Synchronreden

Das geht nur mit ganz wenigen: sprechen und zuhören gleichzeitig, und dabei das Gespräch weiterentwickeln und die Gedanken fliegen lassen. Kennt Ihr das? Falls nicht, und davon gehe ich einfach mal aus, denn sonst könnte ich das mit mehr Menschen praktizieren, möchte ich davon erzählen.

Synchronreden (kein Fachausdruck) ist, wenn du jemanden triffst, mit dem du so schnell reden und denken kannst, dass Ihr weder Sprechpausen braucht noch warten müsst, bis der andere ausgeredet hat. Ich habe das früher mit meiner Mutter gemacht, die sprachlich sehr begabt ist, und trotz geringer Schulbildung in Windeseile Italienisch lernte und auf Englisch Konversation betreiben kann. Wenn die Gedanken vorauseilen und die Sprache lästig langsam hinterherhinkt, dann ist Synchronreden mit einem Menschen, der das auch liebt, wie ein Riesenflow. Mit meiner großen Tochter (12) kann ich das auch tun, und sie genießt es – das ist etwas, das uns verbindet.

© Rudie - Fotolia.com
© Rudie – Fotolia.com

Meist wird es leider als unhöflich empfunden, wenn man gleichzeitig mit jemand anders spricht, und das hat ja auch gute Gründe: es überfordert fast alle. Was hier brutal elitär klingt, ist eigentlich ein Schrei nach mehr dieser Sonderlinge, die schnell und viel reden. Ich habe sie sehr in mein Herz geschlossen, diese raren Menschen. Denn das Gespräch mit all den Langsamrednern gelingt nur ganz selten so vollkommen wie die Sternstunden mit Schnell- und Gleichzeitigsprechern. Verzeiht, wenn ich arrogant wirke, so ist das nicht gemeint. Und wenn das nächste Mal jemand ganz schnell und viel redet mit euch, nehmt es als Kompliment.

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Michaela Albrecht
Michaela Albrecht
9. September 2013 13:16

Dass viele Menschen reden können, während andere das gleichzeitig auch tun, kenne ich. Aber meist sind es Leute, die nicht zuhören können. Also: nicht WIRKLICH zuhören. Mahatma Ghandi sagte mal: „Es gibt Wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.“ Und das gilt auch für’s Sprechen. Ich kenne Leute, die gefühlt sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen sprechen können, aber zuhören können sie nicht. Wenn ständig jemand Text absondert, ist immer nur der Verstand beschäftigt. Man denkt und denkt, aber man fühlt sich nicht – und den Anderen schon gar nicht. Zum Fühlen braucht man Raum und meist… Weiterlesen »

Katharina
Katharina
10. September 2013 16:56

Hmmm, das ist ein Punkt, an dem wir Zwei wohl nicht zusammenfinden würden. Also nichts gegen Deine Methode, versteh mich bitte nicht falsch! Aber für mich ist es der perfekte Flow, einen Nachmittag lang mit jemandem zusammen schweigen, und vielleicht drei Sätze austauschen zu können. Der schönste Nachmittag unseres Urlaubes war für mich, als Kurzer unter dem Sonnensegel auf dem Boden unseres Holzbootes seinen Mittagsschlaf machte, und mein Lebenspartner das Boot über das Meer steuerte, und wir gemeinsam unseren Gedanken nachhingen. Wir fühlten uns so nahe wie lange nicht mehr und Reden hätte nur gestört. (und eine extrovertierte Person hätte… Weiterlesen »

Michaela Albrecht
Michaela Albrecht
10. September 2013 17:20
Antwort  Katharina

Dem kann ich mich gut anschließen. Schweigen kann verbindender sein als Sprechen.

Gunnar Jan Singer
Gunnar Jan Singer
23. November 2015 01:43

Hallo :) Wollte mal sagen das ich auch solches ähnliches Reden kenne. Ich nenne es auch Synchronreden oder Synchronsprechen. Bei mir ist das aber so, das ich schon vorher weiß, was der Andere und die Anderen sagen. Es ist dann immer wie ein eingespieltes Theaterstück, das vorgeschrieben ist. Dieser Flow ist genial, aber es heißt nicht unbedingt schnell reden, weil das auch nicht so mein Ding ist,obwohl ich das auch kann, aber viele werden dann ängstlich oder überfordert. 2013 hatte ich das in einen Cafe mit bestimmt 20 Menschen gleichzeitig und die, die nicht mit gesprochen haben waren verwirrt, so… Weiterlesen »

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Meine 11 nutzlosen Super-Talente
30. November 2015 20:03

[…] Gleichzeitig reden und zuhören, und das auch noch schnell (Synchronreden) […]