Mutter-Kind-Kur: So war’s

Das Personal war nett. Ich fange mal mit dem Positiven an – dann bekommen Sie nicht den (falschen!) Eindruck, ich sei eine ewig unzufriedene Meckerziege. Und es gab eine gute Psychologin, die in den drei Einzelgesprächen, die wir hatten, ein paar Gedanken in mir angestoßen hat. Ach, und den Kindern hat es sehr gut gefallen! Schade nur, dass sie als Begleitpersonen in der Kur waren, und ich theoretisch hätte die Hauptrolle spielen sollen.

Drei Wochen lang haben wir auf geschätzten 15 m2 gewohnt, immerhin mit Fernseher im Zimmer und kleiner Kochnische. Meine Sprösslinge haben es geliebt, gemeinsam in einem 4-Bett-Zimmer zu schlafen, und gleichzeitig mit mir gegen 21:15 Uhr ins Bett zu gehen. Auch den Kinderclub fanden sie toll, jedes Kind war in einer anderen Gruppe mit Gleichaltrigen, wo sie schnell Anschluss fanden und so für sie ein Jugendherbergs-Feeling aufkam, das ich auch noch aus meiner Jugend kenne. Leider sahen auch die Räumlichkeiten dementsprechend „unkuschelig“ aus – ist ja immerhin eine Klinik, so eine Mutter-Kind-Kur-Institution.

Morgens frühstückten wir in einem großen Speisesaal, in dem es naturgemäß sehr laut zuging, mittags – konkret um 11:15, wenn ich sonst frühstücke – durfte ich ohne Kinder essen (Heureka! So praktiziere ich das zuhause bewusst, um mehr als drei Hapse am Stück essen zu können und den Kaffee warm zu trinken), und abends zur besten Kaffee-und-Kuchen-Zeit, um 17:15, wurde Abendbrot am Buffet serviert. Das war ein Hauen und Stechen wie ich es selbst in einem günstigen All-Inclusive-Urlaub in Tunesien vor 10 Jahren nicht erlebt habe. Sehr appetitkillend.

Für eine Frau, die es gewohnt ist, um 20 Uhr in Ruhe ein warmes, deftiges Mahl zu verspeisen, ist das sehr gewöhnungsbedürftig. Nun bin ich klein und zierlich – im Gegensatz zu gut 90% der Mitpatientinnen, die ich traf. Die Küche hatte sich auf fettarme Kost spezialisiert, so dass ich nach drei Tagen Aufenthalts jede Nacht mit knurrendem Magen aufwachte und um ein Gespräch bat, woraufhin mir eine Extraportion „hyperkalorisches“ Essen zugedacht wurde. Wie gesagt, das Personal war bemüht – an ihnen hat es nicht gelegen, dass ich von meiner Kur sehr enttäuscht war.

Vielleicht war es zu viel erwartet, zu glauben, die Krankenkasse lese die etwa 50 Seiten, die ich für den Kurantrag ausfüllen musste, tatsächlich? Dass ich keine Rückenprobleme habe, nicht übergewichtig bin, und Sport kein Neuland für mich ist, ging klar aus meinen Kreuzchen und Antworten hervor. Nein, Erholung nach einer schwierigen Trennung und nicht minder schwierigen Ehe wollte ich finden. Unter Gleichgesinnten sein.

Gelernt habe ich stattdessen folgendes: Ich falle aus dem Rahmen (okay, das wusste ich bereits), es gibt einen Haufen netter Menschen, mit denen ich so rein gar nichts anfangen kann, und Nichtstun ist mir ein Gräuel. Wie anstrengend es ist, sich auszuruhen, hat mich schockiert. Wie machen andere Leute das!? Vor lauter Ausruh-Stress bekam ich eine heftige Zwischenblutung (liebe männliche Leser, nicht erschrecken, ist gleich vorbei). Qi Gong macht mich aggressiv und verursacht mir Übelkeit, und Aquatraining im 15-Meter-Schwimmbad ist für ehemalige Leistungsschwimmer ein Scherz.

Kurz: Ich hätte etwas anderes gebraucht. Aber das macht nichts, weil ich ja jederzeit die Kur hätte abbrechen können und es nicht tat, der Kinder wegen. Ich habe sie als das betrachtet, was sie offiziell nicht sein soll: Ein Urlaub auf Kosten der Krankenkasse. Spartanisch zwar, aber besser als Camping.

Und für meine Wohnungssuche habe ich eine wichtige Erkenntnis mitgenommen: Wer es auf engstem Raum mit drei quirligen Kindern aushält, kann gut auf 90 m2 leben. Zuhause ist es am schönsten reloaded, spricht die ehemalige Weltenbummlerin. Das gibt auch Kraft und verändert die Perspektive! :)

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Mitsue KonoMama arbeitetA.TrautImpressionen: Am Tag vor dem UmzugClaudia Letzte Kommentartoren
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Ingrid Münkel
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Ingrid Münkel

Oh Mann, da macht man sich die Mühe und füllt den ganzen Quatsch aus mit der Hoffnung, dass man da hinkommt, wo einem der >Aufenthalt auch etwas bringt und dann so ein Reinfall. Jetzt wird klar, warum unser Gesundheitswesen unter anderem so teuer ist, wegen den ganzen Fehlentscheidungen und Prunkpalästen, wo unfähige Mitarbeiter sitzen und unqualifizierte Entscheidungen treffen, Nicht zu vergessen die inkompetenten Oberen, die dies absegnen. Und das alles auf Kosten und zu Lasten der beitragszahlenden Menschen. Naja, wenigstens ein bischen Licht in das Dunkel gebracht, meine liebe Christine. Ich hätte Dir aber wesentlich besseres gewunschen. Trotz allem hoffe… Weiterlesen »

Kaddi
Gast
Kaddi

Hallo liebe Mama-arbeitet! Da ich vor ca einem Jahr auch ein eher trauriges Kurerlebnis hatte, worüber ich auch das www informierte, also auf einem Baby Blog, bin ich auf Deinen Artikel gestossen. (bin über FB hierhergekommen) Bei dieser von Dir beschriebenen Kur denke ich, dass es einfach die falsche Klinik war. Und ja Nichtstun muss man lernen. Das fiel mir auch sehr schwer. Aber als Urlaub habe ich das nicht erlebt und mit zwei kleinen Kindern (und auch dieser Lautstärke beim Essen) war die Erholung eher nicht so im Vordergrund. Schade, dass Du so wenig mitnehmen konntest-ich habe viele tolle… Weiterlesen »

Gabi
Gast
Gabi

Oh, was das Essen angeht, hattest du aber Pech. Ich habe zweimal Mutter-Kind Kur gemacht (die letzte 1999), und das tolle Büffet morgens und abends gehörte zu den Highlights. Mittagessen war auch ok und ausreichend.
Überhaupt habe ich die Kur (an der Ostsee) in bester Erinnerung.

Claudia
Gast
Claudia

Oh weh, irgendwie bin ich gerade verunsichert. Ich hatte eine Sinusthrombose und soll jetzt mit den Kids auf Kur. Irgendwie habe ich gerade den Eindruck, mir würde es daheim besser gehen.

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Impressionen: Am Tag vor dem Umzug

[…] mittels Krankschreibungen, Todesfällen und Autounfällen herauszuzögern versucht. Nicht ich. Aber ich falle ja auch aus dem Rahmen […]

A.Traut
Gast
A.Traut

Guten abend, Gerade sitze ich in meinem spartanischen Zimmer. Lausche irgendeiner Lüftung in diesem hellhörigen Haus in Zwiesel und freue mich endlich mal „abzuschalten“ vom kurstress…da hilft das monotone Rauschen ganz gut. Scherz beiseite. Es ist schrecklich. Laut, hektisch, schlecht geplante/koordinierte anwendungen. Ich beantragte ein ruhiges kleines klinikhaus und bekam, ohne mich entscheiden zu können, eine mittelgrosse Anstalt mit 90 mama s und 200 kindern…spezialisiert auf grossfamilien. Eine Raucherecke direkt neben dem sandkasten. Nicht kleinkindgerecht eingerichtet…etc. Die Situation zu klären und vorzeitig zu beenden, da ich den Therapie erfolg stark anzweifel (ich habe nach einer woche starke stresssymptome, tinitus, herzrasen,schlafstörungen…)… Weiterlesen »

Mitsue Kono
Gast
Mitsue Kono

Liebe Christine, deine Erfahrung ist ganz individuell und orientiert sich sicher auch anhand deiner Persönlichkeit, bzw. Erwartung, Wunsch & Sehnsucht. Eine Kur ist aber keine Geldverschwendung, nur weil jemand innerlich nicht zur Ruhe kommen mag oder kann :-) – So habe ich das zumindest verstanden. Da eine Kur ein medizinisch stationärer Aufenthalt ist, kann man Klinikessen, Zeiten und eine analoge Antmosphäre eigentlich im voraus erwarten. Dennoch gibt es viele Kliniken, die sich Kritiken, wie deine, annehmen und Veränderungen vornehmen, wie z.b. die Mahlzeiten teilweise im Zimmer /Appartment einzunehmen etc., die Kinderbetreuungsangebote anzupassen uvm. Ich bin eine große Befürworterin von Mutter/Kind… Weiterlesen »