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Synchronreden

Das geht nur mit ganz wenigen: sprechen und zuhören gleichzeitig, und dabei das Gespräch weiterentwickeln und die Gedanken fliegen lassen. Kennt Ihr das? Falls nicht, und davon gehe ich einfach mal aus, denn sonst könnte ich das mit mehr Menschen praktizieren, möchte ich davon erzählen.

Synchronreden (kein Fachausdruck) ist, wenn du jemanden triffst, mit dem du so schnell reden und denken kannst, dass Ihr weder Sprechpausen braucht noch warten müsst, bis der andere ausgeredet hat. Ich habe das früher mit meiner Mutter gemacht, die sprachlich sehr begabt ist, und trotz geringer Schulbildung in Windeseile Italienisch lernte und auf Englisch Konversation betreiben kann. Wenn die Gedanken vorauseilen und die Sprache lästig langsam hinterherhinkt, dann ist Synchronreden mit einem Menschen, der das auch liebt, wie ein Riesenflow. Mit meiner großen Tochter (12) kann ich das auch tun, und sie genießt es – das ist etwas, das uns verbindet.

Meist wird es leider als unhöflich empfunden, wenn man gleichzeitig mit jemand anders spricht, und das hat ja auch gute Gründe: es überfordert fast alle. Was hier brutal elitär klingt, ist eigentlich ein Schrei nach mehr dieser Sonderlinge, die schnell und viel reden. Ich habe sie sehr in mein Herz geschlossen, diese raren Menschen. Denn das Gespräch mit all den Langsamrednern gelingt nur ganz selten so vollkommen wie die Sternstunden mit Schnell- und Gleichzeitigsprechern. Verzeiht, wenn ich arrogant wirke, so ist das nicht gemeint. Und wenn das nächste Mal jemand ganz schnell und viel redet mit euch, nehmt es als Kompliment.