Spaß haben und eine gute Mutter sein – wie ging das nochmal?

„Wann hatte ich das letzte Mal Spaß in deiner Erinnerung?“, frage ich den Sohn, und es gibt gute Gründe, warum ich das frage. Der Sohn kräuselt seine Nase und überlegt.

Ich sehe, dass er gerne eine Antwort geben würde, aber weil auch ich lange nachdenken muss, wann ich zuletzt in den Augen der Kinder fröhlich war oder gar ausgelassen gelacht habe, ist klar, dass ihm auf die Schnelle nichts einfallen kann. Wir kommen dann beide fast gleichzeitig darauf, dass das im September in Berlin gewesen sein muss, als wir alle gemeinsam in einer Kneipe zu Abend aßen und den lauen Spätsommerabend genossen. Das ist lange her, viel zu lange.

Spaß haben
Skitterphoto auf Pixabay.com

Wir haben zu wenig Spaß in dieser Familie. Nicht im Sinne von Spaßgesellschaft – sondern im Sinne von lebensnotwendigem Spaß. Solcher, der einem sagt, dass das Leben im Grunde ganz okay ist, und der einen davon abhält, zuviel über den Sinn des Lebens nachzudenken. Hier ist alles Hetzen, Pflicht, Versuche, irgendwelchen Ansprüchen zu genügen.

Seit Jahren ist es eng. Finanziell eng, zeitlich eng, wegen meiner Ressourcen eng. Da ist kein Platz für Spaß. Wenn ich mich um meine Gesundheit kümmere, dann, weil ich es muss. Und wenn ich mit den Kindern spiele oder in etwas in der Freizeit unternehme, dann weil ich weiß, dass ich das sollte.

Was ich will, das fragt keiner, und das ist auch nicht wichtig.

Dachte ich. Und nun merke ich, 7 Jahre nach der Trennung, dass ich meinen Kindern vorlebe, dass das Leben keinen Spaß macht. Weil ich für Essen im Kühlschrank sorgen muss, für die Miete, Gerichtsprozesse rund um Scheidung und Umgang führte, Angst um meine Wohnung hatte, den Job verlor und arbeitslos war. Das ist nicht lustig. Und keiner hilft dir, bis alles brennt, so ist das System.

Sollten wir nicht doch mehr Geld in Prävention stecken? Wie viele Kinder von Alleinerziehenden haben genauso eine abgearbeitete, ums Geld kämpfende, müde und spaßfreie Mutter, wie ich es in den letzten Jahren war? Was das mit den Kindern macht, sagen uns Armutsberichte. Was das mit den Müttern macht, wird uns die Zeit zeigen – wir wissen jetzt schon, dass die Burn-Out Raten steigen, und dass Stress sich negativ auf die Gesundheit auswirkt, gar lebensverkürzend.

Natürlich kann man auch Spaß haben, wenn man arm ist. Aber unter Geldnot und existenziellen Sorgen glücklich zu sein, ist schon ziemlich schwierig. Wenn man dann noch niemals frei hat oder entlastet wird, so wie ich, dann ist es fast unmöglich.

Wenn ich an meine eigene Kindheit denke, dann sehe ich ein warmes Wohnzimmer mit glücklichen Menschen: meine Eltern, Nachbarn, Freunde und Verwandte. Sie saßen bei Wein und Essen zusammen, sangen, spielten Gesellschaftsspiele oder machten gemeinsam Musik. Meine Eltern waren glückliche Menschen, sie hatten keine Existenzsorgen, sie waren füreinander da, das wusste ich. Und heute muss ich sehen, dass ich genau DAS meinen Kindern nicht bieten konnte. Es tut mir leid, denn das war so schön für mich als Kind.

Also werde ich versuchen, das Glück wieder zu finden. Das ist schwieriger, als es klingt, denn mein Leben ist voller Pflichten, im Moment noch mehr als sonst. Aber jetzt gerade ist es meine Pflicht, Glücklichsein vorzuleben. Und eigentlich will ich das natürlich auch. The pursuit of happiness ist keine Nebensache. Wie konnte ich das nur vergessen!? Ich kenne die Antwort: es hat etwas mit Kinderhaben und der Liebe zu ihnen zu tun. Und genau da liegt die Krux. Verdammi.

Bloggerin, Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Print und Online. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit von Familie & Beruf, Familienthemen.

25 KOMMENTARE

  1. Aber wie Glück vorleben, wenn es nicht gefühlt ist. Das lässt sich nicht zwingen… Und Kinder spüren auch, falls es nicht echt ist!
    Aber es kommt auch manchmal unverhofft und spontan… Ich drücke die Daumen!

  2. Wow, so ein ehrlicher, selbstkritischer Beitrag. Ja, Glücklichsein vorgelebt zu bekommen, gehört sicher zur glücklichen Kindheitserinnerung. Ich wünsche dir, dass es dir gelingt. Ich mache grade 21 Tage glücklich sein lernen, bisher bin ich zufrieden: [Link gelöscht, war mir nicht sicher, ob das Spam ist – die Bloggerin]

  3. Das kenn ich, hat mich auch jahrelang belastet. Dazu gehörte auch die Überlegung den Kindern nur eine katastrophale Beziehung zwischen uns Eltern vorgelebt zu haben. Ich hatte riesiges Glück und habe nach Jahren einen liebevollen Partner kennengelernt. Und nicht zu spät. Ich konnte zusehen wie meine Kinder erst argwöhnisch, dann voller Erleichterung ganz nah eine liebevolle, zärtliche Beziehung auf Augenhöhe zwischen uns Erwachsenen miterlebet haben. Und zu zweit ist vieles nicht mehr so schwer. Unser Leben ist entspannter geworden. Ich bin sehr dankbar dafür.

  4. Die Idee ist gut, klingt nur leider nach yet another thing on mum’s agenda …
    Ich stecke im gleichen Dilemma. Es ist mir bewusst, dass ich meinem Kind (leider) im Moment mehr die ernste, bittere Seite des Lebens vorlebe, aber den Spaß kann ich eben nur sehr selten erkennen – wenn, dann zeigt er sich am ehesten in einer Art Galgenhumor. Ich beruhige mich damit, dass sie bei ihrem Vater die Spaßseite sieht. Na klar ist das alles nicht perfekt, aber ich bin auch nur ein Mensch.

  5. Dieser Satz beschreibt genau mein Leben, meinen Alltag, der ohne Lachen, Spaß und Freude meinerseits stattfindet:
    „Hier ist alles Hetzen, Pflicht, Versuche, irgendwelchen Ansprüchen zu genügen.“
    Toller Artikel, als ob er direkt aus meiner Seele kommen würde! Sehr sehr traurig und schlimm für uns, für mich, für meine Kinder, sowie für Dich und Deine Kinder :( Aber wir arbeiten dran…
    Vielen Dank, dass Du das ausgesprochen hast! Das tröstet ein bißchen…

  6. Kenne ich aber ich versuche nachdem mit das bewusst wurde über kleinere Dinge glücklich zu sein. Die Kinder in Sachen wie kochen einzubeziehen und dabei Spaß zu haben. Glücksmomente im Alltag finden. Das geht. Und kleine Schöne Momente schaffen in denen wir uns z. B. Gegenseitig mit einem schönen Öl einreiben oder zusammen lesen. Das Glücksmomente Glas wo wir Sachen aufschreiben und reinlegen die für uns schön waren. Die Sichtweise etwas ändern. Auf das positive nicht immer nur auf das negative. Das hilft um glücklicher zu sein.

    • hey, Danke Euch fürs aufschreiben. Das ist nämlich wirklich schlimm, wenn man selber eine ganz andere Kindheit hatte und sich noch ein ganz andere für sein Kind mal so vorgestellt hat. und was dann der Alltag alleine mit einem macht. Das zehrt noch zusätzlich, zu dem was man alles entbehrt (Geld Sicherheit, GEborgenheit) . Ausgelassensein, Blödsinn machen, Unsinn aushalten, Lachen…Fröhlichkeit verbreiten, hm, man kann es üben, und mit sich selber gnädig sein.
      Was eine gute Idee, das mit dem Glücksmomenteglas! das merk ich mir. Danke

  7. Liebe Mamis,

    so lange das Gras bei den Nachbarn immer grüner ist als das eigene, genau so lange werdet ihr unglücklich sein.

    Spaghetti mit Ketchup – für manche Mutter totales Versagen – für manches Kind ein Abenteuer schlecht hin.

    Liebt eure Kinder, seid für sie da. Rodeln mit Plastiktüten kann viel lustiger sein, als mit dem neuesten Bob.

    Meine Frau schimpft täglich, dass wir auf einer Baustelle leben, das Haus noch nicht ganz fertig ist. Die Kids lieben das Abenteuer und das mithelfen.

    Wenn unsere Kinder einmal sagen werden, dass früher alles besser war, dann sprechen sie vom Jetzt! Kopf hoch, versucht das Leben durch Kinderaugen zu sehen und plötzlich weiß man wieder auf was es ankommt.

    Ach ja, meine Frau hat den Artikel geteilt, weil sie ständig denkt, dass ihr Ex einem unserer Kinder viel viel mehr bietet was alles viel viel toller ist…

  8. Ich weiß genau, wie sich das anfühlt. Eine Freundin sagte mal zu mir: Eva, pass auf, dass Du nicht bitter wirst. Und es stimmt… irgendwann sagte mal eine meiner Töchter zu mir, dass die lieber keine Kinder haben wollen würde, denn das wäre ja wohl total anstrengend und würde wenig Spaß machen. Hat mich wachgerüttelt.
    Und dass obwohl ich immer ganz gute Laune hab und mich viel freier und lebendiger fühle als vor der Trennung. Denn da durfte ich auch keinen Spaß haben- wie unverschämt von mir, dass ich an mich gedacht habe…!
    „Die Lebensspanne ist dieselbe, ob man sie lachend oder weinend verbringt“ – dieser Spruch von Konfuzius steht in meinem Poesiealbum. Ich hab diesen Satz als Kind nie begriffen (er war von einem Erwachsenen reingeschrieben worden) – erst heute erkenne ich die Größe dieser Aussage.
    Allerdings. …was IST denn Spaß haben genau?
    Der Spaß mit einer wunderbaren Freundin beim Bier zu versacken und dabei den Laden zusammen zu wiehern ist ja ein anderer als der, den ich bei meiner Arbeit am Flughafen mit meinen Kollegen hab. Oder wenn ich mit den Kindern dummen Blödsinn mache. Oder wenn ich mal ganz alleine auf dem Sofa rumlümmeln darf. Oder wenn meine lieben Freundinnen zum Stricktreff bei mir eintrudeln und stundenlang über Wolle & Co fachsimpeln (mit Wein oder Tee, ganz egal ) Im Moment aber ist mein Favorit : ca 23h meinen Sohn wahlweise in der Küche oder Bad zu treffen und über Sex zu quatschen(also ich beantworte seine Fragen ) – wie der sich wegschreit ist einfach mega ansteckend! Herrlich!
    Ich versuche ein Großes Ganzes daraus zu machen. Keine Ahnung, wie. Aber in mir läuft das innere Digitalleuchtschriftband: „….alles besser als vorher++++alles besser als vorher++++Du hast nur dieses Leben++++die Lebensspanne ist dieselbe ob man sie lachend oder weinend verbringt++++alles ist besser als vorher…“
    Liebe Grüße, Eva
    ps. Censored++++denmeistenspasshabichbeimsex++++pscht!++++

    • Nachtrag: nach einer Nacht drüber geschlafen noch folgender Gedankengang….das positive Denken aka Spass haben muss geübt werden. Wir können das trainieren! Den Fokus auf etwas Positives lenken ist schon fast Volkssport bei uns geworden. Sogar der Sohn sagt (er ist 14!!!) „Es gibt nichts Negatives Mama, denn auch wenn dir etwas Negatives passiert, kannst du etwas Positives draus machen! “ ich war verblüfft! Aber er hat Recht.
      Denk ja nicht, dass hier jetzt immer eitel Sonnenschein herrscht. Ich glaub das Geheimnis liegt darin, daß wir auch klar aussprechen, wenn wir uns mies/traurig /wütend /frustriert fühlen. Und ich meine nicht „jammern“. Ich meine, konkret auszusprechen, dass es „mir heute nicht gut geht“ oder ich wütend bin etc. Dialoge, die dadurch entstehen, bewirken Wunder, gerade mit den Kindern.
      Fröhlichkeit auf Knopfdruck geht aber auch nicht. Hab schon viel drüber nachgedacht, wann das eigentlich das letzte Mal bei mir der Fall war! Ob der Verlust der völligen Unbeschwertheit der Preis des Erwachsenseins, der Elternschaft ist.

  9. Ich finde es gut, dass Du das so offen schreibst. Die Sache ist doch, in dem warmen Wohnzimmer mit den Nachbarn und Freunden, da geht es doch gar nicht um Geld. Denn warm haben wir es ja, und Gesellschaftsspiele gibt es auch eine Menge. Es gehört wirklich viel dazu, in einer (anhaltenden) Krise das Lächeln zu bewahren. Mir hat geholfen, Dinge zu machen, die ich liebe. Die kleinen Freiräume und Freuden entlasten ein wenig. Und nach mehr als 20 Jahren allein erziehen weiß ich: Es geht tatsächlich vorbei. Das würde ich meinem jüngeren Selbst gern sagen.
    Halte durch. Sieh die kleinen Erfolge und das eigentlich unbezahlbare Glück von Gesundheit und Liebe. Du wirst zurückblicken und sagen können: Ich habe etwas Unmögliches geschafft.

  10. Das ist ein wunderschöner Text.
    So viel Wahrheit darin.
    Ich tue mir auch noch sehr schwer mit den ganzen Belastungen, Niederlagen und „unendlichen Geschichten“ des Umgangs und merke oft im Umgang mit weniger geforderten Menschen, dass ich ganz schön verbittert bin.
    Mein grosses Glück ist es eine Tochter zu haben die den Sonnenschein in die Wiege gelegt bekam.
    Neulich kam sie an und sagte einfach“Mama, wann tanzen wir wieder im Wohnzimmer?“ und da muss ich lachen und wir machen Musik an und ab gehts.
    Mir ist nach der Trennung, als ich die ersten Alleinerziehenden-Blogs las, schnell eines klar geworden: Ich will nicht mit meinem Kind jetzt eine Zeit des nur durchhaltens haben in der man darauf wartet dass es irgendwann besser wird. Ich will die Kindheit meiner Tochter nicht verpassen.
    Deshalb ist bei mir Entlastung das alleroberste Ziel, und auch wenn es doch Zeit braucht, bis sich alles zurechtruckelt, und viele enorme Belastungen einfach bleiben, so sind Glücksmomente möglich und mir scheint sie ziehen sich an, wenn man es schafft ihnen ein kleines Plätzchen im Leben frei zu halten.
    Liebe Christine, tanzt!

  11. Liebe Christine,
    Das ist unter anderem womöglich der Grund, warum wir Dir in der Gruppe so dankbar für deinen Einsatz sind: Ich habe zB gemerkt, dass mich die permanente Beschäftigung mit den gesellschaftlichen und politischen Ungerechtigkeiten, denen wir als Alleinerziehende ausgesetzt sind, auch sehr runterzieht. Ich finde es sehr tapfer von Dir, den nächsten und wichtigen Schritt gegangen zu sein, politisch aktiv zu werden. Das dies mit wenig Spaß verbunden ist, permanent kämpfen zu müssen, ist nachvollziehbar. Die Wut und das Machtlosigkeitgefühl mag so kompensiert werden – aber die Leichtigkeit als Lebensgefühl geht weg. Du hast nicht nur Verantwortung für deine Kinder übernommen, sondern für eine ganze Gruppe Frauen in deiner Lebenssituation. Ich bin Dir dafür sehr dankbar und finde es auch bewundernswert. Ich bin mir sicher, dass Du absehbar wieder spassigere Momente erlebst. Die Kinder werden älter, die Früchte einer verantwortungs- und liebevollen Erziehung wirst du ernten. Man kann das Spaßgefühl leider nicht immer in sich rauskitzeln, setzen dich da nicht unter Druck. Aber versuche vielleicht Mal, dich an manchen Tagen nur mit freundlichen Themen zu beschäftigen. Schmeiße Tiefkühlpizza in den Ofen, bleib im Schlafanzug und schau oder ließ was leichtes lustiges. Einfach Tage ohne Anspruch. Damit du dich erholen kannst. Dann wird alles wieder freundlicher.:)

  12. Vorweg eines gesagt, nicht nur uns alleinerziehende Mamis trifft dieses Los, oftmals sind Mütter aus intakten Familien noch viel überforderter weil der Partner an sie dann auch noch Ansprüche stellt wie für ihn da sein, mit ihm was machen, ihn umsorgen etc. Die wenigsten Männer bringen sich aktiv in die Familie mit ein oder sehen die große Last der Mütter. Ich denke es ist nicht damit getan allein positiv zu denken, Glück in den kleinen Momenten zu finden und alles ist Heititei. Ich denke der Gedanke, dass das Glücklichsein der einzig erstrebenswerte (oder vorzeigbare) Gemütszustand ist, also das was Kindern vorgelebt werden sollte oder gar muss ist im Ansatz falsch, weil er einfach nicht dauerhaft erreichbar ist. Von 100 Tagen ist im Schnitt nur einer wirklich glücklich, auf Stunden runter gerechnet – von 100 Stunden wird nur eine als glücklich empfunden. Dies ist ein von Forschern ermitteltes recht genaues Mittelmaß. Sicherlich gibt es Leute, die durch krampfhaftes positiv Denken permanent eine Art Selbsttäuschung leben, oder welche, die öfter high sind als gut für sie ist, aber darauf will ich auch nicht hinaus. Ich denke, dass es weit wichtiger ist seinen Kindern Resilienz vorzuleben, dass das Leben nicht immer toll und schön ist, aber dass man es selbst in der Hand hat etwas daraus zu machen, selbst unter den schwierigsten Umständen. Das Wir Gefühl stärken, den Zusammenhalt in der Familie, das Krisen erleben und bewältigen, dass auch sehr schlimme Erfahrungen und Situationen gemeistert werden können – wenn man nicht aufgibt und realistisch bleibt. Wir haben keinen Anspruch auf den Wohlstand und die gesättigte Zufriedenheit älterer Generationen und für die nachkommenden Generationen wird es noch schwieriger werden, das Thema Kinder bekommen und aufziehen wird sich noch weiter in Richtung Alleinerziehend und „Mama macht alles allein“ verschieben. Ich kämpfe auch, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, dafür uns ein besseres Leben zu ermöglichen und meinen Kindern ein gutes Zuhause zu geben. Für mich bedeutet das schlicht jede freie Minute zu arbeiten, d.h. ich habe eine 60-70 Stunden Woche und wenn der Vater meinen Kleinen das Wochenende nimmt bin ich schnell bei 100 Stunden. Was bedeutetdas für mich? Neben der bitteren Armut und all den Entbehrungen? Ich habe ein klares Ziel vor Augen und ich weiß, dass ich es langsam, Stück für Stück schaffen kann daraus zu kommen. Meine stärkste Antriebsfeder ist das Unglück und die Armut. Meine Kinder erleben mich weder glücklich noch unglücklich und machen sich auch keine Gedanken darum, sie sehen auch nicht was ich alles tue und sie fordern ihr Recht auf Mamazeit ein und das vehement. Meine Tochter (13) sagt allerdings jetzt schon immer dass sie niemals Kinder bekommen will „weil man dann total angearscht ist“, mir helfen tut sie niemals, es interessiert sie auch nicht mal im Ansatz wie es mir geht – als typischer Teenager ist sie allein auf sich selbst fokussiert. Mein Kleiner (4) ist ein sehr aufgewecktes, offenes Kind, der pausenlos redet und Fragen stellt und dem ich sozusagen die Zeit von 16-19h ausschließlich widme, auch er würde sich nie darüber Gedanken machen ob Mama glücklich ist. Er interessiert sich nur dafür ob sie für ihn Zeit hat, mit ihm spielt, für ihn kocht etc. ;) Ich habe eigentlich kein schlechtes Gewissen (gegenüber meinen Kindern) nicht glücklich zu sein, ein Zustand der wie eingangs schon erläutert ohnehin nur rar gesäht ist.

  13. Liebe Christine,

    dieser Beitrag trifft voll ins Schwarze und beschreibt – leider – auch unsere Situation nur allzu gut.
    Nach über 12 Jahren als Alleinerziehende von 2 mittlerweile 13-Jährigen, sehe ich mit jedem Monat mehr, wie zermürbend das allein erziehen auf Dauer ist, wie sehr es an der seelischen und körperlichen Gesundheit nagt, egal wie entschlossen und tatkräftig man handelt, um aus jeder noch so schwierigen Situation das Beste zu machen.

    Meine Kinder sagten auch schon, dass sie selbst keine Kinder wollen, weil es viel zu anstrengend sei – und das tut so unglaublich weh. Das ist nicht das, was ich ihnen mit auf den Weg ins Leben geben wollte!
    Ich bin unendlich traurig, weil die gesamte Kinderzeit für mich mit allem Pipapo (Trennungs- und Umgangsstreitigkeiten, Verluste, finanzielle Schwierigkeiten, massive Verschlechterung der Arbeitssituation usw.) bisher nur ein Überleben war. Letztens fragte mich jemand bei der Erziehungsberatungsstelle, ich solle mal etwas Schönes oder Lustiges erzählen, das ich in letzter Zeit zusammen mit meinen Kindern erlebt habe… und ich musste sehr, sehr, sehr lange überlegen und lange in der Zeit zurück gehen, bis ich eine solche Situation gefunden habe. Es sind seltene, unter dem stressigen Alltag verschüttete Preziosen.
    Immer nur weitermachen, egal wie hart es ist, egal wie viel ich abfedern muss, um die Kinder zu schützen. Immer noch irgendwo das Quäntchen Energie abzweigen, um sie zu ermutigen, ihrem Kummer zuzuhören oder mich mit ihnen über ihre Erfolge zu freuen, und sie zu unterstützen wo ich nur kann, damit sie ihren Weg ins Leben, so gut wie es in unserer Situation eben geht, finden können….
    Es hat mich total ausgezehrt und ich sehe die Konsequenzen mittlerweile nicht nur bei mir sondern auch bei meinen Kindern. Etwas Schönes oder Lustiges als Familie erleben? Spass? Unbeschwertes Lachen? Quatsch machen? Das ist nicht nur mir schon fast abhanden gekommen, sondern das sehe ich auch bei meinen Kindern immer seltener.

  14. Warum hast Du Dich von Deinem Mann abgewandt? – und zwar lange bevor er „ausgerastet“ ist.
    Warum hast Du angefangen, Sex als Druckmittel einzusetzen und ihm – dessen ganzes Ziel eigentlich war, der Familie ein schönes Leben zu ermöglichen – mit Streit und Sabotage das Leben schwer zu machen?
    Wenn es dem Esel zu wohl ist, geht er auf’s Eis?
    Jetzt als Retrospektive und angesichts dieses Artikels: war es das wert, eine Beziehung zu diesem Mann wegzuwerfen schon, als die Beziehung von seiner Seite aus noch liebend war?

    Frag Dich das mal!

    • Ohjemine. Was ist denn das für eine Denke? Als ob ich die Beziehung zum Exmann weggeworfen hätte. Es war eine schwierige Entscheidung, mich zu trennen. Und ich habe sie keinen Tag bereut. Auf den Rest brauche ich eigentlich nicht eingehen, denn du warst nicht dabei.

  15. Größten Respekt, dass Sie das so offen ansprechen. Man macht sich angreifbar wenn man zugibt, dass man keinen Spaß hat. Spaß haben ist Pflicht in der Spaßgesellschaft. Ich denke, dass Sie vieles richtig machen und eine gute Mutter sind, deshalb verkneife ich mir gute Ratschläge. Die haben Sie nicht nötig. Es wird Ihnen nicht wirklich helfen, aber ich bewundere Sie aufrichtig. Und ja, ich bin ein Mann. Ein Mann, der schon als Kind gesagt hat, dass er nie heiraten wird und keine Kinder will. Und ich habe nie geheiratet und habe keine Kinder. Aber ich bereue es.

  16. Lieben Dank für die offenen Worte. Auch und gerade deswegen, wenn man sieht, wie angreifbar Du Dich machst & mit welcher Arroganz hier manche Menschen über ein fremdes Leben urteilen.
    Unsere Tochter sagte letztens: „Weißt Du Mama, am schönsten ist es, wenn wir bei Euren Freunden zum Feiern sind. Ihr lacht dann immer viel & tanzt & macht Quatsch mit uns Kinder.“ Ich hoffe, dass bleibt noch lange so.

  17. Mütter haben keine Lobby
    Kinder kriegen ist ein Hobby.
    Autobauer können pfuschen
    Ämter helfen beim Vertuschen.
    Die Regierung rettet Banken
    geraten sie einmal ins Wanken.
    Mütter haben keine Lobby…
    Wenn Milch und Schweine nicht sich lohnen
    spendet Brüssel Millionen,
    und bei Kohle und bei Stahl
    unterstützt Brüssel allemal.
    Mütter…
    Auch der Deutsche Beamtenbund
    tut mit Erfolg sein „Mehr Geld!“ kund.
    Und die politische Klasse
    greift schamlos in die Kasse.
    Mütter…
    Und die großen Konzerne
    bezahlen Steuern in der Ferne.
    Auch Kirchen sind in Berlin verreten
    Sie verlassen sich nicht auf’s Beten…
    Hätten Mütter eine Lobby
    wären Kinder mehr als Hobby.

  18. Der Artikel trifft mich auch in der Seele . Grad am Wochenende sagte mein Sohn zu mir warum dürfen wir nicht zu Papa dort macht alles mehr Spass ( diesen Satz werden die meisten Alleinerziehenden auch kennen , es ist wesentlich leichter sich alle 2 Wochen auf die Kids zu freuen und dann ganz für sie da zu sein , als jede Nacht aufzustehen morgens quenligen Kids Frühsück zu machen ……… und dabei Spass und gute Laune nicht zu vergessen . Ich bin erst seit einem halben Jahr alleinerziehend und ich bereue es keine Sekunden . Ich bin mir sicher das jede Mutter die sich den trennt und den Sprung alleine mit den Kinder es zu schaffen sich das vorher gut überlegt hat .
    Nach dem Satz am Wochenende versuche ich mir trotz 2 Arbeitsstellen etc. mir jeden Tag mind 10 Min ganz bewusst für die Kids einzuplanen . In denen ich wirklhc nix neben bei mache und ganz mit meiner Konzentration bei ihnen bin . An guten Tagen wird es bis zu eine Stunde , an schlechten merke ich shcon nach 2 Min wie mir durch den Kopf schwirrt was ich alles noch tun muss……
    Wir leisten wahnsinnig viel und schon vor meiner Trennung habe ich gelernt das ich meisten richtig gelegen bin wenn ich auf mein Bauchgefühl gehört habe und nicht auf das was alle andern gesagt haben . Bei mir ist es oft chaotisch und es gibt auch mal Ravioli aber ich versuche mein BNestes und das muss reichen mehr geht nicht :-)
    Manchmal muss man seine Erwartungen an sich selber auch nicht zu hoch ansetzen.
    Vielen Danbk für deinen tollen Bericht
    Andrea

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here