Der Jammer-Vorwurf. Oder: sei dankbar und halte den Mund! #muttertagswunsch

Nun ist mir doch noch die Hutschnur geplatzt. Dank meiner Lokalzeitung, die heute mit einem Kommentar zum Muttertag aufmacht.

„Weniger jammern“ ist der Titel, und inhaltlich lässt sich eine Autorin darüber aus, dass Mütter sich doch bitteschön nicht zu beschweren hätten, denn anderswo sei Krieg. „Verglichen damit sind unsere Befindlichkeiten eine Kleinigkeit. Weniger Jammern und mehr Dankbarkeit wären eine gute Option für diesen Muttertag“, endet der Text, der prominent auf der Titelseite der Zeitung platziert ist. Offenbar ist die Aktion #muttertagswunsch auch bei uns in der Lokalredaktion angekommen, auch wenn der Kommentar nicht direkt Bezug auf den Hashtag nimmt.

Mund
ImpronteDigitali auf Pixabay.com

Nun ist unsere Lokalzeitung natürlich nicht das Maß aller Dinge. Aber da gar nicht wenige Menschen scheinbar den Unterschied zwischen „jammern“ (und im eigenen Mitleid fast ertrinken) und „sich beschweren“ (auf Missstände aufmerksam machen und damit Änderungen herbeiführen wollen) nicht kennen, will ich das gerne nochmal erklären:

Jammern versus politisch aktiv werden

Jammern ist nicht das Anliegen von #muttertagswunsch, wie von Mutterseelesonnig, family unplugged und mir ins Leben gerufen. Wir wollen das Private politisch machen, den Muttertag re-politisieren, im Endeffekt Forderungen und konkrete Anregungen an die Familienministerin übergeben, und dafür möglichst viele Stimmen von Eltern dazu sammeln, was sie bräuchten. Das ist ein gesellschaftliches Anliegen, das nicht nur den Eltern, sondern auch den Kindern dient. Wir wollen dazu beitragen, dass Deutschland ein familienfreundlicheres Land wird, und das auf eine konstruktive Art und Weise.

Dass so viele Mütter und Väter schon mitgemacht haben, in zahlreichen Blogs und Tweets, zeigt uns, wie stark der Wunsch von Eltern ist, gehört zu werden. Dass viele am Rand ihrer Kräfte sind, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer noch ein enormer Spagat ist. Fast alle Tweets und Texte waren sehr sachlich – im Prinzip Auflistungen dessen, was zu ändern wäre.

Das kann man doch nicht einfach als jammern abtun? Ehrlich, ich finde das ziemlich unverschämt. Und abwertend obendrein. Vielleicht ist es aber auch nur dumm. Was davon die mir liebste Möglichkeit ist, vermag ich gar nicht zu sagen. Und jetzt halte ich wieder den Mund. Rant over.

duden

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TruddelChristine FinkeFieser Artikel zum Muttertag – MamaDenkt.deMomSo viel Leid in so viel natürlichem Licht – Die Kritik zu The Revenant – Der Rückkehrer | makellosmag Letzte Kommentartoren
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Mireya
Gast
Mireya

Vielleicht meinte sie ja eher sowas wie diese lustigen Mütter von Neugeborenen, die sich beschweren dass ihr Baby nicht durchschläft, oder dass sie nie Zeit haben Nagellack trocknen zu lassen?
Möglicherweise lebt sie so weit hinterm Mond, dass sie von der Aktion #muttertagswunsch noch gar nichts mitbekommen hat und es völlig allgemein meinte.
Trotzdem ist der Vergleich zu „anderswo ist Krieg“ dämlich, nur weil sich hier keiner beschwert oder jammert, machts das anderswo nicht besser. Wenn ich hier mein Essen aufesse, haben Kinder in der 3.Welt trotzdem nichts zu essen. Solche Vergleiche hinken…

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So viel Leid in so viel natürlichem Licht – Die Kritik zu The Revenant – Der Rückkehrer | makellosmag

[…] haben das heute wieder im Programm.) Als es noch um die wirklichen Existenzprobleme ging und keine Mütter zum Muttertag rumjammerten, dass sie statt Blumen lieber ordentliche Kinderbetreuung […]

Mom
Gast
Mom

Natürlich eine gute Masche, um die Anliegen einer Gruppe abzuwerten.
Hat übrigens irgendwo ein Jorunalist den VW-Vorständen gesagt: „Jammern sie nicht so rum, dass ihre Bonis geringer ausfallen, anderswo ist Krieg.“

Wahrscheinlich nicht, denn das sind echte Helden der Wirtschaft, und solche jammern nicht. „Jammern“ als Verb ist meist für Frauen und deren unwichtige peanuts-gedöns-Themen (irony off) reserviert.

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Fieser Artikel zum Muttertag – MamaDenkt.de

[…] und Wirtschaft. Mehr zu #muttertagswunsch und der dahinterliegenden Zielsetzung findet ihr bei Mama arbeitet oder auch mutterseelesonnig und family […]

Truddel
Gast
Truddel

Geht es denn da um eure Aktion, oder ziehst du dir einen Schuh an, der gar nicht für dich gedacht war?