Nachruf auf Muck Mayer

Rolf Dietmar hieß er, aber so hat ihn wohl höchstens seine hoch betagte Mutter genannt, die er pflegte. Muck Mayer machte keine große Sache daraus, dass er sich um sie kümmerte, obwohl sie bettlägrig war und er sie nur wenige Stunden alleine lassen konnte. Zum Beispiel, um uns zu besuchen.

Muck tauchte zum ersten Mal im Dezember 2017 in unserem Leben auf, als ich nach Ersatz für die Wii U auf twitter herumfragte. Das Laufwerk war kaputt gegangen, und meine jüngste Tochter zutiefst enttäuscht, dass ihr Weihnachtsgeschenk – eine vom großen Bruder gebraucht abgekaufte Wii U – quasi sofort nach dem Tausch den Geist aufgegeben hatte.

Über twitter bot Muck an, der Jüngsten seine alte Wii U zu schenken, die er nicht mehr brauche. Wir kannten uns nicht, und ich lasse mir normalerweise von fremden Männern nichts schenken, zu oft habe ich im Leben die Erfahrung gemacht, dass dafür am Ende doch irgendeine Gegenleistung erwartet wird.

Nicht so bei Muck. Er sagte, er wolle eh noch seine Tante besuchen, die in Konstanz hier bei mir um die Ecke wohne, und komme gerne vorbei. Wahlweise auch ein Treffen für die Wii U Übergabe in einem Café, ganz wie es mir lieber sei. Ich beschloss, dass ich das Risiko eingehen würde, den fremden Mann in unsere Wohnung zu lassen, und lud ihn ein. Muck brachte nicht nur die Wii U vorbei, er richtete sie auch ein und zockte vergnügt mit meinen Kindern. Und dann ging er wieder, seine geliebte Hündin Kessie hatte auch lange genug im Auto gewartet, und die Mutter wartete auch.

Muck war sanft und zurückhaltend, und unglaublich liebenswürdig, gleichzeitig aber auch lustig mit einem sehr feinen Humor. Er konnte wie kaum ein anderer mit meiner autistischen Jüngsten umgehen, die ihn umgehend ins Herz schloss, und der ich noch nicht gesagt habe, dass er gestorben ist. „Das ist so ein guter Mensch“, sagte sie einmal, als wir über Krebserkrankungen und darüber, dass das Leben unfair ist, sprachen, und es auch um Muck ging.

Muck Mayer

Nun ist Muck also tot, wie ich vor ein paar Tagen erst erfuhr, als ich auf twitter nach ihm herumfragte. Ich weinte, als ich das hörte, und ich bin sehr traurig, während ich das schreibe. Denn ich hatte gehofft, dass er wirklich wieder gesund wird, so wie er es sagte. Zuletzt besucht hat er uns im Dezember 2018, er sagte, es stehe eine Bestrahlung/Chemo an, die dafür sorgen könne, dass ein Arm lahm werde, da wolle er lieber vorher vorbeikommen, und er brachte Brötchen mit vom Bäcker aus Engstingen, wo er wohnte. Wir sollten uns nicht erschrecken, er habe 2 Zähne verloren und Haare auch, schrieb er uns vorab, und das war typisch für ihn, er dachte immer mit, und wollte auf keinen Fall aufdringlich sein.

An jenem Tag im Dezember 2018 wollte er eigentlich ein Zelda-Spiel für die Wii U vorbeibringen, das er ausgespielt hatte, so sagte er. Aber als er hier bei Nutellabrötchen und Kaffee saß, packte er eine kaum benutzte Switch aus, die er den Kindern schenkte. Er brauche sie nicht mehr, und unsere Freude sei ihm Dank genug, sagte er. Mir gab er seine Kamera, die nicht mehr neu, aber immer noch sehr gut war. Die Kinder konnten ihr Glück kaum fassen. Ob er da schon wusste, dass er bald sterben würde?

Kurz darauf stürzte er auf seiner morgendlichen Hunderunde, und das war der Anfang vom Ende. Noch vor Weihnachten kam er ins Krankenhaus, dann musste eine neue Hüfte her, er kam in die Reha, es ging wieder bergauf, dann bergab, eine Lungenentzündung folgte, es musste ein Port für künstliche Nahrung gelegt werden, und Ende Februar schrieb er mir, er sei jetzt wieder Zuhause und habe genug von Kliniken.

An Fasnacht schickte ich ihm ein Foto von uns von der Schulfasnacht, und er reagierte am 6. März mit einem Daumen hoch auf WhatsApp. Eine Woche später war er dann tot, wie ich von einer Bekannten über twitter hörte.

Ohne twitter hätte ich Muck Mayer nie kennengelernt, und ich bin dankbar, ihn gekannt zu haben. Falls Ihr ihn auch kanntet und schöne Erlebnisse mit ihm oder Andenken an ihn beitragen wollt, könnt Ihr das gerne in den Kommentaren tun.

R.I.P., lieber Muck.

Fotonachweis: Blumen auf einer Hunderunde, aus Mucks Blog.

3
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
2 Kommentar Themen
1 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
3 Kommentatoren
Christine FinkeHeidi E.Caro Letzte Kommentartoren
neueste älteste meiste Bewertungen
Caro
Gast
Caro

Wie traurig! Muck Mayer war bei den ersten Followern, die du mir „verschafftest“, liebe Christine. Ich las damals einen Tweet, wonach er wieder aus dem Krankenhaus entlassen war. Aber ich wusste ja nicht, weshalb. Badener aus dem Linzgau, war mir sympathisch, aber es gab keinen direkten Kontakt, vielleicht mal einen Like. Trotzdem ist es schlimm. Möge es ihm gut gehen, da wo er jetzt ist!

Heidi E.
Gast
Heidi E.

Entschuldigung, dass ich frage – aber dem Muck wäre es wahrscheinlich auch wichtig: Kümmert sich jemand um den Hund? Und was ist mit seiner Mutter passiert? Weiß das jemand?

Liebe Grüße – wir kannten Muck nicht aber er ist uns sympathisch…