Dein Chrissi ist mein Kati – Spitznamen des Grauens

Wenn man Christine heißt, so wie ich, dann ist das hier in Süddeutschland ein hartes Los. Da wird man nämlich überall „Krischtine“ genannt, und schlimmer hat es, ich schwöre, nur die Vicky getroffen, die eigentlich Viktoria heißt.

Denn auch als „Ficktoria“ ist die Aussprache ihres Namens ein einziger Ohrengraus, und nein, das denke ich mir nicht zu anekdotischen Zwecken aus. Die Victorias dieses Landes werden mir das bestätigen können.

Obwohl ich schon sehr lange, genauer gesagt seit meinem 2. Lebensjahr in Süddeutschland lebe, habe ich mich noch immer nicht daran gewöhnt, dass mein Vorname so ver-sch-t wird. Und so ist es zu erklären, dass ich es als Teenager und junge Frau widerstandslos zuließ, wenn man mich „Chris“ nannte. Es war sozusagen das geringere Übel.

Spitznamen
Aktim auf Pixabay.com

Dann zog ich nach England, später nach Berlin und Hamburg, und war das Krischtinen-Problem los, wobei ich in Berlin mit einer neuen Spitznamenvariante bedacht wurde, nämlich „Tini“. Ich meine, ernshaft – Tini!? Da mir diesen Kosenamen eine Freundin namens Claudi verpasst hatte, die eigentlich Claudia hieß, fand ich das irgendwie rührend, und im Vergleich mit Krischtine war das ja im Grunde noch sehr akzeptabel.

Es kam aber noch schlimmer: als ich meinen Mann kennenlernte und wir zusammenzogen, wurde ich als „Schatz“ betitelt. Das hatte sich vorher noch keiner getraut. „Wer sich gegenseitig Schatz nennt, lässt sich scheiden!“, versuchte ich ihn anfangs noch, von dieser Gewohnheit abzubringen. Aber mein Mann fand, das sei ein alberner Einwand, und überhaupt seien seine Eltern noch verheiratet.

Nun, am Ende sollte ich Recht behalten. Wie etliche Ehepaare vor uns sind wir getrennt, und der Exmann nennt jetzt jemand anderen „Schatz“. Aber daran, dass er mich als „Chris“ oder „Tini“ bezeichnete, sind wir nicht gescheitert. („Mausebärchen“ hätte ich eh nicht zugelassen, das wäre dann doch zu weit gegangen.)

Aber zurück zu den „normalen“, außer-ehelichen Spitznamen: ich staune ob der Annahme, jede Katharina sei gerne eine Kati, alle Susannen ließen sich gerne Susi nennen, und sämtliche Gabrieles seien eigentlich verkappte Gabis. Meine Freundin Susanne jedenfalls ist eine „Sanne“ und möchte auch so genannt werden, meine Kusine Claudia wird von ihren Freunden „Cleo“ genannt, und den Spitznamen meiner großen Tochter werde ich aus Datenschutzgründen nicht verraten, auch wenn er hervorragend als Beispiel dienen könnte. Tant pis. (Nein, das ist nicht ihr Kosename.)

 

P.S.: Danke an Blogprinzessin Katarina – nicht Kati! – Fiebelkorn für die Inspiration zu diesem Text und für den ersten Teil der Überschrift aus deiner twitter DM!

Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit Familie/Beruf, Alleinerziehende. Seit 2014 auch Stadträtin in Konstanz.

Hinterlasse einen Kommentar

24 Kommentare auf "Dein Chrissi ist mein Kati – Spitznamen des Grauens"

avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Jenny
Gast

Also ich finde ja, dass Astrid (Aaschtritt) ja Victoria noch übertrifft ;)

Turtle
Gast

Ich kenne das auch. Alle nehmen an, dass ich es ok finde „Christina“ zu Chrissie zu verkürzen. Da kriege ich ab sofort Pickel. Wenn dann ist es „Tina“. Das hat im Süden außerdem den Vorteil, dass das „sch“ nicht passiert.

Mein Mann und ich sagen auch „Schatz“, aber das mit der Scheidung hatte ich noch nicht gehört. Ich werde das Risiko aber eingehen ;)

Barbara
Gast

Männer werden nicht mit solchen Kosenamen bedacht. Komischer Zufall.

Caroline
Gast

Was ist mit Andi, Flori, Fabi?

Susanne
Gast

Ich war als Kind Susi, bis ich es (etwa achtjährig) unter Androhung schlimmster Drohungen verboten habe. Seitdem bin ich wieder Susanne. In der Oberstufe wurde noch Sanne versucht, hat sich aber nicht durchgesetzt, glücklicherweise.
Meine Schwester ist Steffi, findet es furchtbar, aber sie konnte Stefanie nie konsequent durchsetzen.
Ihre Konsequenz war ihren Kindern Namen zu geben, die nicht abkürzbar sind, aber Kinder sind erstaunlich kreativ…

Christine
Gast
Ach, eine Leidensgenossin! Mein Kindername ist dann Tine gewesen, hat sich bis ins Teenageralter gehalten und dann … zack, keine Spitznamen mehr. Jetzt ist es lustig, wenn mich unbekannte Freunde eines Familienmitglieds mit Tine ansprechen. Sie haben es nie anders gehört, ich verstehe das. Ich versuche, es zu korrigieren, fürchte aber, ohne Erfolg. Letztlich ist es nicht wichtig, ich bin schon erwachsen und ein „Tine” mehr oder weniger schadet nicht. Und was Jungsnamen angeht: Mein Bruder Torsten hatte Ende der 60er in Süddeutschland wesentlich mehr zu leiden. Die Bauersleute im Schwarzwald konnten mit diesem Namen gar nichts anfangen und haben… Read more »
Susi
Gast

Nachdem mein Name doch recht häufig ist und mich viele Namensvetter in allen Varianten (Susanne, Sanne, Süsann, Susann, Susen, Sue) umschwirren, habe ich mein Kürzel nie abgelegt und reagiere auf die Langform absolut nicht. Klar ist es etwas komisch, wenn sich eine gross gewachsene fast 50-jährige so herzig nennen lässt – aber das gleiche ich dann durch extrem bestimmtes Auftreten wieder aus ;-)
Als Süddeutsche fallen mir übrigens noch weitere grauslige Beispiele ein … Torschden … Schantall … Babbedd … Schdeffen … Mampfred … um nur ein paar zu nennen …

Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit)
Gast

Mir scheint weder Käthe noch Trine eine adäquate Selbstbezeichnung, obwohl mir beides schon angedichtet wurde. örks!

Susi
Gast
In meiner Familie haben sich für alle 5 Geschwister die Spitznamen durchgesetzt, die haben mit dem eigentlichen Namen wenig zu tun, Außer vielleicht Tini, die wir auch dabei haben. Meine Brüder haben auch Spitznamen und ehrlich gesagt, finde ich Ihre noch viel schlimmer. Ich bin seit frühester Kindheit Susi, obwohl ich eigentlich Silke heiße und habe das so verinnerlicht, dass ich in meiner Heimatstadt gar nicht auf meinen richtigen Namen reagiere. Mein Unterbewusstsein verbindet das immer noch damit, dass es Ärger gibt, denn immer, wenn unsere Mütter uns beim richtigen Namen rief, hatten wir was ausgefressen. Mein Sohn hat auch… Read more »
Metta
Gast

Die Motivation, längere Namen zu verkürzen, kann ich ja noch halbwegs nachvollziehen. Verstehen kann ich es allerdings nicht. Eine Bekannte taufte ihrKind Wilhelmine und nennt es nun konsequent Wilmi.-Warum?
Fast noch nerviger ist aber die Abkürzung sowieso schon nur ein- oder zweisilbiger Namen. Aus einer Ina muss man keine „Ini“ machen, auch wenn es ein gaaanz goldiger Diminutiv ist. Eine Steigerung ist die Verniedlichung, die den Namen erst sperrig macht. „Ingelein“ wäre sicherlich auch lieber einfach Inge.

Hier oben bei uns wärst du übrigens, je nach Landstrich die „S-tine“ oder die „Schtine“.

Ein schönes Wochenende!

Sabine
Gast

Ganz furchtbar bei Männern finde ich Baschtiiii (kurzes a, langes i) für Sebastian und Michi für Michael. Meine beiden Jungs haben lange Vornamen. Ich selbst mag Spitznamen oder diese Verniedlichungen garnicht und benutze sie auch nicht. Wahrscheinlich werden die beiden deswegen auch nur bei ihren richtigen Namen gerufen. Die einzigen, die mich „Tante Bine“ nennen dürfen sind meine Nichten!

elsie
Gast
Schon lange lese ich hier mit , ohne mich zu melden. Aber diesmal kann ich mitreden. :-) In meiner Kinderzeit, also den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts bedachten mich Freundinnen, Bekannte und andere nette Leute mit Bezeichnungen wie Liese(l), Elli, Liesbeth, Betty usw. Bis ich etwa 14 Jahre alt war, gefiel mir mein eigentlicher Name überhaupt nicht. Und manchmal war ich sogar ärgerlich darüber, dass mir meine Eltern so einen langen Namen verpasst hatten. Erst später lernte ich meinen tollen Namen wirklich annehmen und lieben. Mein Mann und meine Schwiegereltern sprachen mich immer mit meinem exakten Namen an… Read more »
Eva
Gast

Also, ich nenne alle meine Christina-Freundinnen konsequent einfach Kristina! Auch eine Heidrun, die immer überall Heidi genannt wurde, nannte ich Heidrun. Meine Kinder haben null Spitznamen (auch nicht Samuel wurde zu Sam/Sammy) und wir Eltern nannten uns konsequent bei den Vornamen, bei Streit sagte mein Ex sogar EVA-MARIA (seitdem triggert mich mein eigener Name wieder, und dabei hab ich so lange gebraucht, ihn zu akzeptieren! !!)
Aber mich nennen eigentlich alle immer nur Eva. Auch nicht Evi oder Evchen.

Jacqueline
Gast

Der Text hat mich sehr amüsiert, leider kann man es sich ja oft nicht aussuchen, wie man genannt wird von anderen:( ich heisse Jacqueline, ein Name der früher nicht so negativ behaftet war. Und trotzdem mag ich meinen Namen sehr, denn er ist relativ selten und wenn man ihn französisch ausspricht, höre ich ihn sehr gerne. Leider wissen das viele nicht und wenn ich „Tschaklin“ höre, läuft es mir kalt den Rücken runter!

Susanne Wagmann
Gast

Also ich bin ja eine Susanne. In der Familie wurde ich früher nur mit Susanne gerufen, da waren meine Eltern ganz konsequent. Nur außerhalb, also im Freundeskreis oder in der Schule war ich die Susi. Ich habe allerdings eine Riegel vorgeschoben, als auch noch ein Lehrer mich mit „Susi“ rufen wollte – das ging gar nicht!
Ansonsten gibt es in meiner Familie eine Isabell, die inzwischen eine Isi oder Isa ist. Und einen Eric. Aber ich hoffe inständig dass aus ihm nicht ein Ricci oder Richie wird. Das wäre echt ein Alptraum ;(.
LG

Andrea
Gast

Hach schöner Artikel!
Aus genau dem gleichen Grund heißt unsere Cornelia auch nicht Conni, sondern Nele und in der Schule wird sie erstaunlicherweise auch nicht Conni genannt. Dafür kamen Spitznamen wie Coco auf. Ich weiß bis heute nicht, wer sich das ausgedacht hat.
Unsere Martina wird auch Martina genannt.
Meine Eltern machten übrigens aus Andrea tatsächlich Andi, was sich bis ins Studium gehalten hat. Mittlerweile bin ich aber doch wieder zu Andrea geworden..

armin
Gast

Hallo Frau Finke.

also finden Sie das mit Schatz echt so schlimm?

Cleo
Gast

Mein Spitzname Cleo ist in der Tat sehr schön, auf Claudi steh ich überhaupt nicht und sage das auch deutlich. Selbst meine kleine Tochter nennt mich Cleo.
Inzwischen habe ich erfolgreich verdrängt, dass ich damals den Namen Cleo im Alter von ca 14 in Anspielung auf meine angeblich große Nase ergänzt durch einen dunklen Haarschopf mit Cleopatra-Schnitt verpasst bekommen habe. Außer mir weiß das keiner mehr;-)

Juliane
Gast
Habe ich sehr amüsiert gelesen. Den Leidensdruck für „Krischtine“ kann ich sehr gut nachvollziehen. Ich lebe in Sachsen wo du hättest mit der Alternative „Grisdine“ hättest leben müssen… Überhaupt haben es hier alle „B(P)aulas“, „D(T)inas“, „G(K)evins noch ein bißchen schwerer. Darüber hinaus möchte ich aber eine Lanze für die Kurzformen eines Namens brechen. Ich selbst habe es immer genossen, dass aus meinen von mir durchaus schön empfundenen Namen Juliane im Freundeskreis die „Jule“ wurde. Wobei ich aber auch noch eine offizielle Variante hatte und die Jule nicht für alle Leute frei gegeben habe. Ich fand das so gut, dass auch… Read more »
wpDiscuz