Von wegen »Ich bin unter der Woche auch alleinerziehend«

Leseprobe aus meinem Buch (Auszüge aus Kapitel 7) “Allein, alleiner, alleinerziehend”. Erschienen im März 2016 im Lübbe Verlag.

Viele Frauen stemmen den Alltag alleine. Ihre Männer, die Väter ihrer Kinder, sind ganztags in der Firma, und die Mütter selbst arbeiten höchstens Teilzeit, so ist es immer noch gang und gäbe in Deutschland. Jede fünfte Frau gibt nach der Geburt eines Kindes die Berufstätigkeit sogar ganz auf. Die Statistik sagt uns, dass Väter nach der Geburt ihre Stundenzahl erhöhen, statt sie zu reduzieren. Ob’s daran liegt, dass es zu Hause nicht mehr so ruhig und gemütlich ist, oder ob sie vom Pflichtbewusstsein und vom Drang getrieben sind, ein besonders guter »Versorger« zu sein, ist schwer festzumachen.

Kauflink zum Lübbe Verlag

Der normale deutsche Familienvater kommt abends heim, isst vielleicht noch mit den Kindern zu Abend und verbringt seine Freizeit am Wochenende und in den Ferien mit ihnen. Tagsüber kümmert sich die Mutter. Immerhin sieht man mehr und mehr Väter, die ihre Kinder morgens in die Krippe oder die Kita bringen, das hat zumindest in meiner Umgebung in den vergangenen Jahren merklich zugenommen. Es ist ja nicht so, dass die Väter keine Zeit mit ihren Kindern verbringen wollten, wie auch Marc Brost und Heinrich Wefing in ihrem Buch Geht alles gar nicht über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schreiben. Es ist halt nur verdammt schwierig einzurichten. Wenn Väter Elternzeit nehmen, aber am besten nur die üblichen zwei Monate, finden das die meisten Arbeitgeber in Ordnung. Aber der seitens vieler Väter bestehende Wunsch, die Arbeitszeit eine Zeitlang zu reduzieren und dabei die Familie nicht in den finanziellen Ruin zu treiben, ist und bleibt Zukunftsmusik.

Dabei täte das allen so gut! Was Familien brauchen, ist hinreichend Zeit (bescheidener formuliert: etwas weniger Druck und Stress) und finanzielle Sicherheit (die Abwesenheit von ständigen Existenzsorgen). Alleinerziehende aber leiden unter beiden Faktoren doppelt und dreifach. Und sie haben keinen Erwachsenen an der Seite, der diese Sorgen mit ihnen teilt. Niemand, der einen in den Arm nimmt und sagt: »Das wird schon alles, wir schaffen das!« Keiner, der wenigstens am Telefon oder per WhatsApp Trost spendet und ansprechbar ist, wenn es zu Hause drunter und drüber geht. Dabei ist es eigentlich egal, ob es Geldsorgen wegen der überraschend hoch ausgefallenen Nebenkostenabrechnung sind, zankende Kinder, ein trotzendes Kleinkind oder ob die Mutter gerade mit einem blutenden Kind im Taxi zur Notaufnahme sitzt. Es ist etwas total anderes, ob sich die Frau in dieser Situation ganz alleine fühlt oder ob da ein zweiter Erwachsener ist, der zumindest virtuell und freiwillig die Verantwortung mitträgt.

Denn natürlich haben auch alleinerziehende Mütter Freunde und Freundinnen, sobald sie es wieder schaffen, sich um soziale Netze vor Ort zu kümmern. Aber eine Freundin ist niemals dasselbe wie ein Partner, der auch noch Vater des gemeinsamen Kindes ist. Die Freundin kann einen auch in den Arm nehmen, sie kann am Telefon trösten: Verantwortung für fremde Kinder übernimmt sie nicht. Das kann und soll sie nicht, es gehört nicht zum Wesen von Freundschaft. Alleinerziehende mit Freundinnen, die gelegentlich beim Kindersitten einspringen, können sich schon sehr glücklich schätzen. Mehr ist unter normalen Umständen nicht drin.

Die Mutter mit Partner, und sei er auch hauptsächlich abwesend, hat es um vieles besser als die meisten Alleinerziehenden, und das in vielen Bereichen. Selbst wenn der Vater des gemeinsamen Kindes unter der Woche in einer anderen Stadt lebt, weil das tägliche Pendeln zu zeitaufwändig und anstrengend wäre. Und auch, wenn er monatelang im Auslandseinsatz für die Firma ist und nur zu Weihnachten, Feiertagen und besonderen Anlässen nach Hause kommen kann. Mir ist klar, dass sich das für die betroffenen Familien nicht gut anfühlt und dass die Abwesenheit eines Menschen, den man liebt, auch schmerzt. Aber es gibt ihn. Er ist moralisch an der Seite der Mutter, sie kann sich auf ihn verlassen, sie hat eine Stütze. Das macht einen Riesenunterschied, auch wenn die Frau tagtäglich mit dem Alltag alleine klarkommen muss.

Mütter-Bashing will ich hier nicht betreiben, aber eben dies klarstellen. Und gleich dazu sagen, dass auch ich selbstredend angestrengt und unglücklich wäre, wenn ich glücklich verheiratet wäre und mein Mann, der Vater meiner Kinder, wochen- und monatelang nicht zu Hause sein könnte. Unglück kann man schlecht vergleichen, das will ich auch nicht. Aber ich stelle fest, dass die Mütter, die von sich sagen, sie seien unter der Woche auch alleinerziehend, keine Ahnung haben, wovon sie reden.

Ganz besonders quer liegt mir diese Art von Gleichmacherei im Magen, wenn sie von einem Vater geäußert wird – meist mit aufrichtigem Seufzen und ausgesprochen gut gemeint: »Meine Frau ist unter der Woche auch alleinerziehend.« Das sagen sie gerne, die Karrieremänner, die durch die Welt jetten oder für die Firma am Zweitwohnsitz Großes vollbringen. Nein, mein Lieber, ist sie nicht, auch wenn sie dir das weismacht. Denn sie hat dich: Du bringst Geld nach Hause, du streichelst sie am Wochenende und hast wahrscheinlich sogar ein schlechtes Gewissen gegenüber Frau und Kind, weil du daheim so wenig anwesend bist.

Alleinerziehende aber haben nichts von alledem. Wenn meine Kinder über Tage bockig sind, plötzlich krank werden, mir auf die Nerven gehen, krank sind oder einfach nur Sorgen haben, die ich mit ihnen besprechen muss, dann ist da niemand anders. Es landet alles bei mir. Und das ist noch nicht alles.

Querschüsse vom Ex

Was diejenigen nicht bedenken, die sich als »unter der Woche alleinerziehend« bezeichnen, ist, dass in ihrem Leben nicht noch zusätzlich ein feindselig gestimmter Exmann sein Unwesen treibt. So geht das nämlich einigen meiner Bekannten, die es als Alleinerziehende eigentlich schon schwer genug haben.

Halten wir vorerst fest: Auf der einen Seite haben wir Mütter, die zwar wochentags von früh bis spät alleine zuständig sind und das völlig berechtigtermaßen anstrengend finden. Das sind die selbsternannten »unter der Woche Alleinerziehenden«. Die aber am Wochenende, in den Ferien und auch zwischendurch moralische Unterstützung durch den Vater des Kindes erhalten. Quasi in der Mitte würde ich die Alleinerziehenden ansiedeln, die mit dem Kindsvater in friedlicher Koexistenz leben, Unterhalt beziehen und die regelmäßigen Umgang für die Kinder organisieren konnten. Und ganz am anderen Ende der Skala stehen diejenigen Alleinerziehenden, die nicht nur alles alleine wuppen, sondern auch keinen Unterhalt bekommen und einen Ex am Hals haben, der versucht, ihnen über die Kinder ins Leben zu pfuschen. Davon kann die Bloggerin »Mama motzt« eine Menge erzählen. Sie lebt mit ihren drei »Brillanten«, wie sie ihre Kinder nennt, schon seit mehreren Jahren getrennt vom Vater. Der wiederum nie Geld für die Kinder gezahlt hat, aber reichlich mitreden will, was die Kinder betrifft. Und der ehemaligen Familie das Leben durch totale Unzuverlässigkeit, Unberechenbarkeit und Verweigerungshaltung bei der Zustimmung von Therapien schwermacht.

Im Hause »Mama motzt« liegen die Nerven oft blank, denn der Expartner erscheint nicht zu Terminen vor dem Familiengericht, schreibt wirre Briefe ans Jugendamt und stört auch ansonsten, wo er kann. Dass die Mutter seiner Kinder nicht mehr mit ihm zusammenleben wollte und will, kann er nicht akzeptieren – und wenn das schon passiert, dann soll sie es wenigstens so schwer wie möglich haben, scheint er bewusst oder unterbewusst zu denken.

Leider ist das kein Einzelfall. Aus meiner Arbeit als Moderatorin und Mitglied des Leitungsteams eines großen Frauenforums kenne ich unzählige solche Geschichten von in ihrer Ehre gekränkten Männern. Manche stalken die ehemalige Frau, manche versuchen, ihr auf jede erdenkliche Art das Leben schwerzumachen, und manche sind einfach nur abwesend (was sich die bedrängten Frauen als himmlisch vorstellen).

Wenn man sich das vor Augen hält, dann ist eigentlich klar, dass die glücklich verheiratete »unter der Woche auch Alleinerziehende« weit von dem massiven Stress entfernt ist, dem Alleinerziehende mit feindlichem Ex ausgesetzt sind. Und auch die Alleinerziehende, die ich gedanklich in der Mitte ansiedele, also eine ohne feindlichen Ex, aber auch ohne Unterstützung, ist auf ganz andere Art belastet als eine Mutter, der ein Vater zur Seite steht. Es muss gar nicht unbedingt die praktische Unterstützung sein, finde ich – schon die Gewissheit, dass da jemand ist, der mit Liebe und Fürsorge für die Familie da ist, macht den Unterschied. Das kann auch ein getrennter Vater sein, wenn alles optimal läuft.

Es bleibt nicht aus, dass unkonstruktives, feindseliges Verhalten seitens des Kindsvaters Auswirkungen auf die Seele der Kinder hat. Das ist dann die dritte Baustelle für die Alleinerziehende, neben Finanzen und emotionaler Stabilität, für die Mutter, die eine »nicht nur unter der Woche«, sondern »immer Alleinerziehende« beackern darf. Das ist zu viel, und das müsste eigentlich auch jedem klar sein. Aber es ist so schwer vorstellbar, wenn man selbst in einer halbwegs glücklicheren Situation lebt. Die wenigsten Leute haben Lust, neben ihren eigenen Sorgen, die jeder im Gepäck hat, sich auch noch mit den Probl emen von Alleinerziehenden zu beschäftigen. Schon das Nachdenken dar über, wie viel ärger die familiäre Situation sein könnte, ist belastend. So ähnlich wie bei Familien, in denen Kinder unheilbar krank sind oder Elternteile viel zu früh an Krebs sterben. Das Prinzip Selbstschutz greift hier sehr stark, und ich kann nur dazu aufrufen, ein bisschen mutiger zu sein und den Alleinerziehenden wenigstens mal zuzuhören oder sie off en zu fragen, wie es ihnen geht. Wem das zu anstrengend ist, weil es ja auch deprimierend sein kann, der möge einfach wohlwollend auf Alleinerziehende gucken und gelegentlich etwas Nettes sagen, das hilft auch schon. Alles, wirklich alles ist besser als das Gefühl, am Rand der Gesellschaft zu stehen und mit den eigenen Nöten nicht wahrgenommen zu werden.
Bei uns in der Familie lief es mehr als holprig. Unterstützung vom Exmann habe ich nie erfahren, dafür aber jede Menge unerfreulicher Querschüsse. [….]

Urlaub, Wochenende, Feiertage

Seitdem der Mann einer Verwandten für seine Firma unter der Woche in Süddeutschland arbeitet, während sie mit den beiden Kindern im gemeinsamen Haus wohnt und in normalem Umfang ihrer Arbeit nachgeht, bekommt sie viel Unterstützung und auch warme Worte. Sowohl von der Familie als auch von ihrer Umgebung. Das müsse ja alles sehr schwierig zu managen sein, und so kommt es meiner Verwandten auch vor. Ob ihr Mann dort, bei der Arbeit, auch erzählt, seine Frau sei »unter der Woche alleinerziehend«? Ich kann es mir gut vorstellen. Denn er ist ein netter Mann, einer der sich zu Hause durchaus einbringt, trotz Karriere, und der seine Frau und Kinder aufrichtig liebt.

Trotzdem ist ihre Situation ganz anders als die von Alleinerziehenden: Erstens haben sie genug Geld, nämlich zwei Einkommen. Sie lebt im eigenen Haus, hat ein eigenes Einkommen und arbeitet mit – wie vorher auch schon – reduzierter Stundenzahl, aber vollzeitnah. Die Kinder sind schon über zehn Jahre alt und somit leicht zu beaufsichtigen, sie können schon mal alleine bleiben, bei Freunden übernachten und mit dem Bus oder Fahrrad zu Verabredungen fahren. Der Alltag ist zwar voll und der Mann fern, aber wenn es etwas zu besprechen gibt, dann telefonieren die beiden Eltern miteinander, skypen oder mailen hin und her. Es sind sogar Großeltern in der Nähe, die gelegentlich abends zum Kinderhüten einspringen.

Die beiden haben es gut. Ich stelle das ohne Neid fest, denn ich gönne es ihnen. Aber ich wünsche mir sehr, dass sie sich überlegen, dass das, was ihnen wie eine schwierige familiäre Situation vorkommt, für die meisten Alleinerziehenden klingt wie das Paradies. Und dass sie ein wenig achtsamer wären, wenn sie es mit Alleinerziehenden zu tun haben. Bei mir zum Beispiel kommt es regelmäßig vor, dass ich trotz eines Geburtstagskalenders für alle Verwandtenkinder vergesse, Glückwünsche und Geschenke zu senden. Ich habe sogar zu viel zu tun, um an den Geburtstagskalender zu denken. Es tut mir leid, aber irgendwas fällt halt immer hinten runter in meinem Alltag. Ich bin froh, wenn ich jeden Morgen etwas im Kühlschrank habe, das zum Pausenbrot taugt, wenn ich immer im Blick habe, wo die drei Kinder gerade sind und was sie tun, und es gerade nirgendwo »brennt«.

Und dann wollen wir nicht vergessen, dass die beiden, also meine Verwandte und ihr Mann, auch viel gemeinsame Zeit miteinander haben. Sie wissen während der stressigen Woche, in der sie getrennte Leben führen, dass am Ende ein gemeinsames Familienwochenende steht. Dreißig Tage Jahresurlaub kommen noch dazu, etliche Feiertage ebenso. So schrecklich ist das alles gar nicht, wenn man mich fragt. Denn die Familie fährt regelmäßig gemeinsam in den Urlaub, verbringt wertvolle Freizeit miteinander und wird durch eine Putzfrau entlastet.

Nein, ich finde nicht, dass die »Unter der Woche alleinerziehenden«-Mütter, die eine glückliche Beziehung mit dem Vater ihrer Kinder führen, mit Alleinerziehenden vergleichbar sind. Und ich muss jedes Mal schwer schlucken, wenn das jemand so gedankenlos in den Raum wirft. »Du hast keine Ahnung!«, würde ich dann gern schreien und empört davon erzählen, wie echtes Alleinerziehendenleben aussieht. Aber damit wäre ja auch keinem geholfen. Ich habe bisher geschwiegen, im Real Life wie auch in den Social Media, weil dann eine riesige Empörungswelle über mich hereinschwappen würde, was mir denn einfallen würde, die anderen Mütter so abzuwerten. Und in der Tat, ich sehe es ein, der Grat zwischen »etwas klarstellen« und die Mühsal anderer Mütter kleinreden ist schmal. Vielleicht klappt es am ehesten, da eine gemeinsame Basis zu schaffen, wenn ich als Alleinerziehende diesen »unter der Woche auch Alleinerziehenden« sage, dass ich sie gut verstehe und auch sehe, wie schwierig das für sie ist, verglichen mit der gewohnten Familiensituation. Und dann zu hoffen, dass sie selbst anfangen, darüber nachzudenken, wie das für Mütter ist, die ganz alleine sind. Immer.

Und wenn der Mann länger im Ausland sein muss?

Ähnlich geht es mir bei den Frauen aus meiner direkten oder virtuellen Umgebung (Bloggerinnen und Mütter auf Twitter), die bei längeren Auslandsaufenthalten ihrer Ehemänner ins große Jammern verfallen. Einerseits habe ich großes Verständnis für sie. Es muss sich anfühlen wie die Vertreibung aus dem Paradies. Andererseits frage ich mich schon, ob die mal über ihren Tellerrand geguckt haben. Da müssen also Frauen für eine gewisse Zeit, seien es zwei bis drei Monate oder ein halbes Jahr, ohne den Partner auskommen. Und haben sofort das Gefühl, alles breche unter ihnen zusammen. Mag sein, dass aus mir der Neid spricht und ganz sicher auch die eigene Erfahrung, dass die letzten Ehejahre mit dem Mann eher eine Belastung als eine Hilfe waren (ein Erleben, das ich mit vielen Alleinerziehenden teile. Man trennt sich ja nicht grundlos).

Die Kinder der »Unter der Woche/über Monate Alleinerziehenden« vermissen ihren Vater, das ist logisch. Aber sie haben ihn noch. Er kommt wieder, er ruft an, er ist ein Fixpunkt in ihrem Leben. Das ist alles viel, viel besser als bei den meisten Alleinerziehenden, denen gerade in der ersten Zeit der Trennung noch Streitigkeiten mit oder ohne Familiengericht, Jugendamt und Anwälten das Leben schwermachen. Der Vater ist ein Held, der ausgezogen ist, für seine Firma etwas zu tun. Und keiner, der die Familie beziehungsweise die Kinder im Stich gelassen hat. Das ist eine gänzlich andere Situation. […]

Und alle, die jetzt sauer auf mich sind, weil sie sich abgewertet fühlen, mögen bitte kurz innehalten. Denn mein Anliegen ist es, darauf aufmerksam zu machen, dass es zwar viele Eltern schwer haben, dass wir gestresst und am Rande unserer Kapazitäten sind, aber dass das, was die Alleinerziehenden leisten, wirklich noch mal eine ganz andere Hausnummer ist. Und dass es sehr gedankenlos und ignorant ist, sogenannte »unter der Woche Alleinerziehende« den faktisch Alleinerziehenden gegenüberzustellen, als könnte man das vergleichen. Es ist nicht wie der Vergleich von Äpfel und Birnen, wenn Sie mich fragen, sondern wie der von Knäckebrot und Marmorkuchen (»Wir haben beide keine Sahnetorte! Mist!«). Und mir tut das, ebenso wie meinen alleinerziehenden Leserinnen, ziemlich weh. Wir sind in einem Maße alleine mit der Verantwortung für unsere Kinder, das einfach unvorstellbar ist. Und da wir das wissen, erwarten wir gar nicht unbedingt volles Verständnis – aber das Unterlassen von gedankenlosen Vergleichen wäre schon ganz nett.

Alleinerziehend Buch Christine Finke
Kauflink

Christine Finke. Allein, alleiner, alleinerziehend. Wie die Gesellschaft uns verrät und unsere Kinder im Stich lässt. Lübbe Verlag 2016, 239 Seiten für 14,99 € als Paperback/11,99 als E-Book. ISBN ISBN: 978-3-7857-2559-7.

Und hier geht’s zur Webseite zum Alleinerziehend Buch mit Rezensionen, Veranstaltungen und einer weiteren Leseprobe

Hinterlasse einen Kommentar

24 Kommentare auf "Von wegen »Ich bin unter der Woche auch alleinerziehend«"

avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
Kristiana
Gast

Ihr Artikel hat mir sehr gut gefallen. Unter der Woche mit den Kindern alleine zu sein, bedeutet ja auch, dass man alles im Griff hat, die Abläufe nach seinen Vorstellungen gestalten kann. Mann (und das Geld) kommen ja regelmäßig! Und manches erledigt der Partner ja dann doch noch. Alleinerziehende müssen wirklich alles machen!

Carola
Gast
Danke für diesen Beitrag! Er bringt es auf den Punkt, wo der Unterschied liegt. Vorher dachte ich ja auch irgendwie ist es mehr oder weniger dasselbe, ob man nun alleinerziehend ist oder einen Mann hat, der hauptsächlich arbeiten geht. Aber der Artikel hat mir das nochmal sehr deutlich vor Augen geführt, dass es wohl doch ein himmelweiter Unterschied ist. Ich bin ja immer total zwiegespalten, ob ich meinen abwesenden Ex nun “gut” finden soll, weil er mir nicht das Leben schwer macht oder mich doch mehr frage, was macht das eigentlich mit den Kindern, wenn der Papa eigentlich komplett von… Read more »
Franzi
Gast
Es tut mir fast weh, den Artikel zu lesen, so sehr spiegelt er meine eigenen Gedanken wider. Ich kenne dieses Gefühl, mit den eigenen Sorgen so weit abseits von allen anderen zu stehen, nur zu gut. Klar, es gibt immer jemanden, dem es schlechter geht. Aber was soll ich auf Berichte von Freunden sagen, die unter den Belastungen des Elternseins stöhnen, jedoch finanziell gut abgesichert sind und jederzeit auf Großeltern zurückgreifen zu können? Ich fühl mich da hilflos, denn ein permanentes “das ist doch gar nichts” hält keine Freundschaft lange aus. Immer nur verständnisvoll nicken klappt aber auch nicht. Und… Read more »
Herta
Gast
Hallo, hm, ich finde, man muss da schon sehr differenzieren. Meine Freundin war z. B. mit beiden Jungs mehrere Monate alleine, weil der Ehemann berufsbedingt in einem Krisenland unterwegs war. Die Kinder waren damals unter drei; Hilfe von Familienmitgliedern hatte sie nicht. Die wohnten entweder im Ausland oder waren schon verstorben. Das war schon sehr hart. Ich hätte nicht tauschen mögen. Gut, sie hatte keine finanziellen Sorgen, aber ansonsten stand sie auch mit allem alleine da. Und auf die warmen Worte von einem in Afrika weilenden Ehemann kann ich dann als gestresste Mutter von zwei Kleinstkindern auch gerne verzichten… Meine… Read more »
Anna
Gast
Hallo Herta, sicher alles richtig, was Sie hier schreiben, denn man muss immer jeder Situation einzeln betrachten, Jeder Mensch ist anders, jede Familie ist anders. Aber ich bin Christine Finke so dankbar, für diesen Text! Es muss einfach mal gesagt werden, bzw. immer wiider gesagt werden, dass Alleinerziehende nicht bloß mal so allein am Tag sind mit den Kindern, sondern dass sie die gesamte Verantwortung für das eigene Leben und das der Kinder komplett allein tragen! Schultechnisch, windeltechnisch, Möbeltechnisch, Kinderarztechnisch, Kontaktpflegungstechnisch , alles und vor allem FINANZtechnisch. Diese ewige Existenzbedrohung, wenn das Geld nicht reicht, und die Einsamkeit am Samstagabend.… Read more »
Anja K.
Gast
Liebe Herta, da stimme ich dir voll und ganz zu, dass jede familiäre Situation für sich betrachtet werden muss. Es gibt, wie du beschreibst, Alleinerziehende, die reichlich Unterstützung (finanzielle und zeitliche )ihrer Familie erhalten und auf der anderen Seite hat es Paarfamilien, die sowohl finanziell wie auch kräftemässig am Limit sind. Den Alleinerziehenden, die ich kenne, geht es relativ gut: Vater zahlt Unterhalt und die Großeltern helfen bei der Betreuung oder die Kinder werden von den Eltern im Wechsel betreut. Dann gibt es aber auch die Alleinerziehenden, die so wie ich keinen Kindesunterhalt bekommen und keine Eltern haben, die einen… Read more »
Tina
Gast

Wie dankbar ich für diesen Beitrag bin.
Einer meiner meistgehassten Sätze, den ich selber auch schon hören durfte. Von meiner Schwägerin.
Danke dafür! Herzliche Grüße.

Martina Monse
Gast
Es gibt sie trotzalledem die Mütter die auch in der Ehe alleinerziehend sind. Ich habe mich vor einen halben Jahr von meinen Mann getrennt klar die finanzielle Belastung ist jetzt ein weiterer Belastung aber sonst hat sich fast nix geändert . Ich habe auch in der Ehe alles organisiert und gecoacht . Mein Mann war nicht erreichbar oder es hat ihn nicht interessiert. Bei Problemen konnt er nie entscheiden er hat alles so lange rausgezögert bis im Endeffekt ich die Entscheidung getroffen habe . Er war da das heisst ich habe für ihn gekocht und gewaschen und geputzt aber Unterstützung… Read more »
Mia
Gast
So ähnlich geht es mir auch, man trennt sich ja nicht ohne Grund. Mit Mann hatte ich weniger Zeit für mich als ohne. Haushalt für fünf ist ja doch mehr als für vier. Entscheidungen treffe ich schon immer alleine, jetzt beschwert sich hinterher keiner, wenn klar wird anders wäre doch vielleicht besser gewesen. Jetzt sorge ich mich halt nicht mehr er könnte wieder rumschreien sondern ums Geld. Ich habe keine Angst mehr er wird im Streit gewalttätig sondern er bringt mir die Kinder nach dem Umgang nicht wieder. Beides scheiße! Aber im Alltag mit drei kleinen Kindern, die die miese… Read more »
Lissy
Gast

Nahezu perfekt und voll zutreffend!
Ich wäre unter dem Umstand sehr gerne allein erziehend, wenn sich das Konto am Monatsende von selbst auffüllt, der Vater am WE und in den Ferien präsent ist und auch nur das Wenige, wenn überhaupt abnimmt!!!
So hätte ich Keine 60-Stunden-Arbeitswoche, bevor Kind, Hsushalt und alles andere erst einmal anfangen!! :-(

Chris
Gast

schade, dass in dem Artikel so pauschal auf die Väter rumgehackt wird. In der Realität und bei umgekehrten Verhältnissen, verhalten sich die lieben Frauen nämlich auch nicht besser. Ich kenne jedenfalls keine Konstellation, bei der die Kids beim Vater leben und die Mutter konstruktiv bei der Aufzucht mithilft. Alle alleinerziehenden Väter, die ich kenne sind wirklich alleinerziehend. Und Unterhalt von der Mutter ans Kind scheint sich in dieser Gesellschaft noch nicht etabliert zu haben. Da leben wir noch in Höhlen und die Männer müssen die Beute teilen, nicht aber die Frauen.

Ka
Gast
Ich finde Du hast mit dem Artikel 100% recht. Ich habe mich über diese Kommentare oft geärgert. Allerdings finde ich es grundsätzlich nervig, dass unter den Müttern jede meint, es am Schlimmsten zu haben. Das ist einfach nur schade, denn dieses ewige Vergleichen und jammern macht traurig. Mein einer Sohn wurde nun eingeschult in eine Klasse mit sehr hohem Ausländeranteil. Dort jammern die Mütter, die ich wegen des Fussballtrainings regelmäßig treffe, nicht rum. Nein, sie sind zumindest nach außen fröhlich und optimistisch. Geht es ihnen besser? Sicher nicht, sie wohnen beengt in den Hochhäusern unserer Kleinstadt, arbeiten sehr viel in… Read more »
Linnea
Gast
Die Frustration über diese Aussage kann ich gut nachvollziehen. Ich war mal zwei Jahre unter der Woche allein mit Kind, mein Mann hat in dieser Zeit eine Ausbildung im ganzen Bundesgebiet gemacht. Als meine Doktormutter einmal in einem Gutachten schrieb, ich sei “quasi alleinerziehend” fand ich das eine absolut unangemessene Bewertung. Dennoch habe ich den Satz immer wieder in Bezug auf unsere Situation gehört. Im übrigen auch sehr verletzend für meinen Mann, der ja virtuell, in Krankheitsfällen, finanziell usw. immer für uns da war – was für ein Glück. Und nicht zuletzt trifft man die Entscheidung über eine Wochenendfamilie ja… Read more »
Bettina
Gast
Interessant. So habe ich – seit sieben Jahren alleinerziehend mit zwei Töchtern – das selten betrachtet. Mein Losschreien wollen Reflex setzt meist erst ein, wenn Männer kommen und mir erklären: Ach, Kinder haben sie? Ja, ich weiß wie das ist. Ich muss dazu sagen, dass ich freiberuflich in einem sehr männlich dominierten Umfeld arbeite und in etwa 90 % der Fälle mit Männern zu tun habe. Als meine Kinder noch viel kleiner waren als jetzt, habe ich meine familiäre Situation in der Regel auch überhaupt nicht erwähnt. Jetzt aber bin ich an dem Punkt, wo ich auch mal sage: ich… Read more »
Rita
Gast

Liebe Christine,
meine Hochachtung für deine Energie und Sorgfalt, mit der du dieses Blog betreibst und uns an diesen wichtigen Themen teilhaben lässt. Vielen Dank dafür und viel Kraft für deinen Alltag. Du machst das so cool!
Herzlich
Rita

Petra Dyckhoff
Gast

Ganz toll und spannend beschrieben !
Weiter so!
Vielen Dank
Petra Dyckhoff

Elisa
Gast
Liebe Christine! Also ich bin einen Großteil des Jahres mit drei kleinen Kindern alleine, während mein Partner beruflich im Ausland weilt, und stimme dir in jedem Punkt 100% zu. Der Punkt, der für mich den allergrößten Unterschied zu Alleinerziehenden macht ist der, dass ich immer das Gefühl habe, dass es da einen zweiten Erwachsenen gibt, mit dem ich an einem Strang ziehe und für den Alles, was die Kindern und unser Leben betrifft, genau so wichtig ist wie für mich. Hinzu kommt die finanzielle Entlastung und natürlich die rein praktische Entlastung, wenn er denn da ist. Allerdings muss ich sagen,… Read more »
Suzie
Gast
Ich bin nicht alleinerziehend & zudem “nur” ein Kind. Wenn der Partner auf Dienstreise muss (ca. 3 x im Jahr), mache ich mir erst richtig schick. Meine Tochter & ich bestellen das Abendessen. Wir schauen gemeinsam “Mädchenfilme” oder shoppen uns was schönes. Geht natürlich nur aus Christianes oben angeführten Gründen. Mir macht schon allein die Vorstellung einer Mutter-Kind-Kur Angst – 3 Wochen allein! Anderseits versuche ich, meine alleinerziehenden Freundinnen zu unterstützen, indem ich öfters mit ihren Kindern ins Kino oder den Zoo gehe. Oder sie bei uns übernachten. Oder wir trinken Samstag Abend den Wein gemeinsam deren Wohnzimmern, weil weder… Read more »
Rike
Gast
Ich bin die Alleinerziehende in der Mitte, wie du schreibst. Das heißt, der Vater kümmert sich wöchentlich um seine Tochter. (Und ich bin echt froh, dass er dies tut und weiß mein Glück sehr zu schätzen). Letzte Woche bekam ich von meiner Kollegin (Verheiratet,Mann verdient gut, drei Kinder, Mann hilft überall mit, sie arbeitet damit sie auch mal raus kommt, happy Family-alles läuft)den Spruch zu hören, dass ich ja gar nicht wüsste wie es wäre, wenn man immer seine Kinder um sich hätte und ich gar nicht mitreden könnte wie anstrengend Kinder wären. Mir würde es doch gut gehen. Das… Read more »
fp
Gast
Ich sage jeder Alleinerziehenden, der ich begegne, dass ich den hut vor ihr ziehe!es ist einfach ein unglaublicher druck, wenn die ganze verantwortung auf einer schulter liegt. wenn dann noch mehrere kinder im spiel sind……. ich finde diese lebensleistung beeindruckend.und es ist wirklich überhaupt nicht vergleichbar,wenn ein partner mit von der partie ist. ich verstehe auch nicht, warum manche menschen so gar nicht über ihren tellerrrand schauen können und probleme stilisieren für die andere ihren linken arm geben würden. am meisten nervt es mich, wenn dann sätze fallen wie: wäre sie bei ihrem mann geblieben, was kann denn die gesellschaft… Read more »
Sindy
Gast
Ich muss sagen, als ich den Artikel zum ersten Mal las, habe ich mich ein bisschen geärgert. Ich hatte das Gefühl, dass es eine Art Ranking der schwierigsten Mutterschaft ist. Nun es ist mir nicht aus dem Kopf gegangen und ich habe viel darüber nachgedacht. Mal darauf geachtet was die Mütter beim gemeinsamen Treffen so sagen. Und siehe da, viele fühlen sich unter der Woche alleinerziehend. Weil der Mann arbeitet und abends dem eigenen Hobby nachgeht. Während Mutti sich rund um die Uhr um den Nachwuchs kümmert. Andererseits sehe ich diese Mütter beim Rückbildungskurs. Ohne Kind, der Mann passt auf.… Read more »
Lothar
Gast

Vielen Dank für den schönen Artikel, er spricht mir aus dem Herz.

wpDiscuz