Statt „Mama arbeitet“ #MeinTagohnemich am 08. März

Was würde passieren, wenn ich mal einen Tag lang die Arbeit niederlege? Die bezahlte und die Familienarbeit? Dieser Gedanke ist so abenteuerlich, dass es mir tatsächlich schwer fällt, mich darauf einzulassen. Das Undenkbare denken – ich versuch’s.

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade „Ein Tag ohne mich“ von #femnetz. Hashtag ist #MeinTagohnemich

1.) Familienarbeit

Kinder, 6:30 Uhr morgens

Aufstehen würde nur die Große (16), die sich sowieso immer alleine den Wecker stellt und als erste ins Bad geht. Um 7:15 verlässt sie das Haus, ihre jüngeren Geschwister (8 und 10 Jahre alt) ziehen sich die Decke über den Kopf und schlafen weiter. Der Sohn steht um 8 auf, Jüngste frühestens um 9. In die Schule gehen die zwei an diesem Tag nicht. Sie frühstücken Chips und Schokolade und machen es sich mit dem Nintendo 2DS und der Wii U bequem. Die Zähne putzt sich nur die Große, die beiden Jüngeren vergessen das.

Kinder, 12 Uhr

Die Kinder haben Hunger, sind aber zu faul, sich selbst Mittagessen zu kochen. Eventuell schütten sie sich Haferflocken und Milch zusammen. Falls die Große in der Mittagszeit nach Hause kommt, bevor die Nachmittagsschule beginnt, kocht sie sich Nudeln und gibt den Geschwistern vielleicht etwas ab.

Weil alle Kinder bereits 2 Mal das Klo benutzt haben, stinkt es im Bad mächtig. Niemand entfernt die Gebrauchtsspuren an der Kloschüssel. Kein schöner Anblick obendrein. Auch im Gästebad stinkt es, weil niemand das Katzenklo gemacht hat. Der Fußboden im Gästeklo ist mit Katzenstreu übersät, das Klopapier fast leer. Die Wohnung riecht insgesamt muffelig, weil keiner das Bedürfnis hat, mal durchzulüften oder die Fenster zu kippen, und die beiden Katzen sitzen jammernd vor leeren Futterschüsseln.

MeinTagohnemich
ChefKeem auf Pixabay.com

Nachmittags füllt sich die Wohnung mit Nachbarskindern, die hier gerne zu Besuch sind. Sie bedienen sich am Kühlschrank und an den Vorräten, und beim Kakaozubereiten rieselt reichlich Kakaopulver auf den Küchenfußboden. Die Milch ist bald alle, und da niemand neue kauft, bleibt das so. Der Kühlschrank leert sich rasch, dafür füllt sich die Spüle mit leeren Müslischüsseln, benutzten Tassen und schmutzigen Tellern.

Kinder, 22 Uhr

Dem Sohn sind die Augen zugefallen, er liegt angezogen im Bett. Jüngste ist noch nicht müde, sie schaut weiter auf dem Kindle youtube-Videos. Die Große kehrt von ihrem Freund zurück und zieht sich gleich in ihr Zimmer zurück, weil es in der Wohnung so stinkt.

2.) Berufstätigkeit

Alle Mails bleiben unbeantwortet, ich verdiene kein Geld und kann insofern auch keines ausgeben. Hate-Kommentare auf meiner Facebookseite bleiben stehen, anstatt gelöscht oder moderiert zu werden, ich schalte auch keine Blogkommentare frei und antworte nicht auf Anfragen.

3.) Ehrenamt als Stadträtin

Ich lese keine Unterlagen und bereite mich nicht vor. In den Sitzungen entscheide ich nach Lust und Laune, und wenn die anderen 9 Frauen unter den 40 Stadträten das auch tun, dann kann das schon ein ganz schönes Entscheidungs-Chaos geben. Oder aber wir wären gar nicht da. Dann entscheiden nur Männer – und das kann ja keiner wollen.

Exkurs: Was ich stattdessen tue am #MeinTagohnemich

Ich wäre, wäre das nicht eine Geldfrage, für 24 Stunden in London oder in der Wärme im Süden irgendwo. Entweder Kultur und Shopping machen, oder einfach am Meer liegen, ein Buch lesen und baden. Am liebsten mit meiner besten Freundin zusammen. Danach würde ich ausgeruht wieder nach Hause zurückkehren. Und erstmal das Katzenklo machen und ordentlich durchlüften.

Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit Familie/Beruf, Alleinerziehende. Seit 2014 auch Stadträtin in Konstanz.

10 KOMMENTARE

  1. Richtig toll!! Ich schmunzel grade vor mich hin. Da sprichst du mir sowas von aus der Seele. Ich habe auch 3 Kinder (Mädchen 14 J., Junge 12 J., Mädchen 10 J.) und bin alleinerziehend. Und ich würde sagen, dass es bei mir zu Hause ganz genauso zugehen würde. Es freut mich immer wieder zu lesen, dass man – zum Glück – doch nicht alleine damit ist. Danke… mir gehts echt gut grade. Entschuldige. :) Arbeiten gehe ich an 4 halben Tagen pro Woche und das reicht. Habe mehr probiert vor ein paar Monaten. Das ging voll daneben. Ich hatte stressbedingten Ausschlag bekommen (wirklich nicht schön) und vom Kopfstress ganz zu schweigen. Nicht zuletzt hatten natürlich auch die Kinder heftig was auszuhalten bzw. mitgemacht. Das Ende kam – das Karussell blieb stehen – alle(s) konnte(n) sich kurz vor Weihnachten beruhigen. Auf ein Neues habe ich nun durchgestartet. Weniger Stunden und im Moment siehts gut aus.
    Ich hoffe, dass Du noch lange, lange weiterschreibst und die Frauen und Männer teilhaben lässt an deinen/unseren Alltags“problemchen“!!! Großes Dankeschön und Respekt sende ich dir… lG Antje K.

  2. Hach – sehr schön. :-) Aber am Ende des Tages hätten, bis auf die Katzen, doch alle Spaß gehabt!!! Sogar die Trolle auf Deinen Seiten, die sich mal ungehemmt austoben dürften… Wenn nur das liebe Geld nicht wäre. Aber in Anregung, werde ich wohl mal einen Wochenendtag mit meiner Tochter genau so verbringen. Nur im Bett. Essen im Bett, Fernsehen im Bett, Lesen, Tablet spielen – ohne Verpflichtung, dass ein Kind „doch auch mal an die frische Luft muss oder was gesundes essen. “ Einfach nur Spaß.

  3. Den Beitrag finde ich nicht gut. Sicherlich verlassen sich die Kinder auf mich als Mama. Aber sie sind auch schon verantwortlich und stellen sich dem. Der ältere Bruder, 10, weckt seinen 8jährigen Bruder. Und alle drei Kinder wissen, daß wenig gemeinsame Zeit ist, wenn nicht jeder seinen Anteil leistet. Da gibt’s sicherlich mal Gemurmel, aber die Aufgabe wird erledigt. Wie sollen Kinder selbstständig werden, wenn ständig hinter ihnen aufgeräumt wird? Ich bin nicht die Putzfrau. Das wollen die Kinder auch nicht. Denn wer will eine gestresste, mürrische und schlecht gelaunte Mutter? Gemeinsam angepackt geht’s schneller und macht Spaß.

  4. ;o) JA!
    So wäre es wohl hier auch gelaufen, damals, als die Kinder noch klein gewesen sind und ich alleinerziehend war.
    (Mit dem einzigen Unterschied, dass die Katzennäpfe nicht leer geblieben wären. Das Katzenklo voll allerdings schon…)

    Aber ehrlich, ich hab das alles damals wirklich gern gemacht und nicht gehadert.
    Kinder waren gewollt. Ich hätte mir kein Leben ohne vorstellen können. Ok, allein wars nicht geplant aber doch ist ihre Kindheit vielleicht (bisher) die beste Zeit in meinem Leben.
    Klarer Sinn, klare Stukturierungen.
    Und wenn du alleinerziehend bist, weißt du auch am Beginn jeden Tages, es kommt keiner, der einen Teil der Aufgaben übernimmt. Du hannst dich entsprechend organisieren und musst dich nicht ärgern, weil der Partner vielleicht deine Vorstellungen von seiner Beteiligung nicht erfüllt… Das ist eindeutig ein Vorteil gegenüber Familien mit beiden Elternteilen.
    Im Bekanntenkreis hab ich dieses Problem oft als großes Spannungsfeld erlebt.
    Blöd wirds nur, wenn Mama unerwartet ausfällt. Und/ oder länger. Es hat schon seinen Sinn, dass es aus der Natur heraus 2 Menschen braucht, um Kinder zu bekommen.
    Claudiagruß

  5. Variante: 7.45 Uhr klingelt es an der Tür. Der Sohn hört es, schält sich aus dem Bett und schlurft mit platschenden Füßen an die Wohnungstür. Vor ihm steht sein Klassenkamerad und erinnert ihn daran, dass heute in der Schule dieses megakrasse Floorballspiel gegen die 3c stattfinden soll. Er denkt nicht lange nach, zieht barfuß die völlig verdreckten Boots an (das andere Paar für die Schule kam ihm nicht in den Sinn), klemmt sich die Jacke unter den Arm und folgt seinem Freund in die Schule. Die Wohnungstür bleibt sperrangelweit offen stehen, aber die Katzen kennen das schon. – Vor der Sportstunde steht leider noch der Guten-Morgen-Kreis an. Dank der Klassenregel, dass Straßenschuhe vor der Tür bleiben und gegen Schulhausschuhe getauscht werden, fallen die fehlenden Socken nicht weiter ins Gewicht. Allerdings bemerkt die Lehrerin den Pyjama und fragt: Hast du heute verschlafen? …

  6. Sehr gut, Danke. Sind Sie Frau Finke? Der Autorenname könnte etwas deutlicher zugeordnet sein.
    Mir fiel auch schon vor geraumer Zeit auf, dass sämtliche Medien – auch die sogenannten linken – Familienarbeit nicht als Arbeit betrachten. Leider sehen es momentan auch viele Frauen ähnlich, weil diese Arbeit nicht unmittelbar bzw. gar nicht bezahlt wird, und plappern dann nach: „Die (Hausfrauen/Teilzeitfrauen) leben doch nur auf Kosten ihrer Männer!“ Und dann fühlen sie sich selbst schuldig usw. … Bloß nichts schenken lassen, lieber rund um die Uhr kämpfen. Aber Partnerschaft bedeutet Zusammenleben, nicht Geben von Frauen, schon gar nicht einseitiges. Kein Wunder, dass Frauen so denken, wenn sie im TV täglich auf Frauen mit männlichem Vormund starren. Demütigung und Entwürdigung gehören auch in diese Rubrik.

    Wichtig finde ich, dass Sie Ihre Erfahrungen an Ihre Kinder weitergeben. Denn längerfristig kann konsequente Arroganz eines solchen Systems zu geringem Selbstwertgefühl und Hörigkeit führen.

    In so einem System muss man immer mit Männern rechnen, die sich als Götter betrachten und mindestens versuchen, Frauen die Zeit zu stehlen. Ganz pauschal. Gut zu beobachten: Wer ist es, der Zeit hat, wenn er nach Hause kommt, wenn Besuch kommt, wenn es ums Posten in Zeitungen, wenn es um Arbeit in Parteien geht? – Und dann kommen die seltsamsten Ideen mitten in einer Finanzkrise, und Realität wird prompt mit Privatsendern verwechselt.

    Aber die vielpropagierte aufopferungsvolle Frau und Mutter kommt bereits seltener vor. Glaube ich, wenn ich mich in meiner Umgebung umsehe. Die vielen Mütter, die nichts zu melden hatten, aber an Seuchen auf der Flucht starben, die Trümmerfrauen … sie haben das gelehrt, denke ich.
    Ich bin selbst Mutter. Aber seit ca. 15 Jahren nehme ich mir die Zeit, die ich will. Zeit, das zu tun, was mich interessiert. Ich erforsche die Geschichte und finde täglich Fehler über Fehler. … Mailen Sie ruhig, wenn Sie wissen wollen, warum das Mittelalter so schweigsam war. Mein Mann unterstützt mich gut bei dieser Arbeit.

    • Ja, ich bin Frau Finke und die Autorin dieses Texts. Das ist mein privater Blog, hier schreibe nur ich. Und falls das mal nicht der Fall ist, kennzeichne ich Beiträge als Gastbeiträge.

  7. Inzwischen habe ich es gemerkt. :-) Ich war über eine Sammelseite zum 8. März hierher gekommen und habe gleich etwas geschrieben, ohne mich groß umgesehen zu haben. Aber der Text erschien mir so professionell, dann sah ich auch noch Ihr Buch und hielt Ihren Blog für einen Teil einer Online-Zeitschrift o.ä. Gut geschrieben, und er sprach etwas an, das ich sonst fast überall vermisse. Ich habe Ihren Blog abonniert und werde mich bestimmt weiter melden. Vielleicht kann ich hin und wieder einen brauchbaren Kommentar beisteuern.

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