Neu am Kiosk: Zeitschrift Chefkoch

Brilliante Idee – Rezepte, die im Internet von Usern auf Deutschlands erfolgreichster Kochseite eingestellt wurden, in Zeitschriftenform zugänglich machen. Unfassbare 33.868.423 Visits hatte chefkoch.de aus dem Verlagshaus Gruner & Jahr im September 2013 laut IVW, der offiziellen Ausweisung für Online- und Printmedien. Und 211.424.005, für Wortmenschen 211 Millionen, Page Impressions (Klicks). Über Mobilgeräte griffen weitere über 10 Mio Besucher zu, die 49 Mio Page Impressions erzeugten. Per Smartphone App kamen gigantische 4.266.451 Besuche auf die Seite.

screen-chefkoch.de

Da ich den Chefkochchef Robert Franken* einst beruflich kurz kennenlernen durfte (da war er noch Vorstand von urbia.de und ich im Kinderbuchverlag tätig), wobei mich seine unglaublich schnelle Auffassungsgabe, Weitsicht und eine ganz charmante Art, effektiv querzudenken sofort für ihn vereinnahmten, wundert es mich nicht, dass hier etwas ganz Neues bestens durchdacht auf den Markt gebracht wird.

Burda versucht mit „Das Kochrezept“, das gestern offenbar überraschend auf dem Zeitschriftenmarkt erschien, übrigens exakt dieselbe Marktlücke zu bedienen. Laut Analyse von Henning Kornfeld auf Kress.de schneidet das Heft von Gruner & Jahr allerdings um Längen besser ab, Stefan Winterbauer urteilt auf Meedia in die gleiche Richtung.

Print und Internet verbinden und dabei Geld verdienen, das wollten ja schon viele. Erinnern wir uns an das Lifestylemagazin „Season“, das ich schon lange nicht mehr am Kiosk gesehen habe. Wie gelungen ist denn nun die Umsetzung von chefkoch.de goes Zeitschrift?

Erstausgabe Chefkoch, S. 38/39
Erstausgabe Chefkoch, S. 38/39

Sehr gut gelöst und clever im Magazin Chefkoch:

  • Die Redaktion verwendet Fotos von echtem Essen ohne Tricks und Kniffe (das ist die Ausnahme bei professioneller Food-Fotografie!), alles wurde nachgekocht, und auch wirklich aufgegessen. Dafür gibt’s von mir einen Haufen Sympathiepunkte
  • Per kostenloser App, die man von der Webseite runterladen soll, kann der User Einkaufslisten und Rezepte speichern (clever, das boostet die Webseite)
  • Neben jedem Rezept prangt logischerweise ein QR-Code
  • Das Print-Magazin bewirbt den chefkoch.de Newsletter und sorgt so auch für Conversions
  • Schönes, lockeres und freundliches Layout
  • Günstiger Verkaufspreis: 1,50 €
  • Der Preis pro Portion ist angegeben
  • Ansprechende Qualität: Hochglanzcover, griffiges Papier, Fotos kommen auf dem gewählten Papier gut rüber
  • Ansprache des Lesers/Gesprächsduktus schafft die Balance zwischen Internetgemeinde und unbekanntem Zeitungsleser unbekannten Alters
  • Ein Tipp der Redaktion wandelt die jeweiligen Rezepte leicht ab und wirkt inspirierend
  • Gut dosierte Info-Häppchen sorgen für das Gefühl, etwas zu lernen
  • 5 Minutes of Fame-Effekt: Die Zahl der Rezeptaufrufe neben dem Rezept und die Angabe des Users stellen Lesernähe her
  • Eingestreute Zitate aus der Community wirken wie gute Tipps von (virtuellen) Freunden
  • Am Ende des Hefts wird man gebeten, an einer Leserumfrage (online) teilzunehmen – somit erhalten die Macher sofort Feedback, nicht erst nach 3 Monaten und vorliegenden Verkaufszahlen.

Nicht so ideal an der Zeitschrift Chefkoch:

  • Umständehalber mischt das Magazin die Anreden „Du“ und „Sie“, da wo Zitate aus dem Internet duzen und die Redaktion siezt. Wie das besser zu lösen wäre, dazu habe ich aber auch keinen Vorschlag. Es ist halt einfach so, dass Magazine eher siezen und in Internetcommunities geduzt wird. Insofern ist diese Hybridform auch authentisch.
  • Die Userfotos aus den Profilen, mit denen einige Rezepte garniert sind, wirken nicht schmeichelhaft. Da fragt man sich schon, ob das den Usern recht ist (und ob noch einmal extra nach dem Einverständnis für die Veröffentlichung gefragt wurde). Vielleicht ist aber auch das Absicht, denn nun werden tausende von Usern ihre Profile aktualisieren, für den Fall, dass sie „in die Zeitung“ kommen. :)

Fazit:

Chefkoch Erstausgabe, S, 82
Chefkoch Erstausgabe, S, 82

Obwohl ich nicht gerne nach Rezept koche und kaum Apps nutze, finde ich das Heft ansprechend.

Ich glaube, dass die Erweiterung der Zielgruppe funktionieren wird und sich das Printmagazin halten wird.

Der Online-Version von chefkoch.de wird es sicher einen Boom bei den Apps und den mobilen Aufrufen bescheren. Sehr, sehr clever, Herr Franken!

*Franken ist Geschäftsführer der pixelhouse GmbH, die Herausgeber von chefkoch.de und des Magazins Chefkoch ist. Pixelhouse wiederum ist eine 100%ige Tochter von Gruner & Jahr.

Linktipp innerhalb des Blogs:

Am Zeitschriftenregal vorbeigehen? Unmöglich!

Kochen – Blockade gelöst

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JuliapatriciaSusanneSvenClaudia Letzte Kommentartoren
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Claudia
Gast
Claudia

Liebe Chris,

danke für den Tip. Hab mir die Zeitschrift gleich gekauft und bereits den Apfelkuchen mit Streuseln gebacken. Simpel zu machen und lecker – so müssen meine Rezepte sein.

Viele Grüße

Claudia

Sven
Gast
Sven

Wurden die Nutzer denn darüber informiert? Ich habe mir die AGB von chefkoch.de nicht angesehen, gehe davon aus, dass sich Burda das Recht einräumt, die eingestellten Rezepte zu allen möglichen Magazinen ec. unentgeltlich zu verwursten. Clever. Auf der einen Seite. Frech auf der anderen.

Susanne
Gast
Susanne

Bin sehr zufrieden mit der neuen Zeitschrift habe als erstes die Kohlroulade mit Kümmelkartoffel gemacht. War super lecker, es ist alles einfach beschrieben. Danke, weiter so!
Liebe Grüße
Susi

patricia
Gast
patricia

Ich bin sehr froh über die neue Zeitschrift , die “ Nudeln zum Verlieben“ sind wahnsinns gute Rezepte und so einfach zum kochen … Ich freu mich schon sehr auf die 2 Ausgabe und hoffe auf viele viele weitere ausgaben .

Julia
Gast
Julia

Hallo Christine,

zu der offenen Frage kann ich Licht ins Dunkel bringen: Die Nutzer werden vorher gefragt, ob sie ihre Rezepte für das Magazin zur Verfügung stellen möchten. Dasselbe gilt für die Userfotos, wer möchte, kann eines einreichen, wer nicht, bei dem wird auch kein Bild gedruckt.

Viele Grüße
Julia Heilig, aus Online-Redaktion von Chefkoch.de

PS: Wir freuen uns über deine Rezension :)