Häusliche Gewalt? Ich doch nicht! #warumichblieb

„Du bist zu empfindlich. Es ist völlig normal, sich mal anzuschreien und bei meinen Eltern flog auch öfter mal Geschirr durch die Wohnung“, erklärte er ihr ernsthaft. Der Fehler musste bei ihr liegen. Sie war offenbar in einem überbehüteten Umfeld groß geworden. Ihre Eltern stritten sich so gut wie nie, es hatte nicht ein Mal Geschrei in ihrem eigenen Elternhaus gegeben, geschweige denn dass Teller oder Gläser duch das Reihenhaus geflogen wären.

Temperamentvoll war er, ihr Partner. Launisch, sagte sie an schlechten Tagen, aber an guten Tagen riss sein Schwung, Esprit und Geist alle mit. Er war halt sehr, sehr sensibel – und sie als Frau, die ihn nicht genügend liebte, verstand es einfach nicht, diese Sensibilität richtig zu deuten und ihn zu umsorgen, so wie er im Gegenzug doch sein bestes gab, sein „letztes Hemd“, um für sie den Himmel auf Erden zu bereiten.

© Halfpoint - Fotolia.com
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Hatte sie nicht alles, was sie wollte? Und viel mehr, als sie je erträumt hatte? Nach außen sah alles so gut aus. Eine wunderschöne Wohnung mit Designermöbeln, ein gutaussehender, charmanter, geistreicher Mann – und dann noch die entzückenden Kinder. Ja, das war ein tolles Leben. Nur warum fühlte es sich an wie ein goldener Käfig? Und warum gingen alle auf Zehenspitzen, wenn dieser wunderbare Mann nach Hause kam und man schon am Geräusch des Türe Öffnens hörte, ob er gut drauf oder schlecht gelaunt war?

Wehe, man guckte ihn nicht liebevoll oder bewundernd genug an ein einem solchen Tag. Dann hieß es gleich „Was glotzt du wie eine Kuh wenn’s donnert?“, und falls noch eine unangenehme geschäftliche Mail eintrudelte, konnte es auch passieren, dass „Du dumme Fotze!“ vor den Augen und Ohren der Kinder an die nicht genug liebende Ehefrau geschrien wurde, denn irgendjemand musste doch als Blitzableiter herhalten, die Welt war schlecht, niemand würdigte ihn in seiner Großartigkeit genug, das musste Konsequenzen haben.

Abends hörte er dann laut Musik, oft bis in den frühen Morgen, egal, ob die Kinder schlafen sollten oder die Nachbarn sich beschwerten. Er knallte mit den Türen, weckte Frau und Kinder aus dem Schlaf, wenn er wütend war und noch „etwas ausdiskutieren wollte“. Manchmal klingelten die Nachbarn, gelegentlich stand die Polizei vor dem Haus, so an dem Tag, als er auf Passanten mit Bierdosen aus dem 4. Stock schmiss, weil er befürchtete, dass jemand Kratzer an sein Auto machen würde.

Wenn sie ausging, betrank er sich daheim, so dass sie ihn nicht guten Gewissens mit den Kindern alleine lassen konnte. Das Aufpassen auf die eigenen Kinder empfand er als schwere Arbeit, die von der Frau zu leisten sei, schließlich arbeite er doch den ganzen Tag hart außer Haus, um „der Familie das Geld in den Arsch zu schieben.“ Einen Babysitter ins Haus lassen, damit die Frau sich abends mit Freunden treffen könne, während er sich erholte, wollte er auch nicht. Geld hatten sie genug. Aber einen fremden Menschen zum Aufpassen holen, das widerstrebte ihm. Und so ging die Frau nicht mehr aus, zumal bei einem der seltenen Ausgänge die junge Katze tot am Ende der Metalltreppe lag, als sie nach Hause kam, weil sie gestürzt war, ein dummer Zufall musste das gewesen sein, auch dass der Rauchmelder wie wild piepte und der Mann nicht aufzuwecken war, sodass sie die Leiche der jungen Katze nachts in der Biotonne entsorgte, damit das Kind morgens nicht den Schreck seines Lebens erleben würden.

Dass er eine harte Kindheit gehabt hatte, in der Gossensprache und Prügel normal waren, hielt sie ihm lange zugute. Er versuchte ja wirklich, ein liebevoller Mann zu sein. Oft gelang ihm das auch. Dann strahlte er wie ein kleiner Junge, es war mitreißend zu sehen, wie begeistert er sein konnte, wenn ihm etwas gut gelang. Er las ihr die Wünsche von den Augen ab, er spürte genau, wo die Schwachstellen seiner Feinde waren, in die er dann genüsslich bohrte. Anfangs faszinierte es sie, die Macht zu sehen, die er über andere Menschen hatte. Später dachte sie, den Mann will ich nicht zum Feind haben, und viel später, als er schon lange ihr Feind war, empfand sie nur noch Grauen beim Gedanken an ihn. Und Mitgefühl für die Frau, die sein neues Opfer geworden war. Nicht alle überleben es, sich von so einem großartigen Mann trennen zu wollen, wenn sie merken, dass er sie vernichtet mit dem, was er für Liebe hält. Manche werden erschossen, mit Säure übergossen, erstochen, erwürgt, überfahren – man liest es jede Woche in der Zeitung. Da steht dann „Familiendrama“ oder „Ehestreit“, wo „Mord wegen häuslicher Gewalt“ stehen müsste oder „Ehrenmord“, wie es gerade die Bloggerin Jacinta Nandi in der taz über Reeva Steenkamp schrieb.

Sie las diese Berichte mit stockendem Atem, mit Wut, mit Ohnmacht. Er mache ihr Angst, hatte Reeva Steenkamp an Oscar Pistorius getextet, der sie einige Tage später töten würde. Das sei Teil einer ganz normalen Beziehung, urteilte Richterin Masipa über Pistorius und Reeva gerade.

Nein, das ist es nicht. Wenn eine Frau zu ihrem Mann sagt, dass sie Angst vor ihm hat, das wusste sie genau, dann spürt sie, dass er dazu fähig íst, Gewalt anzuwenden. Auch ihr Mann hatte ihr Angst gemacht. Nicht in den ersten Jahren der Beziehung, erst nach fast 10 Jahren. Er hatte sich verändert, seitdem seine Firma richtig gut lief, sprach von Dingen, die ihm zustünden, die auch sie, die Frau, ihm „geben“ müsse, seine Augen wurden dabei schwarz, er baute sich bedrohlich vor ihr auf, von dem netten Jungen, den sie einst kennengelernt hatte, war nichts mehr zu sehen, er war wie ein Fremder im Körper eines Zwillings ihres Mannes, sogar seine Stimme veränderte sich, er war ein Zombie. Und er war gefährlich.

Die ersten Jahre hatte er seine eigenen Dinge zerstört, wenn „die Wut“ ihn packte. Später trat er gegen Fensterscheiben, schmiss den Kleiderschrank um, warf Geschirr an die Wand und den Ehering in den Mülleimer, um dann am nächsten Tag mit einem dicken Strauß langstiliger Baccararosen reuig am Küchentisch zu stehen und zu beteuern, das komme nie wieder vor, ob’s nun wieder gut sei? Da wollte sie ihm noch eine Chance geben, nicht wissend, und nicht sehen wollend, dass mit jeder Chance, die sie ihm gab, seine Hemmungen sinken würden.

Bis er eines Tages ihr eine knallte, dass ihr Hören und Sehen verging und sie Sterne sah. Zwei Tage lang hatte sie Kopfweh, zu sehen war nichts von der Verletzung, und überhaupt hatte sie ja auch selbst ein bisschen Schuld gehabt, denn sie hatte einen Kollegen anziehend gefunden und ihm das erzählt, da war er so gekränkt, dass er ausrastete, er liebte sie so sehr, beteuerte er, daran, nur daran liege es. Mit allen komme er bestens zurecht, er sei überall beliebt, nur sie bringe ihn so in Rage, es müsse an ihre Schuld sein, da war er ganz sicher. Sie hätte verhindern müssen, dass er so außer sich geriet, sie müsse ihm helfen, er wolle das doch gar nicht, er sei ein schlechter Mensch, ach, sterben wollte er, das wäre das beste!

Zwei Jahre später schlug er sie unvermittelt und heftig mit dem Hinterkopf an die Wand in Hausflur, als sie „frech“ war, den Anlass hat sie vergessen, vielleicht hatte sie komisch geguckt, es war zu diesem Zeitunkt schon fast nicht mehr möglich, es ihm recht zu machen. Freunde, an die sie sich hätte wenden können, hatte sie nicht mehr, alle gemeinsamen Freunde hatte er ausgesucht und ihr die eigenen madig gemacht oder sie durch Anzüglichkeiten vertrieben, so dass sie niemand mehr gerne besuchte. Als sie sich weitere 6 Monate später von ihm trennte, war sie froh, dass er es nicht geschafft hatte, sie zum Bruch mit der eigenen Familie zu überreden, denn er hatte ja mit seiner komplett gebrochen, man wollte nun ausschließlich aufeinander zählen, das war sein Traum.

Dass er sie durch die Wohung schleifen würde, nachdem sie ihm gesagt hatte, dass es aus sei, und sie nicht mehr mit ihm leben wolle, dass er ihr die Brille im Gesicht zerknüllen würde, sie mit dem Kopf gegen die Wand knallen würde und dass er sie schlussendlich rücklings mit einem Messer am Hals auf die Küchenzeile legen würde, um ihr im Würgegriff zu zeigen, wer der Herr im Haus ist, das hatte sie sich beim schlimmsten Willen nicht vorstellen können.

Sie hatte Glück, er ließ ab. Und er ging ins Bett.

Am nächsten Morgen rief sie ihren Chef an, erzählte, dass sie zur Polizei müsse, weil sie geschlagen worden sei vom eigenen Mann. Sie ging zur Gewaltberatungsstelle, zum Arzt, der einen Verletzungsbogen und eine Akte anfertigte, dann auch noch zum Anwalt, sie erzählte allen, dass sie sich getrennt hatte, und manchen auch warum, woraufhin diese aus allen Wolken fielen und sie bemerkte, dass es schwierig sein würde, überhaupt über Gewalt in der Ehe zu reden, denn selbstredend würden alle, die noch nie damit zu tun haben, im Brustton der Überzeugung sagen, dass ihnen das nie passieren könnte, so wie sie selbst das auch gesagt hätte aus Unwissenheit. Und dass es doch einen Grund gegeben haben müsse für das Verhalten des Mannes. Das mag sein, aber es spielt keine Rolle, denn was er tat, war unentschuldbar. Sie würde ihm nie verzeihen. Und das war richtig so.

 

Linktipps: Jacinta Nandi „An Ehrenmord by any other name would smell as sweet“ in den taz Blogs, 14.09.2014

Gastbeitrag auf kleinerdrei: Jede fünfte Frau erlebt häusliche Gewalt. Ich bin eine von ihnen. vom 15.09.2014

Hilfe bei: re-empowerment e.V. Frauen gegen Partnerschaftsgewalt und BIG e.V Berlin Hilfe für Frauen und Kinder bei häuslicher Gewalt

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Jana
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Jana

Da läuft mir ein Schauer über den Rücken, das hast Du gut beschrieben. Allerdings hat ja die Frau in Deiner Geschichte noch Glück gehabt und den Absprung hoffentlich für immer geschafft. Wenn eine Frau nach dem ersten Angriff nicht geht, schwindet die Wahrscheinlichkeit bei jedem Mal mehr, dass sie es tun wird. Ich hatte mal mit einem „Mädchenversteck“ (also einer geheimen, betreuten Wohnung) zu tun. Das Leben der Mädchen war bedroht, trotzdem gab es eine hohe Rückfallrate. Familienbande sind stark, wenn auch manchmal ungesund.
Danke, für den Artikel!

Dirk Störmer
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Dirk Störmer

Erst einmal, ich lese als Mann ihren sehr guten Blog immer wieder gerne. Wenn Mann an die 40 kommt, der Job unsicher, der Leistungsdruck immer größer, die private Zeit immer weniger, dann muss leider meistens kommen was auch kommt. Liegt es daran, dass Männer Schwächen nie zugeben wollen, sich es nicht einmal selbst eingestehen wollen? Ich denke, viele Männer sind mittlerweile komplett überfordert im Job. Es wirklich zugeben? Fehlanzeige! Erst wenn nichts mehr geht, wenn der Körper sich meldet, schalten die meisten Männer auch mal wieder das Gehirn ein. Anstatt ein Burnout auch mal behandeln zu lassen, werden die Fehler… Weiterlesen »

Ulrike
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Ulrike

Oha … das ist nicht die Geschichte EINER Frau (so wie Jana sagt), das ist DEINE Geschichte, oder?! Erschreckend und traurig, zu was Menschen in einer Beziehung fähig sind. Ich kann die Zerissenheit und Unentschlossenheit nachvollziehen, den Punkt zu finden, wann entgültig genug ist. Ich kenne auch so einen Menschen, den der Jähzorn packt. Nach außen ist er immer der Gute. So ein feiner Mensch, hilfsbereit, zuvorkommend, gut erzogen. Aber wehe, wenn er alleine mit seiner Frau ist … die Abgründe sieht keiner, kann sich keiner vorstellen … Soweit ich weiß, blieb es (bisher) jedoch „nur“ beim Türen knallen und… Weiterlesen »

Mama spinnt
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Mama spinnt

Mein Vater war so ähnlich, aber meine Mutter blieb. Ich glaube, dass sie sehr große Angst vor seiner Reaktion hatte. Und ich bin mir heute nicht sicher, ob wir eine Trennung unbeschadet überlebt hätten. Vielleicht hat sie ihn auch immer noch geliebt? Und man kann schließlich niemanden verbieten, jemanden zu lieben…
Als Kind und auch heute rückblickend habe ich mir immer gewünscht, sie wäre gegangen und hätte auch mich damit befreit. Ich leide noch heute unter einer Kindheit mit so einem Vater.
Du hast eine sehr schwere und mutige Entscheidung getroffen. Ich bewundere Dich dafür!

Catharina
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Catharina

… als hätte ich es geschrieben. Mir stehen die Tränen in den Augen und ich fühle mich verstanden. Den Absprung habe ich geschafft, das wirtschaftliche Chaos als allein erziehende Mutter von 4 Kindern erlaubt mir aber kaum, mir die Wunden, die geblieben sind genauer anzuschauen. Deswegen hat mich dieser Artikel so umgehauen.

Helena Bauer
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Helena Bauer

Liebe Catharina, ich hoffe sehr, ich trete Dir mit folgender Anfrage nicht zu nahe. Wenn doch, dann verzeih mir bitte. Worum es geht: Ich (Jahrgang 1963, Mutter von 5 Kindern) bin Studentin der Sozialen Arbeit im 6. Semester und habe eine (sehr kleine) Forschungsarbeit zu leisten. Das Phänomen „Häusliche Gewalt“ beschäftigt mich aus verschiedenen Gründen, ein bedeutsamer ist sicher, dass ich selbst in einer Gewaltbeziehung groß geworden bin. Nachdem ich mein Praxissemester bereits in einem Frauenhaus absolviert habe möchte ich mich auch im Rahmen des anstehenden Forschungsprojekts dem Thema „Häusliche Gewalt“ widmen. An dieser Stelle ahnst Du, was ich dich… Weiterlesen »

Cousine Claudia
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Cousine Claudia

Danke für diesen (wie immer) sehr präzise formulierten Beitrag. Da kann man sich nur gruseln. Ich bin so froh, dass die Frau den Absprung geschafft hat!

Frl. Null.Zwo
Gast
Frl. Null.Zwo

Gänsehaut, ganz grauslige!
Ich hoffe, dass auch die Wunden der Seele irgendwann heilen können und die Kinder lernen, mit dem Erlebten umzugehen.

Micha
Gast
Micha

So ein berührender und wichtiger Text!
LG, Micha

Mama notes
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Mama notes

Ein sehr berührender, schockierender Text. Vielen Dank dafür. <3

Pterry
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Pterry

So ein Post powert sicher (emotional) sehr aus. Also *hugs* für dich, viel Kraft für was war, was ist und was werden wird.

Rina
Gast
Rina

Zwei Fragen, die sich mir stellen: Haben die Kinder die Ausfaelle gegen Dich mitbekommen? Waerst Du eher gegangen, wenn er die Kinder direkt angegriffen haette? (Da sie die Ferien noch bei ihm verbringen, gehe ich mal davon aus, dass es nicht der Fall war).
Viele Gruesse Regina

ela von immertreu
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ela von immertreu

Das Schlimme ist ja, das es langsam anwächst. Erst sind es tolerierbare Kleinigkeiten, die man mit einem Blick auf die schwere Kindheit verständnisvoll hinnimmt. Dann wird es schleichend mehr. Ich dachte immer: Wie können Frauen sich das gefallen lassen? Warum gehen sie nicht einfach? Dann lernte ich, wennn du dich abhängig fühlst, hältst du eine Menge aus. Ich erwachte erst als ich im Bus ein Plakat vom Frauenhaus sah. Werden sie geschlagen? Werden sie gedemütigt? Oft sind diese Männer psychisch angeschlagen – manisch-depressiv, Borderliner, mit Gewalterfahrungen. In „klärenden“ Gesprächen schaffen sie es alles so hinzudrehen, dass man denkt man selbst… Weiterlesen »

Thomas S.
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Thomas S.

Sehr krasser, guter Text! Die Loyalität der Frau (und deren fortwährender Missbrauch) berühren sehr.
Wir Menschen sind so manipulierbar, und die kleinen und großen Diktatoren dieser Welt wissen das zu nutzen.

momatka
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momatka

Der Text und das Thema hallen in mir nach. Heute fragte ich mich, was wünscht diese Frau von Außen? Hätte ihr jemand helfen können? Wie? Macht es Sinn das anzusprechen, wenn man einen Verdacht hat? Und wie nah muss man dafür dran sein?

Christine
Gast
Christine

Vielen Dank fürs Niederschreiben und damit Mutmachen, dass ein Ausstieg funktionieren kann!

Christine
Gast
Christine

Gerade bin ich dabei meine Ehe zu reflektieren, dieser Text hat dabei sehr geholfen.
Danke

Katharina B.
Gast
Katharina B.

Ich weiss nicht, was sagen.
Möchte den Text aber nicht einfach wegklicken.
Deshalb eine Umarmung von mir.

Ehrlichgesagt
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Ehrlichgesagt

Liebe Christine,
ich bin wahnsinnig beeindruckt, berührt und erschüttert und bewundere dich jetzt noch viel mehr als vorher. Dafür, wie präzise du die Mechanismen beschreibst, die Frauen und Mütter Situationen ertragen lassen, die unerträglich sind – im Namen der Liebe. Vieles von dem, was du beschreibst, kenne ich selber, aus eigener Erfahrung und ich danke dir dafür, dass du es ausgesprochen, dass du diesen Dingen einen Namen gegeben hast, denn das ist das einzig Richtige. Es gibt kein richtiges Leben im falschen, weder für uns noch für unsere Kinder. Ich umarme dich aus der Ferne – von Herzen.

Manu
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Manu

Ich bin gerade in der Situation des „ersten Mals“ und ich merke, wie schwierig es ist, loszulassen. Ich habe meine Mutter immer verurteil dafür, dass sie sich nicht von ihrem gewalttätigen Ehemann getrennt hat. Und dann war ich auf einmal selbst in dieser Situation. Dabei hatte ich mir geschworen: Mir passiert so etwas niemals! Jetzt ist es doch passiert und ich habe Ihn unter Aufbringung sämtlichen Willens, trotz Liebesbriefen, Blumen, Versprechungen und dem typischen „es gehören immer zwei dazu“ Satz, aus der Wohnung gebeten. Nach einer Woche ist er endlich gegangen. Ich bin mit meinen beiden Kids nun allein. Mein… Weiterlesen »

Lulu
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Lulu

Immer, wenn ich solche Texte lese, habe ich zwei erste Gedanken. Zum Ersten riesen Respekt vor den Frauen (entsprechend des Beispiels), die es schaffen sich aus solch einer ‚Beziehung/ Ehe‘ zu befreien. Ich denke dieser Gedanke ist wichtig & richtig. Zum anderen verstärkt sich meine Angst vor Beziehung oder Ehe noch mehr. Nicht falsch verstehen; speziell Dein Text macht mir nicht irgendwie das Leben schwer – also ich möchte Dir nicht irgendwie Vorwürfe machen, dass Du „sowas“ schreibst. Das wäre ja ungeheuer dreist. Außerdem ist Dein Text unglaublich gut und wichtig. Aber ich komme generell nicht gut mit Beziehungen zurecht,… Weiterlesen »

Sabine
Gast
Sabine

Kann das Muster und seine veschiedenen Entwicklungstufen in jeder Hinsicht bestätigen, auch die Spätfolgen. Vielleicht ist es zynisch zu sagen, dass es vielleicht besser gewesen wäre wenn er mich auch geschlagen hätte, dann wäre ich vielleicht eher gegangen. Erst Monate nach der Trennung bin ich mit Hilfe der o.g. Website dahinter gekommen, dass sein Verhalten NICHT von mir induziert wurde, und dass der Grund dafür in ihm selber lag und nicht in meinem Verhalten. Leider wird häusliche Gewalt von vielen nur als solche akzeptiert, wenn physische Gewalt vorliegt. Psychische Gewalt wird oft überhaupt nicht verstanden, außer von denen, die sie… Weiterlesen »

Marc
Gast
Marc

Oh Gott.

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Liebe Freundin, | Wackel­pudding

[…] * „Jede fünfte Frau erlebt häusliche Gewalt. Ich bin eine von ihnen.“ Gastbeitrag bei …* „Häusliche Gewalt? Ich doch nicht! #warumichblieb“ von Mama arbeitet. * Leslie Morgan Steiner: Why domestic violence victims don’t leave […]

Lexa
Gast
Lexa

Hallo, ich finde Deinen Text sehr, sehr gut. Ich war selber von häuslicher Gewalt betroffen und kann daher nur allzu gut nachvollziehen wie viel Kraft es Dich gekostet haben muss deine Geschichte Publik zu machen. Hut ab!!! Wie gerade erwähnt war ich selbst über Jahre von häuslicher Gewalt betroffen und habe jetzt einen Blog eröffnet, der über alle Arten von häuslicher Gewalt berichtet, informiert und aufklärt. Ich denke das es Betroffenen leichter fällt sich Hilfe zu suchen, wenn sie sehen das es andere auch geschafft haben. Von Betroffenen für Betroffene!!! Daher eine Frage an Dich und andere Betroffene wärst Du/Ihr… Weiterlesen »

Hanna B
Gast
Hanna B

Habe mich teils selber in diesem Artikel wider gefunden.. es wird mir ständig von ihm eingetrichtert, dass ich selber schuld sei, weil ich ihn so provozieren würde.. er schlägt mich ja auch nicht, sondern schubst mich und droht nur.. und wenn ich dann falle und mich verletze, ist es auch meine eigene Schuld.. es ist so schwer da heraus zu kommen, da die Hoffnung auf eine heile Familie zu groß ist.. ich denke immer, wäre da kein Kind im Spiel, wäre es etwas einfacher für mich..

Kirsten
Gast
Kirsten

Knick die Hoffnung. Geh!

Kirsten
Gast
Kirsten

Ich bin ein Trennungskind in 2. Generation (geb. 1965). Meine Mutter erhielt kurz vor Weihnachten 1971 Besuch vom Hausarzt mit der dringlichen Bitte, so schnell wie möglich mit allen 3 Kindern an einen sicheren Ort zu fahren. Sie hatte bis dato sichtbare blaue Flecken im Gesicht und Nervenzusammenbrüche erfahren, was ich aber nur aus ihren Erzählungen weiß. Sie packte uns alle in ihren hellblauen VW-Käfer. Wir waren alle irgendwie mit Windpocken beschäftigt, in unterschiedlichen Stadien. Die Autofahrt war spannend, da es stockfinster draußen war. Ich fand es ungerecht, dass mein älterer Bruder mal wieder vorne sitzen durfte, wobei man anmerken… Weiterlesen »

Anja
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Anja

ich bin berührt und bewegt- das könnte auch meine Geschichte sein. Auch ich habe viel zu lange die Hoffnung gehabt, eine heile Familie zu haben. Dabei war Bleiben das schlimmste, was ich meinen Kindern habe antun können. Ich wollte sie beschützen und habe versucht, so viel wie möglich von ihnen fernzuhalten und zu verstecken. Ein Kind konnte ich mit ins Frauenhaus nehmen, der andere Sohn blieb beim Vater. Nun wendet mein (noch-)Mann all die bekannten Techniken an, um ihn so zu isolieren wie er es mit mir auch getan hat. Ich sehe aus der Ferne, wie mein Kind zum Ebenbild… Weiterlesen »

Katharina
Gast
Katharina

Ich danke Ihnen herzlich für diesen Artikel. Ich habe ihn vor langer Zeit gelesen. Damals hatte ich häusliche Gewalt noch nie erlebt, weder psychisch/verbal noch körperlich. In den letzten Monaten habe ich meinen jetzt Ex-Freund aber anders kennengelernt, seit er bei mir wohnte (jetzt gerade am Ausziehen ist, die Kisten sind gepackt und er weg). Das volle Programm: – madig machen von Familie und Freunde (Gott sei Dank nicht gelungen) Verbal fertig machen, mich klein reden, mir einreden ich fände nie wieder jemanden (was nicht gelungen ist, sicher wel ich oft weg war zu Seminaren und dort aufgeblüht bin) und… Weiterlesen »

Ilona
Gast
Ilona

Danke für den Artikel. Ja, genau so ist es. Und so war es auch bei mir. Dieser schleichende Prozess, aus dem es so schwer ist, sich zu befreien. Von Männern, die wie Jekyll und Hyde sind. Weil man immer glaubt und hofft, dass es ein guter Mensch ist, der gerade ein wenig Stress hat und eine schlechte Kindheit und irgendwie hätte man ja mehr auf ihn eingehen können. Und eigentlich kann er so nett, charmant nach außen usw. sein. Und man will den Kindern ja nicht die Familie nehmen. Wenn man versucht darüber zu reden, werden Worte und Situationen geschickt… Weiterlesen »