Was willst du eigentlich? Ein Statement

Das wurde ich von einer guten Bekannten gefragt, einer Bloggerin, die mich schon lange liest, und die ich sehr schätze. Ich bin sicher, diese Frau meint es gut mit mir, und ich betrachte sie als virtuelle Freundin. Ob ich mir in meiner Rolle als arme Frau, die niemandem auf der Tasche liegen wolle und keine Hilfe in Anspruch nehmen wolle gefalle, und dass ich verbittert wirke. Mitleid wolle ich doch wohl keines, oder!? Sie merkte an, dass dieser Blog zu negativ sei, und machte mich darauf aufmerksam, dass ich doch meine Außenwirkung auf potentielle Arbeitgeber im Blick haben müsse.

Aber das weiß ich doch alles. Ich wundere mich sehr, sehr, oft, dass Menschen, dir mir nahestehen (das kann auch in meiner Familie vorkommen), mich für so wenig in der Lage halten, die Konsequenzen meines Tuns abzuschätzen. Ich habe mir das gut überlegt, liebe Leute. Und gegen ein bisschen Mitleid, im empathischen Sinne, habe ich gar nichts einzuwenden.

© peshkova - Fotolia.com
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Was will ich?

In erster Linie Aufmerksamkeit für die schwierige Situation Alleinerziehender schaffen. Und das geht eben am besten durch schonungsloses Aufschreiben. Nebenbei will ich Alleinerziehende, Frauen in Trennung, oder arme Eltern mit Tipps versorgen, wie z.B. durch den Artikel über den Sozialpass, die einkommensunabhängig geförderten Tagesmütter, das Trennungsjahr unter einem Dach, meine Renteninformation der BfA und gelegentlich auch „fachfremd“ Tipps geben, wenn mir auffällt, dass die Infos im Netz dazu dürftig sind (Yucca Palme kürzen, Umzug mit Katze).

In zweiter Linie will ich loswerden, was mich beschäftigt. Natürlich gibt es auch wundervolle Momente mit den Kindern, und dass auch arme Alleinerziehende glücklich sein können, steht hier. Manchmal habe ich auch Lust, schöne Dinge mit der Öffentlichkeit zu teilen, aber das können andere Blogs viel besser (wie die frischebrise), und für mich sind das eher Ausflüge ins „leichte Fach“. Hin und wieder tauschen „in erster LInie“ und „in zweiter Linie“ auch die Plätze.

Und drittens möchte ich anderen, denen es vielleicht ähnlich geht, eine Stimme geben. Oder ein Echo aus der Ferne, das ihnen sagt, dass sie nicht alleine sind.

Ich will also Missstände benennen und daran mitarbeiten, dass sich die Umstände bessern. Deswegen habe ich mich auch der Initiative Familie 2.0 angeschlossen, die für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf eintritt. Und deshalb arbeite ich ehrenamtlich in einem Frauenverein, der sich um besonders schwierige Trennungsfälle kümmert.

Bin ich denn nun verbittert?

buchstaben-puzzleJa, oft. Oder wütend, oder verzweifelt. Und das lasse ich dann hier raus. Das ist besser, als meinen Kindern vorzuwerfen, sie würden mein Leben ruinieren (was sie nicht tun. Aber ich kenne solche Sprüche aus anderen Familien). Wie schon meine twitter Bio sagt: „Kann Spuren von Selbstmitleid und Verbitterung enthalten. Authentisch.“

Und oft auch nicht. Denn das Leben hat mich gelehrt, dass über verschlungene Wege nachher doch alles gut ist. Ich habe wunderbare Freunde, die mir helfen, so gut sie das mit ihrem eigenen chaotischen Leben hinbekommen (z.B. eine Freundin, die mir die Steuererklärung 2012 gemacht hat), ich finde unseren Sozialstaat gut, der mir mit Wohngeld und Kindergartenzuschüssen hilft, und ich habe eine ungewöhnliche, leider weit verstreute Familie, die bedingungslos hinter mir steht. Das ist eine Menge.

Trotzdem: es liegt vieles im Argen für Familien und für Alleinerziehende. Dass ich nicht einmal einen Elternabend problemlos besuchen kann, weil ich kein Geld für einen Babysitter habe und die Kinder nicht alleine lassen darf, ist nur eines davon. Dass Frauen mit Kindern es unendlich schwer haben, Arbeit zu finden. Dass in Unfrieden getrennte Eltern wenig Handhabe haben, den anderen Elternteil zur Verantwortung zu ziehen.

Und dass alleinerziehende Frauen mit kleinen Kindern noch schwerer in Arbeit vermittelbar sind als Menschen ohne Schulabschluss und ohne Deutschkenntnisse, wie die FAZ kürzlich berichtete. Da stimmt doch etwas nicht. Und ich werde nicht müde werden, darauf aufmerksam zu machen.

Danke für eure Aufmerksamkeit. :)

Linktipps:

Artikel von Malte Welding „Frauen sind die Packesel der Emanzipation“

Artikel im Spiegel Online über die „Männderdämmerung“ und das Problem, dass Frauen und Männer unterschiedliche Vorstellungen über Karriere, Ehe, und das Zusammenleben haben

Alleinerziehend mit 3 Kindern, Buchautorin und Kolumnistin, seit 2014 auch Stadträtin in Konstanz. Bloggt hier seit 2011.
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Katharina
Katharina
21. Mai 2013 14:30

Ich finde es gut, dass besagte Probleme auch mal von einer eloquenten Person aus der mittelständischen Intelligenzia beschrieben werden und nicht nur im Nachmittagsprogramm von Sat 1 und RTL. Aber es tut natürlich weh zu sehen, dass es auch Menschen mit guter Ausbildung und Elternhaus treffen kann und nicht nur „welche von diesen Assis“. „Die“ sind unter anderem wegen Deines Blogs plötzlich verdammt nah an einem selber. (also nicht dass ich Dich „Assis“ nenne, bitte nicht falsch verstehen, aber das Leben am und unter dem Existenzminimum trifft eben nicht nur „bildungsferne Menschen“).

Anthea
Anthea
23. Mai 2013 17:30
Antwort  Katharina

Liebe Katharina, ich falle jetzt mal nicht in Verteidigungshaltung, obwohl der hier zur Schau getragene Elitarismus mich schwer sticht. Für Dich bin ich „eine von diesen Assis“ (Wo das zweite „s“ herkommt, müsste man mir noch erklären. Asozial hat nur eines…). Ich bin Kind einer nach Scheidung allein erziehenden, arbeitenden (aber psychisch schwer kranken) Mutter, habe ein jüngeres Geschwisterkind, für das ich ab seinem dritten Lebensjahr nach der Schule Mutterersatz sein musste, und bin aufgrund all dieser Umstände selbst bereits geschädigt in mein Erwachsenenleben gestartet. Das Gymnasium habe ich abgebrochen, weil ich unter dem Druck der Verantwortung und der fehlenden… Weiterlesen »

Katharina
Katharina
23. Mai 2013 18:39
Antwort  Anthea

Liebe Anthea, Ich scheine mich schlecht ausgedrückt zu haben. Ich habe das Wort „asozial“ und „Assis“ sarkastisch gemeint. Solange es ihnen gut geht, denken viele Leute, dass Arbeitslosigkeit und Armut etwas ist, was man a) selber verschuldet hat und b) nur anderen passiert und dies c) den Grund hat, dass sie „asozial“ seien und d) diese „Asozialen“ sich nur ein wenig mehr anstrengen müssten, um aus der Armut wieder rauszukommen. So lauten die gängigen Vorurteile. Armut und Arbeitslosigkeit ist aber etwas, was jedem zustossen kann, jederzeit. Und leider reicht es oft nicht, sich „nur ein wenig mehr anzustrengen“, um wieder… Weiterlesen »

Diana
Diana
21. Mai 2013 15:10

Ich lese nun schon eine kleine Weile, meist eher still. Und scheinbar habe ich eine andere Auffassungsgabe. Denn als verbittert würde ich Dich nicht bezeichnen. Ich kann nur zu gut verstehen wie Du Dich fühlst, war ich ein paar wenige Jahre in ähnlicher Lage und fand das auch gar nicht so erstrebenswert. Einen Job nicht zu bekommen weil man Alleinerziehend mit kleinem Kind ist…. und so viele andere Dinge die einem das Leben schwer machen können. Also im Gegenteil, ich sehe es so wie Du es schreibst, Du gibts denen die sich nicht trauen, oder nicht ausdrücken könne eine Stimme,… Weiterlesen »

Elischeba
Elischeba
1. Juli 2013 10:15
Antwort  Diana

Diana: ich sehe es auch so – Christine macht Frauen in ähnlichen Situationen Mut – deswegen habe ich sie heute per Mail angeschrieben und gefragt ob ich sie für meinen Blog interviewen darf. Ich habe glücklicherweise einen Mann an meiner Seite, aber sage auch immer, dass ich nicht wüsste, wie ich es ohne Partner an meiner Seite schaffen sollte. Deswegen: RESPEKT vor Alleinerziehenden!!!

Elischeba
Elischeba
1. Juli 2013 10:16
Antwort  Elischeba

noch was: hab meine HP vergessen einzutragen wo ich Christine interviewen möchte – das kommt davon wenn Frau immer zu schnell ist :-)

Elischeba
Elischeba
1. Juli 2013 11:07

Ja unsere Blogs sind vom Aufbau ähnlich, Christine. Hat mein Manager mir gebaut – ich kann „nur“ schreiben und Fotos hoch laden ;-)

Hmm…….habe die Mail heute Morgen abgeschickt … kannst mir mal an info@elischeba.de schreiben dann antworte ich dir ;-) vielleicht bin ich im Spam gelandet …

Liebe Grüße von Elischeba

Ansrea Beck
Ansrea Beck
21. Mai 2013 16:00

Bitte werde niemals muede. Ich kann das so gut nachvollziehen. Das. Leben hat viele Facetten und ich les dich gerne.

Anna Luz
Anna Luz
21. Mai 2013 19:59

Meine liebe Christine, hast du deshalb heute bei mir kommentiert, du seist „ein befreundeter Miesepeter-Blog“? Das habe ich überhaupt nicht verstanden, bin aber noch nicht dazu gekommen, darauf zu antworten. Dann eben hier. Ich empfinde dich überhaupt nicht als verbittert oder miesepetrig, im Gegenteil: deine Situation scheint zwar von meiner Lichtjahre entfernt zu sein, tatsächlich aber ist sie es nicht. Denn der Bruch in deinem Leben als Mutter, von der verheirateten Frau in Brot und Arbeit zur Alleinerziehenden in Armut ist, so wie du ihn hier beschreibst, etwas, das jeder Frau so oder so ähnlich passieren könnte. Das macht deine… Weiterlesen »

tina
tina
21. Mai 2013 20:05

Liebe Christine, die Aufgabe, der du dich verschrieben hast, ist gut und wichtig. Und es ist wahrlich so, dass du wichtige Informationen für Betroffene und Interessierte bereitstellst. Ich würde mich trotzdem wieder über mehr Artikel freuen, die beschreiben, wie man trotzdem auch schöne Dinge erleben und genießen kann. Das Jammertal als Hartz 4ler ist groß und verflucht düster. Aber du kannst den Menschen zeigen, wie man aus dem Wenigen, was einem dann bleibt auch noch etwas machen kann, das einem Kraft gibt. Vergiss die Erfolgserlebnisse nicht (Pixi-Bücher), nutze die die Vorteile des Sozialpasses (Schwimmbad machst du ja schon oder?), schreib… Weiterlesen »

Noga
Noga
21. Mai 2013 22:39

Heute habe ich in der taz ein Interview mit einer Soziologin, die zu Foodblogs forscht – gelesen. Sie kommt zur Erkenntnis, daß es dabei sehr stark um die Selbstdarstellung geht, was man sich leisten kann. Mich brachte das zu der Fragestellung nach den Blogs von Menschen, die finanziell sehr darauf achten müssen, was sie ausgeben. Da ist mir Ihr Blog eingefallen – und ich finde das sehr wichtig. Vielen Dank dafür. Bitte lassen Sie sich nicht entmutigen.

Carsten
Carsten
21. Mai 2013 22:56

Also:
1.) Ich teile die Wahrnehmung dieses Blogs als „negativ“ nicht
2.) ich halte nichts davon, sich in Hinblick auf theoretische potentielle Arbeitgeber zu verstellen
3.) Emotionen sind authentisch
4.) Da du selbst Schreibse bist: Du kannst immer noch besser werden. Und zwar ohne dich zu verraten. Nutze Bloggen als Arbeit an deinem Stil, deinem Ausdruck.
5.) Zum Thema Elternabend habe ich eine Idee, aber die schreibe ich dort auf.

Mara
Mara
22. Mai 2013 08:14

Hallo liebe Miesepetra, also nein, gar nicht. ich mag blogs, die authentisch sind. gelogen und schöngefärbt wird viel zu viel. ich denke da an die entzückenden babybücher, die das wort depression nicht mal in der legende führen. gerade darum lese ich lieber blogs von menschen, die direkt schreiben, was sie erleben – und das geschriebene nicht erst von lektoren umformulieren lassen. eine verlagslektorin hat mir mal gesagt, dass meine schreibe viel zu negativ sei (ich hatte gezählt: 80% der artikel waren witzig und lebensfroh), und man solle junge mütter lieber ermutigen. als was? als die wahrheit zu präsentieren. ich empfinde… Weiterlesen »

Dunja
Dunja
24. Mai 2013 05:30

Liebe Christine,

ich finde es ganz wunderbar, wie bodenständig und ehrlich du die Situation der Alleinerziehenden darstellst. Ich dachte: „Endlich mal ein Blog, in dem nicht alles schöngeredet wird!“ Potenzielle passende Arbeitgeber, die Deinen Blog lesen, werden wahrscheinlich ebenso beeindruckt sein von Deiner authentischen Art. Das würde ich nur als Pluspunkt sehen. Kein Gesülze. Einfach kompetente, gute, ehrliche Schreibe. Klasse!

Viele Grüße
Dunja

Kerstin H.P.
Kerstin H.P.
3. April 2016 11:34

Du hast was vergessen, als es um den Elternabend ging…
Die teils verachtetenden oder/und vorwurfsvollen Blicke, weil man Die ist, die nicht regelmässig die Elternabende besucht. Gute Eltern verpassen schliesslich keinen Elternabend.