Spaß haben und eine gute Mutter sein – wie ging das nochmal?

“Wann hatte ich das letzte Mal Spaß in deiner Erinnerung?”, frage ich den Sohn, und es gibt gute Gründe, warum ich das frage. Der Sohn kräuselt seine Nase und überlegt.

Ich sehe, dass er gerne eine Antwort geben würde, aber weil auch ich lange nachdenken muss, wann ich zuletzt in den Augen der Kinder fröhlich war oder gar ausgelassen gelacht habe, ist klar, dass ihm auf die Schnelle nichts einfallen kann. Wir kommen dann beide fast gleichzeitig darauf, dass das im September in Berlin gewesen sein muss, als wir alle gemeinsam in einer Kneipe zu Abend aßen und den lauen Spätsommerabend genossen. Das ist lange her, viel zu lange.

Spaß haben
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Wir haben zu wenig Spaß in dieser Familie. Nicht im Sinne von Spaßgesellschaft – sondern im Sinne von lebensnotwendigem Spaß. Solcher, der einem sagt, dass das Leben im Grunde ganz okay ist, und der einen davon abhält, zuviel über den Sinn des Lebens nachzudenken. Hier ist alles Hetzen, Pflicht, Versuche, irgendwelchen Ansprüchen zu genügen.

Seit Jahren ist es eng. Finanziell eng, zeitlich eng, wegen meiner Ressourcen eng. Da ist kein Platz für Spaß. Wenn ich mich um meine Gesundheit kümmere, dann, weil ich es muss. Und wenn ich mit den Kindern spiele oder in etwas in der Freizeit unternehme, dann weil ich weiß, dass ich das sollte.

Was ich will, das fragt keiner, und das ist auch nicht wichtig.

Dachte ich. Und nun merke ich, 7 Jahre nach der Trennung, dass ich meinen Kindern vorlebe, dass das Leben keinen Spaß macht. Weil ich für Essen im Kühlschrank sorgen muss, für die Miete, Gerichtsprozesse rund um Scheidung und Umgang führte, Angst um meine Wohnung hatte, den Job verlor und arbeitslos war. Das ist nicht lustig. Und keiner hilft dir, bis alles brennt, so ist das System.

Sollten wir nicht doch mehr Geld in Prävention stecken? Wie viele Kinder von Alleinerziehenden haben genauso eine abgearbeitete, ums Geld kämpfende, müde und spaßfreie Mutter, wie ich es in den letzten Jahren war? Was das mit den Kindern macht, sagen uns Armutsberichte. Was das mit den Müttern macht, wird uns die Zeit zeigen – wir wissen jetzt schon, dass die Burn-Out Raten steigen, und dass Stress sich negativ auf die Gesundheit auswirkt, gar lebensverkürzend.

Natürlich kann man auch Spaß haben, wenn man arm ist. Aber unter Geldnot und existenziellen Sorgen glücklich zu sein, ist schon ziemlich schwierig. Wenn man dann noch niemals frei hat oder entlastet wird, so wie ich, dann ist es fast unmöglich.

Wenn ich an meine eigene Kindheit denke, dann sehe ich ein warmes Wohnzimmer mit glücklichen Menschen: meine Eltern, Nachbarn, Freunde und Verwandte. Sie saßen bei Wein und Essen zusammen, sangen, spielten Gesellschaftsspiele oder machten gemeinsam Musik. Meine Eltern waren glückliche Menschen, sie hatten keine Existenzsorgen, sie waren füreinander da, das wusste ich. Und heute muss ich sehen, dass ich genau DAS meinen Kindern nicht bieten konnte. Es tut mir leid, denn das war so schön für mich als Kind.

Also werde ich versuchen, das Glück wieder zu finden. Das ist schwieriger, als es klingt, denn mein Leben ist voller Pflichten, im Moment noch mehr als sonst. Aber jetzt gerade ist es meine Pflicht, Glücklichsein vorzuleben. Und eigentlich will ich das natürlich auch. The pursuit of happiness ist keine Nebensache. Wie konnte ich das nur vergessen!? Ich kenne die Antwort: es hat etwas mit Kinderhaben und der Liebe zu ihnen zu tun. Und genau da liegt die Krux. Verdammi.

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Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit Familie/Beruf, Alleinerziehende. Seit 2014 auch Stadträtin in Konstanz.

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25 Kommentare auf "Spaß haben und eine gute Mutter sein – wie ging das nochmal?"

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Ilka
Gast

Aber wie Glück vorleben, wenn es nicht gefühlt ist. Das lässt sich nicht zwingen… Und Kinder spüren auch, falls es nicht echt ist!
Aber es kommt auch manchmal unverhofft und spontan… Ich drücke die Daumen!

Cha Lotte
Gast

Wow, so ein ehrlicher, selbstkritischer Beitrag. Ja, Glücklichsein vorgelebt zu bekommen, gehört sicher zur glücklichen Kindheitserinnerung. Ich wünsche dir, dass es dir gelingt. Ich mache grade 21 Tage glücklich sein lernen, bisher bin ich zufrieden: [Link gelöscht, war mir nicht sicher, ob das Spam ist – die Bloggerin]

Barbara B.
Gast

Das kenn ich, hat mich auch jahrelang belastet. Dazu gehörte auch die Überlegung den Kindern nur eine katastrophale Beziehung zwischen uns Eltern vorgelebt zu haben. Ich hatte riesiges Glück und habe nach Jahren einen liebevollen Partner kennengelernt. Und nicht zu spät. Ich konnte zusehen wie meine Kinder erst argwöhnisch, dann voller Erleichterung ganz nah eine liebevolle, zärtliche Beziehung auf Augenhöhe zwischen uns Erwachsenen miterlebet haben. Und zu zweit ist vieles nicht mehr so schwer. Unser Leben ist entspannter geworden. Ich bin sehr dankbar dafür.

Catrin
Gast

Das lässt hoffen…. Auch wenn “Jahre” furchtbar lang klingt. :-(

Melanie
Gast

Die Idee ist gut, klingt nur leider nach yet another thing on mum’s agenda …
Ich stecke im gleichen Dilemma. Es ist mir bewusst, dass ich meinem Kind (leider) im Moment mehr die ernste, bittere Seite des Lebens vorlebe, aber den Spaß kann ich eben nur sehr selten erkennen – wenn, dann zeigt er sich am ehesten in einer Art Galgenhumor. Ich beruhige mich damit, dass sie bei ihrem Vater die Spaßseite sieht. Na klar ist das alles nicht perfekt, aber ich bin auch nur ein Mensch.

J.
Gast

Dieser Satz beschreibt genau mein Leben, meinen Alltag, der ohne Lachen, Spaß und Freude meinerseits stattfindet:
“Hier ist alles Hetzen, Pflicht, Versuche, irgendwelchen Ansprüchen zu genügen.”
Toller Artikel, als ob er direkt aus meiner Seele kommen würde! Sehr sehr traurig und schlimm für uns, für mich, für meine Kinder, sowie für Dich und Deine Kinder :( Aber wir arbeiten dran…
Vielen Dank, dass Du das ausgesprochen hast! Das tröstet ein bißchen…

Anja
Gast

Kenne ich aber ich versuche nachdem mit das bewusst wurde über kleinere Dinge glücklich zu sein. Die Kinder in Sachen wie kochen einzubeziehen und dabei Spaß zu haben. Glücksmomente im Alltag finden. Das geht. Und kleine Schöne Momente schaffen in denen wir uns z. B. Gegenseitig mit einem schönen Öl einreiben oder zusammen lesen. Das Glücksmomente Glas wo wir Sachen aufschreiben und reinlegen die für uns schön waren. Die Sichtweise etwas ändern. Auf das positive nicht immer nur auf das negative. Das hilft um glücklicher zu sein.

Anna Link
Gast

hey, Danke Euch fürs aufschreiben. Das ist nämlich wirklich schlimm, wenn man selber eine ganz andere Kindheit hatte und sich noch ein ganz andere für sein Kind mal so vorgestellt hat. und was dann der Alltag alleine mit einem macht. Das zehrt noch zusätzlich, zu dem was man alles entbehrt (Geld Sicherheit, GEborgenheit) . Ausgelassensein, Blödsinn machen, Unsinn aushalten, Lachen…Fröhlichkeit verbreiten, hm, man kann es üben, und mit sich selber gnädig sein.
Was eine gute Idee, das mit dem Glücksmomenteglas! das merk ich mir. Danke

Tobias
Gast
Liebe Mamis, so lange das Gras bei den Nachbarn immer grüner ist als das eigene, genau so lange werdet ihr unglücklich sein. Spaghetti mit Ketchup – für manche Mutter totales Versagen – für manches Kind ein Abenteuer schlecht hin. Liebt eure Kinder, seid für sie da. Rodeln mit Plastiktüten kann viel lustiger sein, als mit dem neuesten Bob. Meine Frau schimpft täglich, dass wir auf einer Baustelle leben, das Haus noch nicht ganz fertig ist. Die Kids lieben das Abenteuer und das mithelfen. Wenn unsere Kinder einmal sagen werden, dass früher alles besser war, dann sprechen sie vom Jetzt! Kopf… Read more »
Eva
Gast
Ich weiß genau, wie sich das anfühlt. Eine Freundin sagte mal zu mir: Eva, pass auf, dass Du nicht bitter wirst. Und es stimmt… irgendwann sagte mal eine meiner Töchter zu mir, dass die lieber keine Kinder haben wollen würde, denn das wäre ja wohl total anstrengend und würde wenig Spaß machen. Hat mich wachgerüttelt. Und dass obwohl ich immer ganz gute Laune hab und mich viel freier und lebendiger fühle als vor der Trennung. Denn da durfte ich auch keinen Spaß haben- wie unverschämt von mir, dass ich an mich gedacht habe…! “Die Lebensspanne ist dieselbe, ob man sie… Read more »
Eva
Gast
Nachtrag: nach einer Nacht drüber geschlafen noch folgender Gedankengang….das positive Denken aka Spass haben muss geübt werden. Wir können das trainieren! Den Fokus auf etwas Positives lenken ist schon fast Volkssport bei uns geworden. Sogar der Sohn sagt (er ist 14!!!) “Es gibt nichts Negatives Mama, denn auch wenn dir etwas Negatives passiert, kannst du etwas Positives draus machen! ” ich war verblüfft! Aber er hat Recht. Denk ja nicht, dass hier jetzt immer eitel Sonnenschein herrscht. Ich glaub das Geheimnis liegt darin, daß wir auch klar aussprechen, wenn wir uns mies/traurig /wütend /frustriert fühlen. Und ich meine nicht “jammern”.… Read more »
Manuela
Gast
Ich finde es gut, dass Du das so offen schreibst. Die Sache ist doch, in dem warmen Wohnzimmer mit den Nachbarn und Freunden, da geht es doch gar nicht um Geld. Denn warm haben wir es ja, und Gesellschaftsspiele gibt es auch eine Menge. Es gehört wirklich viel dazu, in einer (anhaltenden) Krise das Lächeln zu bewahren. Mir hat geholfen, Dinge zu machen, die ich liebe. Die kleinen Freiräume und Freuden entlasten ein wenig. Und nach mehr als 20 Jahren allein erziehen weiß ich: Es geht tatsächlich vorbei. Das würde ich meinem jüngeren Selbst gern sagen. Halte durch. Sieh die… Read more »
Andrea
Gast
Das ist ein wunderschöner Text. So viel Wahrheit darin. Ich tue mir auch noch sehr schwer mit den ganzen Belastungen, Niederlagen und “unendlichen Geschichten” des Umgangs und merke oft im Umgang mit weniger geforderten Menschen, dass ich ganz schön verbittert bin. Mein grosses Glück ist es eine Tochter zu haben die den Sonnenschein in die Wiege gelegt bekam. Neulich kam sie an und sagte einfach”Mama, wann tanzen wir wieder im Wohnzimmer?” und da muss ich lachen und wir machen Musik an und ab gehts. Mir ist nach der Trennung, als ich die ersten Alleinerziehenden-Blogs las, schnell eines klar geworden: Ich… Read more »
Isa
Gast
Liebe Christine, Das ist unter anderem womöglich der Grund, warum wir Dir in der Gruppe so dankbar für deinen Einsatz sind: Ich habe zB gemerkt, dass mich die permanente Beschäftigung mit den gesellschaftlichen und politischen Ungerechtigkeiten, denen wir als Alleinerziehende ausgesetzt sind, auch sehr runterzieht. Ich finde es sehr tapfer von Dir, den nächsten und wichtigen Schritt gegangen zu sein, politisch aktiv zu werden. Das dies mit wenig Spaß verbunden ist, permanent kämpfen zu müssen, ist nachvollziehbar. Die Wut und das Machtlosigkeitgefühl mag so kompensiert werden – aber die Leichtigkeit als Lebensgefühl geht weg. Du hast nicht nur Verantwortung für… Read more »
Becky
Gast
Vorweg eines gesagt, nicht nur uns alleinerziehende Mamis trifft dieses Los, oftmals sind Mütter aus intakten Familien noch viel überforderter weil der Partner an sie dann auch noch Ansprüche stellt wie für ihn da sein, mit ihm was machen, ihn umsorgen etc. Die wenigsten Männer bringen sich aktiv in die Familie mit ein oder sehen die große Last der Mütter. Ich denke es ist nicht damit getan allein positiv zu denken, Glück in den kleinen Momenten zu finden und alles ist Heititei. Ich denke der Gedanke, dass das Glücklichsein der einzig erstrebenswerte (oder vorzeigbare) Gemütszustand ist, also das was Kindern… Read more »
Mom_de_Lux
Gast
Liebe Christine, dieser Beitrag trifft voll ins Schwarze und beschreibt – leider – auch unsere Situation nur allzu gut. Nach über 12 Jahren als Alleinerziehende von 2 mittlerweile 13-Jährigen, sehe ich mit jedem Monat mehr, wie zermürbend das allein erziehen auf Dauer ist, wie sehr es an der seelischen und körperlichen Gesundheit nagt, egal wie entschlossen und tatkräftig man handelt, um aus jeder noch so schwierigen Situation das Beste zu machen. Meine Kinder sagten auch schon, dass sie selbst keine Kinder wollen, weil es viel zu anstrengend sei – und das tut so unglaublich weh. Das ist nicht das, was… Read more »
veritar
Gast

Warum hast Du Dich von Deinem Mann abgewandt? – und zwar lange bevor er “ausgerastet” ist.
Warum hast Du angefangen, Sex als Druckmittel einzusetzen und ihm – dessen ganzes Ziel eigentlich war, der Familie ein schönes Leben zu ermöglichen – mit Streit und Sabotage das Leben schwer zu machen?
Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er auf’s Eis?
Jetzt als Retrospektive und angesichts dieses Artikels: war es das wert, eine Beziehung zu diesem Mann wegzuwerfen schon, als die Beziehung von seiner Seite aus noch liebend war?

Frag Dich das mal!

Tigerbabe
Gast

Größten Respekt, dass Sie das so offen ansprechen. Man macht sich angreifbar wenn man zugibt, dass man keinen Spaß hat. Spaß haben ist Pflicht in der Spaßgesellschaft. Ich denke, dass Sie vieles richtig machen und eine gute Mutter sind, deshalb verkneife ich mir gute Ratschläge. Die haben Sie nicht nötig. Es wird Ihnen nicht wirklich helfen, aber ich bewundere Sie aufrichtig. Und ja, ich bin ein Mann. Ein Mann, der schon als Kind gesagt hat, dass er nie heiraten wird und keine Kinder will. Und ich habe nie geheiratet und habe keine Kinder. Aber ich bereue es.

Suzie
Gast

Lieben Dank für die offenen Worte. Auch und gerade deswegen, wenn man sieht, wie angreifbar Du Dich machst & mit welcher Arroganz hier manche Menschen über ein fremdes Leben urteilen.
Unsere Tochter sagte letztens: “Weißt Du Mama, am schönsten ist es, wenn wir bei Euren Freunden zum Feiern sind. Ihr lacht dann immer viel & tanzt & macht Quatsch mit uns Kinder.” Ich hoffe, dass bleibt noch lange so.

Johannes Kettlack
Gast

Mütter haben keine Lobby
Kinder kriegen ist ein Hobby.
Autobauer können pfuschen
Ämter helfen beim Vertuschen.
Die Regierung rettet Banken
geraten sie einmal ins Wanken.
Mütter haben keine Lobby…
Wenn Milch und Schweine nicht sich lohnen
spendet Brüssel Millionen,
und bei Kohle und bei Stahl
unterstützt Brüssel allemal.
Mütter…
Auch der Deutsche Beamtenbund
tut mit Erfolg sein “Mehr Geld!” kund.
Und die politische Klasse
greift schamlos in die Kasse.
Mütter…
Und die großen Konzerne
bezahlen Steuern in der Ferne.
Auch Kirchen sind in Berlin verreten
Sie verlassen sich nicht auf’s Beten…
Hätten Mütter eine Lobby
wären Kinder mehr als Hobby.

Andrea Monse
Gast
Der Artikel trifft mich auch in der Seele . Grad am Wochenende sagte mein Sohn zu mir warum dürfen wir nicht zu Papa dort macht alles mehr Spass ( diesen Satz werden die meisten Alleinerziehenden auch kennen , es ist wesentlich leichter sich alle 2 Wochen auf die Kids zu freuen und dann ganz für sie da zu sein , als jede Nacht aufzustehen morgens quenligen Kids Frühsück zu machen ……… und dabei Spass und gute Laune nicht zu vergessen . Ich bin erst seit einem halben Jahr alleinerziehend und ich bereue es keine Sekunden . Ich bin mir sicher… Read more »
Myü
Gast

Danke für diesen Artikel, er spricht mir gerade so sehr aus meiner sehnsuchtsvollen Seele. Auch ich suche Wege …

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