Montags bin ich müde und freitags bin ich wach

Es ist kurz vor 4 Uhr nachmittags an einem Montag. Der Kindergarten hatte wegen Rosenmontags nur bis 13:30 geöffnet und ich am Vormittag zwei wichtige Interviewtermine – nun fehlt mir meine Extraportion Schlaf, die ich mir montags oft gönne. Während auf twitter das große Montags-Mimimi einsetzt (auf gut Deutsch Gejammer, dass die Arbeitswoche noch so lang sei) überkommt mich als im Home Office arbeitende Selbstständige am Montagmorgen mit unschöner Regelmäßigkeit eine Müdigkeit, die überwältigend ist.

Es liegt weder am Home Office noch an der Selbstständigkeit, auch wenn man im Büro vielleicht eher von der eigenen Müdigkeit abgelenkt wird. Nein, es ist das Wochenende als Alleinerziehende, das mir in den Knochen steckt.

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Viele Leute sind montags müde, das ist nicht ungewöhnlich, weil am Wochenende ausgeschlafen wird und man dann am Sonntag zu spät ins Bett geht. Nur gehe ich sonntags gar nicht spät ins Bett, meist falle ich gleich nach dem Tatort in die Federn. Ich schlafe auch aus, ich habe Glück mit meinen Kindern, die mir 9-10 Stunden Schlaf am Wochenende zugestehen. Da ich jahrelang unter extremem Schlafmangel litt bei der ältesten Tochter, weiß ich diesen Schlaf sehr zu schätzen.

Montags früh stehe ich um 6:30 auf, tue das, was Mütter so tun, nämlich Brote schmieren, Kinder aus dem Haus bringen, mal eben die Geschirrspülmaschine ausräumen, die Katze füttern und mein verschlafenes Gesicht durch Duschen und ein bisschen Schminke in eine wiedererkennbare Person verwandeln. Dann lese ich meine Mails und gucke im Internet nach dem Rechten. Und wenn alles getan ist, was zu tun war, dann werde ich so müde, dass ich das Gefühl habe, mein Kopf wird leer. Die wortwörtliche bleierne Müdigkeit, die das Gehirn überfällt, kommt wie eine Gliederschwere bei Grippe über mich. Das Bett wird zum einzig sinnvollen Aufenthaltsort.

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Eine Weile lang habe ich mich gewehrt und gedacht, man könne sich doch montagvormittags nicht hinlegen, das sei Frevel. Aber ich glaube, ich brauche das gelegentlich. Wenn man Hunger hat, soll man essen, und wenn man erschöpft ist, soll man ausruhen. Ich darf das, mein Zeitplan lässt das zu, und es bleibt nichts liegen deswegen. Also lege ich mich von 9:30-11 Uhr nochmal hin. Und danach fühle ich mich ausgeschlafen und gut, die Woche kann beginnen.

Man mag sich fragen, was denn an meinen Wochenenden so anstrengend ist, wo ich doch luxuriös ausschlafen kann und scheinbar keine Verpflichtungen habe. Nun, als komplett Alleinerziehende bin ich eben immer im Schichtdienst, wie ein Arzt in Bereitschaft. Und es gibt keinen Moment, in dem ich wirklich ganz abschalten kann und nicht verantwortlich bin.

„Es kann auch sehr anstrengend sein, wenn man nicht nach seinem Tempo leben kann“, sagte mir eine kluge Frau kürzlich. Und genau das ist es – es geht an den Wochenenden nicht darum, was ich möchte, noch weniger als unter der Woche. Ich passe mich die ganze Zeit an, überspitzt gesagt wie ein Gast im eigenen Leben. Das schlaucht. Und deswegen bin ich montags müde – heute noch mehr als sonst, weil am Freitag kein Kindergarten war und ich seit Donnerstag 13 Uhr „im Dienst“ bin.

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Wenn der normale Arbeitnehmer am Freitag ziemlich erschöpft ist, dann geht’s mir gut, weil ich eine Arbeitswoche hatte, um mich zu regenerieren. Das mag seltsam klingen, als sei mir die Betreuung meiner eigenen Kinder eine lästige Pflicht. Aber ich habe nicht die Wahl, niemand außer mir ist zuständig, wenn die Kita geschlossen hat. Und drum bin ich eigentlich heilfroh, wenn das Wochenende vorbei ist. Aber eben auch erholungsbedürftig. Da sind 1-2 Stunden Vormittagsschlaf sogar eine Schnell-Kur. Und heute Abend gehe ich um 21 Uhr ins Bett. Ich freu mich schon darauf.

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Katharina
Katharina
3. März 2014 17:15

Nach zwei Wochen krankem Mann und Sohn bin ganz bei Dir. Zum Glück darf ich heute Abend an eine Sitzung, so kriege ich wenigstens wieder mal frei.

Sabrina
Sabrina
3. März 2014 17:22

Ich glaube ja, das ist nicht nur bei Alleinerziehenden so. Jedenfalls gehts mir nach einem Wochende auch immer so. Und am Freitag könnte ich noch ewig weiter machen, einfach weil ich so schön drin bin. Dann kommt das we mit Haushalt, Kindern, kochen, malen, basteln – der Gatte ist nur alle zwei Wochen hier am We, ansonsten ist er arbeiten .. Und am Montag bin ich urlaubsreif.

Frl. Null.Zwo
Frl. Null.Zwo
3. März 2014 21:03

Ich kann Dich so gut verstehen!
Mit meinem einen Kind wäre ich vor 2-3 Jahren als AE ohne die Umgangswochenenden gestorben- das war zwar anfangs immer sehr ungewohnt so ganz ohne stand-by-Modus, aber bitter nötig um Büro- & Mamajob die anderen 12 Tage durchzuhalten.
Von daher kein schlechtes Gewissen, sondern als Regeneration verbuchen.

desperateworkingmum
desperateworkingmum
3. März 2014 21:58

Liebe Christine, diese Form der Montagsmüdigkeit ist absolut nachvollziehbar! Ich bewundere dich ohnehin dafür, wie du das alles auf die Reihe kriegst. Als meine Kinder kleiner waren, habe ich das auch so empfunden, Bürotage waren eine Erholung, Dienstreisen das Paradies. Jetzt ist es eher umgekehrt, eine Woche mit meinen mittlerweile zwei Jobs außer Haus und den teilweise zu Hause verbrachten Nachmittagen und Abenden schlaucht mich, obwohl meine Kinder schon so groß sind. Aber frau ist eben rund um die Uhr und für absolut alles Ansprechpartner. Von Ärger mit Lehrern, verlorene Gegenstände, schlechte Noten, (oder auch gute Noten, die gebührend bewundert… Weiterlesen »

Micha
Micha
3. März 2014 22:35

Ehrlich gesagt empfinde auch ich die Wochenenden oft als sehr anstrengend. Neben den Kindern werde ich auch noch von meinem Mann mit Erwartungen konfrontiert. Klar nimmt er mir auch mal was ab, aber meistens bleibt dabei etwas anderes liegen. So ab und zu wünsche ich mir, dass alle mal für ein paar Stunden verschwinden und ich ein schönes leeres Haus habe.
LG, Micha

Pfiffika
Pfiffika
4. März 2014 07:16

Wunderbar auf den Punkt gebracht!!!! :-)

Ein Bekannter hatte letzten Sommer 2 Wochen normalen Alltag, aber ohne Kinder, für seine Frau und sich. Resumee: Wie Urlaub!

Alltagsheldin
Alltagsheldin
4. März 2014 14:01

Das hast Du wunderbar auf den Punkt gebracht, dieses Phänomen einer Alleinerziehenden. Seufz. Ich erinnere mich an diese Zeit nur zu gut zurück. Am liebsten hätte ich auch hier und da so eine Pause gehabt, gebraucht. Nur dass das Kind 24/7 bei mir war und erst recht spät zu Papa-Wochenenden „wegkam“. Nunja, überlebt. Und jetzt mit dem Liebsten an der Seite sind solche Pausen auch nicht mehr so nötig bzw. nimmt er sie mir schonmal ab.

Daher: ich kann’s absolut nachvollziehen. Sie sind nötig, diese Pausen! Genieße sie.

Liebe Grüße,
die Alltagsheldin

Elli
Elli
4. März 2014 14:37

Und ich hab schon gedacht, nur ich muss mich damit rumschlagen.
Wie ich sehe, bin ich nicht allein. Das tröstet mich ungemein. :-)

Grüßchen und noch einen stressfreien Tag „gähn“
Elli

Iris
Iris
5. März 2014 07:26

Oh ja, der Montagmorgen. Ich habe montags frei und bin sooo glücklich damit. Das erspart mir das miese „die Woche geht wieder los Gefühl“ am Sonntagabend und wenn die Woche wirklich arbeitstechnisch wieder los geht, ist es schon Dienstag. Ich gehe montagvormittags meistens (wenn ich meinen inneren Schweinehund überwinden kann zum Yoga) und komme dann supererfrischt wieder zurück. Das Hingehen ist das Problem. Wenn ich es nicht schaffe, erhole ich mich auf ähnliche Art und Weise wie du vom Wochenende das mich mit Haushalt, Hausaufgaben, Ausflügen, zu vielen sozialen Kontakten usw. oft auch mehr schlaucht als mein Berufsalltag. Es ist… Weiterlesen »

Alexandra
Alexandra
5. März 2014 13:06

Lustig, bzw. natürlich nicht!
Ich bin montags gut erholt und in der Woche ganztags bis spääät aktiv. Aber freitagabends breche ich am Abendbrotstisch zusammen und wünsche mir nichts mehr, als erstens sofort und zweitens laaange auszuschlafen am Samstag. Muss die Woche kompensieren. ;)
Die Dauerverantwortung schlaucht, absolut. 24/7. Zumindest fühle ich auch (aufgrund von Erfahrungen) eine Zuständigkeit, wenn die Kinder außer Haus sind. Zu oft schon mussten spontan gebrochene Gliedmaße in die Ambulanz gekarrt werden etc.
Schlaf ist Luxus, und den gönne ich mir!
Ein Hoch auf den Powernapp, übrigens! ;)

Dunja Voos
Dunja Voos
8. Oktober 2014 01:48

Liebe Christine,

ich bin immer ganz baff, wie gut du alles beschreibst und wie sehr ich mich oft genauso fühle wie du …

:-)

Dunja

imke
imke
23. März 2015 13:14

Liebe Christine, als Musikerin (mit 3 Kindern), die manchmal das ganze Wochenende durcharbeiten muss, kenne ich diese Montagsmorgenverlockung, wenn die Brut aus dem Hause ist. Es ist irre gemütlich im Bett, aber ich habe gemerkt, dass es mich nicht belebt, sondern eher in so einen Dumpfschlunpfmodus bringt.Ich zwinge mich mittlerweile dazu, zum Sport zu gehen oder zu joggen oder wenigstens eine Runde spazieren zu gehen. Das belebt mich letztendlich mehr. Es ist natürlich bei jeder anders, wo und wie sie neue Energie tankt. Aber das wichtigste ist, dass man das in der Waage hält, das Energie lassen und wieder auftanken,… Weiterlesen »