Das vierte Kind würde dann gerne Äpfel essen, Vollkornbrot mögen und am liebsten roten Tee trinken. Und es wäre sportbegeistert, würde mit Begeisterung auf Ferienfreizeiten gehen, und vielleicht besonders gut Geige spielen.

Ganz extrem sehe ich das bei den Essensvorlieben meiner Kinder. Bei uns Zuhause ist es nämlich so, dass ich manchmal richtig ins Schleudern gerate, weil ich vergesse, dass Pizza mit Pilzen für das eine Kind so gar nicht geht, während das andere Zwiebeln gerne isst, und Salami auch nur zwei Kinder mögen, wobei, seitdem sich eins vegetarisch ernährt, das mit der Salami auch vorbei ist.

Essensvorlieben
Monsterkoi auf Pixabay.com

Ein Kind liebt Currywurst, die sonst niemand hier isst, eines Pommes (aber das sind unterschiedliche Kinder!), eins könnte jeden Tag Schnitzel essen, wenn es nach ihm ginge, eins mag Götterspeise, eins Vanillepudding, eins Schokopudding. Lasagne essen auch nicht alle, Kartoffeln nur die Große und ich, wobei der Sohn sie in Form von Bratkartoffeln toleriert, aber dann mit Speck. Speck isst die Große nicht, und Kartoffelpüree mögen nur zwei Familienmitglieder.

Wie wir hier die Eier mögen? Zwei Kinder machen sich gerne Spiegelei, aber bei einer muss das ohne Speck sein, dafür mag sie aber Rührei, was hier sonst niemand isst. Jüngste findet Ei nur diskutabel, wenn es gebraten ist, aber das Gelbe soll bitteschön jemand anders essen. Und ich bevorzuge Eier in gekocht, aber bloß nicht nicht zu weich!

Bei den Getränken sieht es ähnlich aus: Jüngste trinkt fast nur Wasser, der Sohn am liebsten Milch oder Kakao, wobei Vanillemilch für Jüngste gelegentlich auch infrage kommt. Die Große mag Tee, genau wie ich, aber andere Sorten. Fanta und Co mag hier keiner richtig gern, und beim Wasser will ein Kind am liebsten Leitungswasser, eins gerne Medium, und ich ganz viel Kohlensäure oder gar keine.

Ein Kind mag kein Schweinefleisch, eins nicht so gerne Rind, was aber ausgerechnet das Lieblingsfleisch des Schnitzelfreundes ist. Hühnchen essen der Sohn und ich gerne, die Jüngste findet es ekelhaft – außer, wenn es Chicken Nuggets vom Burgerbrater sind, dann sind die toll. Selbiges Kind ist übrigens das einzige, das auf Cheeseburger steht, und zwar sehr. Fischstäbchen mögen drei Familienmitglieder, von denen zwei auch Kartoffelpüree dazu bevorzugen, und Spinat essen auch drei hier, aber nicht die Jüngste. Broccoli ist für die drei Spinatesser eine Delikatesse, aber Salat findet außer mir nur Jüngste lecker, und das schon seit dem Kindergartenalter.

Sie sind verwirrt? Sehen Sie, ich auch. Mein Kühlschrank gleicht dem Warenlager in einem Imbiss. Und die restlichen Küchenschränke auch, denn weder mag hier jeder Schokolade, noch Nutella/Nüsse oder Ravioli, und was die Form der Teigwaren betrifft, hat auch jedes Kind unterschiedliche Präferenzen. Aber da hört bei mir der Spaß auf. Ob’s Spaghetti oder Penne gibt, entscheide ich. Und dann müssen alle da durch. Nur ich nicht, ich esse lieber frisches Baguette mit gekochtem Ei und Schnittlauch.

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Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit Familie/Beruf, Alleinerziehende. Seit 2014 auch Stadträtin in Konstanz.

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7 Kommentare auf "Essensvorlieben von Kindern: Willkommen in der Imbissbude Mama!"

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Janine
Gast

Es ist immer gut zu wissen, dass man nicht allein ist in diesem Irrsinn. Ich glaub, ich füge mein Talent, trotzdem alle irgendwie satt und gesund zu halten, mal als besondere Fähigkeit bei einer Bewerbung ein.

Danke für den erheiternden Text.

Janine

Einmalandersmitscharf
Gast

Der Text klang ein bisschen wie eines der Logikrätsel, bei denen man per Ausschlussverfahren Aussagen zuordnen muss. Bei deinen Kindern ist mir das leider nicht gelungen. 😁
Aber im Ernst, ich habe zwei Kinder und auf meiner Mutter-Kind-Kur die Ernährungsberaterin mit der Schilderung der unterschiedlichen Essensvorlieben meiner Kinder zur Verzweiflung gebracht. Inzwischen bin ich da rigoroser als früher: Irgendein Mahlzeitenbestandteil wird Ihnen schon schmecken und da sie zum Teil auch in Schule/Hort essen, kommt es insgesamt schon hin.

Ralf
Gast

Ein alleinerziehender Vater hat mit diesem ” Chaos ” keine Probleme. Meine Kinder können kochen, das schon seit sie 8 waren. Sie machen sich was ihnen Spass macht, was ihnen schmeckt. Ergo stehen halt 3 verschiedene Gerichte auf dem Tisch, jeder wie er es mag.

Mom
Gast
Ich musste bei dem Artikel so schmunzeln. Bei uns sieht es ähnlich aus. Wir haben Drillinge. Sie haben also schon im Mutterleib und auch die ersten zwei Lebensjahre das gleiche Essen bekommen. Dennoch sind sie so unterschiedlich! Der 1. isst fast alles. Vor allem gerne Obst und Gemüse, aber bloß kein Frühstück vor zehn Uhr morgens und dann auch nur in Smoothie Form. Der 2. isst nur Gurke und Äpfel, restliches Grünzeug wird total überbewertet. Zum Frühstück am besten Toast mit Marmelade ohne Butter. Die 3. isst, wenn man sie bequatscht, gnädigerweise ein Stückchen Paprika. Sie braucht unbedingt morgens schnell… Read more »
Susann
Gast

Das ist wirklich nicht Erziehungssache – ich kenne ein damals streng makrobiotisch/vegan lebendes Paar mit zwei Kindern.
Kind 1 mochte nie Fleisch, nie.
Kind 2 mochte in erster Linie Fleisch, Schinken, Ei….zur unbändigen Freude (Ironie off) der Veganereltern. Das hat ihr niemand vorgelebt -d as war einfach in ihr drin.

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