Impressionen aus dem Urlaub einer Alleinerziehenden

Das war jetzt mein dritter Anlauf, mit den Kindern Erholung zu suchen – und diesmal haben wir sie zumindest teilweise auch gefunden. Für die Kinder war es toll, das Wetter war bombastisch (mir wurde so warm, dass ich in der Ostsee schwimmen ging!), und trotz der 934 Kilometer Autofahrt vom einen Ende der Republik zum anderen fand ich die Reise überhaupt nicht beschwerlich. Im Gegenteil, die Reise war für mich das Schönste.

Ich bin gerne unterwegs, mit jeglichem Verkehrsmittel. Auf meine Kinder scheint das abzufärben, und darüber freue ich mich. Bis auf diverses Hickhack auf den Rückbänken und enorme Krümelmengen, die ich heute aus dem Auto staubsaugte, gab’s nix zu bemängeln – und da wir für unsere 10 Tage Aufenthalt am Urlaubsort 4 Reisetage eingeplant hatten, die mit Übernachtungen bei netter Verwandtschaft verbunden waren, schien mir die Strecke gar nicht so weit.

Eines jedoch will ich ganz klar sagen: Erholung ist so ein Urlaub für eine Alleinerziehende nicht. Ich hatte die Kinder 2 Wochen zu Hause und 2 Wochen im Urlaub rund um die Uhr um mich, bis auf kleine Pausen, in denen sie mit Freunden spielten oder von Oma und Opa am Strand bespasst wurden. Meine Eltern waren im Appartment neben uns und haben uns das Geld für den Sommerurlaub freundlicherweise vorgestreckt, sonst hätte ich mir das gar nicht leisten können.

Weil das jetzt klingt wie Luxusjammern, hole ich etwas aus: meine Eltern sind nicht besonders erpicht aufs Babysitten, und weit über 70. Sie sind nette Gesellschaft, helfen mir, wo nötig, und genießen ansonsten ihr Leben – da die Jüngste in den letzten Wochen eine extreme Trotzphase eingelegt hat und der Sohn sich auch nicht immer von der besten Seite zeigt, wenn ihm langweilig ist, haben sie dafür mein volles Verständnis. Ich bin also, wie immer, quasi rund um die Uhr für die Kinder zuständig.

Wenn Kindergartenferien sind, wird die Zeit lang – sehr lang. Ich gehe jedes Mal auf dem Zahnfleisch, wenn sich meine Kinder daheim langweilen, weil „alle“ im Urlaub sind. Und so bin ich auch in diesen Sommerferien ausnehmend froh, dass der Alltag wieder einkehrt. Im Prinzip bräuchte ich jetzt Urlaub, denn ich fühle mich geschlaucht. Als Alleinerziehende muss ich mich erholen, während der Alltag läuft und mir der Kindergarten den Rücken freihält, und nebenbei arbeite ich. Auch die Arbeit empfinde ich als Erholung, denn da kann ich mich wenigstens auf etwas konzentrieren und gerate bestenfalls in einen Flow. Kennt Ihr erholsameres als einen Flow? Ich nicht.

Doch, vielleicht das angenehme Gefühl, so rein gar nichts zu tun zu haben, an einem etwas kühleren Urlaubstag. An dem man sich mit einem guten Buch, das man schon lange lesen wollte, ins Bett legt. Ein Kind zum Kuscheln direkt nebendran, und die Müdigkeit steckt an – warum nicht einen kleinen Mittagsschlaf bis zum Abendessen machen?

An Tag 10 des Strandurlaubes war ich immerhin so entspannt, dass ich mir Buch und Bett gönnte. Das war besser als im Italienurlaub vor einem Jahr und viel, viel besser als in der Kur im Winter.

Ein guter Urlaub also, auch wenn Alleinerziehende nie frei haben und abends, wenn die Kinder schlafen (die Jüngste war wegen der vielen frischen Luft und Sonne ab 19 Uhr platt) an die Ferienwohnung gefesselt sind. Ein Gefängnis mit Aussicht, Meeresrauschen und vergnügten Kindern. Und braun bin ich auch geworden, wie seit Kinderzeiten nicht mehr (dochdoch, ich benutze Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor!). Es war also den Umständen entsprechend ein sehr guter Urlaub. Ich bin zufrieden, aber total erledigt.

Linktipps innerhalb des Blogs:

Eine Italienreise und was wir daraus lernen

Mutter-Kind-Kur: So war’s

Long Train Running – Fernweh

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Mia
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Mia

Meine Hochachtung! Ich hatte gerade 1 Woche Urlaub mit nur einem Kind und einem weiteren Erziehungsberechtigtem und bin nicht wirklich erholt. Ich hätte so gerne mal ausgeschlafen oder den ganzen Tag gelesen. Aber mein Urlaub ist ja gegen deinen so, als wären bei dir noch zwei komplette Elternpaare mitgefahren!! :-) Toll, dass es für euch ein schöner Urlaub war! Liebe Grüße, Mia

Anke
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Anke

Ich kann Dir so gut nachfühlen, wie kaputt Du bist. Ja, wir waren auch zu dritt an der Ostsee. Bei meiner 70-jährigen Patentante, die uns sogar früh 8 Uhr einen gedeckten Frühstückstisch präsentierte, mit Blütenblättern ringsum unsere Teller… Gegen 19 uhr gab es dann bei ihr auch Abendbrot und sie bestand darauf, den Tisch allein zu decken und nahm auch sonst keine Hilfe an. Meine Eltern trafen wir jeden Tag am Strand, und wir plantschten zu fünft, spielten Wasserball, machten Handstand unter Wasser und ruderten mit dem Gummiboot. Abends fand ich mich mit meiner Patentante allein am Bodden ein, es… Weiterlesen »

Susi
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Susi

Auch nicht schlecht: 1 1/2 Wochen mit 4 Kindern in der Ferienwohnung, Abends kochen für 7 Personen (Schwester und Freund wohnen unter der FeWo). Aber wenigstens waren die Kids viel auf dem Bauernhof unterwegs und ich konnte zwischendurch einmal abschalten. Da war dann die Erholung vom 2wöchigen Familienurlaub zuvor etwas weg … war trotzdem schön! Besonderer Spass war die erschöpfte kinderlose Schwester, die von den 4 Kids (Alter 9 – 15) gestresst war und trotz Bekocht-werdens erleichtert war, als wir wieder gingen ;-) Mitleid konnte ich keines entwickeln.

Julia
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Julia

Ein sehr interessanter und informativer Beitrag.
Ich kann das so gut nachvollziehen, wir (2 Mütter jeweils mit ihrem Sohn) waren letztes Jahr in einer Ferienwohnung an der Ostsee. Unser Glück, das unsere Söhne bereits beide schon etwas älter sind, sodass sie sich selbst beschäftigen konnten und unsere Erholung etwas mehr zu sein schien als bei Dir. Dennoch wären zwei Erziehungsberechtigte mehr angenehmer gewesen. Naja, man sollte Dir trotzdem hohen Respekt zollen, mit drei Kindern.
Toller Blog, weiter so!!!

fee
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fee

Sag mal warum schickst du deine Kinder nicht mal in ein Ferienlager. Ich war als Kind praktisch in jeden Schulferien (Frühling, Sommer, Herbst) in einem Ferienlager. Mir hat das immer wirklich gut gefallen. Und je nach Organisation ist das wirklich nichts Teures. Ausserdem gibt es für Familien, die sich das nicht leisten können meist unterstütze Plätze.

C. N.
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C. N.

Liebe Christine, auf der Suche nach Fördermitteln lande ich auf deiner Site. Genau wegen deiner Urlaubserfahrung, die auch ich und so viele andere alleinerziehende Mamas machen, möchte ich eine Wochenend-Freizeit anbieten, allerdings ohne Kinder. Das kostet ziemlich viel und Fördermittel gibt es nur, wenn die Kinder mitkommen. ABER: Erholung braucht Mama! Und die bekommt sie am Besten, wenn Sie verwöhnt wird, Zeit für sich und gute Angebote hat! Meine 3 Jungs (13, 10 und 6 Jahre alt) und ich fahren fast jährlich zu einer Familienfreizeit an denselben Ort, wo wir jeder jemanden kennen und uns wohlfühlen. Gutes Kinderprogramm und mal… Weiterlesen »