Leider daneben: Wie die Caritas Alleinerziehende anspricht

Liebe Juliane, liebe Caritas!

Morgen ist Montag, und Ihr werdet in einer Mitarbeitersitzung darüber reden, was da im Internet schiefgegangen ist. Euer Social Media Mensch hatte einen schwierigen Samstagabend, und etliche Alleinerziehende sind irgendwas zwischen sauer, empört und belustigt.

Was ist passiert? Ihr habt etwas getan, was total gut gemeint war, aber an der Zielgruppe, zumindest der, die meinen Blog liest und Fan meiner FB Seite ist, komplett vorbeigeht. An dieser Stelle sollte ich mich vielleicht kurz vorstellen: Ich bin alleinerziehende Mutter 3er Kinder und schreibe seit 10 Jahren in dieses Internet. Viele Alleinerziehende lesen meinen Blog (damit Ihr das grob einschätzen könnt: monatlich komme ich auf 100.000 Visits), ich habe meine Fühler recht nahe an der Befindlichkeit dieser Zielgruppe, weil ich ein Teil von ihr bin, und weil ich versuche, gut zuzuhören.

Auf twitter habt Ihr mich gefragt, was genau mich an dem Clip störte. Ihr habt auf FB auch geschrieben, wir könnten telefonieren – das ist alles sehr lobenswert, aber ich bin ja nicht euer Consultant, und ich glaube, ein Telefonat hilft weder Euch noch der Sache. Also versuche ich es schriftlich, als offenen Brief quasi.

Machart des Videos/Tonalität

„Wirkt wie Sesamstraße!“, „OMG, meinen die das Ernst oder ist das Satire!?“, „Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll“, „Will die uns verkaspern?“, sind die Reaktionen meiner Leserinnen, mit denen ich euer Erklär-Video auf FB teilte. Und das sind noch die netteren Kommentare, einige wurden richtig sauer.

Merke: Seid vorsichtig in der Ansprache eurer Zielgruppe, das kann bös nach hinten losgehen. Fragt doch lieber Fachleute, bevor Ihr sowas in die Welt setzt – zum Beispiel die Autorinnen der Bertelsmannstudie „Alleinerziehende unter Druck“, oder den VAMV, oder Bloggerinnen wie Dr. Alexandra Widmer, was sie davon halten. Das Thema ist zu brisant, um es mit einem lockerflockigen Video zu bedienen.

Inhalte von Julianes 5 Tipps für Alleinerziehende

Und jetzt zum Kern der Sache, den 5 Tipps. Ich gehe das mal einzeln mit euch durch.

1.) „Keine Angst vor weniger Geld.“

Klingt gut. Aber über Jahre in Armut zu leben, und nicht zu wissen, wie man das Essen, geschweige denn neue Schuhe für die Kinder bezahlen soll, ist eine furchtbare Belastung. 43,8% der Alleinerziehenden sind arm. Kinderarmut schadet den Kindern, dazu gibt’s auch reichlich Studien, und die Kinder von Alleinerziehenden sind strukturell benachteiligt. Ist leider so. Und absolut beängstigend.

Der Hinweis, es gebe doch Unterhaltsvorschuss, Wohngeld, Kindergeld, haufenweise Vergünstigungen, Steuererleichterungen, Haushaltshilfen im Krankheitsfall und viele andere Hilfen, und der Staat springe ein, ist blauäugig – wer sich jemals mit all den Formularen und Ämtern herumgeschlagen hat, und weiß, wie wenig motiviert vielerorts die Beistandschaften des Jugendamts sind, kotzt wahrscheinlich schon an dieser Stelle des Videos. Wisst Ihr, wie schwierig es ist, eine Haushaltshilfe zu bekommen? Oder Wohngeld? Und dass die Steuererleichterungen ein Witz sind?

2.) „Gute Organisation ist alles“

Das war der Moment, in dem ich etwas ungehalten wurde. Habt Ihr auch nur den Hauch einer Ahnung, liebe Caritas, wie unfassbar gut organisiert, fleißig und flexibel Alleinerziehende jeden verdammten Tag sein müssen, damit nicht alles zusammenbricht? Ein Kalender, Ordner, und ein Haushaltsbuch sollen uns helfen!? Wer eine Famlie von 5 € pro Tag und Nase durchbringen muss, braucht kein Haushaltsbuch, um zu wissen, dass die Kinder kein Eis an der Eisdiele bekommen können. Und dass eventuell der Gang zu die Tafel e.V. ansteht, um den Lebensmittelvorrat zu decken.

3.) „Zusammen ist man weniger allein.“

Stimmt. Aber mir zu raten, ich solle Ausflüge der Autos wegen mit anderen Alleinerziehenden abstimmen, ist wirklich derbe daneben. Viele von uns haben weder Auto noch Geld für Autos. Manche können sich nicht einmal Busfahrkarten leisten. Und Zeit für Ausflüge muss frau auch erstmal haben.

4.) „Mach auch mal was für dich selber. Gönne dir was.“

Und als Beispiel hält die Badewanne, ein gutes Buch und Schokolade her. Das ist nicht nur einfallslos, sondern auch ignorant – bei Existenzsorgen helfen all diese Dinge nichts. Erst muss eine gewisse Grundsicherheit da sein, dann kann frau sich wieder etwas lockermachen. So sehe ich das jedenfalls. Eine Badewannenfüllung kostet übrigens etwa 1,50 €. Dafür kann ich meinen Kindern Nudeln mit Soße kochen.

5.) „Hol dir Beratung.“

Unterschreibe ich. Aber eine Beratung, die sagt, hol dir Beratung, ist ziemlich tautologisch und irgendwie widersprüchlich dabei. Der Hinweis, dass das bei der Caritas kostenlos ist, ist gut – die Frage ist aber, ob nach dem Video irgendjemand denkt, es mache Sinn, sich bei euch beraten zu lassen.

Caritas Alleinerziehende
Falco auf Pixabay.com

Grundsätzliche Attitüde gegenüber Alleinerziehenden

Eure Juliane wirkt unbedarft und mehr als eine Spur zu fröhlich. Man hat das Gefühl, sie habe überhaupt nicht verstanden, unter welch schwierigen Rahmenbedingungen die meisten Alleinerziehenden ihr Leben meistern. Es ist eben NICHT so, dass diese Frauen ihr Leben nur ein klein wenig besser organisieren und sich auch mal etwas Gutes tun müsssen, damit alles flutscht.

Alleinerziehende funktionieren oft am Rande der Belastungsgrenze. Es fühlt sich an, als nähme die Caritas diese Schwierigkeiten nicht ernst. Und weglächeln kann man die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen nicht. Klar, die kann die Caritas in ihrer Beratung auch nicht ändern – aber so easypeasy ist das mit dem Geld eben doch nicht, wenn du alleine die Verantwortung für ein oder mehrere Kinder trägst. Diese Frauen haben handfeste Existenzsorgen und die höchste Armutsquote von allen Familienformen.

Kurz: etwas Empathie, bitte. Niemand erwartet, dass uns ein Trauerkloß durch ein Beratungsvideo führt. Aber nicht so ein Dauergrinsen, nicht dieses von oben herab Tätscheln, bitte. Wir sind erwachsene Frauen.

Am Schluss noch etwas Lob für die Caritas

Grundsätzlich freue ich mich, dass gerade Ihr, als katholischer Träger, Frauen ermutigt, sich zu trennen, wenn die Beziehung nicht mehr gut ist. Das ist ja nahezu revolutionär, und das meine ich nicht ironisch! Und dass die Caritas überhaupt Hilfe anbietet und versucht, Alleinerziehende zu erreichen, ist gut und wichtig. Deswegen hoffe ich, dass Ihr euch zu Herzen nehmt, was ich euch aufgeschrieben habe. Denn Alleinerziehenden und ihren Kindern zu helfen, ist auch mein Anliegen.

P.S.: Juliane hat auch 5 Tipps zum Thema Computersucht. Die wirken auf mich nicht ganz so absurd – aber da müsste man mal süchtige Gamer fragen. Die 5 Tipps bei Mietschulden von Caritas-Juliane sind für meinen Geschmack auch sehr fröhlich, aber wenigstens inhaltlich fundiert.

Bloggerin, Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Print und Online. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit von Familie & Beruf, Familienthemen.

19 KOMMENTARE

  1. Hallo,

    ich verfolge deinen Blog immer mit großem Interesse und finde den Einsatz für diese große „Randgruppe“ der Alleinerziehenden auch toll und sinnvoll. Hier jedoch verstehe ich die Kritik nicht. Das Video soll verscheidenste Alleinerzeihende erreichen. Frauen und Männer aller Schichten und Vorgeschichten. Die Gute-Laune Attitüde der Sprecherin ist daneben, ja. Inhaltlich aber ein Anfang für Menschen die für den ersten Moment einen Anlaufpunkt brauchen. Das wird im Video auch deutlich gemacht. Es gibt sicherlich genug Menschen, denen das Video eine Hilfe sein kann; auf die Beratung danach wird auch mehrfach hingewiesen!
    Bin selbst alleinerziehend mit zwei Kindern unter vier. Habe meinen Unijob verloren, weil „Wissenschaft und Mutterschaft einfach nicht zusammen passen“ und lebe von Harz4. Davon kann man eine zeitlang sehr gut über die Runden kommen. Musste nie für 5€ am Tag drei Menschen ernähren. Im Gegenteil. Während meines Studiums und der Doktorarbeit hatte ich viel weniger Geld. Es stellt sich immer die Frage, wie hoch die Ansprüche sind und die können nicht von der Allgemeinheit bezahlt werden. Ist nun mal so! Ich wollte Kinder und nun muss ich zusehen, wie ich die Zwei finanzieren möchte.
    Für Viele ist es nicht selbstverständlich sich Hilfe zu holen oder Pausen zu gönnen. Ich kann an diesen Ratschlägen nichts verwerfliches finden.
    Viel schwieriger ist es doch als Alleinerziehende die nötige Anerkennung und Unterstützung zu bekommen. Niemand möchte helfen. Den Satz „Das ist eben so, als Alleinerziehende.“ kann ich nicht mehr hören. Viel schlimmer: es tun Pärchen so, als wäre Alleinerziehend eine Krankheit.
    Die Väter haben nur Rechte, keine Pflichten (Sorgerecht müsste Sorgepflicht heißen!). Ich soll alles im Griff haben und Organisieren, muss dann aber ein Okay vom anderen Sorgerechtsbeteiligen abholen; ob er denn einverstanden ist mit meinen Vorschlägen. Das ist echt hart!
    Viele Grüße
    Jule

    • Hallo Jule,
      ich kann Dir nur zustimmen, dass es so ist, dass niemand helfen möchte. Ich wohne z.B. in einem Mehrfamilienhaus seit 7 Jahren, Sohn ist 5. Noch nie hat mir hier jemand Hilfe angeboten. Ich war von Anfang an alleinerziehend. Auch in der Krabbelgruppe wurde ich nur mitleidig angeschaut. Hilfsangebote kamen nicht. Alle gingen mir aus dem Weg. Und Paare empfinden Alleinerziehend wirklich als Krankheit. Mittlerweile verheimliche ich mein Alleinerziehend-Sein, damit es mir besser geht. Dieses Mitleid brauche ich nicht. Es bringt mir nichts. Paare wollen i.d.R. mit Singlemums nichts zu tun haben.
      Gruß
      Kultmama

  2. Die katholische Caritas ?
    1. als ich, alleinerziehend WOHNUGSLOS , zwei Kinder auf der Strasse stand im April 2015 hat mir die Caritas sofort geholfen.
    Schlieslich bin ich ( war ) ich katholisch.
    Die Hilfe bestand darin, dass ich beraten wurde mich ans Wohungsamt zu wenden.
    Die haben mich ( Wohung haben wir nicht !!! ) aber wir machen eine Kopie vom Pass ans JA geschickt, mit der klaren Aufforderung, mir meine Kinder wegzunehmen.
    2. ach das wird mir zuviel. Caritas hilft erst mal Flüchtlingen. Aber nicht der indigenen Bevölkerung. Die soll spenden beten und nett singen. Betonung auf spenden oder gratis arbeiten.

    3. Wenn ich Caritas höre geht bei mir das Messer auf und ich denke an die Werbung von Romika Schuhe:

    Reintreten und sich wohlfühlen.

  3. Hallo Christine,
    ich fand das Video vielleicht auch jetzt nicht super schlimm vom Gesichtspunkt einer vielleicht bald eventuell Alleinerziehenden. Mir wurde damals ich glaube beim Jugendamt gesagt, dass es nicht an den finanziellen Aspekten liegen sollte, wenn man sich trennen müßte/wollte. Damals war ich noch in der Elternzeit- ich habe es dann doch noch durchgezogen, bis ich wieder arbeiten gegangen bin, bevor ich mich getrennt habe(was dann zwar den finanziellen Aspekt geschmälert hat, dafür gab es dann diese Vereinbarkeitsgeschichte….:( …).

    Was ich sagen wollte: für die ersten Tipps ist es ganz okay. Dieses Dauergelächle, als würde sie Wickeltipps für ihr Baby geben, geht mir allerdings auch auf den Keks. Da sollte sie sich mal ein Beispiel an Dir oder an den Videos von Alexandra Widmer nehmen, wie man etwas mit freundlichen Gesicht rüberbringen kann, ohne zu vermitteln „Hey, ist doch alles easy peasy!“.

    Ich kann mir vorstellen, dass es aber viele AE, die schon eine Menge schlechte Erfahrungen mit Ämtern und Anträgen gemacht haben, sehr verärgert hat.

    Aber alle sollten sich mal in die Situation zurück versetzen, als sie noch frisch AE waren und noch gar keinen Plan hatten. Da ist man doch über jedes Hilfsangebot dankbar, alleine schon zu wissen, WO man sich Hilfe suchen kann.
    Und dem Internet sei dank ist es mittlerweile(teilweise)einfacher geworden, zumindest für die ersten Schritte. Wo kann ich was beantragen, wo bekomme ich(auch psychosoziale)Hilfe? Ohne dass ich groß herumtelefonieren oder die Stellen gar abklappern muss, wo die meisten gerade in der Anfangsphase gar keine Kraft zu haben.
    Ich hatte den „Vorteil“, diejenige zu sein, die verlassen HAT. So konnte ich mich im Vorfeld schon genug kümmern. Dieses „Aussitzen“bis Arbeitsbeginn(noch ein knappes Jahr)hat dann zwar auch noch mal eine Menge Kraft gekostet, aber es hat dann doch beruhigt, dass ich nicht alleine bin.
    Jetzt höre ich mich schon fast so an wie die Caritas-Frau, aber man kann auch „Glück“haben mit den Ämtern. Aber mein „Glück“ liegt auch wahrscheinlich eher darin, dass ich sie bis dato noch nicht viel benötigt habe.
    Ab August kann ich dann mehr berichten, wenn ich meinen ersten Wohngeldantrag stelle…

    Mit dem Versuch, es etwas positiver zu sehen
    Silke

  4. oje, falsche person. sie ist ja süß, so unschuldig und jung und hübsch. ganz am puls der zeit.
    ansonsten wie gehabt. das thema alleinerziehende ist tabu. entweder wir werden ignoriert oder mit sowas konfrontiert. das macht mich schon wütend.
    mir wurde auch schon gesagt, ich solle doch eine nachbarin (!!!!!) fragen, ob sie auf mein krankes kind aufpassen kann, so einen vormittag lang.
    ich bin sicher, unsere fröhliche und prefekte juliane hilft gerne ihren alleinerziehenden nachbarinnen aus. oje.
    gerlinde

    • Hihihi, Gerlinde – sowas habe ich auch schon ziemlich oft gehört. Ich soll doch die Nachbarn fragen. Als ob die Zeit hätten! Die haben einen Job, eigene Kinder, und helfen im Notfall gerne mit Milch aus. Fertig.

  5. Mmmmh,

    ich verstehe Deine Punkte. Und ich sehe viele Punkte auch so (viel zu wenig Geld etc.).

    ABER: Die Menschen, die zur Caritas in der Beratung sind… die kennen Kalender nicht; die haben Angst vor anderen; wissen nicht, dass es Beratungsstellen gibt und sie wissen von vielen Möglichkeiten für Geld nicht. Will sagen: Das ist eine komplett zusätzliche, andere Zielgruppe als hier im Netz. Glaub mir, ich kenne davon einige. Für die ist dieses Video gemacht! Denke ich. Oder Caritas?

    Ob sie zu fröhlich ist, weiß nicht… es hätte etwas mehr seriös sein können. Aber hätte sie dann die ganzen alleinerziehenden Jugendlichen angesprochen? Nein, eher nicht!

    So. Trotzdem liebe Grüße
    Petra :*

    • Dann hat die Caritas aber die falsche Ansprache gewählt. Denn ein Video dieser Machart ins Netz zu stellen, wenn sich ihre Zielgruppe dort nicht bewegt, ist nicht hilfreich. Oder?

    • na ja, aber dann bringt es auch nix, denn wenn jemand keinen Kalender kennt und völlig hilflos ist, dann hilft so ein oberflächliches Gelaber ganz ehrlich auch nicht weiter denke ich mal!

  6. Liebe Christine, ich schätze dich und deinen Blog sehr, aber hier finde ich die Kritik unangebracht. Auch ich bin alleinerziehend und es gibt weiß Gott einen ganzen Haufen Probleme, auf die du die Welt ganz wunderbar aufmerksam machst. Aber der Zweck des Videos war für mich ein anderer. Es ermutigt, sich zu trennen, es nimmt die Angst vor der Situation. Und das finde ich ganz wichtig. Das noch viel für Alleinerziehende getan werden muss, steht außer Frage, aber wem hilft es, wenn ein Video, das ein Erstberatungsangebot macht, alles in den schwärzesten Farben malt? Ich finde auch die Person nicht schlecht ausgewählt. Ich weiß nicht, ob ich ganz am Anfang zu einer Beratung gegangen wäre, wenn man mich mit Trauermine darauf hingewiesen hätte. Dieses (ja auch leicht übertriebene) „Wir schaffen das.“ finde ich eigentlich passend. Dass viele es anders sehen, zeigt ja die Diskussion auf deiner FB-Seite, also gut, dass du für diese ein Sprachrohr bist. Mir war es trotzdem ein Bedürfnis mal meine gegenteilige Meinung hier zu lassen. Viele Grüße, Jule

      • Jetzt mal unabhängig vom Thema, ne, aber FB Menschen finden gaaaanz oft etwas ziemlich blöd. Das kann ich dir an so vielen Beispielen zeigen. Die Stimmung ist da immer noch mal mehr negativer als irgendwo anders.
        Und ja, Du hattest mir geantwortet, die Caritas hätte dann für die Zielgruppe das Video nicht ins Netz stellen sollen, aber ich denke, sie haben gedacht, sie finden ihre Zielgruppe auf YT und FB. Das aber gerade bei letzterem die Stimmung immer „alle sind blöd“ ist, ist eben Unerfahrenheit?! Ich hätte ein solches Video zuerst an Blogger gegeben… aber wer bin ich schon, außer einer alleinerziehenden Bloggerin, die so etwas beratet… ;)

  7. Ich glaube auch das viele zur Caritas gehen die keine Ahnung von Haushaltsplanung … haben. Meiner Meinung nach gibt es tatsächlich eine hohe Dunkelziffer von Menschen die nicht wissen wie man Ordnung hält oder wissen wie man Überblick über seine Ausgaben behält. Auch gibt es bestimmt Menschen die nichts vom Unterhaltsvorschuss wissen und tatsächlich sich wegen Geldsorgen nicht trennen. Ich denke aber auch das man die mit diesem Video nicht erreicht. Die Caritas macht aber den Fehler das sie die Hauptprobleme die Ihnen in Ihrer Beratung bisher aufgefallen sind, auf alle übertragen. Das Video ist gut gemeint, leider wirkt Juliane mit ihrer Art (die sicher Berührungsängste abbauen soll) erschreckend naiv und gut gelaunt für Alleinerziehende die ein bisschen den Durchblick haben. Grundsätzlich aber finde ich muss man der Caritas auch zu Gute halten das in dem Video nicht nur von Alleinerziehenden Müttern geredet und das Juliane z.B Tipps für Checklisten, Broschüren und spezielle Gruppenangebote gibt, die (das kann ich aber nicht beurteilen) relevant für „frisch“ Alleinerziehende sind

  8. Habe mit gerade das Video angeschaut. Mir bleibt die Spucke weg. Offensichtlich wissen Alleinerziehende vor lauter staatlicher Unterstützung nicht wohin mit dem Geld. Ich würde auch sagen, dass sich die Caritas mit diesem Video völlig im Ton vergriffen hat. Hinterlässt einen widerlichen Nachgeschmack.

  9. danke für den artikel. ich kann ihre kritik sehr gut verstehen. ich bin seit 20 jahren alleinerziehend und diese art mit einem zu reden als sei man nicht ganz zurechnungsfähig hat mich all die jahre auf die palme gebracht. in dem video wird jede mutter gedutzt, und das obwohl die mütter in der mehrzahl älter sein dürften als die nette dame, die vom leben als alleinerziehende allem anschein nach keine ahnung hat.
    allein der tipp mal ein buch zu lesen. ich persönlich lese seit ca. 3 jahren wieder. davor konnte ich das nicht, weil man zum lesen abschalten muss und ich konnte nicht abschalten.
    wer uns alleinerziehenden helfen will, der sollte uns zu vorderst mal ernst nehmen.
    das video zeigt genau das gegenteil. es wird getan als sei alleinerziehend sein ein schnupfen und wenn man nur einen kalender auflegt, dann ist das schon die halbe miete.
    dabei gibt es neben den tatsächlichen problemen so vieles an zwischenmenschlichem, zb bei bewerbungsgesprächen oder dem vermieter, das einen nur sprachlos macht und zeigt. dass in der gesellschaft alleinerziehende auch genauso gesehen werden. nicht ganz zurechnungsfähig und unorganisiert.

  10. Liebe Christine,
    zum Kommentar weiter oben, Erstberatungsangebote sollten nicht in schwärzesten Farben schildern: doch, bitte, genau so.
    Es soll naive Frauen geben (ich war eine), die denken über Trennung nach, weil es immer und immer wieder immer neue Diskussionen um berufliche Ziele, berufliche Wege gibt. Um dann festzustellen: Im Moment der Trennung erreicht der Mann im Handumdrehen, woran er sich jahrelang die Zähne ausgebissen hat: jede Verpflichtung in Sachen Unter-der-Woche-Kinderbetreuung ablegen. Und obendrein noch bestimmen können, welchen Job die Frau annimmt (solange der außerhalb des „gewohnten sozialen Umfelds“ der Kinder liegt).

    Beides macht mich einfach nur fassungslos. Und ich bin froh, dass ich in diesen Blogs endlich etwas darüber lese, dass das andere Frauen auch unfassbar finden.
    Was sagt die Caritas dazu?

    Ermutigung zur Trennung: bei häuslicher Gewalt ja, unbedingt. Aber für mich ist es auch seelische Gewalt, wenn mich jemand nicht tun lässt, was ich am allerliebsten tue (und am allerbesten kann): meine Arbeit. Der Hebel dazu wird ungleich größer, sobald man sich trennt.

    Das heißt nicht: besser nicht trennen. Es heißt aber: dass das so ist, ist ein Skandal, und das kann man nur tiefschwarz und nicht pastellfarben malen!

  11. Wenn man sich über dieses Video aufregen kann, dann hat man zuwenig Probleme.
    Dein Grundton ist: Wer uns AEZ nicht genug bemitleidet, der ist böse.
    Was im Video gesagt wird, finde ich total richtig und Du selbst wahrscheinlich auch. Du regst Dich darüber auf, was sie nicht sagt. So ein Quatsch!

  12. Liebe Frau Finke,
    diese spannende Diskussion verleitet mich zu zwei Anmerkungen bzw. Fragen:
    1. Ich glaube den Statistiken der Armut Alleinerziehender, allerdings begreife ich sie nicht so ganz. Natürlich ist es teurer zwei Haushalte zu führen, als einen, aber wo bleiben denn die Väter emotional und finanziell? Sind es so viele, die sich völlig rausziehen? Geteiltes Sorgerecht scheint doch immer häufiger zu sein? Bitte entschuldigen Sie hier meine Naivität, aber diese grundsätzlichen Informationen werden oft vorausgesetzt und ich habe noch keine schlüssigen Erklärungen gefunden.
    2. Neben der finanziellen, zeitlichen etc. Belastung, meinen Sie auch, dass die „mental load“ s. https://english.emmaclit.com/2017/05/20/you-shouldve-asked/ zum Besonderen, aber für andere schwer nachvollziehbaren Leid Alleinerziehender führt? Zumindest Fragen der Schulwahl, der Erziehung, etc. trifft man in einer Paarbeziehung doch selten ganz alleine…

    • Liebe Lina,

      den Comic mit dem Mental Loads habe ich auch gesehen und geteilt – ich finde den tatsächlich sehr passend und erhellend. Ja, das meine ich auch mit der Belastung, danke fürs Fragen! Zu Frage 1: Das ist ein großes, komplexes Thema. In Kürze ist das Problem folgendes: Wer sich um Kinder alleine kümmert, hat weniger Zeit, zu arbeiten und findet auch oft keinen gut bezahlten Job wegen vermeintlicher oder tatsächlich mangelnder Flexibilität. Das Sorgerecht ist zwar meist geteilt, aber es gibt keine Sorgepflicht für den getrennten Elternteil – das sieht dann in der Praxis so aus, dass 50% der Alleinerziehenden keinen Unterhalt fürs Kind erhalten, weitere 25% nur unregelmäßig oder zu wenig. Und obendrein kümmert sich jeder zweite bis dritte Vater nach der Trennung nicht mehr um das Kind, viele verlieren ganz den Kontakt. Die Mischung macht’s also.

      P.S.: Wenn Sie wirklich mehr wissen wollen, empfehle ich Ihnen wärmstens mein Buch.

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