Ungesagtes zum Abschied

Wenn du gesagt hättest, du fühlst dich hin und hergerissen, du kannst nicht mehr schlafen, du begehrst mich so sehr, dass du Angst hast, nie wieder mit deiner Frau schlafen zu können, ohne an mich zu denken, und dass du nun immer vergleichst zwischen ihrem und meinem Körper, unseren Gerüchen, Gesten, unserem jeweiligen Geschmack, und dass du das nicht aushältst.

Wenn du gesagt hättest, dass du dich eigentlich nur davon überzeugen wolltest, dass ich dir nicht gefährlich werden kann, und dass ein weiteres Treffen genug sei, aber dir dein Körper und deine Gefühle dann etwas anderes sagten, und dass es jedes Mal, wenn wir uns sahen und miteinander im Bett landeten, schöner geworden sei.

Wenn du gesagt hättest, du hast die ganze Zeit Kopfkino, du denkst an mich, du kannst dich nicht mehr auf deine Arbeit konzentrieren, und du befürchtest, dass deine Arbeit unter dieser unserer Liebelei leidet, und dass sie dir wichtiger ist als alles andere, weil sie dir Sicherheit gibt, der beste Job der Welt ist, zu wertvoll, um ein Schwächeln zu riskieren.

blumen und glas
werner22brigitte auf Pixabay.com

Wenn du gesagt hättest, dass du deine Frau so sehr liebst, dass nichts zwischen euch kommen kann, aber von Liebe zu deiner Frau hast du nie gesprochen, nur von einem schlechten Gewissen, das sich auf dein Selbstbild bezog, und davon, dass du am Boden zerstört wärst, wenn sie es dir gleich täte.

Wenn du gesagt hättest, du erträgst es nicht, dass du die Kontrolle verlierst über deine Gefühle und dein sorgfältig eingerichtetes Leben, und dass du mich für immer im Herzen tragen wirst, dass es schön wäre, wir hätten uns unter anderen Umständen und früher getroffen.

Wenn du nicht gesagt hättest, was du stattdessen gesagt hast, was so halbherzig und aufgesagt klang, und dich nicht mit dem allergrößten Zaudern verabschiedet hättest, nicht mit einer großen Beule in der Hose bei der letzten Umarmung, nicht mit dem Satz, du kämst bestimmt doch nochmal in meine Stadt – wen wolltest du damit trösten, dich oder mich!?

Wenn du das alles anders gesagt hättest, oder mich einfach nicht so grausam überrumpelt hättest mit diesem plötzlichen Umschwung am Tag nach einem Abend, der in zerwühlten Bettlaken endete, dann wärst du zwar auch nicht hier, ich dürfte nicht hoffen, und du wärst kein wagemutigerer, unvernünftigerer Mann. Aber es würde nicht so wehtun.

Was hast du dir dabei gedacht!? Und funktioniert das für dich, ernsthaft!?

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Uschi aus AachenBeamarco Letzte Kommentartoren
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marco
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Bea
Gast
Bea

Ach, Liebe, das hatte ich auch einmal – so überraschend und überrumpelnd und überhaupt. Damals sang gerade Rosenstolz das Lied Herzensschöner – kann ich Dir nur an das Selbige legen. Es war alles – überwältigend, einmalig, brennend, unglaublich, wunderbar – und puh – sagt er – ich habe Angst um meine Ehe- dann doch mal wieder, dann nicht wieder, dann doch wieder – zwei Jahre hat dieses Geflacker gedauert – irre – heute sage ich – eine amour fou – und das war sie. Liebe – nein, das war sie nicht. Und – ich habe ihn verlassen. Das ist natürlich… Weiterlesen »

Uschi aus Aachen
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Uschi aus Aachen

Wie schön Du trotzdem darüber schreiben konntest… \o/