Es gibt sie noch, die guten Männer. Und wieder. Und so viele!

Da wird also ein Sexist und Rassist, ein Egomane und Narzisst, genau die Sorte Mann, vor dem du deine Kinder warnen würdest, Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Und du reibst dir die Augen und denkst, Hossa, wie kann das sein!? Aber in Wahrheit weißt du es genau, weil Sexismus, Rassismus, Egozentrik und Narzissmus in allen Gesellschaften, die ich kenne, eine elementare Rolle spielen. Abwertung von Frauen, Diskriminierung von Menschen mit anderer Hautfarbe, Religion/Atheismus, psychischen oder körperlichen Krankheiten, all dies ist normal.

Männer begehen mehr und heftigere Gewaltdelikte als Frauen, Männer zahlen keinen Unterhalt, weil sie das gar nicht einsehen (to be proven, ich weiß – aber es schaut ganz danach aus), Männer drücken sich davor, Kinder zu betreuen und alte, kranke Menschen zu pflegen. Kurz: Männer scheinen rückständig, unbelehrbar und machtbesessen zu sein.

Aber nicht alle Männer….!

Was sonst als “Derailing” daherkommt, wenn feministische Diskussionen oder solche über Gewalt gegen Frauen im Netz toben, nämlich diese Floskel, dass doch bitteschön nicht “alle Männer” über einen Kamm zu scheren seien, nicht zu vergessen, nein, ganz deutlich zu sehen, ist wichtig. Weil frau sonst verzweifeln könnte, und all die guten Männer gleich mit.

Gute Männer
pixel2013 auf Pixabay.com

Wie muss es sich anfühlen, ein Geschlechtsgenosse von solch rückständigen, aggressiven Wesen zu sein? Männliche Feministen wie Jochen König und Robert Franken haben meinen höchsten Respekt, auch wenn sie sich in ihren Vorstellungen darüber, wie Gleichstellung zu erreichen sei, uneins sind und heftig debattieren, und ich manchmal fürchte, der Zickenkrieg geriete zum Alpha-Feministen-Battle, was vielleicht unausweichlich ist, aber unschön mitzulesen.

Gute Männer findest du überall: auf twitter, auf Blogs, auf Panels und im Supermarkt

Auch schon vor diesem Wahlergebnis dachte ich, es wäre an der Zeit, es mal herauszuposaunen, und nun kann ich gar nicht mehr anders. Denn ich habe in den letzten Monaten und Jahren so viele gute Männer kennengelernt. Gerade die, die nicht mehr ganz frisch getrennt sich und schon wissen, dass das Leben auch aus Verantwortung und Rücksichtnahme besteht, die mit einem ernsthaft reden, und auch bei abweichender Weltsicht oder Meinung weiterhin respektvoll mit dir umgehen.

Ich entdecke sie im Supermarkt, auf twitter, lerne sie über Blogs kennen oder über Leserbriefe zu meinen Texten. Dann schreiben wir, manche treffe ich, aber das aus Zeitmangel eher selten, und ich fühle mich sehr bereichert. Diese Männer haben Kinder und kümmern sich um sie, sie tragen teils selbst schwer an den Umständen und ihrer Vergangenheit, aber sie haben immer noch etwas zu geben.

Sie sind charmant, ohne aufdringlich zu sein, sie schreiben mir die wunderbarsten Direktnachrichten, sie erzählen aus ihrem Leben, und ich weiß, wenn ich das wollte, dann könnte ich einen kennenlernen, vielleicht eine Romanze beginnen, ich könnte jemanden finden, falls ich einen Partner oder einfach einen Freund bei mir haben wollte, die genauen Parameter dafür wären noch zu verhandeln, aber auch das ginge mit so einem Mann.

Ein guter Mann – die Stecknadel im Heuhaufen?

Es gibt ganz viele davon. Und je älter ich werde, desto mehr gute Männer erkenne ich. Sie werden wieder frei, und das meine ich nicht zynisch, denn das Zerbrechen einer Familie ist immer schmerzhaft. Aber manchmal ist das eben unausweichlich. Und deswegen habe ich überhaupt keine Eile. Es gibt so viele gute Männer, die laufen mir nicht weg.

Außerdem kann ich mir gut vorstellen, für den Rest meines Lebens alleine zu bleiben. Eine weitere Überdosis Liebeskummer jedenfalls brauche ich nicht. Aber den würde mir ein richtig guter Mann auch nicht zufügen. Es war schmerzhaft, das zu lernen, aber offenbar nötig.

Der ultimative Gutmann-Test

Denn es scheint, dass das eine Grundfrage in meinem Leben ist: Was ist ein guter Mann? Der beste, den ich kenne, ist nach wie vor mein Vater. Da an ihn sowieso keiner herankommt, werden die anderen auch nicht an ihm gemessen. Und messen kann man Gutmanntum eh nicht.

Es ist eine Mischung aus Worten, Taten, Weltbild und Herz, die den guten Mann ausmacht. Wenn er dann noch hübsch anzuschauen ist und gut riecht, umso besser. Ihr meint jetzt, das wäre die Stecknadel im Heuhaufen? Nein, echt nicht. Macht die Augen auf. Sie sind überall, die Guten. Und es ist wichtig, sie auch zu sehen. Zwinkert ihnen zu. Seid mit ihnen befreundet, auch nach einer Liebesgeschichte oder ohne, dass es jemals dazu kam. Nur Mut! Gute Männer freuen sich, wenn Ihr auf sie zugeht. Und sind niemals fies oder herzlos, falls eure Erwartungen aneinander nicht übereinstimmen. Sein Verhalten in so einem Fall ist, und damit endet dieser Text, der vom politischen Weltgeschehen direkt in mein Liebesleben führte, der ultimative Test für den Gutmann.

Mein heutiger Gutmann des Tages ist übrigens Christian. Gestern war es Micha, vorgestern Thomas, davor Maximilian, Juri, Oliver, Arthur, Juston, Jochen, Jan, Robert, Nils, ich könnte hier noch ganze Absätze anfügen. (Und die haben sich, nicht dass wir uns da missverstehen, diese Meriten alle in den letzten Tagen und Wochen verdient. Und sind keine Bettgeschichten).  Gutmänner, ich bin froh, dass es euch gibt!

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24 Kommentare auf "Es gibt sie noch, die guten Männer. Und wieder. Und so viele!"

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Christoph
Gast
Danke für den schönen Artikel! Ja, es gibt sie die guten Männer mit Werten, Authentizität, Liebe und Verantwortung. Ich halte mich für solch einen und will so leben, hinterfragbar bleiben, situativ stark und weich sein und (m)eine neue Partnerin schätzen, die Liebe bewahren und pflegen, alles geben, damit es gelingen kann. Meine und ihre Kinder ins Leben führen, damit sie innerlich stark werden können – trotz einer erlebten schmerzhaften Trennungssituation. Diese Männer hauen aber eben nicht so auf den Putz wie die Arschlöcher. Deswegen stechen die Arschlöcher ja auch so hervor. Sie sind ja oft noch stolz auf ihr verquertes… Read more »
Ramona Graf
Gast

Hallo Christoph, habe seit kurzem eine Brille, damit ich besser sehen kann :) Danke

Wolfgang
Gast

Danke für die aufmunternden Worte.

aufZehenspitzen
Gast

ich stimme dir zu, #notallmen, wenn man eine individuelle Ebene betrachtet. Aber! Wenn man sich der strukturellen Ebene zuwendet, dann heißt diese Patriarchat und von diesem profitieren eben #yesallmen – darauf hinzuweisen bedeutet meiner Meinung nach nicht, dass man nicht Männer mögen und lieben kann oder Männer nicht vertrauen kann. Es geht nicht darum, Männer generell zu hassen, sondern es geht um das System an sich, von dem hauptsächlich weiße heterosexuelle Männer profitieren. Ich finde es sehr wichtig diese beiden Ebenen nicht zu vermischen.
Lg

RosasMama
Gast

Liebe Christine, das hast Du wunderbar geschrieben. Dankeschön dafür! Ich habe glücklicherweise fast nur gute Männer in meinem Leben getroffen (leider wollte das Universum meinen Ehemann zu früh zurück). Vielleicht liegt das auch daran, dass ich – ähnlich wie Du – einen tollen Papa habe und damit ein positiv besetztes Männerbild. Schauen wir, was die Zukunft bringt.

Traumtänzerin
Gast

Danke für diesen Artikel! Ich sehe momentan nur Männer, die ihren Narzissmus voll ausleben und sich dabei auch noch ganz toll finden. Da tut es gut, etwas positives zu lesen!! Irgendetwas ist mit vielen Männern zwischen 40 und 60 passiert. Die vielzitierte Midlifecrise gibt es wirklich und in voller Ausprägung. Für mich ein Trauma, denn auch ich hatte einen tollen Vater. Ich wüsste wirklich gern, wo die guten Männer sind?

Arthur
Gast

Ich schließe mich an. Ich finde den Artikel besonders auch deswegen toll, da er auf eine so schön entspannte Art das sagt, was in so vielen Diskussionen von Männern immer als plakative Schelte daher kommt. Nicht alle Männer seien so, es werde auf unfaire Weise verallgemeinert, die Aussage sei daher kaum haltbar, etc. etc.
Letztlich ist es das, was aufZehenspitzen oben mit der individuellen und der strukturellen Eben anspricht, was viele einfach nicht unterscheiden können.

Und vielen Dank, ich fühle mich geehrt und freue mich einfach sehr, dass du das so siehst :)

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[…] Intelligenzallergiker sein müssen, wie der mächtigste Mann der Welt. Den Artikel könnt ihr hier […]

Martin
Gast
Frauen, die in der Kindheit ein gutes Verhältnis zum Vater hatten, sind auch bei der Partnerwahl auf Männer fixiert, die dem Vater ähnlich sind. Das haben unzählige Studien bewiesen. Bei Frauen ohne gutes Verhältnis zum Vater ist das egal. Auch das haben unzählige Studien bewiesen. In den Singlebörsen sind Frauen ab 45 Jahre die Mehrheit. Der erfolgreiche Mann ohne Altlasten zwischen 45 und 55 Jahre datet eher die Frau unter 40 Jahre, wenn er genügend Ressourcen hat. Die guten Männer und die guten Frauen sind die Übriggebliebenen und sie finden sich nicht. Frauen daten selten nach unten. Die guten Männer… Read more »
Bernhard
Gast

Recht haben Sie! Nur in einem Punkt muss ich widersprechen, ein Mittvierziger-Mann “ohne Altlasten” – also unverheiratet, ohne mindestens eine Trennung, ohne Kinder, dazu gut-aussehend, beruflich erfolgreich, gebildet …. Ist mir suspekt. Entweder ist er ein “guter Mann”, dann hätte in den letzten 30 Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit irgendeine Dame Interesse an ihm gehabt und er hätte entsprechend “Altlasten”, oder aber er ist gar keiner von den “guten Männern”.

Ms Petrina
Gast
Hallo Martin, das stimmt nicht. Einige meiner Freundinnen, mich eingeschlossen, haben durchaus einen Mann, der sei es durch die Unterhaltsbelastung und die finanziellen Verpflichtungen der Erstehe, denen er auch nachgekommen ist (einen Unterhaltsverweigerer hätte ich direkt zum Teufel gejagt) für eine Partnerschaft/ Ehe in Betracht gezogen bzw. sogar geheiratet. Vorraussetzung war aber immer eine Partnerschaft auf Augenhöhe, d.h. mir macht es nichts aus, Hauptverdiener zu sein, aber dann kann ich nicht noch den ganzen Haushalts- und Kinderkram (inklusive Anwesenheitspflicht bei Elternabenden, Kiaweihnachtsfesten) wuppen, sondern erwarte eine gerechte Aufgabenteilung..Und gerade da hapert es. Bei jüngeren Männern beobachte ich diesen Trend zur… Read more »
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Lese-Links zum Wochenende #40 - Luna Mum : Luna Mum

[…] Intelligenzallergiker sein müssen, wie der mächtigste Mann der Welt. Den Artikel könnt ihr hier […]

Biggi
Gast

Es ist Ausdruck unseres kranken Zeitgeists, dass ein Verlassen der Kinder als Kavaliersdelikt abgetan wird. Auch ich habe 3 Kinder und sehe viele Parallelen zu Frau Finkes Geschichten. Leider habe ich ein aus Selbständigkeit erwirtschaftete Einkommen, das mich als Spitzenverdienerin betrachtet. D.h. Extreme Leistung für ein einigermaßen gutes Leben. Ich betone einigermaßen.
Warum bin ich mit den Kindern steuerlich gesehen keine Familie? Wie krank ist dieses System? WIE frauenverachtendend und kinderfeindlich?

GuterMann_verheiratet
Gast
Jedes Kind hat einen Kinderfreibertrag. Sie als Unternehmerin, liebe Biggi, können viele Kosten direkt absetzen, wie Dienstwagen, Dienstreisen, Arbeitszimmer usw. Es gibt genügend Steuersparmodelle für Unternehmer. Ihr Steuerberater hilft. Wenn sie verlassen wurden, dann verstehe ich sie. Das ist kein Kavaliersdelikt. Allerdings ist die Wirklichkeit, dass mehrheitlich die Frauen gehen. Ich hoffe, dass ist auch kein Kavaliersdelikt. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe liebe Petrina muss auch finanziell auf Augenhöhe sein, es sei denn, es wird ein Hausmann gesucht. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Hausmänner gibt, die gern die Aufgaben einer Hausfrau übernehmen und sich dafür aushalten halten. Leider gibt… Read more »
Petrina
Gast
#Guter Mann- verheiratet(?- glücklich verheiratet?).Ich glaube, Sie haben meinen Kommentar absolut missverstanden oder entweder nicht richtig gelesen oder nicht richtig verstanden. Ich war genauso eine Frau, wie Sie sie ihrem Sohn empfehlen…, aber kein Mann war bereit seinen Anteil der Hausarbeit zu übernehmen- nein stattdessen lasteten Kinder, Haushalt und anspruchsvoller Fast -Vollzeitjob (35 h/ Woche plus Überstunden) an mir.. Und ich (Jahrgang 66) bin kein Einzelfall sondern der Normalfall in meinem Freundeskreis…Den meisten meiner Kolleginnen ging es genauso. Im übrigen verarmt kein gutverdienender Mann, ich weiß nicht, wer diesen Blödsinn verzapft. Der nacheheliche Unterhält ist seit der Unterhaltsrechtsreform weitgehend eingeschränkt… Read more »
Karen
Gast
Danke Christine, dass du das mal schreibst. Genauso ging es mit auch, nach meiner Ehe mit einem charismatischen, egozentrischen Vierjährigen (im Körper eines 46-jährigen). Da war ich geheilt von der Faszination, die von diesen Männern ausgeht. Ich dachte mir, wenn es solche Idioten gibt, die ihre tollen Frauen verlassen, gibt es genauso viele dämliche Frauen, die das mit ihren tollen Männern tun. Und wenn Frauen dazu lernen können, können Männer das auch. Und dann konnte ich sie auch plötzlich überall sehen, die netten Männer, die mir vorher nie so richtig aufgefallen waren. Und mir wurde klar, viele Frauen schon viel… Read more »
Lothar
Gast

Sicher gibt es die guten Männer, aber die suchen auch die guten Frauen. Diese guten Männer werden mit jeder Trennung / Scheidung auch zurückhaltender, denn eine weitere Scheidung können sich viele gute Männer nicht leisten.

Wie sieht es eigentlich mit der Jugend aus? Läuft die auch in ihr beziehungstechnisches Verderben wie die vorherige Generation?

Michael
Gast
…für mich stellt sich die Frage, was ist ein guter Mann? In den Augen von einigen Frauen bin ich sicherlich kein “guter Mann” mehr – ja ich habe mich getrennt, weil ich bestimmte Dinge einfach nicht mehr ertragen konnte. Aber diese Gründe sind ja nicht immer geeignet, jedem oder jeder zu erzählen, weil sie häufig weit in den Bereich der Intimität hineinreichen. Da die Kinder schon etwas älter sind, haben wir sie entscheiden lassen…, und sie wollten beim Papa bleiben. Wir haben uns auf Augenhöhe getrennt, ohne Juristen oder sonstige Geldscheffler – ja das geht auch…, und ist sicher mehr… Read more »
Katja
Gast

Hallo Christine, gab es von dir nicht mal einen Wikipedia- Eintrag ? Momentan ist nur noch der diffamierende Wikimannia – Eintrag aufzurufen…Ich find das nicht in Ordnung. Es sollte umgekehrt sein.

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