Jens Spahn als Ritter der Alleinerziehenden? Eine HuffPo Headline und ein Irrtum

Wow, dachte ich gerade beim Lesen der Nachrichten – wir haben mit Jens Spahn einen CDU Politiker, der sich auf die Seite der Alleinerziehenden stellt! Die Revolution ist nahe!

Und dann schaute ich genauer hin: Aus einem Interview in der FAZ von heute, in dem Spahn sich zum Thema Kita-Ausbau äußert, machte die Huffington Post eine völlig irreführende Headline.

Was Jens Spahn der FAZ sagte:

„Unser großes Credo bleibt die Wahlfreiheit der Eltern. Wer sich für die schnelle Rückkehr in den Beruf entscheidet – fein. Doch wer der Familie Vorrang geben will, sollte das ebenso tun können. Die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften hat in manchen Kreisen inzwischen mehr Akzeptanz als die vollzeiterziehende Mutter. Beides hat Respekt verdient. Mehr Family-Mainstreaming statt immer nur Gender-Mainstreaming wäre mal was.“

Jens Spahn
Foto von Jörg Klaus, Pressebild

Und was titelt die Huffington Post?

CDU-Präsidiumsmitglied Spahn: „Homosexuelle Partnerschaften werden eher akzeptiert als alleinerziehende Mütter“

Screen HuffPo Spahn

Liebe HuffPo/Staff (das ist dann wohl die Redaktion?), darf ich euch kurz erklären, was Jens Spahn gemeint hat? Eine „vollzeiterziehende“ Mutter ist für konservative Politiker die Frau am Herd. Die nicht berufstätige Hausfrau, deren Ehemann vom Ehegattensplitting profitiert. Sie wissen schon, die Wählerin, die sich über das Betreuungsgeld freute.

Alleinerziehende sind hingegen Mütter, die NICHT vom Ehegattensptlitting profitieren, in der überwiegenden Zahl (75%) keinen oder zu wenig Unterhalt fürs Kind erhalten, und zwar mit durchschnittlich 29 Wochenstunden vollzeitnah arbeiten, wenn sie denn einen Job finden, und die mit 43,8% die höchste Armutsquote aller Familienformen haben. Wenn Sie das bitte in einer Fußnote vermerken würden. Danke.

Aber die HuffPo hat Recht!

Ach, und Herr Spahn, falls Sie das hier lesen: Vielleicht sehen Sie das wirklich so, wie es die HuffPo fälschlicherweise interpretiert hat? Dann wären wir ganz auf einer Linie. Denn ich bin tatsächlich der Meinung, dass es – leider, und das nicht, weil ich etwas gegen Homosexuelle hätte – viel akzeptierter ist, ein schwuler Mann zu sein als eine alleinerziehende Frau. Das ist etwas, was ich schon lange sage. Gut, dass das also nun über diesen Umweg mal ins Gespräch gebracht wurde!

Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit Familie/Beruf, Alleinerziehende. Seit 2014 auch Stadträtin in Konstanz.

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26 Kommentare auf "Jens Spahn als Ritter der Alleinerziehenden? Eine HuffPo Headline und ein Irrtum"

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Judith Gottschalk
Gast
So gut ich die Klarstellung in diesem Blogartikel finde, lässt mich der dieser Satz als LGBT-Aktivistin doch schlucken: „Denn ich bin tatsächlich der Meinung, dass es – leider, und das nicht, weil ich etwas gegen Homosexuelle hätte – viel akzeptierter ist, ein schwuler Mann zu sein als eine alleinerziehende Frau.“ Was mich daran stört: Es hinterlässt den Eindruck, als wäre die Diskriminierung der schwule Männer und jeder Mensch aus dem LGBT-Spektrum ausgesetzt ist, weniger schlimm als diejenige Diskriminierung, der Alleinerziehende ausgesetzt sind. Ich denke, die Diskriminierung einer Alleinerziehenden Mutter ist keinesfalls mit der Diskriminierung vergleichbar, der ein schwuler Mann ausgesetzt… Read more »
Johanna R
Gast

Was hat das Ehegattensplittung mit dem Thema zu tun? Sollen nun auch Angestellte neidisch sein, weil Freiberufler bei ihrem Dienstwagen die Mehrwertsteuer sparen oder Journalisten mit einem Presseausweis Rabatt bekommen? Einfach heiraten und schon gibt es wieder ein Ehegattensplitting. Aber bitte einen reichen Mann sonst splittet es nicht richtig. -:)

Tigerbabe
Gast

Ich würde die HuffPo einfach nicht lesen. Ein groteskes Machwerk.

stefanie
Gast
Liebe Frau Finke, ihren Blog schätze ich sehr und ich lese hier regelmäßig. Hier aber verstehe ich die Aufregung nicht ganz: Herr Spahn hat doch gar nichts über Alleinerziehende gesagt? Klar, er hätte sie in sein Statement einbeziehen können oder sollen… Das war vielleicht der Fehler. Aber ich lese hier nur unterschiedliche Betreuungsmodelle heraus. Und ganz ehrlich: Ich fühle mich auch manchmal diskriminiert. Ich bin wegen der Kinder einige Jahre zu Hause geblieben. Das hat für uns gut funktioniert und ich bin auch jetzt froh, dass ich nachmittags zu Hause sein kann. Ich möchte das aber nicht verteidigen müssen. Genau… Read more »
Klaus
Gast

Liebe Frau Dr. Finke,

ich habe selten einen solchen Dumm-fug gelesen wie hier.

Natürlich ist eine CDU/CSU ebenso unwählbar wie auch SPD und Grüne.

Läuft wohl auf FDP mit Wechselmodell hinaus.

Gefällt Ihnen sicher nicht, hat aber mit Wahrheit und Wahrhaftigkeit zu tun.

Grüße

Herta
Gast
Hallo, es gab bei uns erst beim jüngsten Kind U-3-Betreuung und die konnten wir gar nicht richtig in Anspruch nehmen, weil uns die Erzieherinnen sagten, wir müssten mit Verhaltensstörungen rechnen, sollten wir unser Kind länger als 3-4 Std. täglich betreuen lassen. Es gab also gar keine Wahlmöglichkeiten, es sei denn, wir hätten unser Kind einfach gegen seinen ausdrücklichen Willen und den der Erzieherinnen (!) länger betreuen lassen. Klar hätte man sich über den Kinder- und Erzieherwillen hinwegsetzen und das Kind trotzdem bis 16/17 Uhr da lassen können. Wir haben das halt nicht gemacht. Unser Kind wurde etwa 20 Std. in… Read more »
mom
Gast

Vielleicht sollte man tatsächlich auch über die Einschätzung der Erzieherinnen reden…die sehen viele Kinder, die sehen viele Kitas von Innen, die kennen die tatsächlichen Arbeitsbedingungen (im Gegensatz zu denen, die an TAgen der Offenen Tür so präsentiert werden)…vielleicht liegen die ja mit ihrer Einschätzung oft so falsch nicht?
Aber dieses Fass muss man hier ja nicht auch noch aufmachen.

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