Die emotionalen Kosten des Mutterseins unterschätzen? Surprise, es hat mit Gleichberechtigung zu tun!

Ein kleiner Rant mit 6 Schocks in Sachen Mutterschaft

Vor 3 Wochen erschien ein Artikel in der FAS, der auf der Titelseite angeteasert wurde mit „Mutterwerden wird oft unterschätzt.“ Im Fließtext erklärte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung den LeserInnen, „Ganze Kohorten jüngerer Frauen unterschätzten regelmäßig die Kosten, die ihnen durch ihr Muttersein entstehen. Vor allem die „emotionalen Kosten“, die durch die Trennung von den Kindern, durch Schuldgefühle gegenüber Familie und Arbeitgeber oder etwa zu wenig Schlaf entstehen.“ Es komme zu einer Art „Informationschock“, wird die Studie zitiert, die Anlass zu dem Artikel gab. Und oh Wunder, betroffen davon sind „vor allem die gut ausgebildeten Frauen. Bei Vätern sind dererlei Effekte nicht nachzuweisen.“

Als ich das vor 3 Wochen las, verschluckte ich mich fast an meinem Frühstücksbrötchen. Ich bin nämlich eine dieser Frauen, die gut ausbebildet ist und in der Tat einen echten Informationsschock erlitt. Den würde ich aber eher „Gleichberechtigungs-Schock nennen, oder „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“-Schock.

Ich verfasste einen lakonischen Tweet dazu und überlegte, ob ich dazu etwas schreibe, ließ es dann aber, weil ich so viele andere Dinge zu tun hatte. Aber heute las ich, wie jeden Sonntag, wieder die FAS, und dort waren Leserbriefe zum Thema Frauen und Teilzeitarbeit (Auch selbst Schuld, die Frauen! Arbeiten die Dummerchen Teilzeit, obwohl das in die Altersarmut führt!), was Thema der letzten Ausgaben war. Und nun kocht das Thema wieder in mir hoch.

Schock Nr. 1: Mit Baby sollst du als Frau Zuhause bleiben

Denn ich war blauäugig. Ich hatte tatsächlich gedacht, ich könne Kinder haben und weiterhin berufstätig sein. Sogar in Vollzeit, wenn ich das möchte. Und so ging ich ein paar Wochen nach der Geburt von Kind 1, im Winter 2000, aufs Arbeitsamt in Hamburg, und erklärte, ich sei stellensuchend. Dort lachte man mich aus. Mit Baby arbeiten, das sei doch wohl nicht mein Ernst!? Ich solle lieber Zuhause bleiben. Und falls ich mich ernsthaft arbeitssuchend melden wolle, müsse ich belegen, dass die Kinderbetreuung gesichert sei. Sonst gebe es weder Geld noch Stellenvermittlung.

Ich kam weinend Zuhause wieder an. Mein Mann unterschrieb einen Zettel, auf dem stand, dass er sich ums Baby kümmern würde, und ich ging nie wieder auf dieses Arbeitsamt. Stattdessen suchte ich mir einen Job und ging 3 Monate nach der Geburt wieder Vollzeit arbeiten, in einer Redaktion. Ich arbeitete übrigens bis 2011 in Vollzeit, aber es war enorm schwierig, das mit der Familie in Einklang zu bringen, und kostete mich Unsummen an Geld für die Kinderbetreuung.

Mutterschaft
skeeze auf Pixabay.com

Schock Nr. 2: Am Feierabend und in der Nacht war ich alleine fürs Baby zuständig

Vor der Arbeit kümmerte ich mich um unser Baby, hetzte dann in die Redaktion, manchmal kam ich mittags heim, um mit Mann und Kind zu essen, und abends und nachts war ich für unser Kind zuständig. Mein Mann wachte nicht auf, wenn das Baby nachts schrie, und das passierte häufig.

Ja, ich hatte mir vorher vorgestellt, dass wir uns die Aufgaben teilen. Eigentlich war das auch so besprochen. Passiert ist es nicht. Und so war ich müde, sehr müde. Bei der Arbeit und auch am Feierabend. Ein Familienleben fand zwar noch statt, aber eigentlich wollte ich nur schlafen. Mein Mann aber wollte etwas von seiner Frau haben, wenn er sie schonmal sah. Aber ohne mein Gehalt hätten wir nicht leben können. Tja.

Schock Nr. 3: Die staatlichen Rahmenbedingungen stimmen nicht

Bevor ich Kinder bekam, dachte ich, Eltern hätten es richtig gut. Die bekommen ja Kindergeld, und es gibt Mutterschutz, und tausend Vergünstigungen. Ich war auf politische Floskeln reingefallen. Grund, mich mit Familienleistungen und Besteuerung zu befassen, hatte ich nämlich erst, als ich merkte, dass die Rahmenbedingungen für junge Familien alles andere als gut sind.

Zum Beispiel, als wir eine Vollzeit Kinderfrau einstellen mussten, damit ich meinen Job in Vollzeit in der Schweiz ausüben konnte, als ich schon zwei Kinder mit dem Exmann hatte, und wir nach Konstanz gezogen waren. Da fiel mir auf, dass ich als private Arbeitgeberin besteuert werde wie ein Konzern, wenn ich eine Mitarbeiterin einstelle. Von den etwa 1200 € brutto, die meine Hilfe bekam, landeten 950 € auf ihrem Konto, und mit Lohnnebenkosten musste ich etwa 1600 € monatlich zahlen. Absetzbar für die Kinderbetreuung ist aber nur eine gedeckelte Summe pro Jahr, im Moment sind es 4.000 € – egal, wie viele Kinder eine Familie hat. Konzerne haben übrigens den Vorteil, dass sie in den Bilanzen und dank cleverer Steuerberater so agieren können, dass sie am Ende doch ganz gut dastehen. Wir als Familie hatten das nicht.

Kinderbetreuung ist immer noch eins der wichtigsten und schwierigsten Themen für Familien, auch 18 Jahre nach der Geburt meiner ältesten Tochter, und trotz des Rechtsanspruchs auf einen Betreuungsplatz. Unser Steuersystem fördert die Hausfrauen- oder Frau in Teilzeit-Ehe, und wenn die Frau bei der Steuererklärung zuerst ins Steuerprogramm eingegeben wird, dann stürzt das System ab.

Schock Nr. 4: Kleine Kinder werden häufig krank

Kinder werden krank, viel häufiger, als ich das in Erinnerung hatte für meine eigene Kindheit. Aber da war ja auch immer meine Mutter da, und die war Hausfrau. Die wiederum hatte ihre Schwester in unmittelbarer Nähe, und die Generationen vor uns waren nicht so alleine durch die Mobilität, die mit Studium und Beruf einhergeht, wie wir Frauen heute.

Übrigens, Schuldgefühle gegenüber der Familie, weil ich arbeiten ging, hatte ich keine. Und gegenüber meinem Arbeitgeber auch nicht, denn ich war immer zuverlässig da. Wohl aber fehlte es mir an Schlaf, und zwar über Jahre. Daran hätte ein weniger egoistischer Ehemann und ein verständnisvolles, unter die Arme greifendes Umfeld durchaus etwas ändern können. Das gab es aber nicht. Denn wir lebten weit ab unserer Ursprungsfamilien.

Schock Nr. 5: Als Mutter wirst du auf dem Arbeitsmarkt diskriminiert

Bildung, Fleiß, beste Zeugnisse und sehr gute Arbeitszeugnissse nützen dir als Frau rein GAR nichts, wenn die Personalchefs und Arbeitgeber dich als wandelndes Risiko für Kinderkranktage und Fehlzeiten sehen. Und zwar pauschal. Alternativ denken sie, die selbst so weit gekommen sind dank einer Frau, die sich Zuhause um die Kinder kümmert oder sagt, mehr als Teilzeit könne sie unmöglich arbeiten als Mutter, dass auch Du als Mutter unmöglich eine zuverlässige, motivierte Mitarbeiterin sein kannst.

Du wirst also entweder gar nicht zu Bewerbungsgesprächen eingeladen, oder aber dir wird unter fadenscheinigen Gründen abgesagt, falls du es durch Verschweigen deines Mutterstatus‘ doch bis in die Vorstellungsrunde gebracht hast, und dann wahrheitsgemäß antwortest, dass Du ein/zwei/drei Kinder hast, für die aber gut gesorgt ist, während du im Büro bist. Stirnrunzeln, eine Notiz neben deinem Lebenslauf, und später erhältst du eine Absage per Mail oder Telefon. Bestenfalls wirst du noch befristet oder unter deiner Qualifikation eingestellt.

Schock Nr. 6: Als Alleinerziehende ist das alles noch viel krasser

Apropos emotionale Kosten – damit kennen Alleinerziehende sich besonders gut aus. Annette Loers schrieb dazu gerade erst einen Text, der sehr eindrücklich zeigt, wie unfassbar auslaugend es ist, über viele Jahre ganz alleine für Kinder zu sorgen, ohne jemals Entlastung zu haben, in dem sie mir und vielen anderen Alleinerziehenden aus der Seele spricht:

„In meinem Kopf ist ein permanentes Grundrauschen, die Kinder sind immer präsent. Mental load nennt sich das, hab ich gelernt, aber im Gegensatz zu verpartnerten Frauen mit mental load, die mit ihrem Partner diskutieren wie sie die Verantwortlichkeiten besser und paritätischer aufteilen können, kann ich nix abgeben. Keiner da. Gleichzeitig zu der Tatsache, dass ich nie allein bin, bin ich immer allein. Allein mit allem.“ 

Und auch diese Passage beschreibt mein Leben (bei mir sind es 9 Jahre) recht genau:

„Ich bin jetzt seit 8 ½ Jahren alleine mit den Kindern, und es zehrt mich aus. Ich habe viel Energie in Freundschaften und Beziehungen gesteckt, und sie versacken trotzdem alle langsam im Sand. Meine Gesundheit ist dahin, ich werde ständig krank und die wunderlichen Symptome, die ich habe, sind am Ende immer auf Stress und Verspannung zurück zu führen.“

Was hat das mit Gleichberechtigung zu tun?

Alles. Bei Vätern, so stand’s ja auch im Text der #FAS, sind dererlei Effekte nicht zu beobachten. Warum wohl, liebe FAS!? Weil die besser einschätzen können, was Mutttersein bedeutet? Wohl kaum. Nein, weil deren Leben und auch Gehaltszettel sich kaum ändert dadurch, dass sie Vater werden.

Väter landen nicht mit hoher Wahrscheinlichkeit in Altersarmut, so wie das Mütter tun, und Alleinerziehende umso häufiger. Sie verlieren nicht 4-10 Lebensjahre durch Stress und Armut in der Rush Hour des Lebens. Väter büßen nicht massiv an Lebensqualität ein, wenn sie ein Kind bekommen. (Dazu gab’s mal eine schöne Statistik vom WDR).

Aber hey, wollen wir mal nicht so sein. Es liegt am Ende doch nur daran, dass die Frauen die emotionalen Kosten des Mutterseins unterschätzen. Wahrscheinlich müsste man die jungen Frauen darüber aufklären, was auf sie zukommt. Aber ich glaube, daran hat der Staat gar kein Interesse, hm?

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Jessica
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Jessica

Das ist genau der Grund, warum ich vermutlich kein zweites Kind bekommen werde. Nicht, weil ich es mir nicht wünschen würde. Nein, mit einem Kind klappt mein Leben, ich habe ein Kind, das krank wird, ein Kind, dessen Kita Schließzeiten hat und ein Kind, das ich betüdeln kann. Aber ich hab wirklich kein Bock auf noch mehr Diskriminierung, auf noch mehr Verantwortung und noch mehr Risiken. Und ja, mein Partner ist ein total toller Mann, dem ich sicherlich auch ein eigenes (mein Kind hat einen anderen Vater) Kind wünschen würde. Aber auch der wird in der Karriere wenig Abstriche machen.… Weiterlesen »

Monika
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Monika

… klar ist das anstrengend! Aber es ist auch total schön. Nochmal erste Schritte, nochmal Babylachen, noch mehr Glück, noch mehr Liebe. Für das Geschwisterkind. Und für den Papa. Und für dich! Man kann doch nicht immer nur mit Rente und Kitaschließzeiten argumenteren… Auch wenn das alles furchtbar ungerecht ist, sind wir doch auch oft die Gewinnerinnen! Nicht auf dem Konto, dafür im Herzen.Schade ist, dass man in unserer Gesellschaft die Dinge oftmals nur an einem pekuniären Maß bemisst…

Heidi E.
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Heidi E.

….das interessiert später niemanden, wenn Du mal Rente brauchst und nicht mehr dazu verdienen kannst. Zum Überleben sind Glück und Liebe eine Bereicherung aber kein Pfeiler auf den Du bauen kannst. Vielleicht ist es schade, dass man es so betrachten muss aber es ist Tatsache…

Jessica
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Jessica

Oh ja, ich ringe noch mit mir und mit uns. Und natürlich ist meine Tochter auch das allergrößte Glück. Aber ich bin halt eben auch ein gebranntes Kind.

Heidi E.
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Heidi E.

…traurig vielleicht aber sowas von realistisch!!! Gratuliere!

Monika
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Monika

Liebe Heidi, natürlich kann man von Glück und Liebe nicht die Rechnungen bezahlen. Aber wenn man das System ganzheitlich betrachtet, dann ist Geld eben nur EIN Faktor von vielen. Und wenn man ein glückliches soziales Umfeld hat, dann ist Geld vielleicht nicht so entscheidend, weil man Dinge anders lösen kann. Dann muss man kein Kindermädchen bezahlen, weil man sich mit Freunden abwechselt. Dann braucht man keine fette Rente, weil man Kinder hat, die einen unterstützen. Dann bekommt man vom Gemüsebauern was ab, weil man ihm beim Steuerkram hilft, etc. Glück und Freundschaft sind Ressourcen, die gesundheitsstärkend wirken und mit welchen… Weiterlesen »

mom
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mom

Monika, ich bin Dir sehr dankbar für Deinen schönen und positiven Kommentar.

Giliell
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Giliell

Ich saß mal vor ein paar Jahren in einem Seminar voll Lehramtsstudent_innen, 80% weiblich. Ich, die olle Tante inmitten der Frühzwanziger, mit zwei Kindern. Es ging unter anderem um Elternarbeit. Da kam doch als Resultat einer Arbeitsgruppe der Satz „Eltern, die sich nicht richtig um ihre Kinder kümmern, weil beide arbeiten gehen.“
So tief sitzen die Vorstellungen von Mutterrolle und der braven Hausfrau.
Nee, ich konnte meine Klappe nicht halten.

Dresden Mutti
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Dresden Mutti

Und das ist gut so. Wir sollten unsere Klappe niemals halten in solchen Situationen.

mom
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mom

Nach ungefähr 20 Jahren im Schuldienst weiß ich, dass wir immer mehr und mehr Probleme mit Kindern haben, deren Eltern tatsächlich keine Zeit für sie haben, weil sie so viel arbeiten (müssen oder wollen). Schlimmer wird es nur noch, wenn dann die Eltern sich trennen, dann stürzen uns manche Kiddies völlig ab. Es wäre mir natürlich wesentlich lieber, wenn dem nicht so wäre, aber es hat ja keinen Sinn, sich in die Tasche zu lügen. Wir haben in der Kinder- und Jugendphase meines ersten Kindes beide Vollzeit gearbeitet, und das war weder gut für das Kind, noch für uns Eltern.… Weiterlesen »

Theresa Reichart
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Theresa Reichart

Danke!!! Danke für diese unglaublich treffenden Worte!

Nadine
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Nadine

Ich habe eine Freundin, die im Dezember Mama geworden ist und eigentlich sieht es richtig gut bei ihr aus. Der Papa ist sehr engagiert und wird auch 4 Monate Elternzeit nehmen (alleine) und dann wollen beide wieder Vollzeit arbeiten. KiTa-Platz haben sie schon (eine wirklich schöne KiTa) und es wirkt sehr sortiert & schön. Ich hoffe, das bleibt so und ich hoffe, dass es vielen zukünftigen Familien ähnlich gehen wird. Mein Mann war auch 3 Jahre in Elternzeit. Ich weiß, das ist selten, aber ich hoffe wirklich und bin eigentlich auch optimistisch, dass irgendwann die Erziehungsarbeit und das ganze Drumrum… Weiterlesen »

Heidi E.
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Heidi E.

…das ist do ein zweischneidiges Schwert in meinen Augen, so junge Kinder schon in die KiTa zu stecken. Ich konnte es nicht über mich bringen… Hoffen wir darauf, dass sie es gut wegstecken werden, die Kleinen. Die grauen Herren aus Momo gibt es wirklich und sie bestimmen!

Jacqueline
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Jacqueline

Kinder werden nicht in Kitas „gesteckt“! Eine Kita ist vielmehr ein Ort an dem Eltern Unterstützung in Ausbildung und Erziehung für die Kids bekommen und Kinder Freunde finden können.
So lange man Kitas als Verwahrung oder Abgabestelle für Kinder sieht, sind die emotionalen Kosten unnötig hoch.

Heidi E.
Gast
Heidi E.

…ich möchte nicht in Abrede stellen, dass wir gute und ordentliche Kitas haben aber ob ein noch so junges Kind (4-8 Monate?) Interesse daran hat, Freunde zu finden und das 8 Stunden täglich, 5 x pro Woche, das bezweifle ich ganz stark. Aus eigener Erfahrung!

Anja
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Anja

Also ich sehe nicht, dass in dem Beitrag steht, dass die Mutter keine Elternzeit nimmt und das Kind mit ein paar Monaten schon in die Krippe kommt. Das wird so nicht gesagt. Betont werden sollte wohl eher, dass der Vater seine vier Monate alleine mit dem Kind zu Hause ist, statt gemeinsam mit der Mutter. So habe ich das verstanden. Deshalb verstehe ich die Kritik nicht ganz.

mom
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mom

Hach, die gute alte Kita-Diskussion. Kindergarten ab 3 – super – aber für alle drunter sind die Bedingungen nur im seltensten Fall wirklich gut. Man braucht nur Kita-Erzieherinnen fragen, die vermitteln wahrlich kein rosiges Bild.

Greta
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Greta

Ich glaube würde man Frauen tatsächlich im Vorfeld über ALLE Kosten des Mutterseins aufklären, würden die Geburtenraten schlagartig zurück gehen. Auch ich bin seit fast einem Jahr alleinerziehend und kann alle die aufgezählten Gedanken, Sorgen, Gefühle und Probleme sehr gut nachvollziehen.

Rebecca
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Rebecca

Vielleicht werde ich jetzt für meinen Beitrag gesteinigt… Ich gebe Dir im großen und ganzen absolut Recht mit deinem Beitrag, würde aber andere Schlüsse daraus ziehen. Ich bin vor zwei Jahren Mutter eines wundervollen kleinen Jungen geworden. Ich bin Lehrerin und verdiene gut, mein Mann hat zu dieser Zeit noch studiert. Folgerichtig hat er (nachdem ich sechs Monate Zuhause war, weil ich mir diese Zeit für mein Kind nehmen wollte) die Kinderbetreuung übernommen bis der Kleine mit 18 Monaten zu einer Tagesmutter gekommen ist (mein Mann hat dann sein Referendariat angefangen). Ich hätte gerne länger Elternzeit gemacht und habe meinen… Weiterlesen »

Heidi E.
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Heidi E.

….ich verstehe es aber dem wird im Berufsleben keine Rechnung getragen. Als Lehrer (hoffentlich mit Beamtenstatus) seid Ihr da in einer bevorzugten Situation, denk ich. In der freien Wirtschaft rechnet man Dir jeden ungeplanten Fehltag vor und rate, ob da männl. oder weibl. Arbeitnehmer besser dastehen??!!

Julia
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Julia

Und eins habe ich auch unterschätzt als ich Mutter wurde: die geringe Toleranz und Unterstützung der Mamas untereinander. Kein Wunder, dass die Gleichberechtigung nicht voran kommt ….die Mütterschaft ist gespalten und bekämpft sich gegenseitig …. häufig durch Perfektiinismus („eine gute macht dies und auf keinen Fall jenes“) Sticheleien, Neid und verdeckte Spitzen. Die vergangene Diskussion ist ein gutes Beispiel : arbeitende Mütter gegen Hausfrau, freie Wirtschaft gegen Beamten, Einkind- gegen Mehrkindfamilie, Absicherung gegenüber Idealismus , Kita Befürworter gegen Kitakritiker usw. Und in der Zeit sind sich die Männer v.a. eins: einig . Man unterstützt sich beruflich durch Seilschaften und die… Weiterlesen »

Niggo
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Niggo

Kennst du den? „Vereinbarkeit von Familie und Arbeit ist für Frauen kein Problem. Man muss halt Lehrerin werden…“

Jongleurin
Gast
Jongleurin

Alles wahr! Problem dabei: man glaubt es nicht bzw kann es sich nicht vorstellen, solange man es nicht erlebt. Mein egoistischer Partner war der allergrößte Schock dabei für mich. Auch für mich, wie bei einigen Vorposterinnen, war damit nach dem ersten Kind die Familienvergrößerung kein Thema mehr, die Trennung folgte bald, immerhin mit Wechselmodell -toll, auf einmal klappte die Aufteilung ( ich wundere mich immer noch, warum dann nicht vorher, aber gut…), so dass ich die Alleinerziehenden-Nachteile nie hatte. Da mein jetziger Partner seit vier Jahren beweist, dass er sogar bei seinem nicht-biologischen Kind Abstriche im Job macht und genauso… Weiterlesen »

Charlotte
Gast
Charlotte

Toller Artikel! Danke! Meine Mutter hat kurz nach meiner Geburt wieder Vollzeit gearbeitet und mein Vater erst gar nicht und dann lange Teilzeit, aber natürlich war er immer der einzige Vater weit und breit in dieser Rolle (bin 1991 geboren). Ich dachte, dass das heute schon anders ist, aber wenn man in die Statistiken guckt, ist es noch haargenauso. Und natürlich hatte meine Mutter als „Rabenmutter“ die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen. (Ich habe inzwischen schon fast keine Lust mehr auf Kinder, weil die Rahmenbedingungen dafür in Deutschland so beschissen sind. Aber es ist sicher gut, sich vorher keine Illusionen… Weiterlesen »

Heidi E.
Gast
Heidi E.

Du siehst das schon richtig und ich habe auch so gedacht und mich meiner beruflichen Laufbahn gewidmet. Kinder sind Luxus – ein Gehalt weniger und ein Esser mehr am Tisch – das war so mein Credo. In späteren Jahren habe ich dann beschlossen, dass es Zeit wird für mich und etwas Luxus. Aber bei dem einen Luxus ist es geblieben, denn mehr kannst Du als gewollt allein erziehende Mutter mit nem mehr als 50 %-Job nicht stemmen, wenn alles einigermaßen hinkriegen willst!!

Jessica
Gast
Jessica

Ja, weißt du, ich verstehe dich gut. Mal die absolut positiven Seiten meines Lebens mit einem Kind: ich kann 75% arbeiten und es geht gut, in 75% werde ich in meinem Job ernst genommen und kann adäquat und verantwortungsvoll arbeiten. Ich kann organisieren und hab noch zusätzliche administrative Aufgaben übernommen, die mir leicht fallen. Ich verdiene wirklich gut. Meinem Kind geht es gut, ich kann sie um 15 Uhr aus der Kita abholen und hab noch Zeit und Energie für sie. Ich liebe sie über alles. An den Papawochenenden arbeite ich. Ich bin privilegiert und habe Glück. Ich habe nur… Weiterlesen »

Małgorzata
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Małgorzata

Im benachbarten Polen gingen früher, in den 70ern und 80ern, so gut wie alle Mütter arbeiten, zumindest in den Städten. So gesehen sind wir alle 40jährige vernachlässigte Kinder. Meine Familie war aber tatsächlich eine Ausnahme, denn wir hatten keine Oma in der Nähe. Omas haben sich damals (und heute oft genug) sehr oft für die Betreuung gekümmert. Ich wollte natürlich vieles anders machen als meine Eltern, aber länger zu Hause zu bleiben oder Teilzeit zu arbeiten kam nicht in Frage. Aber ich muss zugeben – die Kosten sind hoch, die habe ich auch unterschätzt. Ich habe einen tollen Vater als… Weiterlesen »

Christiane
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Christiane

Danke, toll geschrieben!

D.Krähling
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D.Krähling

Dem ist nichts hinzuzufügen- toller Text und Augenöffner. Ich befinde mich auch gerade in diesem Hamsterrad mit 2 Jungs (2 Jahre/5 Monate). Gut zu wissen, dass ich nicht alleine mit dem Stress bin.
Liebe Grüße aus Ffm

kinderbetreuungsmigrantin
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kinderbetreuungsmigrantin

Danke für den Artikel! Ich habe meine erste Tochter von Anfang an alleinerziehend in Deutschland bekommen. Nach 18 Monaten (inkl. Weiterbildung) habe ich rund um Frankfurt Jobs gesucht und auch angeboten bekommen. Sehr schade nur, dass Kinderbetreuung nur mit Mittagspause stattfand. Frei nach dem Motto: Sie können Ihr Kind dann in der Mittagspause abholen, zu Hause zu Mittag essen, zurück in die KITA bringen und dann wieder zur Arbeit gehen. Och nööö habe ich mir gedacht. Das hält keiner länger als ein paar Jahre durch. Naja, dann habe ich mit meinem Kind 2 Jahre in Brüssel gelebt und gearbeitet. Die… Weiterlesen »

Ina
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Ina

Das Problem liegt meines Erachtens vor allem daran, dass die meisten Menschen immer weniger verdienen. Im Verhältnis zu den insgesamt steigenden Lebenskosten verdient man zunehmend zu wenig. Gut ausgebildete Frauen in Berufen, die durch einen Tarifvertrag ordentlich vergütet werden haben am ehesten Chancen auf ein entspanntes Leben mit Kind und gleichzeitiger Berufstätigkeit. Außerdem ist bei denen auch das Elterngeld im ersten Jahr recht hoch, anschliessend ist eine Teilzeittätigkeit ausreichend um das Leben mit Kind zu finanzieren. Immer mehr Menschen verdienen gerade soviel dass es zum Leben reicht, die Mieten fressen einen Großteil des Gehaltes auf und im Alter sieht es… Weiterlesen »

Sonnenfräulein
Gast
Sonnenfräulein

Liebe Christine, ich bin selbst ein Scheidungskind, lebte 18 Jahre in der DDR und in der Sperrzone und habe auch in diesem Land die Nöte von Müttern und Vätern live mitbekommen. Den Erzählungen nach hatten meine Großeltern und Urgrosseltern, egal ob sie im Kaiserreich, Dritten Reich, BRD oder Bayern lebten, grosse oder kleine Probleme. Demnächst fahre ich in den Oman und schau mir mal an, wie die Männer dort wirklich emanzipiert sind. 😂 Das Wichtigste ist doch, dass man seine Lieben um sich herum hat und glücklich bleibt. Das gelingt nicht mal Menschen, die in Papiergeld schwimmen. Schuldgefühle wie Du… Weiterlesen »

stefanie
Gast
stefanie

Oh ja, das entspricht alles auch meinen Beobachtungen. Ich denke, dass die Emanzipation zur Zeit noch voll zu Lasten der Frauen geht. Sie sollen/dürfen/müssen alles beruflich erreichen, organisieren und stemmen das aber häufig auch komplett alleine.
In meinem Umfeld sehe ich aber, dass sich langsam etwas tut und oft auch Männer beruflich zurückstecken, Elternzeit nehmen usw. Für unseren Nachwuchs habe ich jedenfalls Hoffnung, dass sich die Frauen nicht mehr so abstrampeln müssen wie gerade jetzt in der Generation Ü 40

Basti
Gast
Basti

Das Alleinerziehung Stress ist und zu weniger Lebensjahren führt will ich nicht zu bezweifeln. Männer verlieren im Mittel aber bei einer Scheidung mit Kindern auch über 9 Lebensjahre. Der Entzug der Kinder und des monatlichen Nettoeinkommen (Unterhalt) ohne Gegenleistung würde jede Mutter vermutlich ähnlich hart treffen. https://www.welt.de/gesundheit/article2700553/Geschiedene-Menschen-sterben-frueher.html Ihre drei Kinder verlieren im Mittel noch mehr Lebenszeit, da sie das vorgelebte Modell sehr oft nachleben und schon früh mit Verlusterfahrungen in Kontakt kommen. Sie haben den Mann bekommen den sie wollten, sie haben die Kinder gewollt und sie haben die Scheidung gewollt. Insofern finde ich es etwas verwunderlich, dass sie sich… Weiterlesen »

Josephine
Gast
Josephine

Die Schlussfolgerung in der Überschrift ist doch schon falsch. Mütter arbeiten nicht in Teilzeit, weil es einen Informationsschock gibt, sondern weil Vollzeittätigkeit und die Hauptverantwortung für ein Kind zu tragen nicht zusammen passen. Selbst wenn sich Eltern rundum informieren, bleibt die Unvereinbarkeit. Die Aussage „Mutterwerden wird oft unterschätzt. Frauen arbeiten deswegen häufig in Teilzeit “ ist – wie gesagt -falsch.

Anna
Gast
Anna

Als Lehrerin hat man ja irgendwie so eine Doppelrolle zwischen selbst Berufstätigkeit und Mutterrolle vereinbaren und von Eltern erwarten, sie wären Eltern, die nicht berufstätig wären, sondern könnten sich rund um die Uhr um Hausaufgaben, Turnbeutel und Büffetbeiträge kümmern. Es ärgert mich maßlos, dass die Qualität von Ganztagsbetreuung vielerorts noch so schlecht ist, dass das Schulsystem die Ungleichheit der Chancen nach wie vor potenziert! Mütter machen sich in Elterngesprächen selbst Vorwürfe, was sie alles falsch gemacht hätten. Was die Hausaufgaben für ein täglicher Terror sind und die Väter habe ich natürlich noch nie getroffen. Das macht mich wütend. Ich habe… Weiterlesen »