Ich bin unzufrieden, obwohl mein Mann mir hilft

Bei bestimmten Themen habe ich Hemmungen, offen zu kommentieren und oder zu liken. Das liegt unter anderem daran, dass ich, wann immer ich das öffentlich tue, hören muss, was ich für eine undankbare, egomane Person bin. Deswegen freue ich mich als Gastautorin schreiben zu können.

Es geht konkret um den, in meinen Augen sehr lesenswerten, Text „Ich nehme meinen Mann ernst, darum habe ich ihn verlassen.

Der Text hat bei mir viel zum Klingen gebracht. Ich habe das nicht eins zu eins so erlebt, aber sagen wir ähnlich und wann immer ich von meinen Empfindungen und Wahrnehmungen spreche, ich höre bei getrennten Freundinnen sehr oft: Bei uns ist es auch so gewesen.

Um was geht es? Es geht um das Phänomen, dass es innerhalb einer bestehenden Beziehung mit Kindern ein Fehlverhältnis in Sachen Familienarbeit gibt. Die Frau kümmert sich neben ihrem eigenen Job um Kinder und Haushalt, während der Mann leider aufgrund seiner Jobsituation nur wenig helfen kann.

Krawatte
Ariesa66 auf Pixabay.com

In meiner Beziehung habe ich das ähnlich empfunden. Viel ist an mir hängen geblieben, v.a. die unzähligen Alltagsaufgaben (Wechselwäsche der Kinder? Neues Englischheft? Geschenk für die Geburtstagsparty am Wochenende? Nägel schneiden? Neue Sandalen? Planung des Essens? Salat fürs Kindergartenbuffet? etc. etc.). Jede für sich kein Drama, in Summe irgendwann einfach unerträglich viel, v.a. wenn man im Kopf hat: Das sind unsere gemeinsamen Aufgaben, wir haben uns gemeinsam für Kinder entschieden.

Im Übrigens: Selbst wenn keine Kinder im Spiel sind, es gibt genug Statistiken, die u.a. belegen, dass unabhängig von der Erwerbstätigkeit der Frau die meisten Aufgaben des gemeinsamen Haushalts traditionell an eben jener hängen bleiben…

Tatsächlich musste ich nicht ALLES alleine machen. Deswegen habe ich von vielen Seiten (v.a. der Generation über mir und denen, die in sehr traditionellen Verhältnissen leben) immer wieder gehört: „Sei doch zufrieden mit dem was du hast. Er hilft doch sehr viel! Andere Männer machen das nicht!“

Mit dem Klang dieser Wort im Ohr, habe ich oft an folgenden Tweet denken müssen:

Und es stellen sich wirklich immer wieder alle Haare auf, wenn ich höre „Mein Mann hilft im Haushalt.“ Ein sehr gängiger Satz, so gängig, dass die Absurdität erst auffällt, wenn man ihn umdreht „Meine Frau hilft im Haushalt.“

Im Haushalt helfen!

Eine sprachliche Feinheit kann man jetzt sagen, aber tatsächlich steckt in meinem Empfinden mehr dahinter. Wenn nämlich ein Mann findet, dass er (s)einer Frau im Haushalt hilft, dann schwingen da immer zwei Sachen mit. Erstens – er ist großzügig. Er hilft nämlich und zweitens – Dankbarkeit ist angebracht – er hilft nämlich!

Tatsächlich war ich irgendwann so weit für mich festzuhalten: ich bin nicht zufrieden zu stellen, ich bin verkrampft, fordere zu viel, bin zwanghaft und man kann es mir nicht recht machen.

Also habe ich mich entschlossen alles alleine zu machen. Keine (enttäuschten) Erwartungen mehr zu haben und alles selbst zu machen, war für mich einfacher als geholfen zu bekommen.

Für mich war der Blick auf den vollen Mülleimer, den ich dann einfach mit nach unten zur Mülltonne genommen habe, monatelang nach der Trennung eine Erleichterung. Das Ding ist voll, ich sehe es, ich nehme es mit und ich muss nicht mehr warten, dass es mein Mann tut (der ja vieles nicht tun konnte, weil er arbeiten musste – aber Müll runter bringen oder Spülmaschinensieb reinigen, das ging auch bei einer 60 Stunden Woche – jedenfalls theoretisch und so ist der überquellende Mülleimer zum Symbol meines Frustes geworden).

Zwei Jahre sind wir jetzt getrennt und ich glücklicher denn je. Es sind nämlich zwei sehr bemerkenswerte Dinge eingetreten:

Mein Ex-Mann übernimmt im Rahmen der Kinder seit der Trennung immer mehr Aufgaben – ich kann fast sagen, es ist langsam 50/50. Was in zehn Jahren Beziehung nicht funktioniert hat, hat innerhalb von zwei Jahren Trennung geklappt.

Warum das so ist, weiß ich nicht. Wahrscheinlich einfach weil er muss und weil er jetzt nicht mehr in einem bequemen Hotel lebt, in dem die Dinge sich einfach regeln, ob man sich nun drum kümmert oder nicht.

Und noch wundersamer: Ich habe einen Partner gefunden, bei dem alles so ist, wie ich immer dachte, dass es doch sein sollte und das obwohl es sich nicht um seinen/unseren Haushalt handelt (wir leben in unterschiedlichen Haushalten) und obwohl es nicht seine eigenen Kinder sind. Er ist einfach da und übernimmt Verantwortung. Er denkt mit, er ist eigeninitiativ – wir reden! Und damit hat sich alles geändert.

Statt des oft im Rahmen der Maternal Gating Mär zitierten Teufelskreises „Frau reißt alles an sich“ und „schreibt am Ende nur noch To Do Listen für den armen Mann“, „die ihn in seiner Eigenständigkeit noch weiter einschränken“, reden wir über das was ansteht und es geht eben nicht mehr ständig nach meiner Nase, aber wir haben eine gemeinsame Richtung und alle Themen werden nach und nach abgearbeitet.

Wir helfen einander. Und da bin ich wieder beim Thema Hilfe. Wenn es nämlich ausgeglichen ist, dann hab ich auch gar kein Problem mit Dankbarkeit, denn die empfange ich plötzlich auch. Und genau da liegt der Hund in der Dankbarkeitssache für mich begraben: Es kann einfach nicht sein, dass eine(r) 80% macht und der andere 20% und dass dann diejenige, die schon den Löwenanteil erbringt auch noch dankbar sein muss.

Um nochmal auf den oben verlinkten Text zurück zu kommen. Ich hab ihn nicht öffentlich gelikt, weil ich finde, da spricht so viel Verbitterung mit. Letztendlich ist es aber genau die Verbitterung, die ich so lange gespürt habe, die ich mir aber nicht eingestanden habe, weil ich ja nicht durfte: ich sollte nicht verbittert, sondern dankbar sein, denn schließlich wurde mir doch immer geholfen.

Dennoch hoffe ich, dass viele Männer den regrettingfatherhood-Text lesen und sich fragen, ob es Parallelen zu ihrem eigenen Leben gibt. Ob sie auch finden, dass sie ihrer Frau doch durchaus helfen obwohl der Job so stressig ist und ob sie es nicht ebenso traurig wie ich finden, dass das mit der Aufgabenverteilung erst nach der Trennung so gut klappt.

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Ella
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Ella

Vielen Dank, ich werde meinem Mann diesen Text gleich mal vorlegen :)

naz
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naz

ich habe neulich über diese veraltete Rollenverteilung mit meinem Sohn diskutiert. Er sieht es auch so, dass Mama zu Hause aller regelt, mit Kindern zum Sport fährt, jeden Tag (vollzeit) bei Siemens arbeitet, ihn morgens in die Schule fährt, für ihn und seine Schwester in amazon alles was sie brauchen besetellt, Urlaub plant und bucht… Er dachte, das wäre normal. Ich habe ihm erklärt, dass es traditonell so gewesen ist aber nicht mehr passt. Warum? Früher hatten die Menschen Arbeit, die viel Kraft und Gewalt bräuchte, z.B. Steine tragen, in der Kälte zum Jagen gehen und sie nach Hause tragen… Weiterlesen »

Reflektorin
Gast
Reflektorin

Nie werde ich vergessen, wie eine Kommilitonin von mir mit damals einjähriger Tochter in Tränen ausbrach, als ich in einem Nebensatz erwähnte, dass mein Vater die Wäsche der ganzen Familie macht. Erst da fing ich an zu verstehen, dass das für Männer scheinbar nicht normal ist, dabei war das nur ein Teil seiner Aufgaben. Ausserdem macht er alles rund um Einkaufen, Behördengänge und aushäusigen Kleinkram, teilt sich die Küche ziemlich hälftig mit meiner Mutter und tut sonst auch alles was gerade in Haushalt und Kindererziehung so anfällt. Wegen seiner (wirklich unveränderbaren) Arbeitszeiten war und ist meine in Teilzeit arbeitende Mutter… Weiterlesen »

Katja Ludwig
Gast
Katja Ludwig

Danke für den sehr treffenden Text

Susi
Gast
Susi

Schade, wenn es so läuft und man so denken muss, dass „helfen“ negativ ist beziehungsweise, dass die Rollenverteilung einseitig bezüglich Hausarbeit ist.
Meine Meinung:
Wer mehr zuhause ist, macht mehr im Haushalt. Ansonsten packt jeder an, wenn es was zu tun gibt.
„Meine Aufgabe, Deine Aufgabe“ finde ich albern. Natürlich schlage ich mich nicht darum, die Autoreifen zu wechseln. Aber wenn es sein muss, würde ich das auch hinbekommen. Während mein Mann Hemden bügelt.

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Ulrike
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Ulrike

Sorry, da denke ich komplett anders! Wenn der Müll raus muss, bringe ich ihn raus und (er)warte nicht, dass mein Mann es macht, nur „weil er dran wäre“ und ich halte es ihm auch nicht vor, wenn ich es dreimal hintereinander mache. Bei uns gibt es kein Aufrechnen von Aufgaben im Haushalt und Gezanke, wer mehr oder weniger macht. Das macht doch nur Stress, wie man sieht! Freut euch, wenn ihr und euer Partner gesund seid und genießt die Zeit, die ihr miteinander habt! Lebt und haltet euch nicht an nicht zugedrehten Zahnpasta-Tuben auf! Wenn man durch Schicksal früh seinen… Weiterlesen »

SilkeAusL
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SilkeAusL

Liebe Ulrike, hier geht es nicht nur um Zahnpastatuben oder wer mit den Müll dran ist. Es kann nicht sein, dass es in einer Beziehung, ob mit oder ohne Kinder, so läuft, dass einer fast alles machen muss, AUCH wenn er zusätzlich noch arbeitet, und der andere am liebsten für jeden Finger, den er mal im Haushalt krumm gemacht hat, die Füße geküsst bekommen will. Genau DAS war auch bei mir der Fall. Bei den Kindern hat er zwar so gut geholfen, wie er „konnte“, der Rest blieb aber an mir hängen, denn ich war ja „zu Hause“. Doch auch,… Weiterlesen »

Eva
Gast
Eva

Also. Der einzige Unterschied diesbezüglich seit meiner Trennung ist, dass ich nun keinen Streß mehr mit meinem Exmann zusätzlich habe. Nur noch direkt mit den Kids. Das Leben alleinerziehend ist haushaltstechnisch genau gleich. Sagt aus, dass er null mitgeholfen hat. Er hat ja das Geld verdient. Und wollte abends sehr gerne in einer schönen aufgeräumten Wohnung residieren, vom Sofa aus.
wenn ich das so hinschreibe, kann ich gar nicht glauben, dass ich das alles so lange ausgehalten hab.
LG Eva

Eva
Gast
Eva

P.S. Korrigiere: Er hat sich im Haushalt null verantwortlich gefühlt.

Mama arbeitet
Admin
Mama arbeitet

Irre, oder, Eva? Und gar nicht so selten!

Andreas
Gast
Andreas

Meine Frau hilft mir bei Familienunterhalt, indem sie ca 25% arbeitet. Und ich helfe ihr im Haushalt. Sie könnte es auch anders haben, wenn sie wollte.
Ach ja – Kinder erziehen, das machen wir gemeinsam.

saskia
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saskia

und deswegen habe ich gleich am anfang unserer beziehung klargestellt:“ich brauche keine hilfe im haushalt, ich schaffe meine hälfte ganz gut allein!“
;-)

Martin
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Martin

Sehr gut! Diesen Grundsatz stelle ich auch vor Beginn jeder Beziehung in den Raum. „Ich mache meinen Haushalt, du machst deinen Haushalt“. Danach kühlt die Beziehung merkbar ab.

Jorge
Gast
Jorge

Interessanter Artikel! Auch wenn ich als Mann nicht ALLES nachvollziehen kann gibt er dich einige Denkanstösse. Danke dafür! Interessant wäre es nich zu wissen wer in diesem Haushalt wieviel Arbeitszeit nachgeht die Geld einbringt? Aus Sicht vieler Frauen (meine inkl.) ist der Haushalt 100% …der Mann soll also 50% davon übernehmen damit „Frau“ glücklich ist! Macht für mich aber dann nur Sinn wenn beide zU gleichen Teilen einer erwerbstätigen Arbeit nachgehen. Kann ja nicht sein das ein Partner (ib Mann oder Frau) 100% verdient und noch 50% im Haushalt macht… Ausserdem… finde ich die blöde Rechnerei doof! Entscheidend ist für… Weiterlesen »