Bikini als feministisches Symbol – ein Widerspruch?

Meinen ersten Bikini habe ich mit 35 Jahren gekauft, nachdem ich mein erstes Kind bekommen hatte. Das ist nun 15 Jahre her, und ich trage seitdem häufig Bikinis, einen Badeanzug eigentlich nur noch fürs Bahnenziehen, und fühle mich in beidem wohl.

Bevor ich Kinder bekam, habe ich mich einfach nicht getraut, so viel Haut zu zeigen. Ich hatte Angst vor den missgünstigen Blicken der Frauen, vor den vielleicht begehrlichen Blicken der Männer, Angst, irgendwelchen Ansprüchen nicht zu genügen. Meinen Bauch fand ich schlabberig, meine Beine zu dick, den Busen zu klein.

Bikini als Zeichen von Empowerment nach der Geburt

Mit der Geburt meiner Kinder änderte sich das. Ich begann, meinen Körper mit Bewunderung zu sehen. Und ich fand meinen Bauch für eine Frau, die erst eins, dann ein zweites, und dann noch ein drittes Kind ausgetragen hat, ausgesprochen prima. Auch die Körper anderer Frauen sah ich nun mit anderen Augen: jeder war auf seine Art schön, auch die mit mehr Kilos auf der Waage, die mit Narben, die ganz Drallen.

Bikini
918 / Shutterstock.com
Bikini
Mama arbeitet, im Rhein badend. Gestern. Bild verlinkt zum Tweet.

Trotzdem habe ich gestern überlegt, bevor ich ein Bild von mir im Bikini auf twitter postete. Das war, und mir war das bewusst, ein Tabubruch. Ich bin 50, obendrein Stadträtin, und ein Bikinibild von mir in einem öffentlichen Netzwerk kann als total daneben empfunden werden.

Aber der Shitstorm blieb aus. Stattdessen schrieben viele Frauen, sie empfänden das Tragen des Bikinis als Befreiung, als feministisches Statement, als etwas, das sie als selbstbewusste Frauen tun „dürften“, egal, wie ihre Figur sei. Ich habe mich darüber gefreut.

Und ich fand’s sehr interessant, dass dieses Selbstbewusstsein nicht selten mit der Geburt eines Kindes einherzugehen scheint. Da bin ich also kein Einzelfall. Vielleicht ist das sogar typisch?

Kritische Blicke auf Frauen in Bikinis in den Medien

Frauen in Bikinis finden in der Öffentlichkeit, und speziell in den Medien, hauptsächlich statt, um auf ihre Makel hin untersucht zu werden – Abgesehen von aberwitzig gephotoshoppten H&M Plakaten, die ein Thema für sich sind, und von allerlei sexistischer Werbung generell. Ich erinnere mich an ein Paparazzobild einer Promifrau meines Alters (war es Pamela Anderson?), die für mich absolut prima aussah, aber von der Redaktion des Tratschblattes als mangelhaft dargestellt wurde, weil sie Falten am Bauch hatte und nicht nur schiere Muskeln.

Ich habe mich darüber geärgert, wie mit ihr umgegangen wurde, fühlte mich quasi mitangegriffen. Für wen werden diese Blätter eigentlich gemacht?, habe ich überlegt. Und ob die Bildredakteure denken, ich würde schadenfroh grinsen, dass auch Pamela Anderson nur ein Mensch ist?

Der Burkini zum Schutz der Frau – mir stellen sich die Nackenhaare auf

Und was mich auch nicht ganz kalt lässt, ist der Burkini, mit dem Frauen muslimischen Glaubens sich vor den lüsternen Blicken von Männern schützen sollen, das ganze auch noch als Wille Gottes deklariert.

Bei aller Toleranz, und auch wenn die Burkini tragenden Frauen sagen, das sei alles freiwillig, so habe ich damit Schwierigkeiten, dass sich die Frau verhüllen muss, sogar beim Baden. Und deswegen sehe und trage ich den Bikini, auch wenn es gewiss feministische Flügel gibt, die ihn als sexistisch bezeichnen und ablehnen, als Zeichen meiner Freiheit.

Wieviel ich zeige, bestimme ich. Im Real Life wie in den Sozialen Medien. Und das fühlt sich gut an.

 

P.S.: Die Bloggerin gesteht, dass ihre Toleranz beim Anblick von dicken alten Männern in String Tangas an ihre Grenzen gerät. Nobody is perfect.

22
Hinterlasse einen Kommentar

avatar
14 Kommentar Themen
8 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
16 Kommentatoren
TrixiBeaJohanna12 von 12 August 2016 - sie nennen es Sommer - ehrlichgesagtKatharina (Mama hat jetzt keine Zeit) Letzte Kommentartoren
neueste älteste meiste Bewertungen
ehrlichgesagt
Gast
ehrlichgesagt

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mit 28, nach der Geburt meines ersten Kindes, mit ein paar Frauen im Wattenmeer spazieren ging. Außer uns war weit und breit kein Mensch zu sehen. Aus dem Augenwinkel konnte ich sehen, dass die anderen sich ihrer Klamotten längst entledigt hatten und die warme, salzige Luft auf ihrer Haut genossen, ich trug Unterhose, T-Shirt und BH und fühlte mich gestresst wegen der Dellen an meinen Oberschenkeln. „Ausgerechnet die, die es sich nun wirklich leisten kann, hat als einzige noch was an!“ kommentierte eine meiner Begleiterinnen amüsiert meinen Aufzug. Es stimmte, nach gängigen… Weiterlesen »

ute Blindert
Gast
ute Blindert

Ich musste gerade grinsen, als ich daran dachte, dass ich am allerliebsten nackt schwimme;-) Und nein, davon würde ich nie ein Bild posten.

Maria
Gast
Maria

Mir fällt da sofort die Kampagne #beachbodynotsorry ein. In der Plussize-Szene sind Bikinis für viele auch ein Symbol für Körperliebe und Selbstakzeptanz.
Ich würde mir keinen Bikini in der Öffentlichkeit anziehen, finde die Aktion aber dennoch sehr empowernd.
Es gibt sehr schöne Bilder dazu, Luziehtan hat da z.B. viel gemacht.

Andreea
Gast
Andreea

Richtig, Lu ist mir da sofort eingefallen, die wirklich aktiv und abgeklärt mit dem Thema umgeht. Natürlich ist sie jung und sieht gut aus; nach ein bis x Geburten wird es schon schwerer, der Körper wird ja unheimlich belastet. Dem Schönheitsideal des 18jährigen Models kann man nicht mehr entsprechen; aber wir müssen es auch nicht, denn es ist nicht unser Job gut auszusehen, wir verdienen damit kein Geld. Es hilft, aber leider auch nur marginal.

indivisuelle
Gast
indivisuelle

Diese Art von Selbstverständlichkeit genieße ich: ich darf zeigen, soviel ich will, wem ich will. Das kann sich allerdings nicht nur in der Bikini-Freiheit äußern, sondern eben genau umgekehrt: ich zeige nie sehr viel von mir. Das hat etwas mit meinem Selbstverständnis zu tun: mein Körper gehört mir, und ich entscheide, wer ihn wenig bekleidet oder gänzlich unbekleidet sehen darf. Trage ich öffentlich einen Bikini, sehen mich alle Anwesenden. Auch die Geiferer und die Spötter. ich kann ihnen weder das Hinsehen verbieten, noch kann ich ihnen den Mund verbieten, wenn sie sich über mangelnde Bauchmuskelmasse oder zu dicke Oberschenkel auslassen.… Weiterlesen »

Katrin
Gast
Katrin

Interessanter Beitrag. Ich hab eigentlich eher die Erfahrung gemacht, dass Frauen nach dem Kinderkriegen Tankinis tragen – gerade um den eben nicht mehr „perfekten“ Bauch zu verhüllen. Ich selbst bin vor jedem Sommerurlaub extrem frustriert und ja auch verunsichert, Bikini zu tragen, und wenn ich es tue, würde ich ganz viele Sachen nie damit machen, die ich angezogen schon tue: laufen, springen, Ball spielen, ohne Shirt zur Pomnesbude gehen und mit ner Portion Pommes rotweiß wieder zurück zur Decke flanieren, mich im Schneidersitz hinsetzen, Beine und oh Gott, gar die Bikinizone stoppelig zu haben. Und bei den Blicken find ich… Weiterlesen »

Andrea
Gast
Andrea

Tatsächlich, seit ich Kinder habe, bin ich entspannter und gräme mich nicht mehr fortwährend, wenn ich im Schwimmbad einen Bikini (ich mochte Badeanzüge noch nie) an meinem nicht perfekten Körper trage. Dafür gibt es meiner Meinung nach mehrere Gründe: 1. Ich habe mich gut gehalten. Ich habe nicht 20 Kilo mit jedem Kind zugenommen und meine Oberschenkel sind auch nicht in einem Fachartikel für krankhafte Cellulitis abgebildet. 2. Ich habe mich gehalten. Ich war nie eine Schönheit, nie hat jemand gesagt: „Du hast aber eine tolle Haut“ oder „Du bist so schlank!“. Ich bin mehr oder weniger so geblieben wie… Weiterlesen »

Tina vom Tulpentopf
Gast
Tina vom Tulpentopf

Also ganz früher, als an Kinder noch gar nicht zu denken war, da konnte der Bikini gar nicht knapp genug sein. Wegen der fast nahtlosen Bräune. Wirklich gertenschlank war ich da nicht, aber wohl akzeptabel. Dann kamen die Kinder und das Gefühl, meine Wampe verstecken zu müssen. Also Tankini, weil ein Badeanzug immer so an der Haut anliegt und nicht mal kurz gelüftet werden kann. Denn eigentlich mag ich so viel nassen Stoff nicht am Körper. Erst in diesem Jahr habe ich mich entschieden, dass die Wampe egal ist. Und war nun gerade letztes Wochenende im Bikini am Baggersee. Denn… Weiterlesen »

Lovis
Gast
Lovis

Ich habe erst angefangen haut zu zeigen, als ich mich in meinem körper wohl fühlte, ich hatte abgenommen und passte ins bild, nach meinen kindern bin ich zehn kilo mehr, und, ich zieh mich noch so an, wie früher, ein unterschied ist bloß, dass es mir nun wirklich egal ist, ob mich jemand zu fett findet,.. Aber ich glaube, mit kindern an der hand, werde ich auch einfach nicht so häufig angeflirtet. Das führt dazu, dass positive bewertung im alltag weniger mit meiner figur und mehr mit meiner art zu tun hat. Lovis Ps, lustig, ich habe mich so weit… Weiterlesen »

Andreea
Gast
Andreea

Mich hat die Twitter Diskussion regelrecht bestürzt – ich empfand den Bikini zwar in jungen Jahren auch als relativ entblößend, aber es war der Sprung zum erwachsen sein – Kinder tragen Einteiler, Frauen tragen Bikini. Ich bin heute weiß Gott weit entfernt von meinem eigenen Ideal oder schönen Körper mit 25, und trotzdem würde ich niemals etwas anderes als ein Bikini kaufen. Die sind bequemer und sie sind Bekleidung für Erwachsene, die ein Bewußtsein für ihren Körper haben. Dass der Bauch drüberquillt und lovehandles (eben!) zutage kommen ist unvermeidbar. Der Zahn der Zeit eben. Das finde ich schwer zu akzeptieren,… Weiterlesen »

aufZehenspitzen
Gast
aufZehenspitzen

ich finde es schade, dass der eigentlich schöne und empowernde Beitrag dann selbst wieder nicht ohne Kritik an anderen Bekleidungsvorstellungen auskommt. In das Freibad, in das ich oft gehe, baden Oben-Ohne-Schwimmer*innen neben Burkini-Träger*innen – das ist nicht überall in Österreich erlaubt – sich für solche Möglichkeiten einzusetzen halte ich für feministisch, nicht einzelne schief anzuschauen. Wenn muslimische Frauen, die ihren Körper verhüllen*, dank Burkinis auch baden gehen können (und zwar im Freien und in öffentlichen Bädern), ist das doch wunderbar. Auch ein Zeichen von Freiheit, nicht? lg *Als nicht-muslimische Frau darüber zu spekulieren, wie freiwillig das ist oder nicht, ist müßig,… Weiterlesen »

Herta
Gast
Herta

Hallo,

interessantes Thema. Ich hab mit 12 Jahren meinen ersten Bikini getragen. Es gibt noch ein Foto davon. Meine große Schwester mit Top-Figur trug auch immer einen. Vielleicht war es deshalb für mich normal? Habe mich nie unwohl darin gefühlt. War für mich auch nicht anders als ein Badeanzug. Jetzt, mit Ende 40, trage ich aber keinen Bikini mehr, sondern nur noch Badeanzüge. Hat sich einfach so ergeben. Keine Ahnung, warum.

Herta

Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit)
Gast
Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit)

Leider gibt es schöne Bikinis nicht für alle Körper- und Busengrössen :-(
(noch nicht mal in Läden, die sich auf dicke Frauen als Zielgruppe spezialisiert haben)
Ich habe dann wenigkstens einen blau gepunkteten Einteiler finden können (und ich HASSE Einteiler), der nicht ausschaut wie etwas, das eine trauernde Sizilianerin zur Beerdigung tragen könnte oder das meinen naturblonden Hautteint ins Grünliche tendieren lässt.

Tragt doch, was ihr wollt, ist das Eine. Aber finden muss man es dann auch noch….

trackback
12 von 12 August 2016 - sie nennen es Sommer - ehrlichgesagt

[…] ich immer noch keinen Bikini, sondern nur einen ollen, ausgeleierten Tankini. Ich sollte mal mit Christine shoppen gehen […]

Bea
Gast
Bea

Also, ich habe einen hocheleganten schwarzen Einteiler – oben bißchen Falten, ansonsten eng und sehr schmeichelnd – ich liebe dieses Teil und würde niemals in einen Bikini steigen, weil er niemals ( für mich) eine so tolle Figur hergibt. Mit mittlerweile 65 Jahren würde ich nie in einen Bikini steigen – aber das hab ich auch vor 30 Jahren nicht getan – 1,72 m und 56 Kilo Gewicht, lange Beine, sehr schlank und gerade – alles o.k. Nix mit irgendwelchen Makeln. Was ich bei anderen nicht sehen möchte, als Berufsästhetin, will ich auch selbst nicht präsentieren. Und es ist mir… Weiterlesen »

Trixi
Gast
Trixi

Dazu fällt mir ein Zitat ein:
„[…]Halte fest im Sinn, woher du kommst, wohin du gehst, und vor wem du dereinst Rechenschaft geben musst. – Woher du kommst: Aus einem stinkenden Tropfen. – Wohin du gehst: An den Ort des Staubs und des Moders und der Würmer. […]“ (Talmud)