Was jetzt schön wäre

Tag 3, an dem ich krank bin. Und ja, es ist viel besser als damals, als die Kinder noch klein waren und ich überhaupt nicht wusste, wie ich klarkommen sollte, wenn es mich umhaut. Aber es ist immer noch doof, sehr doof.

Es wäre so schön, wenn jemand da wäre, der sich um mich sorgt. Der mir über die fettigen Haare streicht (aber sanft, denn die Haarwurzeln tun höllisch weh!), mir einen Tee bringt, und den es interessiert, wie es mir geht. Nicht nur, damit ich möglichst bald wieder funktioniere („Mama, ich brauche ein neues Hausaufgabenheft. Bist du noch lange krank?“, „Mama, ich habe soooo Hunger auf Pfannkuchen. Kannst du nicht doch welche machen?“ „Mama, ich habe ein Problem mit der Playstation. Bitte, bitte, ruft mal den Support an!“), sondern aus Liebe und einem Zugehörigkeitsgefühl heraus.

Was schön wäre
RsvRasheed auf Pixabay.com

Im Grunde vermisse ich meine Mutter (Mein Exmann benahm sich auch eher wie ein Kind, wenn ich mal krank war, der war leider keine große Hilfe). Als Kind krank zu sein war fast schön. Sie machte mir eine große Kanne mit ekligem Kräutertee, brachte Zwieback ans Bett, und dann durfte ich den ganzen Tag lesen. Kranksein war gar nicht so schlimm. Vor allem aber gab es bei uns die eiserne Regel, dass ich erst wieder in die Schule durfte (Ja, ich wollte da hin!), wenn es mir einen Tag lang richtig gut ging. Heute stehe ich auf, sobald ich kann, weil Liegenbleiben Luxus ist.

Es wäre so schön, wenn heute jemand hier wäre, der sagt, „Schlaf morgen aus, Christine. Ich kümmere mich darum, dass die Kinder pünktlich zur Schule gehen.“ Jemand, der sich um die ebenfalls kranke Jüngste kümmert und sie betüdelt, anstatt ihr das Tablet mit youtube zu erlauben. Ach, und jemand, der staubsaugt, einkauft und die Wäsche erledigt.

Es wäre schön, wenn mich jemand aufmunternd angucken würde, ein paar blöde Scherze über meinen Zustand machen würde, und ich einfach mal loslassen könnte. Meine Freundinnen (ebenfalls alleinerziehend) schicken aufmunternde WhatsApps oder rufen an, zwei davon sind gerade selbst krank. Immerhin verstehen die mich. Ein kleiner Trost. Und so machen wir einfach weiter, weil es ja nicht anders geht. Das, was schön wäre, schlage ich mir aus dem Kopf. Nützt ja nix. Hätte, wäre, wenn.

Nachklapp:

Kommentare, in denen steht, dass meine Große das alles machen und erfüllen soll, schalte ich nicht frei, und rate denjenigen, die versucht sind, sowas zu schreiben, mal „Parentifizierung“ zu googeln. Und dass es Familienpflegerinnen von der Krankenkasse gibt, ist mir bekannt. Dafür bräuchte ich ein Attest vom Arzt, müsste einen Besuch bei der Krankenkasse machen, und ferner muss man mit mindestens 3 Tage Vorlauf durch den freien Träger rechnen. Das also bitte auch nicht kommentieren.

Gute Besserungswünsche und Flausch oder einfach Empathie nehme ich gerne.

21
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
17 Kommentar Themen
4 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
17 Kommentatoren
Christine FinkeAsdAndrea WiedelSuzieSonnenfräulein Letzte Kommentartoren
neueste älteste meiste Bewertungen
Frida
Gast
Frida

*über-die-Haare-streich & Tee anreich.

Gute Besserung!

Fara Schätzle
Gast
Fara Schätzle

Gute und vor allem nachhaltige Besserung wünsche ich! Lese selber eben auch What works von Iris Bohnet, in der Originalfassung. Find’s spannend. Danke für den Tipp! Auch der jüngsten gute Besserung, auf dass Euer gemeinsamer Alltag bald wieder so ist, wie immer. Krank sein ist doch vor allem nur eins: echt doof. <3

Marie
Gast
Marie

….und nach dem Kranksein das Aufräumen und Saubermachen der Wohnung übernimmt…..

Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit)
Gast
Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit)

Allez, courage!

Astrid
Gast
Astrid

Ganz viel Kraft und schnelle Genesung ? Es ist nicht einfach, soviel allein managen zu müssen. Irgendwo holt man dann doch die Kraft her und zum Schluss fragt man sich jedes Mal, wie man es geschafft hat. Ich wünsche dir auf jeden Fall gute Besserung und hoffe, du bist schnell wieder auf den Beinen. Pfefferminztee hilft übrigens gegen fast alles, weil antibakteriell ???

Anna
Gast
Anna

Oh ja, ich versteh das so! So schön wär das, nicht immer die Starke, Zuständige, Tuende sein zu müssen, sondern auch mal jemanden zu haben, der sich kümmert und einen Teil übernimmt.

Gute Besserung!

Evie
Gast
Evie

Gute Besserung! Ich fühle so mit Dir!

Alexandra Schröder
Gast
Alexandra Schröder

Liebe Christine,ich kenne diese Situation zur Genüge. Worst Case für uns Alleinerziehende und exemplarisch dafür, wie unsere Gesellschaft versagt und was wir und unsere Arbeit ihr wert sind.Gut auch, dass Du nochmal die beiden Optionen die ABSOLUT KEINE sind erwähnst und ausschliesst:Pflege durch ein Kind und nicht zielführende langatmige Orga der Pflegekraft über die Krankenkasse (zu einem Zeitpunkt wo das schon längst greifen müsste).Einfach nur blanker Hohn in so einer Situation und Anlass für die Politik mal den Kopf einzuschalten.Ganz liebe Grüße und gute Besserung!!Und by the way: Genialer Blog und unschätzbare Arbeit, die Du hier leistest…Gruß Alex

olaf
Gast
olaf

*Flausch*

Dreizehnmorgen
Gast
Dreizehnmorgen

Wenn jemand krank ist, dann möchte er – zu Recht – nur getröstet, bestärkt und unterstützt werden. Insofern ist dieser Kommentar eigentlich erst nach der Krankheit angebracht. Darf ich ihn trotzdem jetzt schon schreiben? Auch ich war alleinerziehend ab dem 9. und 11. Lebensjahr meiner beiden Kinder, ich kenne also sowohl die Situation mit und ohne Partner. Ich habe drei Anliegen oder vielleicht besser Ergänzungen, die ich gerne anbrigen würde. 1. Ich habe mir in meiner Ehezeit immer dringend einen Arbeitgeber gewünscht, bei dem ich mich hätte krank melden können. Konkret sah es so aus: beide Kinder gleichzeitig oder nacheinander… Weiterlesen »

Herta
Gast
Herta

Liebe Christine, aus deinem Nachtrag entnehme ich, dass kritische Kommentare von dir nicht (mehr) erwünscht sind und du nur noch Beiträge freischalten möchtest, die dir nach dem Mund reden. Das ist schade und passt eigentlich nicht zu dir. Daher werde ich dein Forum nicht mehr besuchen und hier auch nicht mehr schreiben. Foren, in denen nur User unterwegs sind, die sich gegenseitig in ihren Ansichten bestärken, gibt es leider inzwischen mehr als genug. Das muss ich hier nicht auch noch haben. Alles Gute und vor allem gute Besserung. Herta

Sonnenfräulein
Gast
Sonnenfräulein

Das ist schon richtig.
Aber Ratschläge sind auch Schläge. Warum mit erhobenen Zeigefinger meckernd durchs Leben rennen? Ist doch anstrengend.

Wir wechseln früh genug den Planeten.

Sonnenfräulein
Gast
Sonnenfräulein

Mein Mann und ich haben seit über einem Jahr keine Erkältung, keine Grippe, keine Bronchitis – nichts mehr und dabei müsste ich endlich mal zu Hause die Steuererklärung machen. :D Ich gehe nicht mehr zur Impfung, habe einen Beruf, wo ich bei Wind und Wetter gern arbeite und viel Nachtdienste habe. Gerade nach Urlaubsreisen hat es mich in diesen versifften unterkühlten Fliegern erwischt. Ich weiss nicht woran es liegt und ich überlege mir gerade, was und wen man alles in dieser Welt für Geld nicht kaufen kann. Zum Beispiel jemand, der einen einfach so gute Besserung wünscht und ein Lächeln… Weiterlesen »

Rike
Gast
Rike

Gute Besserung!!! Und Flausch!! Und Empathie!

Suzie
Gast
Suzie

Erstmal auch von mir ganz liebe Besserungswünsche!! Und zweitens: vielleicht wäre es wirklich mal eine Betrachtung wert – ich habe auch das Gefühl, dass die Kinder meiner allein erziehenden Freundinnen weniger im Haushalt helfen müssen, als die Kinder in Familien mit beiden Eltern. Ist es vielleicht eine Art „Geschenk“, weil sie ja nicht eine „richtige“ Familie haben? Um Schuldgefühle abzubauen? Oder müssen diese Kinder in anderen Bereichen „mehr“ leisten, die ich als Vater-Mutter-Kind-Familie gar nicht sehe?

Andrea Wiedel
Gast
Andrea Wiedel

Liebe Christine,
Selbstfürsorge ist so wichtig für uns alleinerziehende. Was hat auf einer Mutter-Kind-Kur mal die Leitung gesagt: Wir Mütter sind das Betriebssystem und wenn das abstürzt, dann geht nichts mehr. Wir sollen uns also nicht selber immer so unwichtig nehmen, sondern wichtig, damit die Familie funktioniert. Krankheit ist die Möglichkeit der Selbstfürsorge. Ich wünsche Dir, dass Du sie ohne allzu schlechtes Gewissen „genießen“ kannst – und es nach Deiner unfreiwilligen Auszeit wieder flutscht.
Andrea

Asd
Gast
Asd

Geh endlich arbeiten und hör auf dem Steuerzahler auf der Tasche zu liegen!

trackback
Über große und kleine Kinder – mutterseelesonnig

[…] werden, denn mit 11 und 12 Jahren ist man eben noch lange nicht reif genug, die Mutter zu ersetzen. Christine Finke gab all jenen, die denken, große Kinder könnten alles mögliche übernehmen, den R… Und das tue ich hiermit auch: Eine Parentifizierung findet statt, wenn sich das Kind aufgefordert […]