Wechselmodell – auch wenn Papa* das nicht will?

Ein Einwurf anlässlich des Grundsatzurteils des Bundesgerichtshofs vom 27.02.2017

Irgendwas hängt da gewaltig schief.

Wenn es dem Kindeswohl entsprechen kann, dass ein Kind im Wechselmodell von beiden Elternteilen betreut wird, selbst wenn ein Elternteil strikt gegen das Wechselmodell ist, dann müsste es doch auch möglich sein, eben jenes Wechselmodell gegen den Willen des unwilligen Elternteils einzuklagen? Desjenigen, der sich vor der Betreuung drücken will?

Was ich meine, ist folgender Fall: ein Paar mit gemeinsamem Sorgerecht trennt sich, aber keiner möchte das Kind klassisch alleine großziehen und betreuen, und ein bisschen Wochenendumgang reicht nicht aus, um den eigenen Beruf weiter ausüben zu können, geschweige denn Hobbys.

Bisher ist es so, dass derjenige Elternteil, der das Kind vor der Trennung am meisten betreute (Stundenumfang), das Aufenthaltsbestimmungsrecht bekam (was aber besser klingt, als es ist, denn dieser Elternteil darf fortan nur noch mit Zustimmung des anderen Elternteils umziehen – als Begründung dient das Kindeswohl. Wohingegen der nicht betreuende Elternteil umziehen darf, wie er lustig ist, und das auch 1000 km weit weg). Meist ist dies die Mutter, ob sie es will oder nicht.

Wechselmodell
Maxmann auf Pixabay.com

Hat der Vater keine Lust, seine Kinder zu sehen, kann die betreuende Mutter nicht viel tun – ein Prozess zur Regelung des Umgangs vor dem Familiengericht ist möglich (ich habe ihn geführt), aber kein Richter zwingt Väter, ihre Kinder zu sehen. Das Kindeswohl, Sie wissen schon.

Wie es dem Kindeswohl dienen soll, wenn es eine abgearbeitete Mutter hat, die rund ums Jahr alleine für das Kind zuständig ist und in Armut lebt (50% der Alleinerziehenden erhalten keinen Unterhalt, wir erinnern uns. Und weitere 25% bekommen ihn nur unregelmäßig oder in zu geringer Höhe), beantwortet uns der Gesetzgeber nicht.

Und wie ein Kind in Frieden aufwachsen soll, wenn das Wechselmodell gegen den Willen der Mutter angeordnet wird, und wenn es wie im gestern verhandelten Fall trotz des Alters von 13 Jahren nicht einmal angehört wird, ist mir auch schleierhaft. (Fairerweise muss man sagen, dass die Richter dies auch bemängelten. Aber ich verstehe nicht, warum sie dann nicht darauf bestanden, das Kind zu hören. Vielleicht, weil es „nur“ um eine Grundsatzfrage ging, und nicht um den konkreten Fall?)

Wenn wir schon absurde Dinge per Gesetz zur Normalität machen, dann finde ich, könnten wir auch dazu übergehen, unwillige Väter dazu zu zwingen, das Wechselmodell auszuüben. Ob sie nun wollen oder nicht. Das dient dann auch dem Kindeswohl. Na gut, vielleicht nicht. Aber zumindest wäre dann die Schieflage behoben. Es kann doch nicht sein, dass Kinder zum Umgang mit dem Vater gezwungen werden, selbst wenn sie das nicht wollen, und dass Väter ein Wechselmodell erzwingen können, sie selbst aber zu gar nichts gezwungen werden können, nicht einmal per Gericht!? Und dass Kinder nicht das Recht haben, den Umgang mit dem Vater einzuklagen? Wo bleibt denn da die Gerechtigkeit?

Disclaimer: In der Überschrift steht „Papa“, weil 90% der Alleinerziehenden Frauen sind. Nicht, weil es nicht auch Frauen gäbe, die sich drücken würden.

BGH-Urteil von gestern bei Tagesschau.de

74 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Ulrike
Ulrike
28. Februar 2017 18:53

Grundsätzlich ist das Modell ok. Bei Bekannten von uns funktioniert es super, die getrennt lebenden Eltern wohnen nur wenige Straßen auseinander, die Kinder haben bei beiden ein Zimmer und ziehen nach Absprache hin und her. Kein Problem, mal schnell ein vergessenes Lieblingskuscheltier o.ä. zu holen. Wie das Modell aber gegen den Willen eines Elternteils funktionieren soll, ist mir schleierhaft. Und wie ist das bei schulpflichtigen Kindern, wenn ein Elternteil zu weit von der Schule weg wohnt? Dann bleibt ja nur das Wochenende. Oder das Kind geht in zwei Schulen? Ich glaube die Gesetzgeber machen sich da überhaupt keine Gedanken über… Weiterlesen »

Christian
Christian
28. Februar 2017 19:29

Das neue Urteil sieht es als Umgangsregelung, und die Mutter kann Umgang einklagen, dass müsste dann auch durchgehen, wenn es dem Kindeswohl dient. Der BGH hat ja nicht gesagt, dass es immer auszuurteilen ist, es müssen eben die Voraussetzungen dafür vorliegen

Wäre spannend. Bedeutet dann aber auch wesentlich weniger unterhalt, dafür mehr Zeit.

Frau adler
Frau adler
28. Februar 2017 19:31

Meines wissens wurde das kind befragt, und – wie sollte es auch anders in einem entscheidungskonflikt antworten – zu protokoll gegeben haben, dass es ok sei, das so (also das wechselmodell) zu machen, dass es aber genauso ok wäre, wenn nicht. DIe praktische umsetzung ist das eine, der kindeswille (s.o.) oft nicht ergründbar, letztendlich bedeutet es, dass kinder weit vor der volljährigkeit selber über ihren aufenthaltsort bestimmen. Dieser „hype“ wird dazu führen, dass vor allem väter, deren fokus auf unterhaltsvermeidung und bindungsintoleranz liegt, sich jetzt bestätigt fühlen, das wechselmodell für sich in anspruch zu nehmen. WIe sagte schon der Anwalt… Weiterlesen »

Josephine
Josephine
28. Februar 2017 19:32

Großartiger Umkehrschluss, liebe Christine! Da bin ich dabei, das will ich sehen!

Klaus
Klaus
28. Februar 2017 20:02

Ich hätte damals gerne das Wechselmodell praktiziert. Die räumlichen und zeitlichen Bedingungen waren gegeben und die Kinder hätten es auch gewollt. Leider hat die Mutter der Kinder es blockiert und nicht zugelassen, da sie dann ja keinen Kindesunterhalt mehr hätte geltend machen können und mehr Zeit und Möglichkeit zum Arbeiten gehabt hätte, was sie nicht wollte. Als Vater, der sich wirklich um seine Kinder kümmern wollte und es auch immer noch tut, hatte ich damals kaum eine Chance, das Wechselmodell durchzusetzen. Daher begrüße ich das Urteil nun grundsätzlich. Allerdings ist, wie immer, der Einzelfall genau zu betrachten!

Eva
Eva
1. März 2017 11:47
Antwort  Klaus

Und die Kinder? Wie alt waren die zu diesem Zeitpunkt? Und wollten diese das WM ?

Susanne
Susanne
6. März 2017 19:24
Antwort  Klaus

Kinder im höheren Alter lehnen das Wechselmodell oft ab, weil sie entweder einem Elternteil näher stehen (und Partei ergreifen) oder sie bereits im Prozess der Abnabelung vom Elternhaus stecken. Und die ganz kleinen Zwerge begrüßen jeden Mann mit Papa. Wenn also ein neuer Mann in das Leben der Alleinverziehenden tritt, ist das Wechselmodell sogar kontraproduktiv.

Arnold
Arnold
24. Juli 2017 04:08
Antwort  Susanne

Meine Tochter begrüßte ausschließlich mich mit Papa und nur ihre Mutter mit Mama. Wenn es bei Ihnen anders war, ist etwas schief gelaufen.

-thh
-thh
28. Februar 2017 20:09

„Aber ich verstehe nicht, warum sie dann nicht darauf bestanden, das Kind zu hören.“

Der BGH ist ein Revisionsgericht; in der Revisionsinstanz erfolgt keine Beweisaufnahme, daher wird dort auch niemand angehört.

Katja
Katja
28. Februar 2017 20:28

Ich halte das Wechselmodell für großen Mist und hätte darauf als Kind überhaupt keine Lust gehabt. Das Kind hat ja dann kein festes Zuhause mehr, heute hier, morgen dort. Kinder sind ja oft sehr belastbar…aber als Erwachsene würde mir bei so einer Lebensweise wohl irgendwann das Burn-Out drohen.

C.
C.
28. Februar 2017 22:18
Antwort  Katja

Das ist so, weil Erwachsene da eher materiell denken. „Kein festes Zuhause“ machen Erwachsene oft an Dingen fest, die Ihnen in der anderen Wohnung fehlen würden. Kinder denken nicht so, besonders die sehr kleinen – sie wechseln in dem Modell nicht zwischen Dingen, sondern zwischen Zeit mit Mama und Zeit mir Papa, die beide gleich viel Zeit haben wollen und können – dadurch können Scheidungskinder sich wieder komplett fühlen – das größte Geschenk, was getrennte Eltern ihnen machen können.

Katja
Katja
1. März 2017 21:09
Antwort  C.

In frühester Kindheit mag das so sein, doch schon im Kindergartenalter waren mir die Freundinnen aus der Nachbarschaft sehr wichtig. Und auch Kinder fassen emotionale Bezüge zu Ihrer Umgebung, ich kann mich noch sehr gut an mein kobaltblaues Gitterbett erinnern, unser erstes Häuschen, der Sandkasten in dem wir gespielt haben, der Ausblick, der Hohlweg hinter dem Haus etc. etc. All das trägt zu einem Heimatgefühl bei…..ein zweifaches Heimatgefühl herstellen zu müssen und dabei immer hin und her zu switchen erscheint mir schizophren. Es ist wohl mehr so ein Bauchgefühl, doch ich denke, die dadurch entstehenden Nachteile dürften die Vorteile zumindest… Weiterlesen »

Milly
Milly
16. Mai 2017 16:50
Antwort  Katja

Als jemand, der das Wechselmodell im Alter von 11 bs 16 Jahren gelebt hat, kann ich das nur bestätigen – auch bei einer räumlichen Nähe (3 Minuten zu Fuß) und ohne logistische Schwierigkeiten ist es anstrengend, führt zu ständigem Heimweh, die täglichen Routinen ändern sich jede Woche, man hat keinen richtigen Boden unter den Füßen. Es ist so zermürbend, dass ich mit 16 durchgesetzt habe, ganz zu einem Elternteil zu ziehen – gegen den Willen des anderen Elternteils, was uns beiden wehgetan hat – aber ich wäre sonst kaputt gegangen. (Ich sollte fairerweise sagen, dass das wohl nicht alle Kinder… Weiterlesen »

Arnold
Arnold
25. Juli 2017 01:35
Antwort  Milly

Sie hatten einen großen Vorteil gegenüber Kindern im Residenzmodell: Sie kannten das tägliche Leben bei beiden Eltern und konnten sich fundiert für den Elterteil entscheiden, bei dem Sie sich besser aufgehoben fühlten. Deshalb ist es gut, wenn das Wechselmodell auch gegen den Willen eines Elterteils durchgesetzt werden kann. Nach vergleichsweise kurzer Zeit sollten dann Kinder entscheiden können, wie sie es wollen.

jh
jh
28. Februar 2017 21:03

Im Urteil stehen vor allem juristische Spitzfindigkeiten, also ob es sich dabei um eine Sorgenrechtsfrage oder ein Umgangsfrage handelt. Denn in dem OLG Urteil wurde sich vor allem darauf berufen. Zum Thema wie das Ganze entschlossen wird beauftragen Sie das OLG ausdrücklich: „Entscheidender Maßstab der Regelung ist vielmehr das im konkreten Einzelfall festzustellende Kindeswohl.“ und weiter: „b) Die auf ein paritätisches Wechselmodell gerichtete Umgangsregelung setzt eine bestehende Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit der Eltern voraus (Fortführung des Senatsbeschlusses vom 15. Juni 2016 – XII ZB 419/15 – FamRZ 2016, 1439). Dem Kindeswohl entspricht es daher nicht, ein Wechselmodell zu dem Zweck anzuordnen,… Weiterlesen »

Fabs
Fabs
7. Oktober 2017 01:30
Antwort  jh

jh, das haben Sie ganz offensichtlich nicht verstanden.

Führt ein Elternteil nämlich den Konflikt herbei, im sich gegen den Kindeswillen zu sperren und gegen den Willen des WM bereiten Elternteils zu intervenieren, quasi ein VETO damit de facto auszuüben, muss man eben das WM anordnen und im schlimmsten Fall dem boykottierenden Elternteil das komplette Sorgerecht entziehen, damit da mal Ruhe einkehrt und der Machtmissbrauch gestoppt wird, ganz einfach.

Bettina
Bettina
28. Februar 2017 21:12

Irgendwas hängt da in der Tat gewaltig schief und das ist die praktische Machbarkeit. Mein Ex-Mann hätte im Jahr 2008 unbedingt das Wechselmodell gewollt. Ich war strikt dagegen, weil sich die Hin- und Herzieherei für die Kinder schon so als Belastung erwies (einmal unter der Woche und vierzehntägig am Wochenende). Vor allem aber auch, weil er weder in der Lage war mit mir vernünftig zu kommunizieren, noch die Kinder im Alltag angemessen zu versorgen. Diesen Part hätte dann auf Dauer seine Mutter übernommen, die mir in herzlicher Abneigung verbunden war. In anderen Fällen habe ich unglückliche Kinder gesehen, die dann… Weiterlesen »

Emel
Emel
2. März 2017 07:49
Antwort  Bettina

Mein Ex hat in der Niederlande auch das WM eingeklagt und ist vorher in eine für mich unbekannte Stadt umgezogen. Die Kommunikation ist äußerst schlecht zwischen uns, da mein Narzisstischer Ex in seiner Ehre sich verletzt fühlt und nicht nur über unser gemeinsames Kind entscheiden will, sondern auch über mein Leben bestimmen möchte. Ich werde von defektiven überwacht und komme leider selbst bei der Polizei nicht diesbezüglich weiter. Wir leben mit meinem Kind seid über einem Jahr in der Niederlande, in einem Freizeitpark, da mein Sohn die niederländische Staatsbürgerschaft hat. Ich bekomme keinen Job, aufgrund der sprachlichen Barriere, keine Wohnung… Weiterlesen »

j
j
28. Februar 2017 21:43

wird eigentlich in der umsetzung des wechselmodells das alter des kindes berücksichtigt? also entwicklungspsychologische stadien (die ja wichtig sind was bindung/loyalität etc. angeht) oder werden alle kinder in einen topf geworfen? und noch was ich nicht verstehe: wenn ein elternteil nicht will, kann der andere doch das wechselmodell einklagen so habe ich das verstanden, aber dann passt doch ihrbsp. nicht mehr – das vom vater, der nicht will und nicht herangezogen werden kann? entschuldigug ich glaub ich steh grad auf dem schlauch :) (und noch was: das mit dem wegziehen dürfen des vaters und dem gleichzeitigen einverständnis das er der… Weiterlesen »

Anke
Anke
28. Februar 2017 22:30

Wechselmodell anzuordnen gegen den Willen (egal welchen Elternteils) ist doch ein Widerspruch, wenn die Eltern sich so gut verstehen und ein WM zu Stande kommt, ohne Gerichtsverfahren können die Kinder vielleicht davon profitieren, aber doch nicht gegen den Willen eines Elternteils. Kenne zwei Familien wo es gegen den Willen angeordnet wurde und die Kinder leiden sehr darunter. Die Kinder wurden in beiden mir bekannten Fällen nicht dazu befragt.

Sascha
Sascha
28. Februar 2017 22:38

Der Beschluss des BGH bezieht sich direkt und ausdrücklich auf die Anhörung der Kinder zum Wechselmodell. Die Intention dessen wird wohl kaum sein die Kinder dazu zwingen zu wollen, wenn diese es nicht möchten. Frau adler. Ich empfehle Kalkulation und Gegenüberstellung Unterhaltszahlung-Unterhaltskosten bei Wechselmodell. Hier wird unterstellt das Väter ausschließlich die Doppelresidenz wünschen um Geld zu sparen, andere Wechselmodelgegnerinnen dozieren das Wechselmodell kaum praktizierbar wäre, weil zu teuer…… Hauptsache dagegen ;) Gründe finden sich immer, seien sie noch so paradox. In meinem Heimatland, auch in den Nachbarländern, wird das Wechselmodell dynamisch tendenziell und vor allem erfolgreich praktiziert von der überwiegenden… Weiterlesen »

Sascha
Sascha
1. März 2017 15:53

Richtig. Es gibt für alles mögliche rund um die Thematik Trennungskinder Dutzende Umfragen, Studien und empirische Erhebung. Zu wesentlichem wie z.B. Wechselmodellbefürwortern/ Gegnern und da gern Begründungen, Geschlechtsspezifisch usw. leider nichts. Oder sollte man sagen merkwürdigerweise nichts. Denn inzwischen handelt es sich um eine Problematik die nicht unwesentlich die Gesellschaft berührt. Ist ähnlich bei den letzten Untersuchungen zu ausbleibendem Kindesunterhalt. Im Resümee der Umfrage der Bertelsmann Stiftung, auf die sich die diversen (populistischen)Kampagnen einiger Politiker stützten, hatte man lediglich am Schluss leicht verschämt festgestellt, das die Ursachen dazu nicht hinterfragt worden. Diese absolut wesentliche und für die meisten sehr Interessanten… Weiterlesen »

Hanna
Hanna
28. Februar 2017 22:45

Steile Forderung meinerseits: Der Staat sollte Wohnungen bauen für Geschiedene, damit jeder eine eigene Wohnung hat und wochenweise bei dem Kind einzieht! Mal unter uns: wer möchte denn gerne 2 Zuhause haben und wöchentlich mit Sack und Pack umziehen?!?! Ich kenne niemanden. Sogar Menschen, die „nur“ in ihr Wochenendhaus fahren sind oft genervt, weil dann wieder dieses da ist und überhaupt. Und das sind lediglich freiwillige Luxusprobleme. Meiner Meinung nach dient dem Kindeswohl einzig und allein das Nestmodell. Aber 1. wer kann sich das leisten. 2. dann würde es ja wirklich um das Kindeswohl gehen. Und das geht ja nun… Weiterlesen »

Markus
Markus
28. Februar 2017 22:56

Das Gericht als Berufungsinstanz hört das Kind nicht. Nicht weil es nicht will, sondern weil das Kind bereits gehört wurde. Dies ist seinerzeit durch das Jugendamt geschehen. Die Antwort war Interpretationsbedürftig, jedoch nicht abgeneigt dem Wechselmodell gegenüber. Die Frage ob man das Wechselmodell gegen den Willen eines Elternteils, der das Kind nicht möchte und womöglich gar nicht liebt und es sich in seiner Betreuungszeit nur bequem macht, ist wohl eher rhetorisch gemeint. Ich würde niemandem mein Kind anvertrauen, der es nicht liebt und der gar keine Zeit mit dem Nachwuchs verbringen möchte. Der Sachverhalt war nun einmal eine ganz andere… Weiterlesen »

Markus
Markus
1. März 2017 10:06

Es ist nicht so komplex. Es sind nur zwei Grundlegende unterschiedliche Fragen und Sachverhalte: Die erste Frage zum ersten Sachverhalt ist: Ist es klug, jemanden zu zwingen sich um ein Kind zu kümmern, der dies offensichtlich weder will noch kann. Diese Frage ist in der Regel mit einem klaren Nein zu beantworten. Wenn man die Folgen bedenkt steht am Ende der Gedankenkette entweder die Wandlung vom Saulus zum Paulus und es herrscht eitel Sonnenschein oder totale Resignation. Die Folge des letzteren sind materielle und emotionale Verwahrlosung bei allen Beteiligten und womöglich ein Entzug des Sorgerechts für beide Elternteile mit anschließender… Weiterlesen »

Markus
Markus
1. März 2017 12:07

Das war gar nicht unfein gemeint und ich habe mich auch schlecht ausgedrückt. Entschuldigung dafür!
Aber ich kann Ihnen sagen das der Weg zum jetzigen Status nicht ganz leicht war…Meine Ex kommuniziert auch nur über Email mit mir. Ich kann Ihnen gerne mal die Geschichte erzählen, aber in einem nichtöffentlichen Rahmen.

Sascha
Sascha
1. März 2017 16:12
Antwort  Markus

@ Markus Kurz zu Ihrem dritten Absatz. Der Lösungsansatz zu der von Ihnen dort angerissenen Problematik ist beim Cochemer Modell zu finden. Indirekt, oder eigentlich doch recht konkret bezieht sich die Europaratresolution 2079 zur Doppelresidenz darauf. Konsequente Verpflichtung zu Kooperation und Kommunikation! Verpflichtung gemeinsam Lösungen für das Kind zu finden. Mit Hilfe und zu Beginn im Beisein staatl. autorisierter Mediatoren. In einigen Ländern ist das gesetzlich verankert und verpflichtend nach Trennung. Da werden dann auch gleich eventueller Unterhalt verbindlich und unbürokratisch geregelt. Leichter Druck zusammen zuarbeiten und das Bewusstsein zu erwartender Konsequenzen/ Sanktionen hilft oft Wunder und das man Spielchen… Weiterlesen »

Ange Lina
Ange Lina
6. Oktober 2017 08:39
Antwort  Markus

Zu Markus: Ich finde, als Mann lässt es sich leicht reden. Und von wegen jammern. Ich möchte nicht wissen, was wäre, wenn die Männer die Kinder kriegen würden. Dann sehe die Welt ganz anders aus. Ein bisschen mehr Respekt vor der Frau im Allgemeinen wäre wünschenswert! Wo sind Ihre Manieren?
Ich finde, die Autorin stellt die missliche Kage der Alleinerziehenden in Deitschland sehr gut dar! Es ist sehr realistisch. Und die Realität ist nun mal nicht besonders erheiternd.

Fabs
Fabs
7. Oktober 2017 01:41

Frau Finke, ob das einige Väter nicht wollen ist komplett IRRELEVANT! Relevant ist, dass die die es wollen es auch machen können und auch dann, wenn es der Mutter aus welchen Gründen auch immer nicht passt. Relevant ist, dass es dem Kind zudem passt. Wollen Kind und ein Elternteil das, blockiert der andere Elternteil, ist das schlicht Machtmissbrauch und da muss der Staat einschreiten und handeln, bzw. das Familiengericht. ich hoffe das macht Schule, denn auch ich komme aus hälftig einem land, indem das üblich ist (Bin Doppelstaatler). Im Übrigen komme ich mit zwei Kulturen in mir genau so gut… Weiterlesen »

Esmeralda
Esmeralda
9. Juli 2018 22:10
Antwort  Fabs

Sehe ich als Frau und Mutter exakt genauso. in 99% der Fälle wird das Wechselmodell abgelehnt, damit weiterhin Unterhalt fliesst. Unterhalt ist gut und richtig, wenn ein Elternteil nicht oder kaum zur Verfügung steht. Am liebsten installieren Mütter dann ein 5:9 Modell (5 Tage beim Vater und 9 Tage bei der Mutter in 14 Tagen). Das passt wunderbar, maximale Betreuung durch den Vater und voller Unterhalt. Schön, dass es mal ein Urteil gibt, das in die richtige Richtung geht!

Esmeralda
Esmeralda
10. Juli 2018 09:47

Lassen installieren. Mit Schützenhilfe von mangelhaft qualifizierten Verfahrensbeiständen, deren Arbeit keinerlei Qualitätsstandards erfüllen. Leider selbst erlebt!

V
V
28. Februar 2017 23:23

Ich habe mir die Frage gestellt, ob ich es mitmachen würde, dass unsere Kinder in unserem Haus wohnen bleiben und dann eine Woche ich mit dort wohne, dann meinen Koffer packe und gehe und dann eine Woche der Vater mit den Kindern wohnt. Und meine Antwort lautet „Nein“. Wir kann man das dann dem Kind „zumuten“? Ich fände das Modell auch ideal, aber fühlt man sich da nicht total entwurzelt als Kind? Oder ist es eh schon schlimm, weil die Eltern sich getrennt haben, dass das dann auch nichts mehr ausmacht? Mich würde mal interessieren, was Erwachsene berichten, die als… Weiterlesen »

Suzie
Suzie
2. März 2017 14:27
Antwort  V

Freunde von mir, mit einem Haus & zwei Kinder, haben sich gerade „im Guten“ getrennt & wollen genau dieses Modell versuchen. Kinder bleiben im Haus & in ihrer gewohnten Umgebung und die Eltern wechseln sich im Wochen-Rhythmus im Haus ab. Die andere Woche ist jeder in seiner eigenen kleinen Wohnung. Ich bin gespannt, ob das funktioniert. Momentan sind alle Beteiligten sehr optimistisch. Abgesehen von der finanziellen Belastung zweier Wohnungen – wie läuft das mit Wäsche waschen? Putzen? Essen im gemeinsamen Haus einkaufen…

Lothar
Lothar
3. März 2017 13:28
Antwort  Suzie

Dazu gehört eine strenge Disziplin. So wie der eine Partner das Haus vorfindet, so muß er/sie es wieder verlassen. Das kann gut gehen.

Laura
Laura
3. März 2017 14:08
Antwort  V

Ich habe das Wechselmodel zwischen meinem achten und 16 Lebensjahr gelebt, was Mitte der 90er noch recht exotisch war. Aus Kindersicht kann ich es nicht empfehlen. Das ständige Umziehen mit dem ganzen Kram, der eben nicht doppelt angeschafft werden konnte (Schulsachen, Sportbeutel, Musikinstrument, aktuelles Buch etc) war eine riesen Belastung, zumal unsere Eltern mich und meine jüngere Schwester nicht mit dem Auto fahren wollten, um ein eventuelles Treffen mit dem/der Ex zu vermeiden. Also wurde alles mit in die Schule geschleppt. Was vergessen wurde, war eine Woche lang unerreichbar oder selbstständig zu besorgen (Nach einigen Umzügen auf beiden Seiten bedeutete… Weiterlesen »

MaMo
MaMo
1. März 2017 20:13

Es gäbe soviel zu dem Thema zu sagen. Vom Pro/Contra zum Wechselmodell allgemein, bis hin zum sog. „Nestmodell“, von der Rolle der Gerichte/Anwälte/Gutachter etc., davon, wie getrennte Eltern ihre Verantwortung für die eigenen Kinder mitunter anscheinend lieber in fremde Hände geben, indem sie Gerichte mit der Klärung ihres Lebensmittelpunktes beauftragen. Aber auch zu den vielen Beispielen, in denen sich augenscheinlich EINES der Elternteile besonders unfair verhält, indem es den Kontakt zwischen dem anderen Elternteil und dem Kind verweigert, oder – was der verbreitetere und gleichzeitig kaum lösbare Fall sein dürfte – erst gar keinen weiteren Kontakt zum eigenen Kind wünscht!… Weiterlesen »

JDH
JDH
1. März 2017 22:02

Ich bin erstaunt, wie viele Leute das BGH Urteil diskutieren die es offenbar nicht gelesen haben. Der BGH hat lediglich klargestellt, dass nicht der Wille der Mutter, bzw des betreuenden Elternteiles entscheidend ist, sondern das Kindeswohl, und wenn ein Gericht ein Wechselmodell zu diskutieren hat, muss nun wieder über das Kind geredet werden, es kann sich nicht einfach darauf zurück ziehen dies nicht anordnen zu können. Dieses Urteil wird nicht zu massenweise erzwungenen Wechselmodellen führen, den der BGH stellt auch gleich die sachlichen Anforderungen klar. Ich habe darin weitgehend meinen Fall wiedererkannt. Gerichtlich attestierte gleiche Erziehungseignung, gemeinsames Sorgerecht, räumliche Nähe,… Weiterlesen »

Christoph Schnyder
Christoph Schnyder
2. März 2017 09:56

Die Sache mit der Kindesanhörung in diesem Fall war so: Das Kind wurde beim Jugendamt informell angehört und hat sich zumindest nicht prinzipiell negativ über die Möglichkeit eines Wechselmodells geäussert. Der Vater wollte, dass das Kind auch von den Gerichten angehört wird, und dass die Meinung des Kindes in den Entscheid für oder gegen die Anordnung eines Wechselmodells mit einfliesst. Die unteren gerichtlichen Instanzen haben aber die Anhörung des Kindes zum Thema Wechselmodell abgelehnt, mit der Begründung, dass ein Wechselmodell ja sowieso nicht gegen den Willen der Mutter angeordnet werden könne, und dass die Meinung des Kindes somit irrelevant sei.… Weiterlesen »

Nachdenklich
Nachdenklich
4. März 2017 21:03

Oft wird gegen das Wechselmodell argumentiert, dass die Mütter eine engere Bindung zum Kind haben. Dies mag während der bestehenden Partnerschaft so sein, oftmals stillschweigend und einverständlich gelebt oder tradiert. Bei einer Trennung kann so jedoch nicht argumentiert werden, denn die Grundlage des gelebten Miteinander ist nicht mehr gegeben. Eine Vorgabe des Wechselmodells als Standard wäre sehr sinnvoll. Dies zwingt Mann und Frau, vor der Zeugung darüber nachzudenken, ob dem Partner die Betreuung des gemeinsamen Kindes vollwertig zuzutrauen ist. Also Männer und Frauen, künftig mal vor dem Sex Kopf einschalten! Die Expartner, auf die ihr schimpft, habt ihr euch (wohlüberlegt?)… Weiterlesen »

Nachdenklich
Nachdenklich
5. März 2017 00:34

Daher sind die Gedanken ausdrücklich an die Frauen und Männer gerichtet. Was, wenn jeder wüsste, das er die hälftige monetäre und betreuerische Verantwortung hätte, und eine Zuwiderhandlung als Vernachlässigung rechtlich geahndet würde. Gegner dessen, der nicht betreut, würde damit der Staat, nicht der Expartner. Eine Einigung des Elternpaares auf das traditionelle Modell Geld gegen Betreuung muss und soll natürlich möglich sein. Als Idee sollte es also genau entgegen der oft vertretenen Lesart sein: Eine frei gestaltbare Versorgung ist vorrangig möglich, im Konfliktfall greift automatisch das Wechselmodell. Es würde meiner Meinung nach das Denken der Gesellschaft tiefgreifend ändern, wenn jeder mal… Weiterlesen »

MaMo
MaMo
5. März 2017 17:42

@Nachdenklich, also ausgerechnet im Konfliktfall sollte ein sozusagen staatlich verordnetes WM greifen? Wo doch gerade dafür nach bisheriger und auch nach neuerer Lesart eine bestehende Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit der ET vorausgesetzt wird? Wer würde davon denn profitieren? Am Ende vielleicht sogar nur der Staat, weil sämtliche Kosten dafür auf die ET abgewälzt werden könnten? Ein WM ist ja schon wg. des doppelten Wohnraumes meist teurer für die Beteiligten als andere Modelle. Welche massenhaften Teilzeit-Jobs sollten das sein, die beiden ET eine solche Betreuungsaufteilung finanziell ermöglichen würden? Selbst bei noch so reduziertem Konsum? Und: Wo kommen in dieser Utopie die Kinder… Weiterlesen »

Juno
Juno
5. März 2017 20:26

Tjaaa…die alleinerziehenden Mütter (und es waren nur Mütter), die ich so im Laufe meiner eigenen Alleinerzieherinnenkarriere kennenlernte, wären schon in Jubelstimmung herumgelaufen, wenn sich der Vater a) sich mehr als sporadisch an Absprachen gehalten hätte, b) sich mehr als höchst sporadisch für das Kind interessiert hätte. Belastbarer Partner, um dem Kind den Alltag gut zu gestalten, war sowieso keiner, von den Freuden des Wechselmodells ganz zu schweigen.
Aber vielleicht haben sich die Zeiten (und Väter) geändert, mein Kind ist seit einigen Jahren volljährig.

Lothar
Lothar
7. März 2017 10:54
Antwort  Juno

Ist es nicht so, dass in der Regel die Mutter Betreuungsunterhalt und der Vater Barunterhalt leisten?

Katja
Katja
6. März 2017 19:49

Also ehrlich gesagt wird mir Angst und Bang was da auf die kommende Frauengeneration noch zukommt. Wie wärs denn wenn man sich gleich vom Zeitpunkt der Zeugung an aufs Wechselmodell einigt? Immer schön 50 : 50. Ach das sieht die Natur nicht vor? Wir tragen das 10 Monate Kind aus, wir säugen es, und wenn es aus dem Gröbsten raus ist kommt der Vater und entreißt der Mutter den 13 jährigen Sohn (siehe Urteil)…eventuell nur damit er keinen Unterhalt mehr beisteuern muss. Hier sprechen die Zahlen aus der Bertelsmannstudie für sich, nach der 40 % der Männer ihrer Unterhaltsverpflichtung nicht… Weiterlesen »

Fabs
Fabs
7. Oktober 2017 02:01
Antwort  Katja

Katja, ich habe einen guten Rat: wenn Sie solche Sorgen haben nicht genug Unterhalt zu bekommen, weil das WM greift, gehen Sie arbeiten! Meine Tochter lebt mit mir im WM und ich komme finanziell super klar. Ich bin nicht reich, aber ich gehöre zu den besser verdienenden. Das hat viel mit Ausbildung zutun und der richtigen Berufswahl und absolut nichts mit dem, was Sie schreiben. Wer sich natürlich durch immense DDT Unterhaltszahlungen daran gewöhnt versorgt zu werden und irgendwann keinen Bock mehr hat selbstverantwortlich zu arbeiten, der will natürlich niemals aufgescheucht werden und wehrt sich gegen das WM das womöglich… Weiterlesen »

Nachdenklich
Nachdenklich
7. März 2017 20:10

Schön, dass die Diskussion etwas Fahrt aufnimmt. Um vorwärts zu kommen, muss man auch mal provozieren und die Gedanken etwas steil gehen lassen. Ganz klar sollten die Befindlichkeiten der Kinder berücksichtigt werden, insofern ist das WM nicht in jedem Fall geeignet. Was die Studien bezüglich der Unterhaltszahlung der Väter betrifft, diese berücksichtigen leider meistens nicht, dass viele Väter finanziell nicht in der Lage sind, den Unterhalt entsprechend aufzubringen. Aber das plakative Ergebnis passt so schön ins Bild. Nachdenklich macht mich, dass, wie hier im Kommentar, das Austragen und das Stillen der Kinder als eine besonders heroische Leistung der Mutter betrachtet… Weiterlesen »

Katja
Katja
9. März 2017 22:37
Antwort  Nachdenklich

Hallo Herr Nachdenklich, von heroischer Leistung in Bezug auf ein Kind austragen und Stillen war nicht die Rede. Ich habe diese Tatsache einfach nur erwähnt und es ist Fakt, dass ein Frau auch schon zum Zeitpunkt der Geburt ungleich mehr Energie in Ihr Kind investiert hat als der Vater. Daraufhin folgt das erste Jahr, dass zwar sehr schön aber gleichzeitig auch sehr kräftezehrend ist. Es ist das Natürlichste und Normalste von der Welt, stellt aber dennoch eine Leistung dar. Symptomatisch erscheint mir, dass frau das nicht mal erwähnen darf. Ich argwöhne außerdem, würden Männer die Kinder gebären, dann hätten sie… Weiterlesen »

MaMo
MaMo
8. März 2017 17:57

@Nachdenklich, ja, auch mal provozieren ist o.K., so verstehe ich im Grunde auch Christines Artikel hierzu. Aber m.E.n. ist das WM nicht nur „nicht in jedem Fall geeignet“, sondern tatsächlich nur in sehr wenigen bzw. unter sehr engen Voraussetzungen. Und dabei könnte man rein gedanklich sogar mal die finanziellen Belange außer acht lassen. Um also kurz auf Deine Frage einzugehen: In unserem Fall (Kind war übrigens geplant, d.h. Wunschkind von beiden KE, ebenso die paritätische Betreuung, sowie die gemeinsame Erwirtschaftung des Familieneinkommens – weil mir persönlich nicht nur ein präsenter Vater, sondern auch die eigene berufliche/finanzielle Unabhängigkeit schon immer wichtig… Weiterlesen »

Claire
Claire
19. März 2017 21:57

Liebe Christine, ich finde Deinen Umkehrschluss super! Ich hätte mir auch ein Wechselmodell vorstellen können 2009. Die ersten 2-3 Jahre hat der Vater meines großen Sohnes ihn noch alle 14 Tage geholt. Dann, nachdem er eine neue Frau kennengelernt hat war es nur noch 1 mal im Monat. In 2014 hat er ihn gar nicht geholt und seit 2015 holt er ihn 3-4 mal im Jahr in den Ferien. So ist ist das. Und wenn ich es könnte, würde ich den Vater dazu „verdonnern“, sein Kind weiter zu sehen, denn er hat Sehnsucht nach seinem Vater. Aber deswegen wurde das… Weiterlesen »

Solarmon
Solarmon
3. April 2017 18:50

Das Urteil sehe ich auch mit sehr gemischten Gefühlen; der BGH stellt auch in dieser neuen Entscheidung nach wie vor das Kindeswohl ins Zentrum der Überlegung, aber gerade das geht ja in der Praxis so häufig schief, auch in dem Ausgangsfall: Das Gericht kapierts nicht, oder kann halt einfach nicht in den kleinen Menschen und sein Leben reinschauen. Bei mir gleiten Jugentämtlerinnen, Richter, Mediatoren fast sofort in eine reine Verhandlungsebene zwischen den Eltern ab, immer unausgesprochen die Folgerung, wenns für die Eltern passt, gehts auch für das Kind. Wechselmodell wird einem meistens als Heilbringer angeboten, das legt ja den Streit… Weiterlesen »

Anonym
Anonym
9. April 2017 09:53

Liebe Christine, Deine Überlegungen mit Umkehrschluss nach dem BGH Urteil hatte ich auch sofort! Kurze Anmerkung zur fehlenden Kindesanhörung: das OLG holt nie selbst die Fehler der Vorinstanz nach sondern verweist zurück, in dem es dem AG mitteilt, sie müssen die Kindesanhörung nachholen. Also die fällt hier nicht flach, sondern muss nur von der Ausgangsinstanz „repariert“ werden. Zum Rest: BGH Urteil Anordnung des WM gegen den Willen eines Elternteils: Ich halte deine Fallkonstellation: Hauptbetreuende will WM um selbst mehr arbeiten zu können und die Betreuungslast (die ja nicht entlohnt wird) nicht mehr alleine tragen zu müssen für die sehr viel… Weiterlesen »

Sportpapi
Sportpapi
21. April 2017 13:56

Habe ich das richtig verstanden, dass erklärt wird, dass das Kind in der Regel der Mutter zur Obhut übergeben wird, ob diese nun will oder nicht? Und eigentlich will sie vielfach auch nicht wirklich? Dann wäre die Lösung ja einfach. Wenn eine Mutter das Wechselmodel ablehnt, sollte geprüft (und allenfalls angeordnet) werden, ob die Obhut zum Vater wechseln könnte. Dann hätte die Mutter mehr Freiheit, die Kinder wären in der gleichen Situation wie bisher (Wochenend-Elternteil), und der Vater hätte den erwünschten Umgang. Wenn es so ist, wie hier immer wieder angetönt, dass Väter sich um die Verantwortung drücken, dann wäre… Weiterlesen »

Sportpapi
Sportpapi
23. April 2017 15:18

Das heisst also, die Mutter bekommt das Kind. Obwohl sie eigentlich gar nicht möchte. Und auch wenn der Vater bereit wäre, das Kind zu sich zu nehmen?
Ich kenne ja nur die Verhältnisse in der Schweiz. Und da hat die Zuteilung der Obhut, heisst da so, sehr viel mit dem Geschlecht zu tun. Und mancher Vater wäre im Streitfall froh, er könnte das Kind zu sich nehmen, wenn es doch für die Mutter vor allem Belastung darstellt (aber einverstanden, viele Väter wären dazu auch nicht bereit).

Markus
Markus
8. Mai 2017 18:44

Ja, es sollte eine Beratungsform geben, bei der es das Ziel ist, auch auf bisher betreuungsunwillige Elternteile einzuwirken. Also z.B.: Ein hauptsächlich betreuender Vater (weg mit dem Begriff „Alleinerziehend“) will die bisher betreuungsunwillige oder nicht in vollem Ausmaß betreuungsfähige Mutter zur Betreuung der Kinder heranziehen => Beratung durch das Jugendamt, mit dem Ziel, diese herzustellen. In der weiteren Folge halte ich es allerdings für unwahrscheinlich, daß ein Vater die Kinder an eine Mutter zur Betreuung geben will, die das anhaltend ableht, oder dazu trotz bereitgestellter Hilfen nicht in der Lage ist. Wird die Gewichtung von Betreuungsanteil (auch Unterhalt) und Unterhalt… Weiterlesen »

Markus
Markus
22. Mai 2017 11:46

Hallo, Ich hoffe, sie äußern das nicht in dem Sinne einer „Aufrechnung“ von Nachteiligem und Vorteiligem. Diese Haltung habe ich in Umgangsstreitigkeiten vielfach erlebt. Da wird garnichts gegönnt und gefeilscht was das Zeug hält. Dann bin ich bei ihnen. Ja, der Druck auf sich entziehende Väter und Mütter sollte steigen. Benennt Umgangsrecht in Umgangspflicht um und Sorgerecht in Sorgepflicht. Und das Wechselmodel in Deutschland könnte den Rest leisten. Wenns erstmal Gang und Gäbe ist, daß Trennungseltern die Kinderbetreuung GEMEINSAM leisten, wird sich ein Elternteil, der das nicht unterstützt ein paar Fragen gefallen lassen müssen….. Mehr werden sie nicht erreichen. Denn… Weiterlesen »

Markus
Markus
22. Mai 2017 12:08

Und bevor ichs vergesse :

Ich weiß nicht, wie denkende Menschen immer noch auf die Idee kommen können, das Wechselmodell könne dazu verhelfen, Unterhalt „einzusparen“
Während die Kinder bei ihrem Elternteil sind muß dieser selbstverständlich :
– für ihren Lebensunterhalt aufkommen
– eine passende Wohnsituation schaffen und bezahlen
– die Kinderbetreuung leisten
Das ist Unterhalt !
Im Residenzmodell ist der „Alleinerziehende“ übrigens auch unterhaltspflichtig. Nur eben nicht barunterhaltspflichtig, sondern Naturalunterhaltspflichtig.

Wer also auf die Idee verfällt, das Wechselmodell könne ein Unterhaltssparmodell sein, wird böse aufwachen…..

Anke B.
Anke B.
23. Mai 2017 22:44

Hallo zusammen, ich habe sehr interessiert eure Kommentare und Diskussionen gelesen. In meinem Verwandten- und Bekanntenkreis werden verschiedene Lösungen gelebt. In einem Fall wurden sogar die Großeltern miteinbezogen, damit es dem Kind gut geht. Vielleicht auch eine denkbare Variante, um dem Kind aus Sicht des Kindeswohls den ständigen Streit zu ersparen und eine geeignete Ausweichmöglichkeit zu bieten. Zumindest klappt diese Variante bis zum Eintritt in die Schule. Auch ist es leider so, dass die Eltern keine Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft zeigen oder entwickeln wollen. Die Gründe mögen in den über Jahre entwickelten Vorbehalte des Expartners liegen. Wichtig ist in jedem Fall,… Weiterlesen »

Ange Lina
Ange Lina
6. Oktober 2017 07:08

Danke für diesen perfekten Artikel!!! Er beinhaltet ganz genau das, was ich seit 4 Jahren bemängele und diskutiere. Leider hab ich mich bezüglich dieses Themas in der Kleinstadt, in der ich wohne, immer sehr wie eine Außerirdische gefühlt. Sogar Alleinerziehende Frauen, mit denen ich das Thema ansprach, waren entsetzt über meine Meinung. Was mir blieb, war Ausgrenzung und Verachtung, bestenfalls peinliches Schweigen. Da sieht man mal wie viele Frauen, ihr Schicksal einfach hinnehmen und sich überhaupt keine Gedanken zu Gleichberechtigung oder zu wahllos bestimmenden Gesetzen machen. Ich habe jedenfalls leider diese bittere Erfahrung machen müssen und freue mich deshalb umso… Weiterlesen »

Fabs
Fabs
7. Oktober 2017 01:20

Es sind nicht 90% Alleinerziehende Frauen, weil in 90% der Fälle Männer das Wechselmodell nicht wollen, sondern weil Frauen meistens nicht wollen, dass Männer oder Kinder es wollen und weil dieser Grundsatz (das Kind gehört doch zur Mutter!“) vieler, die dieses Muttermachtprivileg schützen möchten (noch) die die Oberhand hat. Dieses Privileg bedeutet Geld, Narzismus, in manchen Fällen uneingeschränkter Partnerersatz auf Kosten des / der Kinder, vermeintliche öffentliche Anerkennung (meine haben die nicht, die Vätern gegen den Willen der Kinder und Väter das WM verweigern oder die den Kindern um zu erreichen, dass die Kinder es nicht wollen negatives zum Vater… Weiterlesen »

trackback
Warum das Wechselmodell als Standard großer Mist ist
25. September 2019 12:35

[…] Hier im Blog: Wechselmodell – auch, wenn Papa* es nicht will? […]