Eifersucht, Besitzdenken und Liebe – muss das so!?

Möchte ich, dass meine Kinder mit dem Weltbild aufwachsen, es gebe nur einen Menschen, der für sie „bestimmt“ sei? Und dass sie diesem treu zu sein haben, komme, was wolle? In guten wie in schlechten Tagen? Nein, das möchte ich nicht. Weil oder obwohl ich mit genau dieser Vorstellung ins Erwachsenenleben trat, so wie meine Eltern es mir vorlebten.

Es gibt Menschen, die man mehr liebt, und solche, die man weniger liebt, und welche, von denen man mehr oder weniger zurückgeliebt wird. Manchmal wird man gar nicht zurückgeliebt, auch das musste ich lernen.

Und manchmal gibt es zwei Menschen, die man liebt, vielleicht sogar drei, und das meine ich nicht platonisch. Es fiel mir schwer, mich mit dieser Erkenntnis anzufreunden, als ich feststellte, dass ich mich nicht entscheiden konnte zwischen Liebe A und Liebe B, als ich 17 Jahre alt war. Es war unmöglich. Ich liebte beide gleich stark, sie waren so unterschiedlich, ich wusste, es würde mir etwas fehlen, egal „für wen“ ich mich entscheide. Ich sehe uns heute noch vor meinem Elternhaus sitzen, und das ist 32 Jahre her, es war nachts, und beide jungen Männer machten mir den Hof. Bis Liebe B sagte „Drei sind einer zuviel“ und ging.

Zaun
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Ich glaube, er irrte. Drei müssen nicht einer zuviel sein. Ich hatte, das allerdings Jahre später, mit Liebe A, der für viele Jahre mein fester Freund war, auch eine offene Beziehung, nachdem wir jahrelang monogam gewesen waren. Und das war gut, jegliches zu seiner Zeit. Die Spielregeln waren klar: wir würden uns nicht anlügen, denn unsere Beziehung fußte auf tiefer Liebe und Vertrauen, und wir sind heute noch befreundet. Wir philosophierten und lasen viel gemeinsam, wir mochten Camus, Sartre und Beauvoir, und für uns begann der Betrug im Kopf, nicht mit dem Körper. Ich finde das nach wie vor die einzig schlüssige Herangehensweise an Beziehungen, auch wenn ich für die Zeit meiner Ehe meine Ideale unter den Tisch kehrte, weil für meinen Mann nur Monogamie infrage kam, und ich mich insofern, zumindest gefühlt, selbst einschränken bzw. meine Ideale verleugnen musste, denn es war für ihn undenkbar, seine Frau mit jemandem „zu teilen“.

Dabei tut Teilen gar nicht weh, wie das aktuell ein Artikel in der Die ZEIT titelt, und so komme ich überhaupt darauf, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Teilen kann sehr froh machen, auch in der Liebe. Es ist auch sehr gut für die Libido, denn ich denke, so wie es auch etliche Wissenschaftler sagen, dass weder Mann noch Frau für dauerhafte Monogamie gemacht sind.

Ich teilte mehr als einen meiner festen Freunde mit anderen Menschen. Ich hatte offene und Dreier-Beziehungen, mit Männern und mit Frauen, und einer meiner Freunde zu Berliner Zeiten war sogar sehr aktiv bi, und ging regelmäßig in die Schwulensauna (da wird weniger sauniert und mehr gleich gebumst, wie das in jenen Kreisen hieß). Ich kam überhaupt nicht auf die Idee, eifersüchtig zu sein, weder körperlich noch auf andere Art. Denn dieses Vergnügen war etwas, das ich ihm nicht bieten konnte und wollte. Ich fand’s schön, dass er Spaß hatte und es ihm gut ging. Mit diesem Freund fuhr ich sogar mal zu einer Art Kommune in der Nähe von Cottbus, in der man frei liebte und lebte, und wir ließen uns dort alles zeigen. Er dachte darüber nach, da hinzuziehen (ich wäre nicht mitgekommen, das war mir zu strange). Und es war sehr interessant zu sehen und zu hören, wie diese „Liebes-Hippies“ ihr Leben angingen. Eifersucht gab es dort keine, alle liebten sich, und das war mir sehr sympathisch.

Seitdem ich 17 war, seit Liebe A und B vor meiner Tür saßen, war ich nicht mehr eifersüchtig. Ich hatte Liebeskummer, logisch. Ich habe gelitten und geweint, ich habe mir die Haare gerauft. Aber Eifersucht hat keinen Platz mehr in meinem Leben, sie ist völlig sinnlos. Kein Mensch gehört einem anderen, und alle, die das denken, machen sich etwas vor. Klingt radikal, aber es ist meine tiefste Überzeugung. Besitzdenken und Liebe schließen einander aus. Und es ist eine trügerische Sicherheit, in der sich Menschen wähnen, die glauben, ihr gegenseitiges Exklusivitätsversprechen bewahre sie davor, dass ihre Liebe ende oder ihre Beziehung auseinanderbreche. Das kann trotzdem passieren. Vielleicht gerade der Enge wegen.

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LotharGastKeine Sorge. Ich will deinen Mann nicht klauen!Mama arbeitetFrau E. Letzte Kommentartoren
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Sqirrel
Gast
Sqirrel

Ich sehe das genauso wie du. Ich bin sehr glücklich in einer offenen Beziehung verheiratet. Liebe ist schließlich mehr als nur Sex, warum sollte also meine Liebe zu jemandem sich durch Sex zerstören lassen? Betrug wäre es für uns beide erst dann, wenn man nicht ehrlich zueinander ist.

Wolfgang
Gast
Wolfgang

Es geht um Liebe zu mehreren Menschen, nicht um Sex. Ich kann auch Sex haben mit Menschen, die ich nicht liebe, da reicht eine gewisse Sympathie und Attraktivität. Da ist Ehrlichkeit noch viel wichtiger.

Alex
Gast
Alex

Ich denke, die Aussage, dass „Liebe B“ sich irrte, als er „Drei sind einer zu viel.“ sagte, ist zu absolut. Für ihn war die Aussage sicherlich richtig, und wenn er nicht mit einer Dreierbeziehung klarkommt, hat man auch nicht das Recht, ihm deswegen Vorhaltungen zu machen. Er war konsequent – genau wie Du.

Biene
Gast
Biene

Du hast recht mit dem, was du über Besitzdenken sagst.
Niemand gehört einem anderen, auch nicht in einer monogamen Beziehung.
Ich finde es toll, wenn man die Eifersucht so aus seinem Leben verbannen kann! Ich lebe zwar mit meinem Mann monogam und bin damit auch absolut zufrieden, finde aber andere Lebensmodee genauso in Ordnung und richtig.

Liebe Grüße, Biene

Crunchbot
Gast
Crunchbot

Zu deinem Artikel kam mir spontan dieser aus der Süddeutschen Zeitung in den Sinn, den ich auch für sehr lesenswert halte:

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/43923

Thomas S.
Gast
Thomas S.

Liebe darf niemals besitzergreifend sein, deswegen ist Eifersucht zu Recht negativ konnotiert. Auch die Vorstellung vom „idealen Partner“ halte ich für Quatsch.
Andererseits: Die Intimität einer Beziehung ist ein hohes Gut, das zu schützen und für das es sich zu kämpfen lohnt. Verträgt sich das mit auch körperlichen Beziehungen zu Dritten? Ich bin da skeptisch.
Trotzdem danke für deine Gedanken zum Thema.

Frau E.
Gast
Frau E.

Hallo Christine, weil es mir gerade im Kopf herumschwirrt, nachdem ich Deinen Artikel gelesen habe: Ein Ex-Freund hatte mir in unserer damaligen Beziehung von seinem Konzept der „bedingungslosen Liebe“ in der Partnerschaft vorgeschwärmt. In meinen Augen entsprach sein Wunsch dem Status einer offenen Beziehung – aber er verneinte damals. Ich konnte mich damals nicht damit arrangieren – die Beziehung zerbrach (aber das war nicht der alleinige Grund). Nun bin ich mittlerweile (einige Beziehungen und Erfahrungen später) Mutter. Und aktuell denke und glaube ich: eine wirklich bedingungslose Liebe ist wohl nur zu den eigenen Kindern möglich. Und auch das ist schwer.… Weiterlesen »

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Keine Sorge. Ich will deinen Mann nicht klauen!

[…] Oft ist ja Eifersucht im Spiel, und da kann ich sowieso nicht mitreden, offenbar fehlt mir die Veranlagung dazu. Menschen sind kein Besitz, und auf das Gefühl der Zuneigung kann ich nicht eifersüchtig sein, selbst wenn es reine Liebe ist, warum soll mich das stören, auch wenn sie mehr als einer Person gilt oder nicht mir? Aber das ist e… […]

Gast
Gast
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2 Punkte: Ich kenne viele, die glauben sich de Beauvoir und Sartre etwa als Vorbild zu nehmen. Aber oft sind das sehr egoistische Persönlichkeiten, die das ausnutzen, um ihre Beziehungen platonisch zu halten. Zumal gerne übersehen wird, dass de Beauvoir und Sartre auch teilweise darunter litten, wenn der eine dem anderen detailreich von Eskapaden erzählte. Ich finde es gut, wenn man sich da auf einer Paarebene einigt, aber in einer Beziehung mit Kindern finde ich es schwieriger. Da sind Sicherheiten wichtiger als vorher und auch wenn bestimmt ein Bedürfnis nach Sex seine Gründe hat, sollte doch vielleicht erst beleuchtet werden,… Weiterlesen »

Lothar
Gast
Lothar

„Kein Mensch gehört einem anderen Menschen!“ So halte ich es auch in jeder Beziehung. Leider gibt es immer mehr Menschen, die glauben ihren Partner durch Forderungen an sich binden zu wollen. Auch wenn die Beziehung schon lange Geschichte ist. Schade.