Warum können Sie keinen Mann halten, Frau Finke?

… ja, so habe ich auch geguckt. Ich war gar nicht auf die Idee gekommen, dass man einen Mann halten, oder sich Männer halten könne. Oder dass das in irgendeiner Form erstrebenswert sei.

Bis, ja bis dieser Typ auf Twitter, dem einige Sifftwitterer folgen (Leute, die stolz darauf sind, Pöbeleien oder dumme Anmache zu twittern. Irgendwas zwischen Troll und Hater) mir relativ unvermittelt diese Frage stellte. (Das machen die gern. Soll einen wohl verwirren.)

Und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Was mir zum Glück fehlt, ist Männer-Haltung! Wie konnte ich das nur vergessen!? Streng genommen hatte ich nämlich, als ich noch studierte, ja bereits Erfahrungen mit der extensiven Männer-Haltung gesammelt.

Mann halten
claudioscott auf Pixabay.com

Ich hatte einen Mann, mit dem ich gerne ins Kino ging, einen, den ich zum Tanzen traf, einen zum Reden und Lachen, einen (oder auch zwei) fürs Bett, und immer noch Männer zur Hand, die ich für Schränke aufbauen, Möbel schleppen und handwerkliche Dienstleistungen um Hilfe bitten konnte. Nicht alle von diesen Männern waren an rein platonischen Freundschaften interessiert – aber hey, was konnte ich denn schon dafür, wenn ich ihre unausgesprochenen Erwartungen enttäuschte?

Von Männer-Haltung, Männer-Hinhaltung zu Männer-Abstoßung

Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich es leid war. An dem ich nämlich feststellte, dass ich, auch wenn ich das nicht so ausgedrückt hätte, eigentlich Männer-Haltung betrieb. Vielleicht eher Männer-Hinhaltung. Und das wollte ich nicht mehr. Also machte ich mich so gut wie möglich autark, fand starke und patente Freundinnen, und gab seither lieber Geld für Handwerker aus, als den Männern für ihre Gesellschaft oder ihre tatkräftige Hilfe ein Abendesssen oder ein Glas Wein auf dem Balkon zu versprechen. Was ist das, Männer-Abstoßung?

Aber halt, ich schweife ab. Ich wollte ja über die Vorzüge der Männer-Haltung nachdenken. Mit einem Mann ist es meist kurzweilig, frau hat einen Gesprächspartner, ein gewisses gesellschaftliches Standing, aber eben auch einiges an Arbeit. Die Männer-Haltung selbst ist eigentlich ziemlich einfach: Der gemeine Ehemann braucht eine Frau, die ihm „den Rücken freihält“, ihn anhimmelt und bestärkt, den Haushalt schmeißt, für gebügelte Hemden, Bier/Wein/Cola und Rum sowie Steaks im Haus sorgt, und kranke Kinder betreut, so vorhanden. Außerdem soll sie sich für (ausschließlich seine) Erektionen begeistern und spontan darauf anspringen.

Eigentlich braucht so ein Mann nicht viel, aber dann war mir der Preis dafür, ihn zu behalten, doch zu hoch. Ich beschloss also ein zweites Mal nach dem Studentenleben, die Männer-Haltung aufzugeben, obwohl ich mich schon sehr an sie gewöhnt hatte. Auch der Mann, der bei und mit mir gelebt hatte, tat sich sehr schwer mit meiner Entscheidung und der Umstellung. Aber er hat rasch wieder eine neue Halterin gefunden, die ihn seit gut 7 Jahren hegt und pflegt, ich weiß ihn in guten Händen.

Einen neuen Mann möchte ich mir aber trotzdem erstmal nicht mehr zulegen. Die Haltung ist einfach verglichen mit dem Nutzen doch zu aufwändig.

Bloggerin, Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Print und Online. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit von Familie & Beruf, Familienthemen.

22 KOMMENTARE

  1. Männer-Haltung geht nur mit autonomen, freilaufenden Exemplaren wirklich gut. Klassisches Tauschgeschäft mit Rückenfreihalten gegen Vollfinanzierung und Mittwochssex ist vollkommen überholt. Weisse Hemden sollten von ihren Trägern gewaschen und gebügelt werden ;-)

    • Das freut mich zu hören. So ein Exemplar käme eventuell noch infrage- aber noch nicht jetzt. Ich bin mit den Kindern voll ausgelastet.

  2. Absolut treffend geschrieben! Geht mir ganz genauso! Meiner Erfahrung nach ist die Männerhaltung teuer, zeitintensiv und extrem enttäuschend. Darum habe ich sie vor 6 Jahren aufgegeben und bereue es seither nicht. Was mir viel mehr fehlt als ein Partner ist die Gesellschaft mit Gleichgesinnten, Verrückten und Kreativen … Aber dafür fehlt mir schlicht die Zeit, denn ich bin leider genau wie Du, liebe Christine, ausschließlich nur für meine Kinder und meine Arbeit da… :(
    LG Rebecca

  3. Also ich habe schon durchaus öfter von Frauen mit Mann einen gewissen Neidfaktor auf Frauen ohne Mann herausgehört, speziell von denen, die aus der finanziellen manchmal aus psychischen Abhängigkeitsnummern nicht rauskommen. Ich erinnere mich gerade schmunzelnd und kopfschüttelnd, dass zu Beginn meiner Ehe meine Mutter meinem Mann die Hemden gebügelt hat. Irgendwann hat sie mich (!) angeraunzt, sie hätte da keine Lust mehr zu. Dafür hatte ich großes Verständnis! Ab dann hat er viel öfter Pullover getragen und gelegentlich seine Hemden zum bügeln weggegeben. „Die Haltung ist einfach verglichen mit dem Nutzen doch zu aufwändig.“ lol!!!!

  4. hahaha. ist gut. geht mir ähnlich. der gedanke, dass da (wieder) so ein mann bei mir rumhängt, ist beim gedanken schon anstrengend.

  5. Grosses Kino. Dank Dir, Christine! Es ist zu bedauern, dass immer noch viele der klassischen Exemplare im Umlauf sind und deren Umgewöhnung leider nur in Grenzen möglich ist. Die Lernfähigkeit ist am höchsten, wenn man sie im jungen Alter zu sich nimmt. Dann kann man sie maximal an seine Bedürfnisse anpassen und Haltung und Nutzen im Gleichgewicht halten. In seltenen Fallen hat Frau auch das Glück, ein bereits geschultes Exemplar in freier Wildbahn anzutreffen. Dabei handelt es sich tatsächlich um einen extremen Glücksfall, den man gegebenenfalls nutzen sollte.

  6. ha ha, sehr nett – und ja der kosten-nutzen-faktor geht überhaupt nicht auf, so jedenfalls meine persönliche erfahrung – wenn man den mann bis zum sofa/ bett vorgelasse hat. diese erwartungsvolle haltung seinerseits, während frau sich um alle dinge wie kinder, erziehung, organisation in bezug auf kita- und schulalltag, haushalts- und erwerbsarbeit kümmert… verursachte mir jedenfalls zusätzlichen stress und irgendwann auch ärger und wut.

  7. Ich halte meinen Mann gerne, denn er hält mich auch (aus i.S.v. ertragen 😅) – in jeglicher Art und Weise.
    Er bügelt seine Hemden selbst, kocht, bringt dem Sohn Unsinn bei, ist erfolgreich im Job und nebenbei auch noch Ausdauersportler..
    ICH kann und will mich nicht beschweren, obwohl ich es (danke liebe Hormone) doch manchmal mache.
    Insgesamt passt aber alles bei uns und dafür bin ich äußerst dankbar ❤️👍🏻😘

  8. Ja, so ein Mann braucht nicht viel, aber dauerhaft eine artgerechte Haltung zu gewährleisten, ist je nach Lebensumständen nicht gerade leicht, und leider neigen sie gerade dann dazu, eben nicht besonders brav zu sein. Auch muss meist in der Anfangszeit einiges in die Erziehung des Mannes investiert werden, das wird häufig unterschätzt. Auch sind Ausstattung und Spielzeug sehr teuer, dies sollte frau bedenken, bevor sie sich für die Männerhaltung entscheidet. Hinzu kommt, dass man ab einem gewissen Alter in der Regel nur noch Männer aufnehmen kann, die bereits von anderen Frauen abgegeben worden sind, meist aus gutem Grund.
    Fazit: Die Männerhaltung ist ein sehr anstrengendes und zeitraubendes Hobby, das im Vorfeld gut überlegt sein will.
    Sollte mir ein Exemplar begegnen, das pflegeleicht, selbstständig und nicht dominant ist und zusätzlich diese ominöse „Liebe“ bei mir auslöst, könnte ich mir wohl vorstellen, wieder einen aufzunehmen, aber die Wahrscheinlichkeit geht da vermutlich gegen null. Aber sich einen Mann zu halten, weil es „in“ ist, weil es dazugehört und weil man das halt so macht, wegen des Geldes oder des gesellschaftlichen Status…auf keinen Fall!

  9. Habe das o.g. gelesen.
    Es gefällt mir nicht, höflich ausgedrückt.
    Ich ersetze das Wort Mann/Frau mit dem Wort Mensch und ich lasse es nochmal auf mich wirken.
    Menschenhaltung, Menschenabstossung und deren Vorzüge, artgerecht……
    Soll das lustig sein ?
    Die Menschen, die sich jetzt in diesem Blog wiedererkennen, mit ihnen ins Kino gingen, Ihnen halfen, Ihnen zuhörten, was sollen die jetzt denken?

    • Ich wusste, dass diese Kritik kommen könnte – die Antwort ist, das Lustige ergibt sich aus der Situation. Weil nämlich ein Maskulist diese Frage provozierend stellte, und weil dieser Text mit den Machtverhältnissen zwischen männlichem und weiblichem Geschlecht spielt. Drum würde er auch nicht funktionieren, wenn man überall Frau schreibt, wo ich von einem Mann rede.

  10. Na ja, mit dem „Halten“ ist ja wohl das „Festhalten“ und „An-sich-binden-können“ gemeint. Da wird Christine ja von dem Mann der Vorwurf gemacht, das nicht zu können. Die Frage ist ja dann, warum manche Beziehungen/Ehen mit/ohne Kinder gelingen und andere nicht. Da kommen ja viele Faktoren zusammen. Ob ein Gelingen immer damit zusammenhängt, dass die Frau dem Mann nach dem Mund redet und alles für ihn tut, sei mal dahin gestellt. Das glaube ich nicht. Ehen/Beziehungen scheitern aus unterschiedlichen Gründen – da gibt es keinen monokausalen Zusammenhang. Meine Beobachtung: Je höher der Bildungshintergrund umso stärker der weibliche Wunsch nach Egalität. Je niedriger er ist, umso eher wird darauf verzichtet und auf biologistische Zusammenhänge verwiesen („Frauen können sich nun mal besser kümmern“, etc.). Keinen Mann „halten“zu können, hängt also mit unterschiedlichen Beweggründen zusammen. Manche Männer können übrigens auch keine „Frauen halten“.
    Letzten Endes ziehen Frauen meist deshalb den Kürzeren, weil sie nur ein kurzes Zeitfenster zur Erfüllung von Kinderwünschen haben und die Kümmer- und Fürsorgearbeiten nach wie vor nicht bezahlt werden. Gäbe es weder das eine noch das andere, brauchten Frauen keinen Mann „zu halten“. Könnten Frauen total selbstbestimmt Kinder bekommen und gäbe es das Elend der allein Erziehenden nicht, gäbe es auch die von Christine beschriebenen Machtverhältnisse nicht mehr.

  11. Ich mag den Text und sehe den ernsten Hintergrund hinter dem Humor durchaus, nur ganz kurz zum Thema Kosten-Nutzen-Faktor: Die Kosten sind meiner Ansicht nach letztlich nur so hoch, wie man sie für sich selbst ansetzt bzw. wie das, was man freiwillig in einer Beziehung gibt. Jeder hat einen freien Willen und kann eigenständig entscheiden, ob er Dinge wie Kochen, Putzen, Waschen, Einkaufen etc. vollständig übernimmt oder lieber nicht. Was der andere Teil ggf. erwartet, wäre mir da relativ schnuppe bzw. könnte der seine Erwartung recht schnell in den Wind schießen, wenn das für mich aus Ungleichgewichtsgründen nicht realisierbar wäre.
    Nur wenn man das gibt, was man will und kann bietet man keine Angriffsfläche dafür, ausgenutzt zu werden und sich verbraucht zu fühlen. Eine Menge Input ohne entsprechenden Output ist mir ein zu wenig tragfähiges Konstrukt.
    Und wenn ein Mann jemals etwas von mir erwarten würde, was ich nicht bereit bin, aus freiem Willen nicht oder nicht ausschließlich zu übernehmen, am Besten noch mit der Begründung, dass ich doch eine Frau bin und das deswegen tun soll, dann würde er mich nur noch von hinten sehen.
    Neulich bei der Arbeit hat eine männliche Führungskraft von mir eine Tätigkeit verlangt, die nicht wirklich in mein Aufgabengebiet fällt (war eigentlich Sache seines Bereiches, aber war administrativer, kleinteiliger Kram und damit wollte man sich als gottähnliches Wesen offenbar nicht beschäftigen). Habe das mit der Begründung abgelehnt, dass ich nicht zuständig bin und den starken Eindruck habe, dass er mir das nur geben wollte, weil ich eine Frau bin und dass wir das mit dieser Aufgabe besser lassen sollen, damit nicht noch Diskriminierungsgerüchte entstehen ;0)
    Entschuldigung, das ist schon total off topic, aber das regt mich so auf, wenn Menschen (Männer wie auch leider manchmal Frauen) der Meinung sind, einen bestimmten Bereich im Arbeits-/ Privatleben sollten nur Frauen übernehmen, weil sie eben doch Frauen sind.

  12. Ich finde den Artikel grundsätzlich sehr gut und nachdenkenswert. Allerdings bin ich schockiert, wie Frauen hier den Mann ganz salopp – auch wenn es ironisch gemeint ist- mit einem Tier, welches man sich hält vergleicht.
    Diese Art der Emanzipation grenzt schon an weibliche Überheblichkeit.
    Würden Männer so schreiben, würde es eine Welle der Entrüstung und einen großen Aufschrei dercFrauenwelt zur Folge haben. Emanzipation ja, aber bitte mit ehrlicher Gleichberechtigung!

  13. Hallo Christine,
    da ich keine andere Kontaktmöglichkeit gefunden habe, muss ich hier mein Anliegen schreiben.
    Dein neues Layout am Smartphone gefällt mir recht gut. Es gibt aber 2 Dinge die ich vermisse:
    1. einen Vermerk wie viele Kommentare zu einem Artikel, oder noch besser wie bisher die Rubrik „letzte Kommentare“
    2. ich hab so gerne deine Tweets verfolgt (auf der „normalen“ Homepage.
    Ansonsten bleibt mir noch zu sagen – ich les deine Artikel immer gern. Und deine Links führen mich häufig zu Themen, die bei mir noch nicht ankamen. Vielen Dank dafür.
    Liebe Grüße, Martina

    • Liebe Martina, ich find’s auch sehr schade, aber twitter auf mobile geht nicht, sagt mein Admin. Das findet google gar nicht gut. Aber es freut mich sehr, dass du die Tweets gerne gelesen hast. Wo ich twitter doch so liebe!

      Herzliche Grüße, Christine

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here