Rentenproblem bei Alleinerziehenden gelöst!

Ich habe sensationelle Neuigkeiten, alle mal aufgepasst! Es ist nämlich gar nicht so, dass wir Alleinerziehenden viele Jahre in Altersarmut verbringen werden.

Nein, weder die Alleinerziehenden noch der Staat müssen sich da Sorgen machen, geschweige denn mit extra Rentenpunkten nachbessern. Denn obwohl wir alljährlich besorgniserregende Bescheide der BfA erhalten, weil wir entweder keinen oder nur einen schlecht bezahlten Job fanden, ist die Altersarmut halb so wild!

Rentenproblem? Früher Tod durch Stress und Armut ist die Lösung

Geringe Rentenerwartung durch Kinderbetreuungszeiten und Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt? Macht doch nix, wir werden die Rente gar nicht erleben. Jedenfalls ziemlich viele von uns. Denn wenn, wie Experten berechnen und glaubhaft vorhersagen, das Rentenalter auf 71 angehoben wird, um das System vor dem Kollaps zu bewahren bzw. den Staat vor dem Bankrott, dann bleibt der durchschnittlichen in Armut lebenden Fru von heute nur noch die lächerliche Zeit von 6 Jahren zu überbrücken, bis sie in Frieden ruht. Wenn es nach dem Institut der Deutschen Wirtschaft geht, reicht das nicht einmal, dann müssen wir alle bis 73 arbeiten – bleiben nur noch 4 Jahre in Altersarmut für die alleinerziehende Mutter. Wenn das mal keine guten Nachrichten sind!

Rentenproblem
Blickpixel auf Pixabay.com

Wir als Alleinerziehende mit einer Armutsgefährdung von mittlerweile sogar 43,8 % werden dem Staat gar nicht lange auf der Tasche liegen. Aber vorher kümmern wir uns hingebungsvoll um die Rentenzahler von morgen, es bleibt uns ja auch kaum etwas anderes übrig.

Der Stress bringt uns langfristig um

Hintergrund zu diesem Text: Heute früh flatterte mir mal wieder ein Text über den Zusammenhang zwischen Armut und verkürzter Lebenserwartung in die Twitter-TL. Kennt man ja soweit, diesmal ging’s um eine Studie aus den USA, wo, verkürzt gesagt, übergewichtige und ungebildete Menschen früher sterben. Klar, selbst Schuld, aber irgendwie auch nicht (warum das keine einfache Kausalkette ist, erklärt der Paritätische Wohlfahrtverband hier recht gut).

Dumm nur, dass wir Alleinerziehende im Allgemeinen weder dick noch ungebildet sind. Wir sind ziemlich normale Frauen, von denen 78% über einen guten bis sehr guten Bildungsabschluss verfügen (Abitur, Studium, Meister, abgeschlossene Ausbildung oder Berufsfachschule), wie die Bertelsmannstudie „Alleinerziehende unter Druck“ (S. 16 unten) konstatiert. Und um dick zu werden, haben die meisten von uns gar keine Zeit, weil wir immer auf Achse sind.

Nein, bei uns reicht schon der Stress, dem wir durch die finanziellen Nöte, die Überlastung und die vielen Jahre ohne echte Erholung ausgesetzt sind, um uns anfällig für einen frühen Tod zu machen. Alleinerziehende haben nicht nur ein höheres Risiko für Burn-Out, für Armut in der Gegenwart und Altersarmut. Wir haben auch noch durch unseren Familienstand eine verkürzte Lebenserwartung.

Supi! Dann höre ich jetzt auf, mir Sorgen um die Zukunft zu machen, und lasse das mit dem schlechten Gewissen, weil ich nie dazu komme, Sport zu machen. Ich tue der Gesellschaft damit einen Gefallen. Achwas, vier Gefallen! Ich habe ja drei Kinder, die mein Privatvergnügen sind. Sagen manche Kinderlosen, die vom Ehegattensplitting profitieren jedenfalls. *Bitter lachend ab*

Weiterführende Links: Armut kostet den Menschen elf Jahre Lebenszeit, Die Welt vom 05.12.2016

Lebenserwartung: Wer früher stirbt, war länger arm. Die Zeit vom 31.03.2016

Armutsbericht: Reiche leben bis zu 10 Jahre länger, Tagesschau vom 02.03.2017

Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit Familie/Beruf, Alleinerziehende. Seit 2014 auch Stadträtin in Konstanz.

18 KOMMENTARE

  1. „Und um dick zu werden, haben die meisten von uns gar keine Zeit, weil wir immer auf Achse sind.“

    Ups, vor lauter schwarzem Humor etwas tief in die Klischee-Kiste gelangt? Einsamkeit und Überforderung können genauso dick machen wie einfach nur faul auf der Haut liegen den ganzen Tag. Sage ich dir mal so als 110Kilo schwere Dreifachmutter mit Job, Ehrenamt und wohnhaft im 4. Stock ohne Aufzug. An Aktivitätsgrad lasse ich mich da nicht messen, ich empfinde solche Aussagen als unheimlich diskriminierend.

    • Ich weiß, das ist grenzwertig. Und ich wusste das auch, bevor ich auf Publizieren klickte. Aber Klischees gehören zu Satire. Drum ließ ich das so stehen und habe im ersten Satz dieses Teils ein relativierendes „im Allgemeinen“ eingefügt.

      • Wenn Sie das „Klischee“ einer alleinerziehenden, schlanken Akademikerin bedienen und es Satire nennen, bitteschön. Aber Witze/Satire auf Kosten einer Gruppe Menschen, deren Sie nicht zugehörig sind (das gilt übrigens auch für den Begriff „dumm“), das muss nicht sein. Satire muss nicht diskriminierend sein, nein. Das ist sie hier aber und Reflektion hierüber im Nachhinein fände ich schön.

        Grade eben habe ich einen Artikel gelesen zu Menschen, die sagen „Es sind ja eh alle Feministinnen Lesben“ und Feminist*innen, die darauf antworten: „Aber nein, es stimmt ja gar nicht! Wir sind ja gar nicht alle so“ (der Artikel wurde von einer Lesbin verfasst). Und genau daran musste ich gerade denken beim Lesen des Artikels. Klischee also: dick und dumm. Wahrheit: nein, nein, ganz „normal“ (problematischer Begriff), also ordentlich gebildet und schlank.
        Ich lese hier jedenfalls eine Defensivhaltung, so nach dem Motto: aber nein, wir sind ja gar nicht so.
        Um aus dem Lesbenartikel zu zitieren: „Und was wenn?“. Richtig. Und was wenn es so wäre? Wenn die Mehrheit dick und „ungebildet“ (eigentlich schon der nächste problematische Begriff) wäre? Das oben genannte Statement ist eher Abgrenzung als Solidarität, leider.

        Außerdem stellt es eine Gleichung auf, die so nicht aufgeht: dick=faul/bewegungsmüde und somit schlank=sportlich, fit, gesund usw. Es gibt auch dicke sportliche, dünne kranke, dicke kranke (und vielleicht deshalb gar keine Bewegung möglich!) Menschen und noch so viele mehr Konstellationen.

        Und schade auch, dass eine Kommentatorin, die die Aussage als „unheimlich diskriminierend“ empfindet mit einem „Ist ja Satire“ abgetan wird.

        Wirklich schade.

        Andere Blogeinträge hier habe ich im Übrigen sehr genossen zu lesen und hoffe deshalb umso mehr, dass diese Anregungen nicht ungehört bleiben.

        Viele Grüße!

        • Vielen Dank für diesen Kommentar! Mir fehlten da echt die Worte. Als ob es weniger schlimm wäre, weil man es schon wusste, bevor man auf Publizieren drückte. Na dann…

          • Also, Ihr habt beide aber den Kern der Sache verstanden? Dass Studien sagen, arme Menschen seien zu Großteilen dick und bildungsfern, und dass ich deswegen diesen Text schrieb? Weil Alleinerziehende dieses Klischee nicht erfüllen!?

  2. Am besten, Alleinerziehende gehen in die Parteien, dort können sie Politik mitgestalten. Ich bin treibende Kraft in der SPD, sich für das Problem der Alleinerziehenden zu öffnen. Ich bin dort , weil nur in der Partei die Möglichkeit besteht über Anträge und Netzwerke tatsächlich in der Gesellschaft was zu ändern. Macht mit!

    • Das finde ich wunderbar, Wendula – ich selbst bin ja auch im Stadtrat, in einer überparteilichen Wählervereinigung. Mitmachen ist gut, aber frau muss auch die Zeit und Kraft dafür finden. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deiner Arbeit dort! Liebe Grüße, Christine

  3. Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich über den Text jetzt schmunzeln.
    Aber traurig ist es nun mal, weil es wahr ist.
    Schaue ich auf meine Mutter, die sich als Alleinerziehende den Hintern aufgerissen hat, um mir so viel es geht zu ermöglichen, richtige Sch***-Jobs hatte, damit sie und über Wasser halten kann, während mein nichtsnutziger Erzeuger die Alimente verweigert hat, kann ich nur bestätigen, dass der Stress so enorm, so wuchtig ist, dass es krank macht. Und zwar auf Dauer und nachhaltig. Man altert schneller und krasser; die Geschwindigkeit, die keine gesunde ist, wird man auch nicht los, wenn die Kinder längst aus dem Haus sind.

    Aber hey, arbeiten bis 71/73? Wer überhaupt so alt wird, der macht das doch mit links. Oder?

  4. Das ultimative Zwangswechselmodell als Regelfall – natürlich nur dann, wenn Mann Lust drauf hat – dürfte aufgrund des jahrelangen Ärgers die Lebenserwartung von Frauen noch ein bisschen mehr verkürzen. Wie viel Geld der Staat damit sparen kann – Unterhaltsvorschuss, Rente, Gesundheitskosten – und die Mütter zahlen ja dann in die Rentenkassen ein – Geld, das sie gar nicht brauchen, weil sie mit Anfang 70 schon tot sind. Das nenne ich effizientes Wirtschaften.

  5. Jetzt fehlt noch das Schlagwort des „sozialverträglichen Ablebens“ und alles ist gut. Obwohl, damit wird Mama-arbeitet noch zum Philipp Mißfelder der Alleinerziehenden(Wiki: „Ich halte nichts davon, wenn 85-Jährige noch künstliche Hüftgelenke auf Kosten der Solidargemeinschaft bekommen. Früher seien die Leute schließlich auch auf Krücken gelaufen.“ ).

  6. Heute ist „Muttertag“….. die gesamten Wochen vorher habe ich mich um meinen demenzkranken Vater gekümmert, meine Mutter betreut die an Alzheimer erkrankt ist und nachdem ich heute den ersten „freien“ Tag habe- habe ich unsägliche Schmerzen in der Hüfte und im Rücken. Kind kommt mit Freund zu Besuch, ich habe schnell was zu essen gemacht, vorher noch zur Wahl abgehetzt- und jetzt bin ich nur noch müde und traurig. Irgendwie habe ich mir den „Muttertag“ anders vorgestellt. Wäre so gern mal ausgegangen zum essen- was ich aber aufgrund der Schmerzen nicht konnte- wieder mal die Quittung für Aufopferung bis ins Alter. Früher alleinerziehend und jetzt die Pflege der kranken Eltern, ist das wirklich das Leben?

    • Liebe Malika, das tut mir leid, dass es Dir so geht. Ich bin auch sehr fürsorglich, setze dann aber doch immer wieder bestimmt Grenzen. Wär es denn nicht angebracht gewesen dass deine Tochter dich zum Essen einlädt? Ich hätte gesagt, so geht’s nicht.
      Liebe Grüße, Katja

  7. Alleinerziehenden werden nicht viele Jahre in Altersarmut verbringen , weil sie mit ihrem unter 1.000 Euro liegenden Rentenanspruch die Medikamente nicht bezahlen können.
    Wer Bauchweh hat wird sein Gaviscon selbst bezahlen müssen. Und langsam verrecken.
    Liebe Grüße, Katja

  8. Hm, also ich habe jetzt mal den Kindergarten meines Kindes vor Augen: Da ist nur eine einzige Alleinerziehende, die keinen Partner hat, knapp 30 Stunden in der Woche arbeitet und ziemlich viel Stress hat (sie ist übrigens übergewichtig). Alle anderen Frauen, die mit dem Vater ihres ersten (zweiten) Kindes nicht mehr zusammen sind, haben alle neue Partner (mit oder ohne gemeinsame oder nicht gemeinsame Kinder). Ich sehe überall Patchwork, aber die Frauen sind nie alleine! Es scheint, wenn der eine Mann weg ist, steht gleich der nächste vor der Tür… Die Frauen sind übrigens, dick, dünn, mittelschlank – alles dabei. Aber sie sind halt fast nie alleine. Daher weiß ich immer nicht, woher du, Christine, die vielen Alleinerziehenden ohne Partner kennst. Hier bei uns haben die Frauen alle neue Partner, mit denen die allermeisten auch zusammen wohnen. Von Einsamkeit kann also keine Rede sein. Vielleicht ist das in Großstädten auch anders? Ich habe hier auch viele Ehe zerbrechen sehen – aber schwuppdiwupp gab es dann sofort wieder neue Partner. Die Frauen waren vielleicht Wochen oder Monate alleine, dann aber wieder verpartnert. Manche warteten auch erst, bis was Neues in Sicht war und haben sich dann getrennt. Eine Freundin zum Beispiel hat sich jahrelang betrügen lassen und ging erst, als sie „in Sicherheit“ bei einem neuen Mann sein konnte.

    • Das hat etwas mit dem Alter der Alleinerziehenden zu tun, Herta – es gibt dazu Zahlen. Je jünger die Frauen sind (25 ist z.B. jung), desto schneller sind sie wieder in Partnerschaften. Frauen über 40 hingegen bleiben sehr lange alleine. Aber heutzutage bekommen Frauen ja ihr erstes Kind auch erst spät, von daher liegt es vielleicht an der Gegend, in der du wohnst? Gibt es da viele junge Frauen, die schon Kinder haben?

    • Mensch toll ist das bei euch Herta, schwuppdiwupp sind immer neue Partner da und wirklich Alleinerziehende gibt es ja quasi gar nicht. Folglich brauchen Sie natürlich auch keine besondere Unterstützung und ein Rentenproblem gibt’s sicherlich auch nicht. Ist es das was du zwischen den Zeilen rüberbringen willst?

  9. Hallo Christine, ja, es sind oft sehr junge Frauen unter 30. Aber auch diejenigen, die sich mit 40+ haben scheiden lassen, sind nicht lange alleine. Da ist immer schnell jemand Neues da. Man unterhält sich ja:“Der oder die ist jetzt auch getrennt, hat aber schon wieder jemand Neues!“
    Ja, Katja, scheint so zu sein. Wenn es an deinem Wohnort anders ist, kann das ja sein. Bei uns ist es halt so, wie ich es geschrieben haben. Wir wohnen in einer Provinzstadt, allerdings nicht plattes Land, sondern eher städtisch geprägt. Und bei den zusammenlebenden Partnern kommen halt zwei Gehälter zusammen, manchmal auch nur eins, wenn die Frau nicht arbeitet, weil Kleinstkinder zu betreuen sind und der Partner voll verdient. Das gibts hier nämlich auch gleich mehrfach. Und ja, eine „echte“ allein Erziehende ohne Mann im Kreuz und ohne Kindsvater, der sich auch getrennt mit kümmert, kenne ich hier nur eine, einzige. Ja, und die hat Stress. Ich kenne aber von den vielen, vielen Patchwork-Familien (und das sind etwa 30 bis 40 im Bekannten- und Freundeskreis) tatsächlich nur die eine, die ganz auf sich allein gestellt ist. Und das ist hart. Sorry, dass ich hier nicht mit anderen Fakten aus meinem Umfeld dienen kann. Diesen Frauen gehört auch volle Unterstützung – aber es schon erstaunlich, wer sich inzwischen alles „allein erziehend“ nennt, aber mit neuem Partner in einer Wohnung wohnt und alle Kosten teilen kann. Da muss man schon differenzieren. Viele heiraten übrigens auch erneut, vermutlich wegen der Absicherung.

  10. Eine enge Freundin von mir traf nach der Trennung vom ersten Mann wegen Alkoholproblem seinerseits einen Jugendfreund wieder. Der Exmann verschwand, er zahlte nie, eines der Kids würde depressiv weil er sich kaum noch meldete. Die ganze Zeit allein lebte sie in finanziellen Nöten, das änderte sich erst mit ihm. Eigentlich wollte sie nie wieder heiraten, zur Absicherung ihrer drei Kinder heiratete sie ihn doch. Bündig d zehn Jahre vergangen. Glücklich ist sie nicht so ganz, aber finanziell sehr gut abgesichert. Letztendlich dreht es sich doch häufig um die Finanzen und die zeitliche Unterstützung. Wenn keine Familie zur Hilfe da ist, ist es zusätzlich hart. Ich hatte das Glück, nette Nachbarn zu haben, die viel geholfen haben. Ich komme aus Berlin, lebe aber schon lange in einem Dorf. Da ist die Unterstützung eine ganz andere.

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