12 ketzerische Tipps, um eine Autofahrt mit Kindern zu überleben

Christian vom Familienbetrieb Blog berichtet gerade über seine Fahrt in den Familienurlaub in die Bretagne. Und davon, dass im Radio ein Beitrag lief, in dem betont wurde, wie wichtig es sei, den Kindern auf Reisen Obst und Wasser zu reichen, während er gerade Apfelschorle und Kekse verteilte.

Ein Kicheranfall schüttelte mich. Denn als dreifache Mutter habe ich auf Reisen alles durch. Vom schreienden Baby in der Babyschale auf dem Rücksitz bis hin zu sich an den Haaren ziehenden Kita- und Grundschulkindern auf 4 Quadratmetern Kleinstwagen. Und nach 15 Jahren Autofahren mit wachsender und auch älter werdender Kinderschaar präsentiere ich die ultimativen, ketzerischen Tipps für wirklich entspanntes Reisen mit Kindern:

Autofahrt mit Kind
© Anthonycz Fotolia
  1. Ohropax mitehmen, falls du Beifahrer bist (als Fahrer geht das leider nicht, auch wenn es wünschenswert wäre).
  2. Den CD-Player schrotten, indem du 2 CDs auf einmal reinsteckst, die nicht mehr herausgehen. So gibt es auch keinen Streit zwischen den Kindern darüber, was gehört wird auf der Fahrt. Und dir bleibt stundenlanges Gedudel nerviger Kindermusik oder beliebten Charakteren aus der Welt der Kinder CDs erspart.
  3. Beim Besuch der Autowaschanlage die verrostete Autoantenne abbrechen, die man eigentlich abschrauben wollte. Nun empfängt das Autoradio nur noch Deutschlandradio Kultur und Klassiksender.
  4. Ehemann/Ehefrau verlassen oder zuhause lassen. Alleine mit den Kindern im Auto gibt’s nicht auch noch Streit zwischen den Erwachsenen über das Benehmen der Kinder und wie das zu regeln sei.
  5. Als Proviant reichlich Stapelchips und einzeln auszuwickelnde Kaubonbons einkaufen, die es sonst zuhause nicht gibt. Zaubert nebenbei angenehmen Sour Cream Duft in den Wagen.
  6. Geeignete Getränke sind solche, deren Kauf man sonst im Supermarkt immer mit den Worten “Das ist viel zu teuer und nur eine anders verpackte Saftschorle!” ablehnt, also welche mit Saug-Trinkverschluss, in die Trinktüte zu pieksendem Strohhalm oder kleine Tetrapacks. Hauptsache, bunt und mit Merchandisingfiguren drauf.
  7. Alles an verfügbaren elektronischen Unterhaltungsgeräten, was irgend geht, einpacken. Hier bieten sich Handys an, Tablets, oder auch I-Pods, falls vorhanden. Aber für jedes Kind eins, sonst gibt es Raufereien.
  8. Bestechung mit neuem Spielzeug: vor der Reise im Spielzeugladen vorbeischauen und etwas kaufen, von dem man weiß, dass es das Kind verzücken und beschäftigen wird. Ausgepackt wird erst während der Fahrt, frühestens beim Erreichen der Stadtgrenze.
  9. Unbedingt kleine Nackenkissen und Decken mitnehmen, damit sich die Kinder diese bei garantiert aufkommenden Aggressionen um die Ohren hauen können. Besser eine Kissenschlacht im Auto als gegenseitiges an den Haaren ziehen.
  10. Kippt die Stimmung, ankündigen, man halte beim nächsten McDings oder BurgerQueen, falls sich alle benehmen. Und zwar nur dann. Und auch, wenn eigentlich alle satt sind, weil sie schon so viel Süßigkeiten und Chips gegessen haben. Aber aufs Klo werden die Kinder sowieso müssen.
  11. Wenn gar nichts mehr geht, ein Eis an der nächsten Autobahntankstelle versprechen. Es wird dann die übernächste, da kann man schonmal eine Ausfahrt übersehen, um Zeit zu schinden. Trotz der horrenden Preise eine gute Investition, die für 30 Minuten Ruhe schafft (Zeitberechnung inklusive Aufessen).
  12. Als allerletztes Mittel der Wahl hat sich die glaubhafte Ansage :”Wenn Ihr jetzt nicht aufhört, zu streiten und zu quengeln, verreise ich nie wieder mit euch!” bewährt. Pädagogisch völlig inkorrekt, aber authentisch. Insbesondere, wenn man dann wirklich 2 Jahre lang nicht mehr mit den Kindern verreist. DAS ist übrigens am entspannendsten.
Tacho
Huch, schon so weit?

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Autorin, Texterin und alleinerziehende Mutter von 3en. Spezialisiert auf Kinderbücher, Vereinbarkeit Familie/Beruf, Alleinerziehende. Seit 2014 auch Stadträtin in Konstanz.

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23 Kommentare auf "12 ketzerische Tipps, um eine Autofahrt mit Kindern zu überleben"

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Mama notes
Gast

Großartig inkorrekt und authentisch. Ganz ehrlich, SO läuft es doch. Wer ist denn bitte so blöd (sorry) und reicht nur Obst und Gemüse nebst Wasser? *kopfschüttel*
Aber ich bin auch noch nicht so oft mit Kinder weit verreist. Als sie klein waren, haben sie zum Glück auf längeren Strecken immer geschlafen. Habe die Reisezeit dem Schlafrhytmus angepasst.

Catharina
Gast

Sehr schön! Fehlt nur noch 13. Niemals, niemals, niemals anhalten, wenn die Kinder eingeschlafen sind. Auch nicht, wenn man selbst schon seit 150 km zur Toilette muss.

Gerlinde
Gast

Genau so ist es. :-D

Tina vom Tulpentopf
Gast

Sich vom Handy navigieren lassen, auch wenn man die Strecke schon auswendig einstudiert hat. Und so platzieren, dass die Kinder während der Fahrt draufschauen können. So kann die Tochter (8) die Frage beantworten, wie lange es noch dauert und der Junior (6) darf bescheid sagen, wann wir abbiegen müssen.
Mache ich sogar bei altbekannten Wegen ab einer halben Stunde Fahrt. letzten Winter ertönte dann von hinten ein “Sie haben den Bestimmungsort erreicht”, als die kleine Zielflagge auf dem Display erschien.
Klugscheißen macht offensichtlich Spaß.

Sabine
Gast

Höhö, Obst und Wasser während einer langen Urlaubsreise für die Kinder? Der Vorschlag kommt anscheinend von einer Person, die noch keine lange Fahrt mit Kindern erlebt hat. Meine Töchter würden mich nur entgeistert ansehen, freuen sie sich doch schon das ganze Jahr darauf, bis zur Ohnmacht DVDs zu schauen, Nintendo zu spielen und Chips in sich reinzustopfen ?.
LG, Sabine.

Ela
Gast

Ich habe auch ein paar traumatische Erinnerungen an Autofahrten mit sich streitenden Kindern. Einmal habe ich ein Spielzeug aus dem Fenster geworden, um das sie sich stritten. Aber ich denke, das geht nicht als Tipp durch. :) Aber etwas Gutes hat die Sache: Ich bin geübt darin, die “Ohren nach innen zu klappen”, was mir heute im Home Office zugute kommt. :)

Susi
Gast
Herrlich, liebe Christine! Da kommen Erinnerungen hoch! Ich erinnere mich noch sehr gut an das “Spezialessen” mit Getränken… an den vollen Rucksack neben mir bei der Fahrt zu dritt nach Bremen, dem gezielten Essenswurf nach hinten und dann später an die gut platzierten Tupperboxen in den Seitentaschen. Sehr schön, wenn die Kinder die dann selbst öffnen können! Der DVD Player ist nur bedingt tauglich – 2 Bildschirme aber nur 1 Film. Aber bei zwei Kindern auf dem Rücksitz kann ich die grosse Kühlbox in der Mitte angeschnallt empfehlen: man kommt als Beifahrer noch ran, sie trennt die Kinder und man… Read more »
noch ne Mama
Gast

Saft, den es sonst nicht gibt? Nun ja. Mein Sohn mochte den immer gerne und hat getrunken, bis alles wieder hochkam. Tetra Pak mit oder ohne Strohhalm? Sehr beliebt. Spritzt fast so gut wie eine Wasserpistole. “Mama guck mal, das Taschentuch klebt am Fenster…”

Box in der Mitte? “Mama, der X hat die eben 2 mm zu weit auf meine Seite geschoben und seine Haare sind auch eindeutig bei mir!!”
Inzwischen tendiere ich zu Ohropax. Das nächste Auto wird eines mit Trennscheibe zwischen den Reihen…

Und in 20 Jahren schwärme ich dann von den schönen Familienurlauben damals…

suzie
Gast

Ich muss mal eine Lanze fürs Obst brechen. Wir nehmen immer Möhren, Gurken und Kohlrabi mit, weil das Kind da so schön lange knabbern kann… Manchmal auch Heidelbeeren, weil jede Beere einzeln und sorgfältig heraus gepickt wird. Da kann ich mich aber nicht ganz so entspannen, weil´s beim runterfallen unangenehme Flecken macht. Bei ganz langen Fahrten gibt’s ´nen Dauerlutscher… Und diese AquaDoodle Malstifte sind der Knaller – da wird nichts schmutzig…

Rosalie
Gast

Ich nehme immer Kopfhörer und hör dann im Halbschlaf ein Hörbuch. So kann sich der Mann mit Fahren und Kindern beschäftigen. Find ich total entspannt. Ansonsten ist mein Tipp: Brezeln und Stofftiere.
Wenn ich fahre wird immer der Mann hinten zwischen die Kinder gesetzt. Funktioniert auch gut. Kann ich beim Fahren Hörbuch genießen, während die da hinten irgendwas anstellen.

Und der ultimative Tipp: Überhaupt gar niemals durch den Elbtunnel fahren! Egal wohin man will, das ist zur Urlaubszeit IMMER tödlich!

Monika
Gast

Für jedes Kind einen Rucksack packen. Mit den Spielsachen, Bilder-/Pixi-Büchern, Heften usw., die das ganze Jahr in den untersten Schubladen und hintersten Kinderzimmer-Ecken vergessen vor sich hin gestaubt haben. Die Freude über die wiederentdeckten Schätze ist groß und die Kinder sind erstaunlich lange beschäftigt! Wenn man Glück hat, denken die Kinder sogar, dass Mama die Sachen alle neu gekauft hat und ich kann mich den Rest der Fahrt über den Titel “Beste Mama der Welt” freuen! :-)

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[…] Fahrten mit dem irgendwann nicht mehr ganz so lieben Nachwuchs übersteht, gibt es bei ‚Mama arbeitet‘ und bei ‚Frau […]

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[…] Fahrten mit dem irgendwann nicht mehr ganz so lieben Nachwuchs übersteht, gibt es bei ‚Mama arbeitet‘ und bei ‚Frau […]

DieMama
Gast

“Zaubert nebenbei angenehmen Sour Cream Duft in den Wagen.” ;-) Mein anfängliches Schmunzeln verwandelte sich schnell in feuchte Augen! Die Punkte sind sowas von aus dem echten Leben! Wie schnell man hier seine sonst so festen Prinzipien über den Haufen wirft ist schon erstaunlich. Und das schönste ist am Tag der Anreise schon mit aufgestellten Nackenhaaren an die Heimfahrt zu denken…

Krümel
Gast

Oh man… ja so ein Ausflug kann ganz schön anstrengend sein. Toll geschrieben, musste ganz schön schmunzeln.

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